Ein echtes „Bunker-Kind“: Luise Volkmann kam mit großer Band in ihre Bielefelder „Heimstätte“ zurück

Der Bunker Ulmenwall wurde in diesem Jahr einmal mehr mit dem Spielstättenpreis für seine Programmplanungen ausgezeichnet. Und dies zu Recht, markiert diese Örtlichkeit doch seit Jahrzehnten eine prägende Institution – nicht zuletzt für den ambitionierten MusikerInnen-Nachwuchs: Entsprechend wäre auch die rasante Laufbahn der gebürtigen Bielefelderin Luise Volkmann – einer hochkreativen Bandleaderin, Saxofonistin und Komponistin – ohne den Bunker wohl kaum denkbar! Die heute 25-jährige hat bereits ein Studium in Leipzig absolviert, danach folgte ein Erasus-Stipendium in Paris. Dorthin zieht es sie nach wie vor immer noch regelmäßig, um die Energie einer internationalen Musikmetropole begierig aufzusaugen und sich sozial-künstlerisch bestens zu vernetzen. Also durfte man Großes erwarten, als sie mit einer 12-köpfigen Truppe zum „Heimspiel“ zurück in den Bunker Ulmenwall kam. Und doch übertraf die in bestem Sinne „un-erhörte“, von ihr komponierte und arrangierte Musik alle Erwartungen. Luise Volkmann will es …

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Matinee: Das Duo Elin-Sakas bei Eleven-eleven in Olching

Die Musikreihe „Eleven-eleven MusikKultur e.V.“ wurde im Februar 2005 aus der Taufe gehoben. Seitdem fanden 156 spannende Matineen im Konzertsaal des Olchinger KOM statt. Am letzten Sonntag, dem 18.02.18, war es wieder einmal soweit: diesmal mit dem Duo des Saxophoninsten und Bassklarinettisten Christian Elin und Prof. Maruan Sakas am Flügel. Eine besondere Matinee dieser Konzertreihe, stand sie diesmal ganz im Zeichen des Jazz und der Improvisation. Allerdings mit einem kleinen Wermutstropfen gleich zu Beginn: Elin, der außer Sopransaxophon auch ein Virtuose an der Bassklarinette ist, musste beim Konzert leider kurzfristig auf dieses herrliche Instrument verzichten, da es kurz vor dem Konzert umfiel und nicht mehr spielbereit war. Wie es im Jazz nun mal ist wurde das Programm kurzerhand umgestellt, und so spielten die beiden einfach Stücke für Piano und Sopransaxophon aus ihrem Repertoire… und die hatten es in sich! Außer …

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Präzision und Himmelsstürme: John-Dennis Renkens Band „Tribe“ im Dortmunder „domicil“

Ausgiebig Gelegenheit, sich seine Lieblingsmusiker auszusuchen, hatte der Essener Trompeter John-Dennis Renken während seiner Zeit als Improvisor in Residence in Moers, die im Januar zu Ende ging. Also erweiterte er „seine“ langjährig bestehendes „Zodiak Trio“ um die Saxophonistin Angelika Niescier (übrigens die aktuelle Preisträgerin des Albert-Mangelsdorff-Preises) und die australische Ausnahmeposaunistin Shannon Barnett – das funktionierte so gut, dass seitdem unter dem Namen „Tribe“ eine neue feste Band ins Leben gerufen worden ist! Die druckvoll-progressive, gerne auch breakbeatlastige Jazzrock-Mischung des Zodiak-Trios erfährt hier eine plausible Erweiterung in Richtung komplexer, manchmal fast bigbandartiger Bläsersätze. Und es weitet sich immens die Spielwiese für solistische Höhenflüge! Diese Jazzmusiker von heute, die sich schon lange kennen und alle auf vielfältige Weise international vernetzt sind, vereinen Tugenden, die die Gegenwart braucht: Dezidierte kompositorische Ideen liefern die Plattform für ausschweifenden Freigeist. Und bei allem ist höchste Intuition …

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Dogmatiker unter Dauerbeschuss: Künstlerische Konsequenz und viel Humor beim Essener JOE-Festival

