BMW Welt Young Artist Jazz Award 2018: Preisträger Martin Brugger feiert mit seinem Quintett „Fazer“ in der Unterfahrt

Jung, tanzversessen und dennoch auch neugierig auf guten alten Jazz – im Falle des Quintetts Fazer von Bassist Martin Brugger natürlich guten modernen Jazz: So kann man das Publikum in der Unterfahrt charakterisieren, das die ehrwürdige Münchener Jazz-Spielstätte vergangenen Freitag bis auf den letzten Platz füllte. Martin Brugger, der Bassist und Komponist, der schon mit Indie-Musik erfolgreich war, der Film- und Werbemusik komponiert und unter dem Namen Occupanther auch Elektro macht, hatte sein junges Club-Publikum mit in die Unterfahrt gebracht.


Anlass waren jedoch nicht Occupanther und elektronische Musik, sondern ein Preisträgerkonzert: Brugger hatte im Sommer den mit 3.000 Euro dotierten BMW Welt Young Artist Jazz Award erhalten – und zusätzlich zwei Gigs, einen in der Unterfahrt und einen bei den Jazztagen Leipzig im Leipziger Kunstkraftwerk am Samstag, den 13.10., im Doppelkonzert mit Michael Wollny, Leafcutter John und Alex Nowitz.

Der BMW Welt Young Artist Jazz Award wird dieses Jahr zum dritten Mal vergeben mit dem Ziel, regionale Nachwuchsmusiker zu fördern. Während beim BMW Welt Jazz Award erfahrene Musiker gegeneinander antreten, möchte man mit dem BMW Welt Young Artist Jazz Award gezielt die Musiker von morgen fördern. Bisherige Preisträger waren 2016 der Pianist Josef Reßle und 2017 die Technojazzband Jazzrausch um Roman Sladek.

Mit Martin Brugger wird abermals ein Protagonist der Münchner Musikszene ausgezeichnet, der für Innovation im Jazz steht. Die ungewöhnliche Instrumentierung mit zwei Drummern, Bassist Martin Brugger, Gitarrist Paul Brändle und Trompeter Matthias Lindermayr ist programmatisch: Die zwei Schlagzeuger Simon Popp und Sebastian Wolfgruber weben komplexe rhythmische Muster. Lindermayr und Brändle wechseln virtuos zwischen Solo und Comping. Aus dieser Kombination von Repetition und feiner Dynamik entsteht eine unmittelbare Energie.

 

Im Folgenden ein Auszug aus der Jurybegründung von Oliver Hochkeppel:

Der 28-jährige Bassist und Multiinstrumentalist Martin Brugger gehört zum verschworenen Zirkel der erfolgreichen jungen Jazzer, die zuletzt aus einigen erstaunlichen Jahrgängen des Jazzinstituts der Münchner Musikhochschule hervorgegangen sind. Während die meisten allerdings über eine klassische Vorbildung und das Jazzstudium zu den neuen musikalischen Mischformen gekommen sind, mit denen sie in Gruppen wie aktuell die deutsche, teilweise auch schon die internationale Szene erobern, ist Brugger sozusagen aus der anderen Richtung dazu gestoßen. Er begann mit 18 als E-Gitarrist in der Indie-Rockband This is the Arrival und verlegte sich dann solo als Occupanther auf die elektronische Musik, ein Projekt, das er ebenso wie ein elektro-akustisches Duo mit Carlos Lipa weiter pflegt.

Um sein Spektrum zu erweitern, und weil Talent alleine nicht reicht, nahm er ein Jazz-Bass-Studium an der Musikhochschule auf. Aus der Besetzung, die er für sein Abschlusskonzert zusammengesucht hatte, ist die Band Fazer entstanden: Mit Paul Brändle an der E-Gitarre, dem bereits mehrfach preisgekrönten Trompeter Matthias Lindenmayr und – wozu ihn ein Auftritt der Freejazz-Ikone Peter Brötzmann mit einem ebenso druckvoll besetzten portugiesischen Rock-Trio inspirierte – gleich den beiden Schlagzeugern Sebastian Wolfgruber und Simon Popp verwebt Brugger songartige Strukturen, die viel Freiraum für Improvisation lassen, mit rhythmischen Geflechten, die in den klassischen Jazz, aber auch nach Westafrika, Lateinamerika oder Indien verweisen. Sein E-Bass steuert die Wendungen subtil und verschafft der Gitarre und der Trompete solistische Freiheit bei der kollektiven Melodieverdichtung. Der in seiner Dynamik und Spannung unverwechselbare Sound führte Fazer 2017 ins Finale des Europäischen Burghausener Nachwuchs-Jazzpreises. Nochmals verfeinert erklingt er auf dem von einem Musikstipendium des Münchner Kulturreferats geförderten, im März dieses Jahres erschienenen Debütalbum „Mara“. Eine von mehreren vielversprechenden Aktivitäten eines auffällig begabten Musikers, die mit der Verleihung des BMW Welt Young Artist Jazz Awards an Martin Brugger weiter gefördert werden soll.“

Fotos: Susanne van Loon

www.jazzclub-leipzig.de, www.bmw-welt.com

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