Klingendes Wimmelbild: Reza Askaris Trio Roar ft. Christopher Dell neu auf CD

(Von Sophie Emilie Beha) Diese CD springt mich an: knalliges Orange des Tonträgers auf absolutem Schwarz. Genauso in-my-face ist die Musik der Gruppe Roar. In zehn Stücken vereint die Band um Bassist Reza Askari Plötzlichkeit, Zielstrebigkeit, Komplexität und Fragmentarisches – stets durchdrungen von Humor und basaler Spielfreude. „Guts“ beginnt zunächst noch relativ gemäßigt-geordnet – zu sich schnell abwechselnden Rhythmen der Drums gesellen sich Melodiefetzen von Saxophonist und Klarinettist Stefan Karl Schmid, dann türmen sich schnell Rhythmen, Muster, Texturen und Einfälle auf. Alles schillert, blitzt und blinkt. Generationsübergreifend: Aus Trio wird Quartett Auf Roar‘s drittem Album macht Vibrafonist Christopher Dell aus dem Trio ein Quartett. Sein Spiel ist dabei entweder mit präziser Richtungsansage, die sich mühelos in den Gesamtklang der drei anderen integriert, oder mit betonter Zurücknahme. Die einzelnen Musiker kennen ihre Plätze in dieser Gruppe und agieren stets entschieden, egal ob sie dabei dem Solo des Kollegen folgen, selbst die Richtung angeben oder im Flow Klangflächen ausmalen. So entstehen Schlüssigkeit und ein großer Bogen. Die Stücke folgen aufeinander logisch und natürlich, wie von selbst. Nach dem freifließenden „Nessogenic Psymass“ lösen sich in „Maining Part Two“ …

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Franz Hackl

Blasen platzen lassen: Das Outreach Festival 2022

(Von Oliver Hochkeppel) Ein beachtliches Jubiläum konnte man im Tiroler Städtchen Schwaz feiern. Vom 4. bis 6 August fand die 30. Ausgabe des Outreach Festivals der 13.000-Einwohner-Kommune statt, mit dem Silbersaal des SZentrums als zentrale Bühne. Was umso bemerkenswerter ist, als das Outreach schon immer zu den experimentellen, innovativen und damit nicht nebenbei zu konsumierenden Festivals gehört. Dies wiederum liegt wie so oft ganz wesentlich am Gründer, der bis heute am Ruder steht.   Der Trompeter Franz Hackl (Titelfoto) gründete das Outreach Festival 1993 in seiner Geburtsstadt, auch als Möglichkeit, die Verbindung zur Heimat zu halten – neben der Blasinstrumentenschmiede, die er mit seinem Vater betreibt. Denn eigentlich hatte ihn seine Karriere nach New York verschlagen, wo nicht nur die von ihm gegründete Familie, sondern auch ein Gros seiner Musikerfamilie sitzt. Aus den Erfahrungen zwischen Europa und USA, zwischen Kleinstadt und Metropole, zwischen Tradition und Postpostmoderne, aber auch zwischen Volksmusik und Jazz speist sich das Outreach Festival. Versteht es sich doch interdisziplinär, genreübergreifend und ganzheitlich. „Die Vision von Outreach ist“, sagt Hackl, „Musik und alle anderen bildenden und darstellenden Künste zu verwenden, um Grenzen aufzubrechen …

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Zwölf Schattierungen: Das Julia Hülsmann-Quartett mit neuer CD

(Von Sophie Emilie Beha) Die Kompositionen von Hülsmann und ihren Bandkollegen für das achte ECM-Album sind im gemeinsamen Spiel entstanden, geboren aus einer natürlichen Kontinuität. „Fluid“ beispielsweise ergab sich aus einem Online-Projekt, das die coronabedingt ins Wasser gefallene Usbekistan-Tour ersetzen sollte. The Next Door Julia Hülsmann hat es ursprünglich für ihr Quartett und die Trompeterin Hildegunn Øiseth geschrieben, auf „The Next Door“ erklingt es in einem schimmernden Arrangement mit einem freifließenden, wie locker aus dem Ärmel geschüttelten Klavier-Solo. Es wird abgelöst von Uli Kempendorff – demjenigen, der das neunzehnjährige Trio zum Quartett ergänzt. Aus seinem Tenor-Saxofon perlen endlos erscheinende Sechzehntelketten. Sein Spiel ist dabei immer klar, nie verhangen und geht konfliktlos auf das Spiel der anderen ein. Von Kempendorff stammt das Stück „Open Up“. Hier tänzelt er über stolpernde Becken-Rhythmen und schraubt sich schwindelfrei in Höhen, nur um danach seinen Bandkolleg*innen Platz zu machen. Die Auswahl der Stücke für die CD sei ein demokratischer Prozess gewesen, sagt Hülsmann. Und genau hier liegt das Qualitätsmerkmal dieses Albums: Balance. Wie in einem Mobile ist hier das große Ganze wie das kleine Detail genau austariert, und zwar weniger …

