Fabulous Swedish Jazz on Stage

Warum gibt es so viele gute Jazzmusiker aus skandinavischen Ländern? Jazzmusik scheint dort einfach einen anderen Stellenwert zu haben als in Deutschland. Das drückt sich im Ausbildungssystem aus, aber auch in einer Exportförderung, wie sie deutsche Künstler schon lange vermissen. Aktuelle schwedische Export-Künstler waren jetzt in der Unterfahrt zu Gast: Das „Fabulous Swedish Jazz on Stage“-Showcase der Gesellschaft Svensk Jazz unter der Schirmherrschaft von Nils Landgren präsentierte auf der legendären Münchner Bühne drei Bands mit drei jeweils ganz verschiedenen Konzepten. Gemeinsam war ihnen nur die Staatsangehörigkeit – abgesehen von zwei dänischen Mitspielern – und der Mut zur Innovation.


Die Band Nacka Forum orientiert sich an großen Vorbildern des freien afroamerikanischen Jazz wie Ornette Coleman oder dem Art Ensemble of Chicago. Aber auch die intergalaktische Musik eines Sun Ra stand Pate. Schön dass sich jemand an das Musikvermächtnis insbesondere der beiden Letztgenannten traut. Das Nacka Forum hielt sich dabei nicht Note für Note an die Musik der Vorbilder, sondern erweckte eher deren Geist zum Leben.

Davids Angels ist ein ungewöhnliches Pop-Jazz-Konzept, in dessen Zentrum die Sängerin Sofie Norling steht. Nicht Improvisation stand hier im Vordergrund, sondern das Song-Writing: Auf düstere Balladen folgten Stimmungsaufheller – alles nicht ohne magische Momente.

Klabbes Bank war der dritte Act und nicht nur wegen seiner Großbesetzung am wirkungsvollsten: Um den Keyboarder Klas-Henrik Hörngren, den E-Bassisten Jacob Öhrvall und den akustisch-elektrischen Drummer Martin Öhman gruppierten sich zwei Altsaxophonisten und ein Posaunist, deren Klänge mit dem Elektronik Sound verschmolzen. Klas-Henrik Hörngren zauberte aus seinen Keyboards Avantgarde-Rock und Elektronik-Jazz – ein sehr ungewöhnlicher und eigener Personalstil.

Ob der schwedische Musik-Export tatsächlich einer wird, wird sich noch zeigen müssen. Die Unterfahrt war gut besucht, zahlreiche Journalisten waren anwesend und können helfen, die Schweden in Deutschland bekannt zu machen. Von Seiten der Veranstalter und Clubs war das Interesse jedoch gering. Es gibt aber noch eine Chance, das nachzuholen: Nach den Stationen Berlin und München gastiert der nächste Export-Trip von Svensk-Jazz in Hamburg.

Andreas Kolb

 

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