Membran des Geistigen durchstoßen – John Coltrane auf der Spur

„Das ist die Art Musik, die Gott hören würde!“ Ein Eintrag unter einer Aufnahme von „Naima“, die John Coltrane mit seinem Quartett 1965 bei einem belgischen Festival eingespielt hat, erinnert an die fast mythische Verehrung, die der amerikanische Musiker manchmal bis heute genießt. Der zwei Jahre später verstorbene Saxophonist hatte diese Komposition seiner ersten Frau Juanita „Naima“ Coltrane gewidmet. Mit dieser hingebungsvoll interpretierten Ballade eröffnete ein Quartett um Uwe Steinmetz das Konzert „Coltrane 100 – A Love Supreme“ beim Jazzclub im Leeren Beutel Regensburg – und traf das Publikum gleich mitten ins Herz. Ungewöhnliches Format Die gut besuchte Veranstaltung zum 100. Geburtstags eines der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts hatte ein ungewöhnliches Format. Statt einfach bekannte Stücken zu spielen, hatte Steinmetz die Journalisten Roland Spiegel vom BR und den Autor dieses Beitrags eingeladen. In Gesprächsrunden zur Person und zu Wechselwirkungen von Jazz, Spiritualität und Demokratie gingen sie der Wirkung des großen Musikers auf Jazz und Popkultur nach. Es gibt um den inneren und äußeren Nachklang, den dieser große Musiker bis heute hat. Werbung Für Spiegel, der beim Bayerischen Rundfunk tausende von Jazzsendungen moderiert hat, ist …

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Cymande und Gil Scott-Heron by Brian Jackson und Yasiin Bey – gehört bei Jazz à la Villette, Paris

(Von Kat Pfeiffer) Eine Reise in die Siebzigerjahre, nach New York und London, zu zwei afro-karibisch verwurzelten Realitäten. Beide verbinden kulturell und musikalisch mehrere Generationen, unterschiedliche Hautfarben und bleiben aktuell. Cymande Als ich am 2. September 2026 die Halle Grande der La Villette betrete, laufe ich direkt auf die am Tisch sitzende Musikgeschichte zu: Bassist Steve Scipio, Vokalist Ray Simpson und Gitarrist Patrick Patterson erzählen im Interview für das französische Radio von ihrer 60-jährigen Freundschaft, den Anfängen von Cymande, als sie in London nah beieinander gewohnt haben, und warum auf dem Plattencover ihres ersten Albums Cymande (1972) eine Taube zu sehen ist. Mein Herz schlägt schneller, als ich die halb-analog ausgerichtete Street-Kamera aus der Tasche nehme. Schaffe ich es jetzt, scharf zu stellen? Werbung Cymande spielt zuerst. Den Dreier-Original-Stamm der Band ergänzen Tony Kofi (aka Denis Cofie) – Soprano- und Altsaxophon, Kevin Davy – Trompete, Denys Baptiste – Tenorsaxophon und Flöte. Die Bläser ziehen das Ganze schon am Anfang in Sweeden richtig stark funky nach vorne. Donovan Gervais spielt Keyboard, Richard Bailey Schlagzeug und Donald Gamble Percussion. Mit dem Get it Back drängt die Psychedelik …

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Gitarrist Peter Bernstein: Swingender Post-Bop mit griffiger Eleganz

„Hey man“ begrüßt der Regensburger Gitarrist Helmut Kagerer den amerikanischen Kollegen Peter Bernstein im Gedränge der Tür zum Saal im Leeren Beutel. Dieser stutzt kurz, schließt den Kollegen dann freudig in die Arme. „Hey, always on tour“, gibt Bernstein zurück und strebt nach einem begeistert aufgenommenen ersten Set mit einem Wink in die Pause. Da hatte der 59-Jährige, der sechs Tage zuvor auf Europatournee Geburtstag feierte, das fast ausverkaufte Konzert mit dem Stück „Simple As That“ begonnen. Die relaxt swingende Komposition aus seinem Album „What Comes Next“ kann in ihrer zurückhaltenden Ruhe und spielerischen Eleganz als Statement verstanden werden. Sie war in der ersten Hochphase der Coronapandemie entstanden. In New York City, wo die Aufnahme im Herbst stattgefunden hatte, herrschte damals eine angespannte Nervosität und Angst, waren doch schon im Frühjahr und Sommer viele Todesfälle bekannt geworden. Werbung Wunsch nach Besonnenheit Auch das Titelstück, mit dem Bernsteins Quartett nach längerer Pause die zweite Hälfte seines Jazzclubkonzertes startet, unterstreicht in seiner Unaufgeregtheit den Wunsch nach Besonnenheit. Tempo nimmt die Band in „Harbor No Illusions“ auf, „Mach dir keine Illusionen“ auf deutsch, dem letzten Stück des Abends …

