„Only Hits“ mit Lisa Wahlandt: Vertraute Pophymnen neu interpretiert 

Lisa Wahlandt stellt auf ihrem neuen Album „Only Hits“ aus Pop, Folk, Soul und brasilianischer Musik vor. Schon etwas arrogant, wenn Bob Dylan davon singt, dass „du einfach nur irgendwie meine wertvolle Zeit verschwendet hast (Mädel)“. Dennoch rät er der Freundin im Refrain „don`t think twice, it´s all right“, also „denk nicht soviel darüber nach, es ist alles in Ordnung“. Ein Hit wurde der selbstreflektive Song des großen Folk- und Rockpoeten allerdings nicht, auch wenn er bis heute häufig im Repertoire von Musikern aus Pop, Rock oder Jazz auftaucht. Werbung Auch die Münchner Sängerin Lisa Wahlandt hat sich entschieden, das über 60 Jahre alte Lied auf ihr neues Album „Only Hits“ zu nehmen. In einem bluesigen Stil mit lässigem Countrytouch begleitet von Paulo Morello auf der Gitarre und Sven Faller am Bass, gibt sie dem harten Abschiedspoem eine eigene, weniger scharfe Note. Dazu trägt gerade auch Morellos feinfühliges Spiel, das ein klein wenig an Bill Frisell erinnert, und sein untrüglicher Sinn für Dramaturgie bei. Nur wenig später als Dylans Abgesang erschien 1966 das berühmte Revolver-Album der Beatles. Aus diesem Klassiker hat Wahlandt die Liebesballade „Here, …

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Filmisch-surreale Atmo im Mikrokosmos – Bruno Heinens The W

„To the devil with exercises“, zum Teufel mit den Übungen, ist vielleicht nicht ganz der richtige pädagogische Ansatz, um jungen Menschen das Spielen eines Instrumentes näherzubringen. Das ist auch keineswegs Absicht oder Ziel des britisch-deutschen Pianisten Bruno Heinen. Er bezieht sich auf ein Zitat Béla Bartóks, welches endet: „they are the last thing I want to spend my time on“. Ideen aus Bartoks Werk Ohne Zweifel hat der im Saarland geborene Musiker, der als Einjähriger nach England kam, seine Übejahre längst hinter sich. Während dieser hat er sich auch mit der Musik des Ungarn auseinandergesetzt, dessen Sammlung pädagogischer Klavierstücke inspirierende Grundlage für die Kompositionen des Albums war. Werbung Heinen verwendet Zellen und Ideen aus Bartoks Werk, vorwiegend dem sechsten Band, sowie Liedtexte in Form von Zitaten und schafft damit eine neue Suite. Biografisch ist Heinen zudem von Komponisten wie Duke Ellington, Wayne Shorter und György Ligeti geprägt, die Ausdruck einer großen Bandbreite seines kompositorischen Schaffens sind. Die Grenzen zwischen Jazz und zeitgenössischer Musik sind fließend, die Musik ein eigener, eigenwilliger Kosmos mit Andockstellen für Jazztraditionalisten und Third-Stream- oder Avantgarde-Anhängern gleichermaßen. The W Neben dem neu …

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Fabian Dudek: neue CD Recent

(Von Robert Fischer) Da sage noch einer, im Jazz gebe es nichts Neues. Das, was der in Köln lebende Saxophonist und Komponist Fabian Dudek gerade auf seinem neuen Album „Recent“ vorgelegt hat, mag zwar in der Entstehung „schon“ drei Jahre alt sein; im Höreindruck aber entzieht es sich souverän jeglicher Sortierung in irgendwelche – „alten“ – Kategorien. Wobei es sicher kein Zufall ist, dass er dabei mit dem Pianisten Felix Hauptmann und dem Schlagzeuger Leif Berger zwei Musiker an seiner Seite hat, die ihrerseits auf einer sehr beeindruckenden Suche nach dem unbedingt Eigenen – also letztlich: Neuen – sind, ohne Scheuklappen in welche Stilrichtung auch immer, solange das Ergebnis nur dazu geeignet ist, sich selbst musikalisch herauszufordern. Vierte im Bunde ist die in Südtirol geborene, in London lebende E-Bassistin Ruth Goller, die mit ihrem Instrument ordentlich Druck zu machen versteht. Was gut zum Gesamtkonzept der eine unbedingte Dringlichkeit offenbarenden Musik auf diesem Album passt. Werbung Unmittelbar aus dem Moment heraus Eingespielt wurde „Recent“ beim ersten gemeinsamen Auftritt dieser Band im Sommer 2023 im Kölner Stadtgarten-Club JAKI. Vorausgegangen waren zwei Probentage, ehe schließlich auf der Bühne …

