Kunst als transformative Kraft: Die Rolle von Kulturakteur*innen im Nachhaltigkeitskontext

Davide Brocchi zu Gast bei der Digitalen Akademie der Deutschen Jazzunion Mit der Veranstaltungsreihe Digitale Akademie „Insight Out“ bietet die Deutsche Jazzunion seit dem 13. Oktober 2021 wöchentlich Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden zu den Themen Diversität, Nachhaltigkeit, Bildung und Professionalisierung an. Damit will sie einen Diskursraum für aktuelle Gesellschaftsthemen in der Jazz-Szene schaffen. Begleitet wird die Digitale Akademie durch einen Blog, in dem vier Musikerinnen von ihren Eindrücken der verschiedenen Veranstaltungen berichten. Der folgende Beitrag bespricht den Vortrag „Die Rolle von Kulturakteurinnen im Nachhaltigkeitskontext“, in dem sich der Sozialwissenschaftler Davide Brocchi am 9. Dezember 2021 mit dem Verhältnis von Kultur und Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat. Kunst als transformative Kraft Blogbeitrag von Leon Senger Die digitale Akademie “Insight Out” der Deutschen Jazzunion basiert unter anderem auf der Arbeit verschiedener interner Arbeitsgruppen, von denen sich eine der Nachhaltigkeit verschrieben hat. Dieser Begriff, der in aller Munde ist, scheint erst einmal klar – es wird wohl um irgendetwas mit “grün” und “bio” gehen. Doch Referent Davide Brocchi zeigt mit seinem Vortrag zur Rolle von Kulturakteur*innen beim Thema Nachhaltigkeit, dass es noch ganz andere Perspektiven zu entdecken gilt. Schnell wird …

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Der Klangregisseur – Wolfgang Hirschmann zum 85.

Tonmeister gibt es viele. Jedoch gibt es unter ihnen einen Solitär, dessen Klangspuren von Karl Heinz Stockhausen über Mauricio Kagel bis zu Quincy Jones, von Marlene Dietrich bis zu Herbert Grönemeyer, den Bläck Fööss und schließlich bis zur WDR Big Band reichen: Wolfgang Hirschmann. Jahrzehntelang war sein Name ein klingendes Markenzeichen. „Sie kennen doch den Hirschmann?“ „Sie kennen doch den Hirschmann?“ schnurrte des Öfteren der berühmte Klaviervirtuose Friedrich Gulda an der Bühnenrampe. Nicht nur Gulda, sondern unzählige Berühmtheiten vertrauten Wolfgang Hirschmann in allen musikalischen und technischen Angelegenheiten. Dazu zählte auch Klaus Doldinger, für den der Klangästhet etwas Besonderes war: „Du warst in meinem Musikerleben der erste musikaffine Mensch, den ich neben meinen vielen Musikerfreunden Ende der 50er-Jahre als Tonmeister wahrgenommen habe.“ Auf seine Zusammenarbeit mit Wolfgang Hirschmann angesprochen, schreibt der Label-Manager Siggi Loch 2017 in der Festschrift für Wolfgang Hirschmann zum 80. Geburtstag (LAG Musik Verlag): „1964 kam es bei dem Album ‚Night Lady‘ mit dem Johnny Griffin Quartet für Philips auch erstmals zu einer Zusammenarbeit. Hirschmann war damals nicht nur der Tonmeister am Pult, sondern ein kreativer Geist“. Diese Kreativität sollte seinen weiteren Berufsweg …

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Digitale Akademie „Insight Out“: Blogbeitrag von Jakob Fraisse zum Workshop „Class matters“ der Tänzerin Verena Brakonier

