Thomas Quasthoff – Nice’n’Easy: Futter für entspannte Stunden

Man muss seine großartige Winterreise von Schubert nicht unbedingt kennen, um seine Riesenstimme und Fähigkeiten Gefühle auszuloten zu schätzen. Vor sechs Jahren, als der Sänger mit dem superben Bassbariton angekündigt hatte, sich von klassischen Konzertbetrieb zurückzuziehen, war die Betroffenheit groß. Danach war Thomas Quasthoff zwar weiterhin live zu erleben, allerdings nurmehr als Schauspieler und Kabarettist, wo er sein humoristisches Talent ausleben konnte, und als Jazzsänger. Im Unterschied zu anderen klassischen Sängern, die in ein fachfremdes Genre hineinschmecken, um ein größeres Publikum oder zusätzliche Quellen zu erschließen, stand bei dem heute 58-Jährigen der Jazz am Anfang seiner beispiellosen Karriere. Angetriggert von seinem Bruder, „habe ich immer Jazz gesungen. Es war durchweg Teil meines musikalischen Lebens“, sagt Quasthoff selbst. Nach acht langen Jahren hat Thomas Quasthoff vergangenes Jahr ein neues Jazzalbum aufgenommen. Gestern wurde das nach Frank Sinatras gleichnamigen Album von 1960 …

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Keeping a Tradition: Joshua Redman mit neuer CD „Still Dreaming“

Joshua Redmans neue CD „Still Dreaming“ ist alles anderes als eine nostalgische Hommage oder gar Reminiszens an das „Old and New Dreams“ Quartett seines Vaters. In den siebziger Jahren stand diese Formation um den Saxophonisten und Joshuas Vater Dewey Redman gemeinsam mit Trompeter Don Cherry, Charlie Haden am Bass und Drummer Ed Blackwell für eine konsequente Fortführung des modernen Jazz-Geistes, der sich, ganz im Geiste ihres Weggefährten Ornette Coleman, in den frühen sechziger Jahren manifestierte. „Old And New Dreams“ – das waren ungestüme, kollektive Improvisationen die seinerzeit zelebriert wurden, das Ausleben musikalischer Freiheiten, energiegeladen, erdig, immer humorvoll mit musikalischem Schalk im Nacken und im weitesten Sinn bereits ein „Tribute to Ornette Coleman“. Der Einfluss dieses Quartetts hat natürlich seine Spuren bei Joshua Redman hinterlassen. Nun war die Zeit reif, aus seiner Begeisterung für „Old And New Dreams“ etwas Neues zu …

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Maxime Bender: Universal Sky

Die typisch luxemburgische Namensgebung lautet „französischer Vorname plus deutsch klingender Familienname“. Also liegen die Dinge wohl auch klar bei Maxime Bender, einem hochmotivierten Saxofonspieler, der den europäischen Jazzhimmel bereichert. Klug aus dem Miteinander von Sprachen und Stileinflüssen zu schöpfen, das gehört zum Leben in Luxemburg, und das zeichnet Maxime Benders verschiedene Projekte allemal aus. Im nahen Frankreich ist der kosmopolitische Saxofonist für seine jüngste Band (eine von insgesamt dreien! ) „Universal Sky“ fündig geworden. Sie besteht aus dem Gitarristen Manu Codja, einem Hammondorgelspieler namens Jean-Yves Jung und dem Schlagzeuger Jerome Klein. Lassen wir die Musik für sich sprechen, denn diese ist auf dem „Universal Sky“ – Album regelrecht selbsterklärend: Ein funkiges Lick eröffnet die erste Nummer, der Kommentar folgt sofort. Die Hammondorgel lädt das Klangbild druckvoll auf. Aber bevor der Drive der Rhythmusgruppe ins Schleudern gerät, holt die Musik in …

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Unvergesslich: das Esbjörn Svensson Trio – Live in London jetzt auf CD