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Das Jazzfestival im südschwedischen Ystad in seiner 13. Ausgabe

Abgespeckt – aber idyllisch wie eh und je: das Jazzfest in Wallanders Heimat Traumhimmel im gelblichem Abendlicht, sanfte Wölkchen – und lauter Töne zum Schwelgen: Der südschwedische Ort Ystad, den Krimi-Fans durch die Filme um Kommissar Kurt Wallander kennen, bietet eine der schönsten Kulissen für ein Jazzfestival. Im hinreißenden dortigen Theater, einem 400-Plätze-Juwel von 1894, gab es diesmal gehäuft Konzerte mit besonders anrührenden Momenten – etwa mit der Sängerin Cyrille Aimée und dem Schlagzeuger Ronnie Gardiner. Sowie ein traumschönes Kammer(welt)musik-Gastspiel mit dem Quartett des Oud-Spielers und Komponisten Anouar Brahem. Jazz mit auffällig starkem Erlebniswert – in einem Jahr, in dem viele Zuhörer genau solche Momente offenbar noch mehr zu schätzen wissen als sonst. Zum dreizehnten Mal fand das seit 2010 existierende Festival jetzt statt – nach zwei Pandemie-Jahren, in denen es nicht ausgefallen war, sondern seine Kontinuität mit begrenzten Zuschauerzahlen und Konzertstreaming fortgesetzt hatte. Jetzt herrschte wieder Normalbetrieb, die Spielorte waren voll (90 Prozent Auslastung), und die Besucher wie auch viele der sechzig ehrenamtlichen Helfer des Festivals strahlten mitunter, als seien sie auf einer Insel der Glückseligkeit gelandet. Solch eine Insel waren die vier Jazz-Tage …

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Swinging Hamburg City Jazzwalk – Spazierengehen, einkehren und zuhören

+++ Große Musik- und Wanderveranstaltung rund um die Alster +++ (Pressemitteilung) Der Swinging Hamburg City Jazzwalk findet 2022 zum bereits zehnten Mal statt und ist zu einer festen Größe im Musikleben unserer Stadt geworden. Schirmherr der diesjährigen Veranstaltung ist Matthias Iken (Stellvertretender Chefredakteur Hamburger Abendblatt). Jazz hat in Hamburg eine lange Tradition und Hamburg ist auch heute eine Metropole mit einer lebendigen Jazzszene – hier wissen nach wie vor viele Jazzfans vor allem die Präsentation hochwertiger Live-Musik zu schätzen.   Wandern und Jazz, passt das zusammen? Der gemeinnützige Verein Swinging Hamburg e.V. ist der Meinung, das passt. Wandern hilft der Gesundheit, fröhlicher Jazz streichelt die Seele. Durch die großzügige Unterstützung mehrerer Sponsoren ist es gelungen, den neunten City Jazzwalk zu organisieren.   Am Sonntag, 14. August 2022, ist es wieder soweit. Eine Bewegung in Bewegung. Wanderer, Spaziergänger, Radfahrer – ob mit Kind oder Hund – werden sich an den Klängen 8 bekannter Hamburger und Norddeutscher Jazzbands erfreuen können. Start ist um 11:00 Uhr im „Braband Bistro & Wein“, Alsterdorfer Damm 18, Nähe U + S Ohlsdorf – dort wird die Formation „Shreveport Rhythm“ auftreten. Immer dem Alsterwanderweg in Richtung …

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Grizzly Jazz Foundation vergibt Stipendium an die Jazz-Sängerin Kateryna Kravchenko