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Zurück in die Scheune – Das Inntöne Festival 2026

Aus dem „Jazz auf dem Bauernhof“, wie Gründer und Veranstalter Paul Zauner sein auf dem elterlichen Bauernhof in Diersbach nahe Schärding gelegenes „Inntöne Festival“ im Untertitel treffend beschreibt, wurde in den vergangenen Jahren ein echtes Jazz-Woodstock. Denn wegen und seit Corona verlegte er die drei Tage von Pfingsten in den Juli und von der Scheune auf die Wiese, samt großer Open-Air-Bühne. Das Risiko aber war zu groß. Hätte es im vergangenen Jahr einen Tag länger geregnet, wären die Böden für Bühnenaufbau, Camping und Parken nicht rechtzeitig getrocknet. Auch das Problem mit der Sommerhitze deutete sich stark an, heuer wären wohl einige umgekippt. Aber Zauner ging diesmal in den August und holte zumindest die Haupt-Acts zurück in die Scheune. Der Stimmung tat dies – fast erstaunlicherweise – keinen Abbruch. Ein Jazz-Volksfest kann man jetzt nennen, was sich zwischen der – erstmals eigens zu buchenden – Scheunen-Hauptbühne, dem überdachten Biergarten im Hof und den gleich drei Nebenbühnen abspielte, einer (kleineren) Open-Air-Bühne, dem bereits bewährten „St. Pigs Club“ (dem ehemaligen Schweinestall) und dem „Blues Club“ im Keller des Nebengebäudes, in dem oben wieder eine Ausstellung der originellen Objekt-Trouvaillen …

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Spannend von der Besetzung bis zum Ablauf: Das Outreach Festival 2026 in Schwaz

Die heimliche Musikhauptstadt Tirols ist das 15.000-Einwohner Städtchen Schwaz, 30 Kilometer vor Innsbruck gelegen. In der „Silberstadt“, die im Mittelalter einmal die zweitgrößte Stadt des Habsburgerreiches und die Einkommensgrundlage für die halb Europa finanzierenden Fugger war, gibt es seit 33 Jahren im September die „Klangspuren“, ein international beachtetes Festival für zeitgenössische Musik. Sogar noch ein Jahr älter ist das Anfang August startende „Outreach“ Musikfestival. Getreu des Wirkens seines Gründers und Leiters, des Trompeters Franz Hackl, ist hier Jazz der Ausgangspunkt, freilich interdisziplinär, genreübergreifend, ganzheitlich und experimentell gedacht. Nach wie vor hat das „Outreach“ den Status eines Geheimtipps, dabei hat der seit Jahrzehnten in New York lebende Trompeter Franz Hackl seiner Heimatstadt damit ein Juwel geschenkt, das eine Anreise auch von weit her lohnen würde. Was sich vor allem auf die drei Kerntage mit Konzerten auf der „Mainstage“ im großen, technisch perfekt ausgestatteten Silbersaal des SZentrums bezieht, die immer ins erste August-Wochenende führen, diesmal also vom 6. bis 8. August. Nicht nur beim von Hackl und seinem Co-Leader, dem Bassisten Clemens Rofner ausgewählten Line-up der neun Ensembles kann man sich auf kontrastreiche, spannende Abende mit herausragenden …

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Ystad Sweden Jazz Festival – Gesänge, Möwen, Vollmond und die Kaffeestunde