Kaum zu glauben – vor zehn Jahren erschütterte die Nachricht vom tragischen, tödlichen Tauchunfall des damals 44-jährigen schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson die Jazzwelt. Was wäre wenn … abrupt endete ein kometenhafter Aufstieg, dem anscheinend keine Grenzen gesetzt schienen, bis auf die des realen, eben unvorhersehbaren Lebens. Was Esbjörn Svensson mit seinen Freunden und Weggefährten, dem Bassisten Dan Berglund und Schlagzeuger Magnus Öström seinerzeit anstellten, sprengte jeden Trio-Horizont. Nun erscheint mit „e.s.t. Live In London“ posthum eine DoCD (DoLP), aufgenommen im Barbican Centre, London, im May 2005. Ein echter Glücksfall, dass dieses Konzert mitgeschnitten wurde und nun veröffentlicht wird. In der Tat eine Sternstunde des Trios mit einer wunderbaren Auswahl von Stücken, die sie auf dieser Tour präsentierten. Anders als bei dem 2007 aufgenommenen Album e.s.t. „Live in Hamburg“ wird hier das Repertoire des Albums „Viaticum“ in den Vordergrund gestellt. Bereits …

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Das neue Projekt der Kölner Komponistin und Saxophonistin Katrin Scherer

Dass die Kölner Saxophonistin, Komponistin und Bandleaderin Katrin Scherer über eine eigenständige Klangsprache verfügt, hat sie längst bewiesen, in drei Alben unter eigenem Namen und etlichen mehr mit dem Saxophon-Kollegen Sven Decker. Und immer hat sie eigene Kompositionen vorgelegt, die sich nicht nur aus dem zeitgenössischen Jazz und der neuen improvisierten Musik speisen. Sie sind vielmehr auch beeinflusst von Kompositionslehren aus dem frühen 20. Jahrhundert, insbesondere   von Olivier Messiaens „Technique de mon language musical“, auf die Katrin schon beim Studium an der Folkwang Musikschule in Essen gestoßen war. Auch bei Arnold Schönberg und Edgar VarÄse findet sie „einen Fundus an Möglichkeiten handwerklicher Art, die mir beim Komponieren hilfreich sein können“, erläutert sie im Gespräch, in dem sie fortfährt: „Aber ich übernehme nicht direkt Elemente von diesen großen Komponisten, abgesehen von ganz wenigen ‚Auszügen‘ in einigen Stücken. Um jedoch eigene kompositorische …

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CD-Rezension: Amy Denio – The Big Embrace

Verkürzt auf das einprägsame „Tiptons“ tourt die in Seattle ansässige Saxofonistin Amy Denio seit über drei Jahrzehnten mit dem „The Billy Tipton Memorial Saxophone Quartet“ durch die Jazzclubs dieser Welt. Eine gute Basis für seinen kräftig jazzhaltigen, genussvollen Cocktail aus Latin, Balkanbeats, Brasilian, Blues und diversen anderen Einflüssen hat das Saxofonquartett mit Schlagzeug in Europa. Daraus wiederum schöpft Denio, die noch diverse andere Instrumente spielt, singt, Songs schreibt und produziert, für ihre Soloarbeit. Ende letzten Jahres hat sie nach längerer Zeit wieder ein Soloalbum – Die Große Umarmung – mit 16 überwiegend neuen Songs und Kompositionen fertiggestellt. Das melodiöse Titelstück „L`Abbraccione“ ist gewissermaßen Programm, Haltung und Spottlust inbegriffen. Nur mit Stimme, Effekten, einer persischen Tombak für einen einfachen, durchgeschlagenen Rhythmus und der kroatischen Langhalslaute BraÄ erzeugt die Musikerin eine träumerische, nach vielen Seiten offene folkloristische Stimmung. Instrumentalstücke wie „Prostrate for …

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CD-Rezension: Pablo Held – Investigations

Seit dem Jahr 2005 existiert das Pablo Held Trio mit Robert Landfermann am Bass und dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel bereits. Bis dato erschienen offiziell neun Alben unter Helds eigenem Namen, davon fünf reine Trioalben in dieser Besetzung (plus eine Aufnahme im Trio mit John Scofield). Nach dem bedauernswerten Ende des Münchner Labels Pirouet, auf dem Pablo Held vorher prominent vertreten war, hat das Trio nun eine neue Heimat in England bei Edition Records gefunden. Die gerade erschienene CD „Investigations“ ist das 10. Album von Pablo Held und erscheint zum 10. Jubiläum des englischen Labels – ein schöner Zufall! So beginnt mit dem neuen Tonträger gleichzeitig auch ein neues Kapitel des Ausnahmetrios. Nach all den Jahren ist die Formation nicht müde geworden, neue musikalische Horizonte auszuloten und zu erkunden. Tradition und Avantgarde geben sich hier die Klinke in die Hand, alle …