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Fuchsthone Orchestra feat. Evi Filippou: Peaks & Plots

(Von Robert Fischer) Neue Frauen braucht das Land? Wohl kaum, denkt man an all die großartigen Musikerinnen, die aktuell auch als Leaderin eigener Formationen für frischen Wind in der Szene  sorgen. Die in München geborene, in Köln lebende Saxofonistin, Bassklarinettistin, Komponistin und Bandleaderin Christina Fuchs gehört schon ein bisschen länger dazu, ebenso die Kölner Saxofonistin, Komponistin und Bandleaderin Caroline Thon. Beide haben viel Erfahrung in der Leitung großer Ensembles – Christina Fuchs gründete 1992 mit Hazel Leach das „United Women’s Orchestra“, Caroline Thon 2011 das Thoneline Orchestra. Seit 2019 gibt es das von beiden gemeinsam geleitete 22-köpfige Fuchsthone Orchestra, dessen 2023 erschienenes Debütalbum, „Structures & Beauty“, bereits erkennen ließ, was spätestens jetzt, mit dem zweiten Album „Peaks & Plots“, zur Gewissheit wird: Das Fuchsthone Orchestra gehört zu den faszinierendsten Jazzensembles unserer Zeit. Was neben der Qualitität der komplex arrangierten Kompositionen, die für jedes Programm zu gleichen Teilen von Christina Fuchs und Caroline Thon beigesteuert werden, sicher auch an den großartigen Musikerinnen und Musikern dieses inzwischen in vielen Live-Auftritten immer mehr zusammengewachsenen Orchesters liegt. Werbung Virtuose Spielfreude Eine besonders glückliche Entscheidung war es, für das zweite …

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Schätze aus dem Archiv: Carla Bley mit Joyful Noise beim NDR 1984

Was Michael Naura ab 1971 als Leiter der NDR Jazzredaktion nach dem Tod von Jazzworkshop-Initiator Hans Gertberg auf die Beine stellte, war und ist bis heute einmalig und schlichtweg sensationell. Unter seiner Ägide änderte Naura die Ausrichtung der Workshops dahingehend, nicht mehr Einzelmusiker zu Formationen zusammenzuführen, sondern bestehende Bands einzuladen und diese Rundfunkkonzerte dann im Rahmen der legendären NDR Jazzworkshops, meistens im Sendesaal des HH NDR, dem Studio 10, aufzunehmen. Und sie haben alle im NDR gespielt: Keith Jarrett, Jan Garbarek, Oregon, Ornette Coleman, Max Roach, Oscar Peterson, Pat Metheny, Johnny Griffin, Ella Fitzgerald oder das Modern Jazz Quartett, um nur ein paar Jazzgrößen aufzuführen. Auf Einladung von Michael Naura und der NDR Jazzredaktion fand am 14. März 1984 der 188. Jazzworkshop statt. Die Carla Bley Band, gemeinsam mit Michael Mantler, Steve Slagle, Tony Dagradi, Gary Valente, Vincent Chancey, Bob Stewart, Ted Saunders, Steve Swallow und Victor Lewis gab sich im Hamburger Funkhaus die Ehre. Anlässlich des 10. Todestages von Duke Ellington wurde Carla Bley vom NDR beauftragt, ein Stück für den Jazzworkshop zu komponieren und aufzuführen. Ihre Gedanken und Ausführungen zu Duke Ellington lassen …

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Neue CD von Philipp Schiepek & Lorenz Widauer: Bangers and Ballads

