BMW Welt Jazz Award 2020: Das Quintett von Schlagzeuger Peter Gall bestreitet das vierte Dienstagskonzert

Es begann eine Spur zu akademisch und endete in einem Jazzrausch der Spitzenklasse: Das Konzert des Peter Gall Quintetts mit Musik von dessen neue CD „Paradox Dreambox“ – seiner ersten eigenen Produktion nach der Mitwirkung an über 30 CD-Alben als Mitmusiker. Aus der musikalischen Traumbox stiegen fünf herausragende und international tätige Solisten, die Galls originelle Kompositionen in einem superspannenden Interplay zum Leben erweckten. Fotograf Thomas J. Krebs lieferte für die Jazzzeitung eine inspirierte Fotogalerie. Eine Kritik zum Konzert lesen Sie unter www.nmz.de

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Adam Baldych. Foto: TJ Krebs

BMW Welt Jazz Award 2020: Das Quartett von Jazzgeiger Adam Baldych bestreitet das dritte Dienstagskonzert

Das Instrument Geige führte viele Jahre ein Schattendasein im Jazz. Das hat sich längst geändert, und immer neue Stimmen geben diesem Streichinstrument, das wie kein zweites für Klassik, Hochkultur und Virtuosität steht, eine Heimat im Bereich des modernen Jazz. Derzeit angesagtester Vertreter dieser Gattung ist der Pole Adam Baldych, der trotz Orkan „Sabine“  zusammen mit seinem Quartett nach München in den BMW Doppelkegel gekommen war, um in den Wettstreit um die begehrte Trophäe des BMW Welt Jazz Awards einzusteigen. Die vier Polen lieferten eine hochprofessionelle Vorstellung, deren musikalische Bandbreite von Hildegard von Bingen, Thomas Tallis bis in die Gegenwart der improvisierten Musik reichte. Das sich Baldych nicht nur als der bekannte Paganini der Jazzgeige präsentierte, sondern seine Virtuosität in den Dienst der Musik stellt, auch mal leiseren Tönen Raum gab, berührte sichtlich einige Zuschauer. 90 Minuten großes Jazz-Theater – inklusive Zugabe. Alle Fotos: Thomas J. Krebs Siehe auch die Kritik von Ralf Dombrowski auf nmz.de  

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Baustellenkunst, Raum-Licht-Installation und ein Flügel, der hoch fliegt

Ein Wochenende auf dem Festival „Out of the Box“ im Münchner Werksviertel. Oder: Alain Roche gibt das erste Konzert im neuen Münchner Konzertsaal auf der vereisten Baustelle. Der Veranstalter whiteBOX geht im neuen Jahr nicht nur mit Eismusik aufs Dach oder mit Musik unter Wasser, sondern traut sich mit „Piano vertical“ in schwindelnde Höhen. Die Produktion des Schweizer Pianisten und Komponisten Alain Roche ist atemberaubender Stunt, urbane Poesie und technologisches Meisterstück in einem. Dieses Wochenende war es so weit: „Piano vertical – Chantier“ fand am 24., 25. und 26. Januar 2020 jeweils bei Tagesanbruch kurz vor 7.00 Uhr morgens auf dem Grundstück des zukünftigen Konzerthauses statt. Alain Roche hing dabei mit seinem eigens dafür konstruierten Konzertflügel in großer Höhe am Ausleger eines Baukrans und gab ein etwa 45-minütiges Konzert. Die Fotografin Susanne van Loon hielt die faszinierende Choreographie von Flügel, Pianist und Baustelle für die Jazzzeitung fest.   Alain Roche über seine Arbeit und seine Musik: „Die Baustelle ist der perfekte Ort für das Ostinato. Ich wollte mit mechanischen, metallischen Klangquellen arbeiten; roh und repetitiv wie die Ostinati, die ich besonders gern mag: Motorengeräusche, fallende …

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Andrea Hermenau Quintett in der BMW Welt. Foto: TJ Krebs

BMW Welt Jazz Award 2020: Das Andrea Hermenau Quintett bestreitet das zweite Dienstagskonzert

Jazz & Lyrik zur Nacht: mit ihrem Programm „Nachtpracht“ hat Andrea Hermenau und ihr Quintett  auf jeden Fall Maßstäbe gesetzt, an dem sich die Mitbewerber werden messen lassen müssen. Eine Konzertkritik  lesen Sie unter www.nmz.de Text & Fotos: TJ Krebs

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BMW Welt Jazz Award 2020: das erste Dienstagskonzert