Die in Bonn ansässige Grizzly Jazz Foundation hat eine neue Stipendiatin: Kateryna Kravchenko erhält das zweijährige Stipendium mit einer Unterstützungsleistung im Wert von insgesamt 20.000 Euro. Die 22-jährige Kravchenko ist eine ukrainische Jazzsängerin, Komponistin und Arrangeurin, sie lebt in Deutschland und ist seit 2020 Mitglied im Bundesjazzorchester (BuJazzO). Vorgestellt wird die Künstlerin am Samstag, 24.09.2022, im Rahmen des Benefizkonzertes „United for Ukraine“ im Telekom Forum. Unter dem Motto „United for Ukraine” treten auf Initiative der Deutschen Telekom AG, der Stadt Bonn und der Grizzly Jazz Foundation Akteure aus Jazz und Klassik (Beethovenorchester Bonn und Lars Danielsson mit seiner Band Liberetto) erstmalig gemeinsam auf. Auf dem Programm dieses besonderen, grenzüberschreitenden Konzertes stehen Orchesterarrangements von Lars Danielsson und selten gespielte Werke der aus der Ukraine stammenden Komponisten Valentin Silvestrov und Nikolai Kapustin. Kateryna Kravchenko wird unter anderem den Gesangspart in einem eigens für diesen Abend arrangierten Stück für Sinfonieorchester und Jazzband übernehmen. Alle Konzerteinnahmen sowie Spenden gehen an ein Hilfsprojekt in der Ukraine. Tickets sind erhältlich unter www.beethovenfest.de/de/programm-tickets/united-for-ukraine/88. Kateryna Kravchenko (geb. 1999) ist eine ukrainische Jazzsängerin und Komponistin, die derzeit in Deutschland lebt. Von 2014 bis 2018 …

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Fest der Nachdenklichkeit – Wolfgang Torkler und René Bornstein mit ihrer CD „scapes“

Von Mathias Bäumel. Das Auge schweift über weite Landschaften, von schwarzem Licht zu gleißenden Himmeln, von Wolkentürmen bis zu goldenen Linien, in denen Welten scheinbar vergehen. Eine Stimmung, die an Melancholie erinnern mag, aber eher mit Besinnlichkeit, Besinnung und Sinnhaftigkeit zu tun hat. Nicht die Trauer über ein Verlieren des Gewesenen, sondern das Fühlen der Weite des Seienden von Himmelshorizont zu Himmelshorizont erklingen. Landschaften leuchten, glimmen, glühen, glänzen, schimmern, flimmern, schraffiert, schattiert, Klänge, Motive, Melodien, Themen nicht weit entfernt von minimal music, Landschaften der Unerreichbarkeit, scapes. Musikereignis Der Pianist Wolfgang Torkler und der Kontrabassist René Bornstein stellten am 22. Juli 2022 bei einem Open-Air-Konzert ihr neues, am 1. Juli 2022 veröffentlichtes Album „scapes“ vor. Dieses Musikereignis ist zugleich der Festival-Auftakt des Dresdner Palais Sommers. Weich, kräftig, summend Ästhetisch darf das vorliegende Duo-Album als Erweiterung der Piano-Solomusik Torklers gelten. Über die schrieb Klaus Hübner im Jazzpodium: „Fast bedächtig spricht Torklers Sound die Sprache der strengen Melodik eines Keith Jarrett und den wiederkehrenden Minimalismen eines Brad Mehldau.“ Dazu ist nicht nur der weiche, kräftige, tief summende Klang von Bornsteins Kontrabass eine ideale Ergänzung, Vervollständigung, Erweiterung der Torklerschen Musik, …

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Nachlese zum 19. Internationalen Jazz-Weekend in Unterföhring