Auf einem Konzert bei den Salzburger Festspielen im Sommer 2021 begegneten sich der Gitarrist Philipp Schiepek und Trompeter Lorenz Widauer zum ersten Mal. Irgendwie ticken beide musikalisch gemeinsam auf der gleichen Wellenlänge und so reifte seitdem die Idee für ein gemeinsames Projekt, das nun unter dem Titel „Bangers and Ballads“ erschienen ist. Der aus Salzburg stammende Trompeter Lorenz Widauer ist, ähnlich wie Philipp Schiepek, umtriebig und musikalisch vielseitig unterwegs. Ob mit Shake Stew, dem Orjazztra Vienna oder seinem eigenen Projekt Chez Fría, sein abwechslungsreicher Sound an der Trompete passt perfekt zu Schiepeks schwebendem Gitarrenspiel. „Bangers and Ballads“ zeigt beeindruckend neue Seiten beider Musiker zusammen im Quartett mit dem Bassisten Michael Acker und Matheus Jardim am Schlagzeug. Bei der Urheberschaft der neun Kompositionen auf der CD wechseln sich beide Musiker ab. Werbung Beim ersten Hören fällt sofort die Kommunikation der Musiker untereinander auf. Harmonische Melodielinien wechseln sich ab mit inspirierten, vertrackten, aber nie ausufernden Improvisationen – ein ausgewogenes Miteinander, das sich thematisch durch alle Stücke zieht. Spielfreude und vielschichtige Rhythmik bestimmt den Sound, lässt Raum für die eigene Klangsprache, betont das Gemeinsame, das die Musiker in …

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Marta Sánchez: Well prepared

(Von Robert Fischer) Einmal ist immer das erste Mal. Die im Jahr 1983 in Madrid geborene, in der spanischen Hauptstadt auch aufgewachsene, seit 2011 in den USA lebende Marta Sánchez hat sich viel Zeit gelassen für ihr Solo-Debüt. Umso neugieriger durfte man sein, welches Konzept sich die in der zeitgenössischen Kreativmusikszene mit eigenen Bandprojekten sowie als viel gefragte Begleitmusikerin höchst aktive, auch international tourende Pianistin für dieses Debüt überlegt hat. Im Februar 2026 flog die Musikerin, die zuletzt 2025 mit dem Downbeat Critics Piano Rising Star Award ausgezeichnet wurde, für zwei Konzerte nach Deutschland, um das am 17. April erscheinende Soloalbum vorzustellen. Das erste der beiden Konzerte fand am 19. Februar in München statt, wo sie von Martin Kolb für seine verdienstvolle Reihe JAZZplus in die Seidlvilla eingeladen worden war. Marta Sánchez ist leicht verschnupft. Erst an diesem Nachmittag kam sie nach einem langen Flug aus New York City, und nun sitzt sie schon in der Münchner Seidlvilla beim Soundcheck. Der ein bisschen länger dauert, denn ihr Soloalbum hat sie auf einem präparierten Klavier eingespielt, und diese Präparation gilt es nun für den Auftritt sorgfältig vorzubereiten. …

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Mosaic Records: Classic V-Disc Big Band Jazz Sessions

Nachdem das Label Mosaic Records vorletztes Jahr bereits eine 11-CD Box mit Classic V-Disc Small Group Jazz Sessions veröffentlicht hat (siehe dazu JazzZeitung vom 07.11.2024) folgt nun der zweite Geniestreich mit den V-Disc Big Band Jazz Sessions auf 10 CDs. Auch diese Mosaic Box ist weltweit wieder auf 5.000 Exemplare limitiert. Die legendären V-Discs: Amerika zieht in den zweiten Weltkrieg und die United Service Organization (USO), gegründet 1941, sorgte damals in Übersee für die Unterhaltung und das Wohlergehen von US-Soldaten. Als „moralische Stärkung“ u.a. mit sogenannten V-Discs („Victory Discs“). Musikalische Schätze des Jazz, der Unterhaltungsmusik und Klassik, zum Teil exklusiv aufgenommen während des „record ban“ von August 1942 bis November 1944. Diese Aufnahmen waren in diesem Zeitraum die einzig offiziellen Sessions und Produktionen mit Instrumentalmusikern, die für diesen Rahmen aufgenommen und veröffentlicht werden durften. Später folgten dann weitere, spezielle Aufnahme-Sessions für dieses Army Projekt. Als 12-inch Schellacks zusammengestellt und in 10er Kartons mit jeweils 100 Grammophonnadeln verpackt, wurden die V-Disc‘s dann nach Übersee verschifft. Werbung Was die vorliegenden Aufnahmen besonders interessant macht ist die Tatsache, dass sie, entstanden zwischen Oktober 1943 und November 1948, den absoluten …