Dass Cecilie Grundt nicht nur Musik studiert hat, sondern auch Architektur, glaubt man ihren Kompositionen anzumerken. Obwohl sie ihren Musikern genug Freiraum für Improvisationen und eigenen Ausdruck gibt, ist bei ihren Klanggebäuden nichts dem Zufall überlassen. Das 90-minütige (!) Konzert ohne Pause bot dem Quintett Gelegenheit, alle Stücke ihrer neuen CD „Contemporary Old School“ zu präsentieren. Trotz tosendem Applaus gab es nach diesem Mammut-Set verständlicherweise keine Zugabe. Und wer weiß, ob die junge Band überhaupt noch Pulver zu verschießen hatte? Der norwegischen Newcomer Band, die das erste Mal in München gastierte, gelang eine schöne Eröffnung des BMW Welt Wettbewerbs 2020 mit immer wieder aufs Neue überraschendem modernen Jazz. Nicht nur das Publikum zeigte sich von Grundts Gruppe beieindruckt, auch die junge Bandleaderin und Architektin ließ sich – nach einem kurzen Moment des Atem anhaltens – stimulieren und  anspornen von der Resonanz des Münchener Publikums, und sicher auch von der skulpturartigen, fesselnden Architektur des Doppelkegels der BMW Welt, in der sie ihre Soundlandschaften  entfalten durfte. Alle Fotos von Thomas J. Krebs Am nächsten Dienstag, den 21. Januar, kommt die Münchner Pianistin Andrea Hermenau zusammen mit Till …

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30. Jazzfest der Jazzmusiker-Initiative München, Teil 2: Noch mehr Bilder eines Festivals

Der zweite Teil des 30. Jazzfestes München der Jazzmusiker-Initiative München JIM brachte an drei Abenden je drei Bands auf die Bühne der Black Box im Gasteig. Bei diesen 9 Konzerten wurde das Festival-Thema „Bilder einer Ausstellung“ in unterschiedlicher Weise aufgenommen, aber insgesamt deutlicher als an den vorausgegangenen Festival-Abenden Ende Oktober: Das Modern String Quartet nahm das Motto wörtlich und spielte Mussorgskys „Bilder eine Ausstellung“ swingend im eigenen Jazzarrangement. Ganz unmittelbar projizierte Sängerin Nina Michelle ihre eigenen, starkfarbigen Gemälde, meist mehr oder weniger abstrakte Kompositionen, zu ihren Liedern passend auf die große Leinwand hinter der Bühne. Begleitet von Peter Tuscher, Jan Eschke, Andreas Kurz und Rick Hollander. Das Duo Elwood & Reßle hatte sich um die Performerin Ruth Geiersberges verstärkt, um ihr Projekt wort- und klangstark zu präsentieren. Leider erschloss sich der Hintersinn dieser „Zeitreise 1877, 1966, 2019“ mit Bezug auf bestimmte Bilderwelten ohne erklärende Ansage nur dem, der ihn auf der Internetseite http://www.jazzfestmuenchen.de gelesen hatte. Kräftige Bilder im Kopf entstanden allerdings auch so. Für heimatliche Bilder hatte Bassklarinettist und Saxophonist Hugo Siegmeth mit seiner Bayrisch Jazz Group (Irmi Haager, Josef Reßle, Andreas Kurz, Bastian Jütte) …

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Ein Werwolf tanzt den Rap

Im Jazzclub Leerer Beutel in Regensburg bekommt die portugiesische Sängerin Maria João im Duo mit João Farinha frenetischen Applaus.           Singen? Klar, singen kann sie auch, die Portugiesin mit der Mehroktavenstimme – und wie! Was sie aber sonst noch alles mit ihrer Stimme, der Zunge, den Lippen und mit dem Mundraum macht, geht – um es mit einem vertrauten Bild zu beschreiben – auf keine Kuhhaut. Maria João gurrt, schreit, gurgelt, sie piepst und kickst, lässt die Stimmbänder flattern und fügt alles zu einer vibrierenden Klangcollage, einem rauschhaften musikalischen Erlebnis allerersten Güte zusammen. Nach Jahren der Absenz erlebten die Besucher des Jazzclubs im gut gefüllten Leeren Beutel die Vokalkünstlerin mit Kompositionen und Stücken aus ihren letzten beiden Alben.  „Plastico“ ist in Quintettbesetzung mit Ogre entstanden und von Joãos Begleiter, dem Komponisten João Farinha am Flügel, diversen Keyboards und Synthesizern für das intimere Duo neu und schlüssig arrangiert worden. Häufig spielt der Sound eine wesentlich stärkere Rolle, als herkömmliche musikalische Parameter. Eektronische Grooves ersetzen Schlagzeug und teilweise Bass, während Farinha die stimmlichen Eskapaden Maria Joãos klangmalerisch unterstreicht, kontrastiert oder auch mal herausfordert. Wechselt er bei ruhigeren, …

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Chico Freeman’s „Exotica“ eröffnet das Herbstprogramm „New York im Bayerischen Hof“