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CD-Rezension: Tony Tixier – Life of Sensitive Creatures

Klaviermusik kann Vieles: Das Spiel mit Licht und Schatten, mit Schwarz und Weiß, mit filigraner Leichtigkeit und einer imposanten Schwere. Tony Tixier lässt dabei noch das Spiel der Farben zu. Raffiniert spinnen die Töne im Kopf der Zuhörer Geschichten, die mehr sind als eine Schule der Geläufigkeit. Zusammen mit Karl McComas-Reichl am Bass und Tommy Crane an den Drums ist dem jungen Franzosen mit „Life of Sensitive Creatures“ ein Album gelungen, das facettenreich und kreativ von sehr Persönlichem erzählt, das zugleich universell ist. Nie zu melancholisch, nie zu übertrieben fröhlich, erkennt man sich in den Melodien wieder, während der Puls von Bass und Schlagzeug die Songs vorantreibt und so den Plot immer weiterführt. Tixier selbst sagte über sein Trio: „Meine Musik braucht mehr als Solo-Piano, also gestalten MacComas-Reichl und Crane sie, schaffen Raum und bewegen sie in verschiedene Richtungen.“ Seine …

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CD-Rezension: Till Brönner & Dieter Ilg: Nightfall

Till Brönner und Dieter Ilg im Duo, diese Konstellation konnten bis dato nur wenige Zuhörer in sporadischen Konzerten erleben. Nun war die Zeit reif für einen Tonträger – und damit geht für so manchen Jazzfan ein Traum in Erfüllung. Die Rede ist von „Nightfall“, der brandneuen, bei OKeh/Sony Music erschienenen, CD von Till Brönner und Dieter Ilg. Was sich bereits in den letzten Jahren bei vereinzelten, gemeinsamen Auftritten ankündigte, findet in der vorliegenden Aufnahme ihren Niederschlag. Eine musikalische Konstellation, die überfällig war: Freunde, Kollegen, Jazzstars, wie auch immer… beide Musiker kennen sich, schätzen einander und haben, trotz der eigentlich gegensätzlichen Instrumente, eine gemeinsame musikalische Geisteshaltung. Der Klangkosmos von Trompete/Flügelhorn und akustischem Bass wurde von beiden grundlegend analysiert, erprobt und entsprechend ausgelotet. Das Ergebnis der beiden Protagonisten ist schließlich ein klanglich harmonisches Meisterwerk, das von der ersten bis zur letzten Minute …

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CD-Rezension: De Groote-Faes Duo – Symphony for 2 Little Boys

Mal fein und zart, mal festlich, dann wieder rau und dunkel: Bruno de Groote und Ben Faes zeigen auf „Symphony for 2 Little Boys“ eindrücklich, wie wandelbar der Mix aus E-Gitarre und Kontrabass sein kann. Trotz begrenztem Instrumentarium erschaffen die beiden Musiker auf ihrem neuen Album einen mitunter überraschenden Sound, der sich jeder klaren Einordnung entzieht. Geschuldet ist dies wohl nicht zuletzt den unterschiedlichen musikalischen Einflüssen des Duos: De Grootes Gitarrenspiel schöpft aus verschiedensten Genres, von Jazz über Ambient bis hin zu Pop und Rock, Faes steuert einen reichen Erfahrungsschatz aus Klassik und Tango bei. Dass diese Mischung funktioniert, beweist schon der erste Titel. In „Le Métropolitain“ wechseln sich warme Unisono-Passagen ab mit wilden, rockigen Jazz-Improvisationen. Auch der nächste Track, „Bastien“, besticht vor allem durch Atmosphäre. Was anfangs als Hommage an Sebastian Bach gedacht war, entwickelte sich letztlich zu einem …

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