Neu! Das Sparks & Visions Festival Regensburg

Vom 27. bis 29. Januar 2023 findet im Theater Regensburg erstmals das internationale Jazzfestival Sparks & Visions statt. Anlässlich dessen hat Patrick Erb mit der Veranstalterin und künstlerischen Leiterin, Anastasia Wolkenstein, gesprochen. Sie haben Ihr Festival Sparks & Visions genannt, also in etwa „Funken & Visionen/Blicke/Traumbilder“. Was bedeutet der Titel? Wie steht er im Zusammenhang mit dem Festival oder welche Erwartung können wir daraus schöpfen? Das Festival wird Ende Januar ausgetragen, also in der kalten und dunklen Jahreszeit.  Hierbei soll Sparks & Visions helfen, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Dabei stehen die einzelnen Künstler*innen für die Funken, die einzelnen Aspekte ihrer Musik für die Bilder. Sie bezeichnen den Jazz als einen ästhetischen Kreuzungspunkt, in dem alle möglichen musikalischen Stilrichtungen zusammenkommen, wie Pop, Rock, Weltmusik, Klassik und Avantgarde. Wie sehr sehen Sie das in Ihrer Auswahl der Künstlerinnen und Künstler bestätigt? Für mich hat Jazz ein unerschöpfliches Potenzial im Finden von Anknüpfungspunkten verschiedenster Stilrichtungen. Um das zu zeigen, setze ich im Programm auf Vielfalt: Das Festival soll sowohl für Kennerinnen attraktiv sein, die ein Interesse haben an progressiveren Ausrichtungen des Jazz, als auch für Menschen, …

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Iiro Rantala’s FLOCK – gestern in der Münchener Unterfahrt, heute im Jazzclub Leerer Beutel in Regensburg

Veranstalten wird immer mehr zum Abenteuer. Der Vorverkauf zum Beispiel erweist sich inzwischen als Auslaufmodell. Zuschauer:innen entschließen sich immer kurzfristiger zum Kulturgenuss, mal abgesehen vom Partysegment. Die Kalkulierbarkeit von Tourneen nimmt ab, der Geldwert auch, es hagelt bereits Absagen zugunsten der Streaming-Couch. Reisen wird schwieriger, von Flugscham bis zur Verspätungslotterie des Zugverkehrs. Und die Unterbringung? „Wir hätten auch zwei Sets gespielt“, meinte Iiro Rantala in der Münchner Unterfahrt. „Aber es gibt in München keine Hotelzimmer!“ Also ein durchgehendes Instant-Konzert, danach freundliches, aber zügiges Signieren und ab zum nächtlichen Bahnhof, Richtung Regensburg, der nächsten Station der Kurztournee, wo immerhin ein paar späte Gastzimmer auf den finnischen Piano-Charmeur und sein junges Quartett warteten. Die Energie auf der Bühne allerdings konnte die fremdbestimmte Eile nicht einbremsen. Rantala war in Form, hatte das Trio der Sängerin und Keyboarderin Maja Mannila als Basis seines aktuellen Quartetts FLOCK und außerdem ein buntes Programm aus neuen Stücken und bewährten Kompositionen mitgebracht. Stilistischer Ausgangspunkt war der unterhaltsame Fusionsound von damals, inzwischen dem Trio Töykeätt wieder näher als frühere Projekte. Zwar spielte Rantala auch den „November“ seines Songs-Solo-Zyklus zum finnischen Wetter oder die Widmungsstücke …

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Begegnungen mit dem Progressiven – „Jazz & The City“ in Salzburg