Im Rahmen der Konzertreihe „New York im Bayerischen Hof“, die mittlerweile seit mehr als fünfundzwanzig Jahren (!) im Nightclub des legendären Münchner Hotels stattfindet, eröffnete Chico Freeman’s Formation „Exotica“ das diesjährige Herbstprogramm. Ein gelungener Auftakt letzte Woche, den Chico Freeman gemeinsam mit Heiri Känzig am Bass und dem Ausnahmepercussionisten Reto Weber präsentierte. Die drei Musiker, unbestritten allesamt Meister ihres Fachs, begeisterten das Publikum mit ihren Kompositionen, vielfältigen Klangfarben, differenzierten Rhythmen und wunderbaren Improvisationen. Seit Jahrzehnten geben sich internationale Stars, Größen der JAZZ- & LATIN-Szene die Klinke des traditionellen Nachtclubs in die Hand und auch dieser Herbst verspricht erneut musikalisch abwechslungsreiche und spannende Gigs! So wird am 21.10. erst einmal der legendäre Jethro Tull Gitarrist Martin Barre mit seiner Band den Nightclub rocken. Es folgt John Scofield im Duo mit Jon Cleary am 11.11. und als weiteres Jazz-Highlight am 19.11. Ron Carter‘s „Foursight“  Quartett (!), mit Renee Rosnes, Jimmy Greene und Payton Crossley. Am 26.11. gibt sich das Brooklyn Funk Ensemble wieder einmal die Ehre und wird den Club in gewohnter Weise in eine Jazz-, Funk- & Groove-Sauna verwandeln. Am Tag darauf, dem 27.11., wird Pianist …

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Folksmilch beim "Alpenspektakel" im Gut Sonnenhausen. Foto: Ralf Dombrowski

Alpenspektakel auf Gut Sonnenhausen

Ein schöner Ort, erstens. Ein schönes Festival, zweitens. Und das bedingt sich gegenseitig, denn das Gut Sonnenhausen im Ebersberger Hinterland bei Glonn und dessen Betreiberfamilie Schweisfurth hat kein Interesse daran, ein weiteres austauschbares Musikevent zu veranstalten, nur um damit ein wenig Glanz in die eigenen Mauern zu holen. Es geht eher darum, das eigene Profil als lokalen Knotenpunkt von Kultur, Kulinarik und Erholung zu schärfen, und so legt das Alpenspektakel Wert darauf, einerseits den trachtkostümierten Mainstream außen vor zu lassen, auf der anderen Seite das Moment der Avantgarde nicht überzubetonen. Das klingt kompliziert, ist aber vor allem Aufgabe einer geschickten künstlerischen Leitung, die wie Stefanie Boltz um die Feinheiten der Anspruchshaltungen weiß und sie entsprechend in die Planung integriert. Nachdem sich die ersten drei Ausgaben des Festivals auf der kulinarischen Seite vor allem dem Fleisch widmeten, waren diesmal Brot und Butter an der Reihe, die in verschiedenen Workshops zur Zubereitung dafür sorgten, dass die Zuhörer zufrieden gesättigt zu den Konzerten pilgern konnten. Dort wiederum erwarteten sie sehr unterschiedliche Näherungen an die Klangsprache der Alpenregion, die vom sphärischen Experimentieren mit folkloristisch improvisierenden Texturen bis hin zu …

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Fotos: Thomas J. Krebs

Francesco Tristano – Tokyo Stories live

„Tokyo Stories“ ist eine musikalische Hommage des aus Luxemburg stammenden Pianisten Francesco Tristano an die japanische Metropole. Mit achtzehn Jahren besuchte er Tokyo zum ersten Mal und daraus entstand im Laufe der Zeit eine innige Beziehung zu Momenten, Begegnungen und Ereignissen, die er musikalisch festgehalten hat. Nun stellte Tristano im Rahmen einer Tournee seine „Tokyo Stories“ live vor und gastierte u.a. im Münchner Club „Ampere“. Auf der Bühne ein Flügel, ein Laptop, Kabel, darüber eine Leinwand und ein Spot, der die Tasten beleuchtet. Francesco Tristano betritt die Bühne und legt ohne Umschweife los. Seine assoziativen Kompositionen werden begleitet von Fotosequenzen des japanischen Fotografen Ryuya Amao, den er seit mittlerweile über drei Jahre kennen und schätzen gelernt hat. Tristano und sein Team haben die Fotos in Sequenzen zu einem Visual Art Film zusammengestellt. Im Hintergrund laufen stylisch animierte Fotosequenzen zu seiner Musik. Manchmal durchaus stimmig, aber teilweise auch etwas losgelöst von seinen eigentlichen Kompositionen und ihrer Thematik. Der direkte Bezug der Bilder zur Musik erschließt sich nicht zwangsläufig. Musikalisch wie dramaturgisch ist Tristanos „Tokyo Stories“-Klangkosmos einzigartig und passt nur schwer in eine Schublade. Da wird zu …

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