Mit der Veranstaltungsreihe Digitale Akademie „Insight Out“ bietet die Deutsche Jazzunion seit dem 13. Oktober wöchentlich Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden zu den Themen Diversität, Nachhaltigkeit, Bildung und Professionalisierung an. Damit will sie einen Diskursraum für aktuelle Gesellschaftsthemen in der Jazz-Szene schaffen. Begleitet wird die Digitale Akademie durch einen Blog, in dem vier Musiker*innen von ihren Eindrücken der verschiedenen Veranstaltungen berichten. Der folgende Beitrag bespricht den Workshop „Class matters“, in dem sich die Tänzerin Verena Brakonier mit Klassismus im Kulturbereich auseinandersetzt. Von Autoreifen und Kontrabassbögen Blogbeitrag von Jakob Fraisse Was haben ein Autoreifen, ein Kontrabassbogen und ein Weinglas gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl recht wenig. Doch in der biographischen Vorstellungsrunde von Verena Brakoniers Workshop „Klassismus im Kulturbereich“ dienen sie alle als Symbol: Von den Teilnehmenden selbst ausgesucht, stehen sie für die unterschiedlichen Klassenherkünfte der Anwesenden. Da steht das Erste für die Arbeiter*innenschicht, das Zweite für das Bildungsbürgertum, und das Dritte für eine Familie, die den Klassenaufstieg geschafft hat. Und was sagt es aus, wenn der Autoreifen nicht mehr Alltagsgegenstand in der elterlichen Werkstatt ist, sondern als Fotografie zur Kunst wird? Dann beschreibt er im selben …

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Vis a vis und auf verschlungenen Pfaden: Die Band Hilde im Bielefelder Bunker Ulmenwall

Vergessen wir die Frontalbeschallung: Im ehemaligen Luftschutzbunker unterhalb der verkehrsreichen Bielefelder Stadtmitte bildet eine kleine Bühne das Zentrum, flankiert von jeweils zwei Zuschauerräumen. Raffinierte Perspektiven eröffnen im Bunker Ulmenwall zudem mehrere, über dem Viereck aufgehängte Spiegel. Vis a vis zu spielen ist für jede Band die logische Konsequenz – und das sorgte auch bei „Hilde“, einem experimentierfreudigen, ausschließlich weiblich besetzten Quartett aus NRW für maximale Vertiefung. Julia Brüssel, Violine, Maria Trautmann, Posaune, Marie Daniels, Stimme und Emily Wittbrodt, Cello, haben sich im Ruhrgebiets-Kollektiv „The Dorf“ kennengelernt, welches im November im Dortmunder domicil sein 15-jähriges Bestehen feierte. Der dort gelebte, freie künstlerische Ansatz strahlt in die eigenen künstlerischen Projekte vieler Protagonisten hinein, wirkte also auch für die Band Hilde wie eine Keimzelle für die eigene Kreativität. Der Horizont ist weit und die Fantasie reich. Ebenso die Bereitschaft, sich ganz auf den Moment einzulassen. Beim Konzertbeginn in der Bielefelder „Unterwelt“ dominiert eine Art Ur-Chaos aus Klängen, Frequenzverläufen und Geräusch-Gesten. Nichts ist hier geradlinig getaktet oder architektonisch geordnet. Alles wuchert frei, entwickelt sich organisch und dies in unmittelbarer Konfrontation. So verschlungen die Strukturen, so dominiert dabei ein direktes …

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Digitale Akademie „Insight Out” der Deutschen Jazzunion – ein Interview mit Johanna Schneider und Jakob Fraisse

Unter dem Dach der Digitalen Akademie „Insight Out” bietet die Deutsche Jazzunion seit dem 13. Oktober 2021 digitale Workshops, Vorträge und Diskussionsveranstaltungen zu Diversität, Nachhaltigkeit, Bildung und Professionalisierung für professionelle und angehende Jazzmusiker*innen an. Mit Blogbeiträgen und Veranstaltungshinweisen wird die JazzZeitung die beiden ersten Semester bis Mitte 2022 begleiten. Zehn Online-Veranstaltungen fanden inzwischen statt – Andreas Kolb sprach mit den DJU-Vertretern Johanna Schneider und Jakob Fraisse über das Projekt. JazzZeitung: Was war der Gründungsimpuls für die Digitale Akademie „Insight Out”? Welche Absichten verfolgen Sie mit dem Projekt? Johanna Schneider: Am Anfang stand die Idee, einen für alle und von überall zugänglichen Diskursraum für aktuelle Themen der professionellen Jazz-Szene zu schaffen. Die Verlagerung in den Onlinebereich stellt nicht erst seit Beginn der Pandemie ein zeitgemäßes Angebot dar: In einer digital zugänglichen Infrastruktur können aktuelle Themen wie Gender & Diversität oder Nachhaltigkeit im Jazz wie auch Fragestellungen aus dem Bereich der Professionalisierung für Jazzmusiker*innen barrierefrei verhandelt werden. Uns im Vorstand sind diese Themen wichtig. Als Berufs- und Interessenverband sind wir Teil einer Gesellschaft, die wir mitgestalten und in die wir ausstrahlen möchten. Auch im Jazz bestehen Barrieren …