Im 17. Jahr gab es nun das Jazzfestival im südschwedischen Ort Ystad: Traumwetter mit angenehm kühlem Wind, musikalische Vielfalt – und bewegende Stunden mit jung gebliebenen Altstars. Ideale Bedingungen für ergiebige Sommertage mit Jazz. Scharfgeschnittene Gesichtszüge, Brille, elegant grau-gescheiteltes Haar, beigefarbener Anzug: Der brasilianische Songschreiber und Sänger Ivan Lins, seit über 50 Jahren ein großer Name, stand mitten auf der Bühne hinter einem Keyboard und legte die Hand aufs Herz. „Ich bin verliebt in diesen Ort, mein Gott!“ Er hob hervor, wie beeindruckt er sei: „Keine kommerzielle Firma, keine politische Verwaltung, einfach nur Menschen“ würden das zuwege bringen, was er hier erlebe. „Erstaunlich!“ – Das klang, hervorgebracht in ruhigen, bedachten Sätzen, nicht nach Schmeichelei, sondern nach authentischer Begeisterung. Entsprechend lang kostete der Sänger sein Konzert auch aus: Fast zwei Stunden stand er vor dem Publikum im ausverkauften Theater der südschwedischen Küstenstadt, erzählte in intimer Langsamkeit von seinem Leben und seinen Songs, interpretierte mit immer noch tragfähiger, wenn auch in wenigen Momenten inzwischen brüchiger Stimme zur feinfühligen Begleitung einer hochversierten Band Liebeslieder aus unterschiedlichen Phasen sowie Klassiker wie seinen 70er-Hit „Madalena“ – und wurde am Ende …

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Heißer Jazz & More Sommer im Bayerischen Hof

Nach organisatorischen Hürden und dem traurigen Verlust von Headliner Abdullah Ibrahim stand der Jazz Sommer im Bayerischen Hof vor immensen Herausforderungen. Doch jahrzehntelange Professionalität des Festivals und Entschlossenheit behielt die Oberhand: Mit dem kubanischen Pianisten Alfredo Rodriguez wurde kurzfristig ein hochkarätiger Opener verpflichtet. Vergangene Woche startete der Jazz Sommer traditionell mit dem Konzert der Münchner Musikkritiker Band & dem Matthias Bublath Trio und, soviel bereits vorweg genommen, das diesjährige Motto „What the world needs now“ ging mit großartigem Jazz und guten Vibes perfekt auf. Ralph Quinke & Miles Davis: Three days in Malibu Als Ausstellungs-Highlight präsentierte der Fotograf Ralph Quinke dieses Jahr im Atrium des Hotels sensationelle Fotos zu seinem im Verlag Scheidegger & Spiess erschienenen Buch „Miles Davis – Three Days in Malibu“ . Eine persönliche Reportage, die er seinerzeit gemeinsam mit Marco Meier für die Schweizer Kulturzeitschrift „Du“ fotografiert hat. Zusammengefasst auf gut 100 Seiten Fotomaterial mit der damals erschienenen Reportage, ergänzt um ein Interview, das Arne Reimer mit Quinke und Meier zu ihrem Bericht geführt hat, ist dieses Buch ein wahrer Schatz nicht nur für Miles Davis Fans, das gleichzeitig seltene Einblicke …

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Im Flügelschlag des Grooves: Gretchen Parlato in der Unterfahrt

(Von Claus Lochbihler) Zwischen Jazz, brasilianischen Rhythmen und R&B entfaltet Gretchen Parlato eine Vokalkunst von außergewöhnlicher Feinheit. Die schönsten Momente entstehen dort, wo ihre Stimme selbst zum Instrument wird. Einmal schließt Gretchen Parlato in der „Unterfahrt“ die Augen und reckt die Nase leicht nach oben. Wie eine Jagdhündin, die Witterung aufnimmt, saugt sie den Groove ihres Trios ein: hörend, spürend, vielleicht sogar riechend. Dann öffnet sie abrupt die Augen, tritt ans Mikrofon und klinkt sich mit ihrer hellen, zarten Stimme in die Musik ein. Werbung Stimme als Instrument Parlato ist eine Sängerin, bei der Gesang, Stimme als Instrument und Vokalperkussion nahtlos ineinander übergehen. Sie verbindet das rhythmisch federnde Flüstersingen eines João Gilberto mit westafrikanischen Vokalisen und der Virtuosität eines Bobby McFerrin zu einer ganz eigenen Kunst. Klanglich ist ihre Stimme hell und fein, mitunter von beinahe blendender Intensität – wie ein Sopransaxofon. Kein Wunder, dass auch in der „Unterfahrt“ ihre Version von Herbie Hancocks „Butterfly“ zum Höhepunkt wird: Jazz-Funk als flirrende Groove-Meditation, berückend schön und dicht, getragen vom Flügelschlag ihrer Stimme. Die stärksten Momente dieses Abends entstehen oft dann, wenn Parlato weniger einen Song als …