Als Veranstalter eines Sommer-Jazz-Weekends braucht man nicht nur in diesen Zeiten Mut, sondern vor allem Visionen. Bereits in den vorangegangenen Jahren holte Bassist Harald Scharf, der die künstlerische Leitung des Festivals 2014 übernommen hat, Stars wie Tom Harrell, Kurt Elling, Marquis Hill, Kinga Glyck, Terri Lyne Carrington, Dianne Reeves, China Moses, den diesjährigen „BMW Welt Jazz Award Winner“ Marco Mezquida oder Chuco Valdés auf die Bühne in Unterföhring. Auch dieses Jahr gab es ein rundherum beeindruckendes, abwechslungsreiches und vielseitiges Internationales Jazz-Weekend in Unterföhring. Traditionell startet das Jazz-Weekend mit einem Kinderjazzkonzert. Die Jazzbande aus Nürnberg führte mit ihrer musikalischen Reise kreuz und quer über alle Kontinente und begeisterte groß & klein. Am nächsten Abend gab sich die aus Charleston in South Carolina stammende und gerade mit einem Grammy ausgezeichnete Truppe Ranky Tanky die Ehre. Noch als Geheimtipp gehandelt, kombiniert die Band in ihrer Musik soulige Songs der Gullah-Kultur mit Blues, Jazz und einer gehörigen Portion R&B. „Ranky Tanky“ bedeutet übersetzt so viel wie „Get Funky“, und das Publikum nahm dies wörtlich. Zum Schluss tanzten alle ausgelassen im Saal zur vom Hocker reißenden Musik. Den Folgeabend bestritt …

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Die Energie der Berge – eine Nachlese zum 40. Südtirol Jazzfestival Alto Adige

„Der Berg verlangt einen großen Energieeinsatz, aber er gibt umso mehr Energie zurück“ – der Allgäuer Multiinstrumentalist Matthias Schriefl weiß, wovon er redet. Beim Südtirol Jazzfestival Alto Adige zirkulieren vergleichbare Energien, wenn es um aktuelle musikalische Gegenwart in den Ländern Europas geht. Klaus Widmann, der langjährige künstlerische Leiter des Festivals gibt den Staffelstab nun weiter an Max von Preetz, Roberto Tubaro und Stefan Festini Cucco, die sich jetzt darauf freuen, das Festival in die Zukunft zu tragen. „Die drei sind echte Bergmenschen“ bewertet Matthias Schriefl das sichere Gespür der drei für die richtige Route. Sie sind sowieso schon seit vielen Jahren in die Organisation involviert. Genug Gelegenheit „zu üben“, wie es Klaus Widmann in seiner virtuellen Begrüßungsansprache formulierte, hatten sie bei der 40. Ausgabe allemal, allein, weil Widmann die ersten Festivaltage corona-bedingt nicht zugegen sein konnte, später dann aber kam. Matthias Schriefl, der schon seit 15 Jahren beim Festival präsent ist, war diesmal den Bergen besonders nah, als er sich im Duo mit Johannes Bär drei Tage lang auf Hüttenwanderung begab. Sich vom Bergsommer in seiner ganzen Pracht verzaubern lassen und dabei offener für neue …

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+++ BMW Young Artist Jazz Award 2022 geht an Shuteen Erdenebaatar, Nils Kugelmann und Moritz Stahl +++

Als Zeichen der anhaltenden Unterstützung der jungen Jazzszene  verleiht die BMW Group zusammen mit der Landeshauptstadt München den BMW Young Artist Jazz Award in diesem Jahr wiederholt an drei junge Musikerinnen und Musiker aus dem Großraum München. Neben einem Preisgeld von je 3.000 Euro, werden die drei Preisträger Shuteen Erdenebaatar, Nils Kugelmann und Moritz Stahl mit Auftritten bei den Leipziger Jazztagen und im Münchner Jazzclub Unterfahrt ausgezeichnet. Die klassisch ausgebildete Pianistin und Komponistin Shuteen Erdenebaatar ist 2018 aus der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator an die Hochschule für Musik und Theater in München gekommen, um dort ihren musikalischen Horizont zu erweitern. Durch ihre exzellente Technik gewann die junge Musikerin 2020 den Kurt Maas Jazz Award und bekam den Zuschlag für eine der begehrten Jazz Summer Weeks in der Unterfahrt. „Mit ihrer spannenden und schillernden, die Tradition achtenden, aber daraus das Neue gewinnenden Musik beweist Shuteen Erdenebaatar, dass der Jazz wie keine andere Musik in der Lage ist, verschiedenste Einflüsse zu kreativen neuen Klängen zu amalgieren“, so die Jury des BMW Young Artist Jazz Award mit Oliver Hochkeppel (Süddeutsche Zeitung), Heike Lies (Leiterin Bereich Musik & Musiktheater …

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