Beim Festival der Jazzoffensive Essen geht es um alles andere, nur nicht um das risikoscheue Aufpolieren des längst Bekannten und Gefälligen. Entsprechend viel mutige Konsequenz wiederspiegelte die aktuelle Festival-Ausgabe – zumal die künstlerischen Ansätze von Musikern aus der Gegenwart keine Grenzen zu kennen scheinen!  Da zelebrieren der Berliner Niko Meinhold und der Amerikener Christopher Williams alles erdenkliche, was eben nicht zum „normalen“ Musizieren Kontrabass und Konzertflügel gehört. Im zarten Miteinander oder Gegeneinander werden zarte, oft geräuschhafte Aspekte ausgekostet – aber auf Anhieb wird klar, dass diese beiden Künstler mit so etwas eine höhere Daseinsebene im Sinn haben. Ja, die gestenhafte Rhetorik, zu der auch Textfragmente und das immer wieder eingestreute Klackern von drei Würfeln gehören, lassen fast so etwas wie ein imaginäres absurdes Theaterstück assoziieren. Niko Meinhold greift auf einschlägige Quellen zurück für solche Performance-Kunst: So partizipiert er regelmäßig im …

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Vadim Neselovskyi am Klavier. Foto: Stefan Pieper
Vadim Neselovskyi am Klavier. Foto: © Stefan Pieper

Gegen geistige Kleinstaaterei: „jazz in between“ liefert im Theater Münster einen kraftvollen Dreiklang zum Jahresauftakt

Jazz ist eine globale Kultur – und das setzt umso wichtigere Signale, wo heute doch wieder die geistige Kleinstaaterei verhängnisvolle Vormärsche antritt! Eine lebendige Kunstform der Gegenwart braucht keine Ikonen oder hochglanzpolierte große Namen, um eine Bühne mitreißend zu bespielen. Das weiß auch das Publikum beim Jazzfestival in Münster, welches dem künstlerischen Leiter Fritz Schmücker jedes Jahr aufs Neue vertraut. Das zahlte sich einmal mehr aus bei der „kleinen“ Festivalausgabe „jazz in between“, wo sich drei Bands zu einem farbenreichen musikalischen Dreiklang vereinten – drei mal anders und drei mal neu! Da zeigt sich Eric Schaefer nicht nur als mit allen Wassern gewaschener Schlagzeuger, sondern auch als Denker und Lenker, der seine Rolle im Ensemble sehr weit definiert. So etwas stachelt die Pianistin Ulrike Haage, den Bassisten Oliver Potratz sowie einen bemerkenswerten Klarinettisten namens Kazotoki Umezu zu ganz viel intensiv …

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Frontmann Jan Zehrfeld spottet über "erzwungene Besinnlichkeit". Foto: Michael Scheiner

Panzerballett zerschreddert weihnachtliche Innerlichkeit

Panzerballetts komplexer Streifzug durch die Welt des Weihnachtslieds im instrumentalen Tarnanzug von harten Metal-Riffs und krummen Rhythmen. Ende der 70er Jahre plärrte die österreichische Rockband EAV „Ihr Kinderlein kommet (verdammt noch einmal)“ auf ihrer gleichnamigen Tour. Es war eine schneidend böse Häme auf weihnachtlichen Konsumzwang und Heuchelei, garniert mit schlüpfrigen Bosheiten. Für Jan Zehrfeld ist das seit 1997 jedes Jahr im Herbst wieder in den deutschen Charts vertretene „White Christmas“ nur auf eine Weise, nämlich „so erträglich“: Auf der Bühne im Leeren Beutel lässt er kurz seine siebensaitige Gitarre von Ibanez aufheulen. Er habe den Song des Popsängers George Michael „mit schönen Harmonien“ – er spielt wieder einen schrägen Akkord an – und „neuen Taktarten, also 11/4 und auch 11/16“ aufgemotzt. Die Melodie aber habe er „ganz und gar unangetastet gelassen“. Einige wuchtige Gitarrenakkorde peitschen durch den historischen Saal, als …

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Zum 50. SWR NEWJazz Meeting: Seltene Aufnahmen mit Jazz Stars aus dem Archiv im TV