Abgesehen von ein paar Tropfen war vom berühmten Salzburger „Schnürlregen“ nichts zu sehen, dafür oft prächtiger Sonnenschein und stets Temperaturen über zwölf Grad – die Rahmenbedingungen waren also perfekt für „Jazz & The City“, das Salzburger Jazz-Festival, das wie kein anderes für Flaneure gemacht ist. Denn (fast) alle Spielorte liegen fußläufig in der Altstadt, und die überlappenden Termine fordern geradezu dazu auf, von einem Konzert zum anderen zu pilgern.   Seit die Elbjazz-Erfinderin Tina Heine 2016 die Intendanz, wie das in Österreich so schön heißt, übernahm, hat „Jazz & The City“ nochmal ganz neuen Zug bekommen. Offenheit, Experiment und Begegnung stehe seither ganz oben auf der Agenda. Als geborene Netzwerkerin brachte Heine nicht nur die wichtigsten Kreativen der Musikstadt unter den Hut des veranstaltenden Altstadtverbandes, sondern auch gleich ihr Hamburger Team und die wichtigsten Exponenten der jungen internationalen Jazzszene.   Die Stadt als Bühne Anders als bei den meisten Festivals spielen die Musiker nicht ein Konzert herunter und verschwinden dann wieder. Die meisten bleiben mehrere, wenn nicht alle vier Tage und präsentieren sich in neben mehreren Besetzungen oder Projekte auch bei „Blind Dates“ oder Jam …

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Ex-Popstar in freien Jazzgefilden – Vesna Pisarović in Regensburg

Die kroatische Sängerin Vesna Pisarović fasziniert bei ihrem Trioauftritt im Leeren Beutel, Regensburg, mit freiem Jazz und Scatgesang. Musik zu machen und übliche Einteilungen in Stile und Genres dabei links liegen zu lassen, ist heute beinahe eine Selbstverständlichkeit.   Skifflemusiker spielen mit Jazz-, Blues- oder anderen musikalischen Formen. Popmusiker greifen auf ethnische Formen zurück, Hip-Hopper nutzen völlig selbstverständlich Jazz, Grunge oder Punk. Dass aber eine erfolgreiche Popsängerin das Genre wechselt und beginnt modernen Jazz zu singen, ist auch heute noch eher selten. Noch dazu, wenn sich diese Sängerin, wie die in Berlin lebende kroatische Musikerin Vesna Pisarović gänzlich außerhalb des Mainstreams und des populären Swing bewegt. Was vor über einem halben Jahrhundert die englische Popsängerin Juli Driscoll und eingeschränkt später auch Nina Hagen vorgemacht haben, setzt die aus Bosnien-Herzegowina stammende Pisarović seit 2006 fort. Nach großen Hits, mehreren vergoldeten Alben und einer erfolgreichen Teilnahme am Eurovision Song Contest, nahm sie das experimentelle, von Elvis Presley inspirierte Album „With Suspicious Minds“ mit Gerhard Gschlößl, Clayton Thomas und  Steve Heather auf. Es war ein tiefgreifender Wandel, den Pisarović vollzog und den sie seither ständig für sich weiterentwickelt …

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Heimspiel mit universellem „Heimatjazz

Mit Heimatsound der anderen Art wird der Kölner Komponist und Gitarrist David Plate beim Jazzclub Regensburg gefeiert. Wie die so unsinnigen wie nervigen Plastikpapperl auf jedem einzelnen Obststück, wird seit einiger Zeit in Bayern auf jedes Musikstück, welches nur im entferntesten etwas mit der alpenländisch-bajuwarischen Region zu tun hat das Papperl „Heimatsound“ draufgeklebt.   Demzufolge macht auch David Plate Heimatsound, denn der Kölner Gitarrist und Komponist ist gebürtiger Regensburger. Etwas tiefer eingestiegen, könnte man nach rheinländischem oder bayerischem Heimatsound unterscheiden. Und richtig tief gegraben kommt man darauf, dass der Jazz bereits in seinen Anfängen kosmopolitische Stränge hatte. Diese katapultieren das Genre, wie letztlich auch jede Popmusik, in die Stratosphäre eines globalen Heimatsounds.  Beim Jazzclub im Leeren Beutel stellte Plate sein während der Coronazeit entstandenes Album „Bull`s Eye“ mit einem Septett erfahrener Musiker einem begeisterten Publikum vor. Seine Kompositionen, oft für Bigband geschrieben und arrangiert, verbinden nicht selten komplexe Strukturen mit rhythmischer Raffinesse und eingängigen Themen.   Stilistisch ist er dabei nach vielen Seiten offen. Seinem Faible für lateinamerikanische Formen lässt er ebenso Raum, wie Funk- und Souleinflüssen, einem geschmeidigen Mainstreamjazz, Fusion und Blues. Seine Soli …

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Ein Festival, das überzeugt: New Colours 2022 in Gelsenkirchen