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Das Internationale Feringa Jazzfestival im Rückblick

Jede Menge los in München und Umgebung. Helene Fischer in der Allianz Arena, Sommerfestival im Olympiapark und das Endspiel der Fussball-Weltmeisterschaft … bei dem Programm des Internationalen Feringa Jazzfestival in Unterföhring gab es an diesem Wochenende für die Jazzfans keine Entscheidungsnöte. Der Jazz wurde gefeiert! Das Herrliche ist im Bürgerhaus Unterföhring vor allem das einladende Ambiente und die relaxte Atmosphäre. Als Festivalopener gab sich dieses Jahr Kenny Garrett mit seinem Quintett die Ehre und veranstaltete ein Jazzfeuerwerk vom Feinsten. Seine Beats sind live, gespickt mit herrlich inspirierten Soli, im Gegensatz zu seinem aktuellen Albums „Sounds From The Ancestors“, durchaus eingängig und danceable, was sich gegen Ende seines Auftritts widerspiegelte. Der ausverkaufte Saal tanzte, gute Vibes überall. Die Band mit Percussion Legende Rudy Bird, Keith Brown, Jeremiah Edwards und Michael Ode, bestens eingespielt, waren so gut gelaunt, dass sie nach der Zugabe, nachdem nur noch eine Handvoll Zuschauer im Saal waren, kurzfristig noch eine Jam-Session auf der Bühne einlegten. That’s Jazz! Werbung Aufregendes Quintett Am zweiten Abend dann die grandiose Vibraphonistin Sasha Berliner mit einem aufregenden Quintett: Pablo Held am Flügel, dem Saxophonisten Seamus Blake, Simon …

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Der Berg spielt mit: das 44. Südtirol Jazzfestival Alto Adige zwischen Berggipfel und Clubkeller

(Text und Fotos: Stefan Pieper) Hoch oben auf dem Vigiljoch, in einem Mittagskonzert vor mächtiger Bergkulisse, geschah etwas, das den Ton dieser 44. Ausgabe am reinsten traf. Das norwegische Duo Sissel Vera Pettersen und Eirik Hegdal umarmt die Landschaft mit seiner Musik. Aus den langen, offen assoziativen Stücken öffnen sich weite Räume, die flächig und ambienthaft wirken und dann konkreter werden, getragen vom lyrisch atmenden Saxofon, Hegdals Klarinette und einer Stimme, die Pettersen ganz instrumental einsetzt. Exotisch anmutende Figuren wirken wie aus einer nordischen Folklore, die elementaren Zuständen nahe ist. Dazu pulsieren sanft tiefe Bassfrequenzen aus der Elektronik, wie die Stöße eines heißen Sommerwinds, der sich mit dem freien Spiel des Duos synchronisiert. Konzerte auf Bergeshöhe sind stets das gewisse Etwas dieses Festivals, und mit ihrem grenzenlosen atmosphärischen Gespür haben die beiden die Messlatte höher gelegt. Wenn das Wetter Regie führt Manchmal zogen nachmittags Gewitter auf und erzwangen Verlegungen nach drinnen; das war längst eingespielte Routine. Das Schweizer Trio um die Lausanner Kontrabassistin Louise Knobil wich kurzerhand in die Wohnzimmeratmosphäre des Hotels Bad Ratzes aus, am Fuße des Schlern-Massivs. Knobil, die sich als Marke inszeniert …

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