Filmische Collage: „All der Jazz – 50. SWR NEWJazz Meeting“ 14. Januar, 9:15 Uhr, SWR Fernsehen Das SWR NEWJazz Meeting ist seit 1966 eine künstlerische Forschungsstation in Sachen improvisierter Musik. Völlig unterschiedliche Musiker, die zuvor noch nie zusammen gespielt haben, erarbeiten in einem mehrtätigen Prozess beim SWR ein gemeinsames Programm, das sie anschließend auf Konzerten im Sendegebiet präsentieren. In seiner filmischen Collage „All der Jazz – 50. SWR NEWJazz Meeting“ zeigt Andreas Ammer in 50 vielfältigen Kapiteln die Geschichte des Jazz, die auch die Geschichte des SWR NEWJazz Meetings ist. Musiker der ersten Stunde wie Manfred Schoof, Clara Bley, Barbara Dennerlein, Jasper van’t Hof, und Eberhard Weber erinnern sich an ihre Auftritte – und daran, was alles in fünf Jahrzehnten im Jazz passiert ist. Zu sehen sind intime Einblicke in den Probenbetrieb von damals und heute sowie seltene SWR Archivaufnahmen. …

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Monika Roscher steigt in Leuchtdiodenanzug und tanzt die „Starlight Night“

„Echte Lieder aus dem Leben“: Monika Roscher mit ihrer 17-köpfigen Band im Regensburger Jazzclub Leerer Beutel Das knapp zehnjährige Mädel in der ersten Reihe konnte kaum seinen Blick von der lebhaften Musikerin auf der dicht besetzten Bühne im Leeren Beutel wenden. Weit vorn auf dem Stuhl sitzend, schlenkerte sie mit den Beinen im Takt des mächtigen Bigband-Sounds, ihre Finger gingen mit, wenn Monika Roscher mit entschiedenen Armbewegungen den Einsatz der verschiedenen Bläsersections dirigierte. Oft hatte die Bandleaderin dabei noch ihre E-Gitarre, eine Fender Stratocaster, um den Hals hängen, weil zwischen ihren verschiedenen Aufgaben – sie singt auch noch – zu wenig Zeit gewesen ist, das Instrument in den Ständer zu stellen. Auch in diesem Jahr gastierte Roscher mit ihrem „Artrockpopelektrokollektiv in Big-Band-Gestalt“ – so die Selbstbezeichnung – im Leeren Beutel. Traditionell spielt am zweiten Weihnachtsfeiertag eine Großformation beim Jazzclub und …

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Minimal Jazz: Andreas Dombert im Regensburger Kulturhaus Leerer Beutel

Minimal Schritte in eine neue Richtung Der Regensburger Gitarrist Andreas Dombert stellte im Kulturhaus Leerer Beutel sein neues Programm mit Minimal-Kompositionen vor Er sei, schildert Gitarrist Andreas Dombert auf der schmalen Bühne im dritten Stock des Leeren Beutels in Regensburg, „in ein richtiges Loch gefallen“. Nach der Produktion des Album „35“ vor zwei Jahren, das für einen Jazz Echo vorgeschlagen worden sei und prima Kritiken erhalten habe, „wusste ich nicht, wie es weitergehen soll“. In einem Hauptseminar habe er wenig später an der Uni die Minimal Music kennengelernt und darin einen Weg für sich gesehen. „Wenn sie hier im Raum vor den blauen Bildern stehen bleiben“, sprach er die Zuhörer unmittelbar an und setzte einen Vergleich zur eigenen Faszination für diese Form von Neuer Musik, „und lassen sie auf sich wirken, passiert irgendwann etwas mit ihnen“. Mit geübtem Griff hob …

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Volles Risiko für „im Moment sein“

Beim Jubiläumskonzert des Jazzclub im Leeren Beutel begeisterte das Trio des 30-jährigen Pianisten Pablo Held das Publikum bis zum letzten Platz. „Was ihr da habt, ist ein Geschenk“, begeisterte sich die Sitznachbarin im Leeren Beutel, nachdem der lang anhaltende Beifall für das Pablo Held Trio abgeflaut war. Damit meinte sie sowohl das Konzert, wie auch das Programm des Jazzclubs als solches. In Traunstein, wo sie lebe, müsse man Wege bis München oder Salzburg in Kauf nehmen, um vergleichbare Konzerte zu hören. Nach einer Fortbildung war die Physiotherapeutin über ein Plakat auf das Jubiläumskonzert zum 30-jährigen des Clubs aufmerksam geworden und hatte spontan beschlossen es sich noch anzuhören. Ruhig, suchend, ein paar wenig Töne vom Flügel markieren den tastenden Einstieg. Getupfte Beckenklänge, vom Bass breitet sich ein Ton in bedächtigen Wellen durch den ganzen Saal aus. Langsam entwickelt sich aus den …

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