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Heuken – Koch – Grossmann mit starkem Vibe für Post-Tiktoker

Drummer Johannes Koch legt mit Trio Future Backup ein chillig-verträumtes Debütalbum vor Kommt mit dem Vorstoß der Sozis zu Social-Media-Beschränkungen jetzt die Post-Tiktok-Generation? Den Soundtrack dafür gibt es schon. Die Band Future Backup praktiziert damit ein gelassenes Anschwimmen gegen den Zeitgeist. Auf ihrem Album „Golden“, das eben beim österreichischen Indielabel Boomslang Records erschienen ist, schalten die drei Musiker in einer Welt des höher-schneller-weiter zwei oder gar drei Gänge runter. Werbung Sie dehnen den Moment und bleiben, bildlich gesprochen, im musikalisch-yogischem Om, in dem sich Töne, Rhythmen und Sounds ausgesprochen chillig und dennoch höchst präzise entfalten können. Der gebürtige Regensburger Johannes Koch, der erst vor zwei Jahren mit seinem Quartett „Life is Great“ ein gefeiertes Debüt erlebte, spielt schon lange mit Vibraphonist Volker Heuken und Lukas Grossmann an der Orgel (auch Synthie) im Trio. Nach x Konzerten und Festivalauftritten vom Jazzfest Berlin bis zu den wichtigen Szenefestivals Hurricane & Southside folgt endlich ihr Debüt mit dem konzeptlosen Album. Konzeptlos, weil weniger eine ausgereifte Idee, als vielmehr ein Gefühl Auslöser für die elf Titel war. Die Skizzen dazu hat Heuken, der in Nürnberg bei Roland Neffe Jazz-Mallets …

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Norbert Stein ist mit dem Pata Trio auf der Spur der „Planetentochter“

Tastend, fast zerbrechlich beginnt das Tenor sich einen Weg zur imaginären „Planetentochter“ zu bahnen, einem mythologischen Wesen, schön und versponnen. Genauso will es vom Pata-Trio des Saxofonisten und Komponisten Norbert Stein wahrgenommen und mit poetischem Eigensinn erspürt werden. Umgarnt von Beckengeraschel (Jörg Fischer) und flüchtig mäandernden Klaviersprüngen (Uwe Oberg) zieht es schließlich, begleitet von einem warmen Basston, fein flackernd seine Bahn im Universum des Pata-Masters. Werbung Vom Trio bis zum Orchester Seit Jahrzehnten erforscht und erweitert der Kölner mit unterschiedlichsten Besetzungen vom Trio bis zur orchestralen Formation ein Universum aus freier Improvisation,  Komposition und Lust am Schönen. Es sind die Klänge und ihre kommunikativen Beziehungen, die er nicht müde wird zu ergründen. Die „Planetentochter“, mit einem skurrilen, in Urzeiten einmal futuristischen Fluggerät auf dem Cover, nimmt die Nummer 27 in dieser Albumdiskothek ein und damit schon die dritte Zehnerstaffel ins Visier. The Raven Speaks Mit sechs Titeln und knapp vierzig Minuten ist es ein eher kurzes Album, nach dem üppigen letzten, mit zwölfköpfiger Besetzung eingespielten „Pata Kandinsky“. „The Raven Speaks“ ist ein Paradestück für die einerseits melodisch eigensinnige, sehr bildhaft wirkende musikalische Gewichtung Stein`scher Kompositionen …

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