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Weihnachtliches im Quadro-Nuevo-Gewand: Konzertabend in der Kulturwerkstatt Olching

Pünktlich am Abend vor dem ersten Advent fand im Gretl-Bauer-Saal der Olchinger KOM Quadro Nuevos Weihnachtskonzert mit gleich zwei umjubelten Auftritten statt. Zusammen mit Mulo Francel, Andreas Hinterseher und D.D. Lowka war diesmal der Gitarrist Philipp Schiepek mit von der Partie. Die Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) wurde 1877 errichtet, war ursprünglich ein Ökonomiegebäude des WMF Gründers Daniel Straub und steht seit 1994 unter Denkmalschutz. Nach einer fachgerechten Renovierung wurde der Bau 2004 seiner neuen Bestimmung als Kulturraum für Veranstaltungen unter städtischer Leitung übergeben und ist seitdem ein hochkarätiger Treffpunkt für ein abwechslungsreiches, kulturelles Programm im Landkreis. Die Akustik des Konzertsaals ist einzigartig und begeistert immer wieder Musiker wie Publikum. Inspirierende Musik „ohne Zuckerguss“ Ein Weihnachtskonzert mit Quadro Nuevo steht als Garant für einen inspirierten Abend mit abwechslungsreicher Musik ohne Zuckerguss, dafür mit mitreißenden Rhythmen, klassischem Liedgut, Gefühl und persönlichen Kompositionen. Da wechselt sich das traditionelle Adventslied aus dem Eichsfeld „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ ab mit dem mediterranen „Sambadi Didi“. Auf „O little town of Bethlehem“ folgt das bewegende „Ada’s Song“, ein Stück aus der Feder von Mulo Francel, gewidmet einer mutigen wie starken …

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Transatlantisch: das Progressive Chamber Music Festival 2021 im Milla Club

Till Hoffmann fährt mit der Sohle über den Boden. „Da rutscht nichts“, meint der Münchner Veranstalter, der mit seinem Eulenspiegel Flying Circus über Pandemie-Monate hinweg bayernweit Konzerte ermöglichte und außerdem schon 2012 zum Gründungsteam des Milla Clubs gehörte. „Vielleicht fast ein bisschen zu viel Grip,“ erklärt er weiter, „aber wir haben den Boden hier aufwändig erneut. Und mit der Zeit verschleift sich das schon!“ Dabei hat Hoffmann Clubnächte im Sinn, voll gepackte Indie-Konzerte oder auch gut besuchte Gastspiele von Singer/Songwritern aus aller Welt, die bis zum Corona-Desaster die Kellerräume in der Holzstraße füllten. Das bleibt noch etwas Zukunft, in diesen Tagen war er schon zufrieden, dass ein Event wie das Progressive Chambers Music Festival stattfinden konnte, das über zwei Novemberabende (10./11.11) hinweg sechs Bands und ein zahlenmäßig kleines, aber begeistertes Publikum in die Milla lockte. Kooperationen von Nah und Fern Ähnlich ging es Gerd Baumann und Gregor Hübner. Der eine ist Gitarrist, Professor für Filmmusik an der Münchener Hochschule und ebenfalls Teil des Milla-Teams, der andere Geiger, Jazz-Professor an der HMTM und Teil des Sirius Quartets in seiner zweiten Heimat New York. Beide hatten lange …

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32. Münchener Jazzfest vom 11.-13. November in der Black Box Gasteig