 „Lass uns diese Räume pflegen!“ appellierte Festivalleiter Bernd Zimmermann an sämtliche Anwesenden im stadt.bau.raum zum Auftakt des New Colours Festivals. Sich von Vielfalt anstecken zu lassen lautete die Einladung ans Publikum, zu dem auch viele internationale Medienvertreter gehörten. Nicht alles konnte so stattfinden, wie es geplant war. Das lag vor allem am Wetter. Dafür überforderte dieses Festival auch nicht mit einem zu dichten Überangebot, sondern gab Raum zum Durchatmen und zum „Sich-einlassen“. Das hat Stefan Pieper getan und berichtet für uns aktuell vom jüngsten deutschen Jazzevent.   Das kam schon dem Auftaktkonzert im stadt.bau.raum zu gute. Mit der österreichisch-tschechischen Band „Purple is the Colour“ eroberte ein junges Quartett aus der Gegenwart des europäischen Jazz (besser: aus der aktuellen europäischen Jazz-Szene) ihr Publikum, welches sich von der organischen Spielfreude dieser Band restlos mitreißen ließ. Der enthusiastisch gefeierte Auftritt verkörperte die typischen Qualitäten des Jazz, wie er seit 10 Jahren in Gelsenkirchen durch die Reihe Fine Art Jazz gepflegt wird: Hier blenden nicht in erster Linie große Namen, dafür zählt das Entdeckungspotenzial umso mehr.     Vom Südtirol Jazzfestival Alto Adige nach Gelsenkirchen war der slowenische Cellist …

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Klangabenteuer von Jazz bis Klassik – „Zwischentöne“ in Regensburg

Zwei Tage Openair in der tollen Akustik des Thon-Dittmer-Hofs in Regensburg: Das Minifestival  „Zwischentöne“ fütterte die emotionalen Speicher der Zuhörer auf. Als „Pflichttermin“ hatte Regensburgs Trommel-Koryphäe Gerwin Eisenhauer vom Strandurlaub aus das Konzert des „unglaublichen Joey Baron“ im Thon-Dittmer-Palais auf Facebook plakativ beworben. Allzu viele haben den Post dann scheinbar nicht gelesen, Jazzclub-Vorstand Bernhard Lindner zeigte sich bei der Anmoderation des Konzerts ein wenig enttäuscht über den Besuch. Nach einem berauschenden musikalischen Erlebnis zwischen zartesten Klangtupfern und brachialem Drumgewitter teilte allerdings ein gänzlich hingerissenes Auditorium Eisenhauers Bewunderung für den US-amerikanischen Schlagzeuger. Dabei war der international beschäftigte Musiker gar nicht als Bandleader oder gar Solist – diese musikalische Form bedient er auch – gekommen. Baron spielte im Trio des eine Generation jüngeren dänischen Gitarristen Jakob Bro, zusammen mit dem hippiebunt gekleideten Bassspieler Anders Christensen.   Demonstration musikalischer Meisterschaft und Klangmagie Geriet der Einstieg noch sehr ruhig, mit suchenden Tönen aus Bros E-Gitarre, die leicht wie Federn durch den Raum zu schweben schienen, verdichtete sich der Sound unter Barons Ansturm zu einem brodelnden Vulkanausbruch. Fast schien es zu einem Joey-Baron-Konzert zu werden, bei dem die beiden Gitarristen …

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„Wilden Saiten“ täte Auffrischung gut: Cordes Sauvages‘ Tribute für Django Reinhardt