Einige von denen, die in den Pausen zwanglos beieinander stehen, sind sich sicher, dass es erst einmal weitergehen werde mit der Black Box, zu schön und zu praktisch sei dieser laborhaft intime, konzentrierte Konzertraum, Renovierung hin oder her. Ein bisschen seltsam ist es trotzdem, den Blick durch die leeren Flure und Foyers schweifen zu lassen, nachdem ein Teilumzug des Kulturzentrums in das Ausweichquartier HP8 vollzogen ist. Andy Lutter jedenfalls freut sich wie ein Schnitzel, dass es schließlich mit den Jazzfest doch geklappt hat, mit 2G und zusätzlichem Aufwand, aber live mit echten Musikern vor richtigem Publikum. Als künstlerischer Leiter, Vertreter der Jazzmusiker Initiative München e.V. (J.I.M.) und Conférencier, am ersten Termin auch Mitspieler der Quartetts von Ulrich Wangenheim, gibt er den drei Konzertabenden mit launischem Frohsinn einen moderierenden Rahmen, spürbar erleichtert, dass mehr als im Vorjahr möglich ist, als die ganze Veranstaltung der pandemischen Gesundheitsvorsorge geschuldet ins Internet verschoben werden musste. Vielfältiges Programm an den drei Konzertabenden Das Konzept hinter dem Programm war schlicht und einleuchtend. An jedem Abend stand erstens ein/e Newcomer/in auf der Bühne, das Quartett des Baritonsaxophonisten Jonas Brinckmann, die Band des …

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Rebekka Bakken trifft auf Wolfgang Muthspiel beim Abschlusskonzert der Ingolstädter Jazztage

Es hätte kaum schöner sein können: Nach einem Jahr Pause wieder Jazztage in Ingolstadt und dann werden sie beim Abschlusskonzert mit der norwegischen Sängerin Rebekka Bakken auch noch von einer solchen Geschichte gekrönt. Sie geht so: Vor über 20 Jahren lebten die Sängerin und der österreichische Jazz-Gitarrist Wolfgang Muthspiel zusammen in New York: Sie schrieben Songs und veröffentlichten Anfang der 2000er-Jahre zwei Alben. Ihre gemeinsame Tour verzauberte damals das Publikum, auch bei den Ingolstädter Jazztagen. Dann trennten sich die Wege. Das wäre vielleicht so geblieben, hätte nicht fast zwei Jahrzehnte später das Festival-Booking um Ingolstädter Jan Rottau sich an das Duo erinnert und einfach nicht locker gelassen. Und so standen Rebekka Bakken und Wolfgang Muthspiel nun wieder gemeinsam in Ingolstadt auf der Bühne, selbst etwas verwundert. „Wir sind sehr dankbar für diese Initiative“, sagte der Gitarrist, „wir glauben, dass jetzt vielleicht das nächste Kapitel unserer Zusammenarbeit beginnt“. Dass diese Geschichte mehr als ein PR-Gag ist, bewiesen die beiden selbst. Man glaubte ihnen, dass sie sich erst in Ingolstadt zum Proben getroffen hatten – weil Rebekka Bakken bei einem offenbar unerwarteten Intro einen ehrlich fragenden Blick …

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Preisträgerkonzert des 9. Jungen Münchner Jazzpreises im Club Unterfahrt

Der Junge Münchner Jazzpreis hat auch ein bisschen Glück gehabt. Als im vergangenen Jahr zum Beispiel viele Veranstaltungen abgesagt werden mussten, lag er so günstig zwischen den pandemischen Verschlussphasen, dass er sogar live vor Publikum durchgeführt werden konnte. Die Kontinuität blieb gewahrt. „Ich kann es kaum glauben,“ meint Andreas Heuck, „aber wir gehen in unser zehntes Jahr!“ Selbst ein begeisterter Musikhörer, gehört er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins mucjazz, der als private Initiative unter anderem ins Leben gerufen worden war, um eine Lücke zu schließen. Denn Jazz wurde zwar von der Landeshauptstadt gefördert, aber unsystematisch und vor allem in Form von Stipendien oder Musikpreisen. Abgesehen vom BMW Welt Jazz Award gab es keine überregional wahrgenommene Auszeichnung. Das änderte sich durch die Beharrlichkeit von mucjazz und einiger Unterstützer, so dass die Situation inzwischen vergleichsweise komfortabel ist. Die Stadt freut sich und ihr Oberbürgermeister Dieter Reiter hat die Schirmherrschaft übernommen. Neben den Vereinsmitgliedern und Spendern gehören Institutionen wie die Kulturstiftung der Versicherungskammer zu den Förderern. Der Bayerische Rundfunk ist mit Ü-Wagen und BR Klassik im Boot, der Jazzclub Unterfahrt steht als Austragungsort des Konzertfinales und als Streaming-Host …

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