Regensburg. Die „wilden Saiten“, als Cordes Sauvages seit langem ein fester Begriff der hiesigen Musikszene, sind in letzter Zeit schwer gebeutelt worden. Vor über zwei Jahren ist ihr musikalischer Mastermind, der Gitarrist, Arrangeur und Komponist Helmut Nieberle, mit gerade mal 63 Jahren verstorben. Beim diesjährigen Palazzo-Auftritt fehlte unerwartet Gitarrist Ferry Baierl, seit Jahrzehnten die unerschütterliche Rhythmusstütze der Band. Festivalimpresario Alex Bolland wies in seiner Anmoderation darauf hin, dass Baierl einen Herzinfarkt erlitten habe, auf dem Weg der Besserung sei und im Konzert durch den jungen Nieberle-Schüler Patrick Schichtl ersetzt würde.   Mit neuen Köpfen Der Neuzugang fügte sich in dieser Rolle, als steter Rhythmusgeber, mit Gespür und Passion wunderbar ein und ließ in einigen kurzen Soli durchblicken, dass von ihm noch weit mehr zu erwarten ist. Seit jeher hat sich Cordes Sauvages vorrangig der Musik Django Reinhardts, des Swing und Bebop verschrieben und widmete dem Franzosen und dem Bebop-Pionier Charlie Parker mit dem Tribute-Konzert in lauschiger Arkadenhof-Atmosphäre auch den Abend. Als Gast stellte Klarinettist Stefan Holstein, der seit vielen Jahren zusammen mit Schlagzeuger Michael Scotty Gottwald und Bassist Wolfgang Kriener das swingende Klangbild des Ensembles …

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Jazz im Garten: Der 30. Internationale Augsburger Jazzsommer 2022

1993 aus der Taufe gehoben, wurde aus den Sommernachtskonzerten im Botanischen Garten der Stadt Augsburg zwei Jahre später der Augsburger Jazzsommer und schließlich der Internationale Augsburger Jazzsommer. Beeindruckend, wer unter dem Dach des Pavillons des Botanischen Gartens bereits aufgetreten ist: angefangen von Michel Petrucciani, über McCoy Tyner, Charles Lloyd, Steve Kuhn, John Scofield, Avishai Cohen oder Brad Mehldau, um nur beispielhaft ein paar Jazzgrößen aufzuführen. Dieses Jahr feierte die Konzertreihe mit dem einzigartigen Ambiente ihr dreißigjähriges Jubiläum. Das Lineup war wiederum fulminant und genauso sensationell wie das Wetter, das bei Open-Air Konzerten eine nicht unwesentliche Rolle spielt.   Nachdem Bassist und Festivalinitiator Christian Stock vor drei Jahren die künstlerische Leitung an den Schlagzeuger Tilman Herpichböhm übergeben hatte, war die Welt noch in Ordnung. Der erste internationale Klaviersommer unter Herpichböhm im Jahr 2020 fand wegen Corona nur in abgespeckter Form mit zwei Konzerten statt. Im Jahr darauf konnte man dann wieder unbekümmert mit vollem Programm aufwarten. Und dieses Jahr das dreißigjährige Jubiläum! Wie bereits in der Vergangenheit fanden sechs international besetzte Konzerte im Pavillon des Botanischen Gartens statt, flankiert von fünf Konzerten im Brunnenhof des Augsburger …

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Out Of The Box: Riesenradoper Umadum von Christian Muthspiel

(Von Ralf Dombrowski): Sie könne sich vorstellen, das Ganze auch nach Dubai zu exportieren, meinte Martina Taubenberger, Kuratorin der Out Of The Box Festivals. Oder nach London zum Beispiel. Schließlich sei Umadum ihres Wissens die erste Riesenradoper überhaupt und schon als solche eine Besonderheit. Zum Finale der dritten Festivalausgabe im Münchner Werksviertel (5.-7. August 2022) dem bereits das Gebärdensprachenballett „Babel“ und das Datenhandschuhkammerorchesterkonzert „Digitale Poesie: The Human Touch“ vorausgegangen waren, setzte das Auftragswerk des österreichischen Komponisten Christian Muthspiel technisch und konzeptuell noch einmal einen drauf. Denn für die Verwirklichung wurden 27 Musiker*innen seines OrJazztras Vienna in die Kabinen des Riesenrads gesetzt und jeweils über einzelne Kanäle mit dem Mischpult auf dem Bauplatz des geplanten Münchner Konzerthauses verknüpft, das wiederum aus den einzelnen Signalen ein Ganzes entstehen ließ und es dem ungezwungen auf Liegestühlen verteilten Publikum präsentierte.     Zwischen Jahrmarkt und Zoom-Sitzung Dabei gab es neben der Besonderheit der Konstruktion noch weitere ungewöhnliche Elemente. Zum einen konnte man als Zuhörerin jeweils eine Umdrehung in einer der Kabinen mitfahren und erlebte damit die Laborsituation der jeweiligen isolierten Künstlerinnen, die nur sich selbst und eine rudimentäre Klanggestalt …

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