Chaplin’s Secret: Dotschy Reinhardt mit neuer CD

Mit ihrem mittlerweile vierten Album ist die Berliner Sängerin Dotschy Reinhardt  musikalisch einem Geheimnis auf der Spur. Entdeckt wurde es von Charlie Chaplins Tochter Victoria in dessen Nachttisch. Dort verwahrte der berühmte Daddy einen Brief, worin festgestellt wird, dass er – Charles Chaplin – nicht in London, sondern auf einem nahe gelegenen Grundstück geboren worden sei, auf welchem „romany people“, also Romanis kampierten. Dieses Geheimnis nimmt Reinhardt als Ausgangspunkt, um mit Eigenkompositionen und einigen Standards dem Swing von Django Reinhardts Hot Club, dem Bossa Nova und swingendem Jazz ihre Referenz zu erweisen. Eine coole Mischung, welche die Sinteza – die sich seit Langem aktiv für die Rechte von Sinti und Roma einsetzt – schon früher erfolgreich erprobt hat. Weich und geschmeidig singt sie von schwierigen Fragen des Lebens. Sie lädt ihre Landsleute ein Romanes zu sprechen, damit die Sprache ihrer Vorfahren nicht verloren geht und zeichnet mit ihrem Gitarristen Alexey Wagner eine wunderschöne, intime Liebeseinladung in den Himmel – „Fly Away“. Leider schmiert sie bei ihrem entschiedenen und selbstbewußten Aufruf „Romanes“ am Schluß ein wenig mit der Stimme ab. Eine kaum merkliche Beeinträchtigung, die den …

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Cooler Bop vom Schlangenbeschwörer

Vincent Herring begeisterte mit Soul Chemistry im Regensburger Jazzclub Leerer Beutel. Auch, weil der Altmeister ein seltenes Statement abgab. Vincent Herring ist gewiss keine Reinkarnation des großen Charlie Parker. Und dennoch, wenn Herring auf der Bühne steht und in sein Horn bläst, erinnert so einiges an den legendären Altsaxofonisten, der als einer der Schöpfer des Bebop gilt. Da ist die leicht massige Gestalt des New Yorkers, der eigentlich aus Kentucky stammt. Dann auch die Haltung, wie man sie von alten Fotos aus den 50er Jahren von Charlie Parker kennt. Und vor allem der mächtige Ton und das superschnelle Spiel auf dem Altsax, bei dem sich die Finger scheinbar lösen und selbständig über die Klappen zu tanzen scheinen. Zwar trägt Herring beim Konzert mit Soul Chemistry im Leeren Beutel keine Krawatte, wie sein großes Vorbild.  Mit einem leuchtend blauen Einstecktuch im Jackett seines Anzugs verfügt er aber über die gleiche Eleganz und geschmackvolle Erscheinung, die heute manchmal merkwürdig altertümlich wirkt. Bei Musikern aus dem boporientierten Mainstream ist es nach wie vor weit verbreitet, großen Wert auf die äußerer Aufmachung zu legen. Zum Anzug, den alle vier …

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CD-Tipp: Weihnachtlich swingender Gypsy-Groove

 Mic Oechsners Grappelissimo: Gipsy Christmas Crack 0069 / cracked anegg records/Galileo Vertrieb Ein bisschen was muss man schon übrig haben fürs christliche Weihnachten. Sonst könnte der Genuss an der neuen Scheibe des Ex-Münchners und Wahl-Österreichers Mic Oechsner (violin) vielleicht zu einer zwiespältigen Angelegenheit geraten. Hat man aber mal seine anti-klerikale und konsumkritische Haltung beiseite gelegt, steht der Hörfreude an den bekannten und weniger bekannten Weisen und Liedern, die Oechsner für sein Ensemble „Grappellissimo!“ reharmonisiert hat, nichts mehr im Weg. Wie bereits der Name deutlich macht, spielt das Quartett, dem auch Oechsners Sohn Gidon (g) und als Gast der vielseitige Akkordeonspieler Atanas Dinovski angehören, im Stil des berühmten Hot Club de France. Allerdings spürbar versüßt mit einem Schuss würziger Balkanglut. Traditionelle Weihnachtslieder aus der alten und der neuen Welt, wie das vergnügliche Versprechen „Morgen, Kinder wird’s was geben“,  erwachen mit dem flotten Tanz auf den Saiten zu neuem Leben und Melodien wie „Stille Nacht“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“ klingen in dieser Form ungehört und lassen abgenudelte Stimmungen auf angenehme Weise neu erscheinen. Dazu gesellen sich amerikanische Klassiker wie „I’ll be home for Christmas“ oder …

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5. Klavier Festival in Ottobrunn mit Bobo Stenson, Ketil Bjørnstad & Martial Solal am 13. & 14. Dezember

Im Dezember finden in Ottobrunn seit nunmehr 5 Jahren Piano Abende der besonderen Art statt. Im Rahmen des Jubiläums „10 Jahre Ottobrunner Konzerte“ wird das diesjährige Klavier Festival im Wolf-Ferrari-Haus am Donnerstag, den 13. Dezember von zwei ganz besonderen ECM-Pianisten eröffnet: dem Schweden Bobo Stenson, der u.a. in Formationen mit Jan Garbarek und Charles Lloyd Maßstäbe gesetzt hat, sowie Ketil Bjørnstad, der nicht nur als außerordentlicher Jazzpianist, sondern auch als erfolgreicher Autor lyrischer Werke und Essays weit über die Grenzen seiner Heimat  Norwegen bekannt geworden ist. Am 14. Dezember folgt dann ein absolutes Piano-Highlight: Kein Geringerer als der 1927 in Algier geborene Martial Solal, Grandseigneur des französischen Jazz-Pianos, wird den zweiten Abend des Festivals bestreiten! Wie kein Zweiter beeinflusste er in der Tradition von Bud Powell, Lennie Tristano oder auch zeitgenössischer Musik die französische wie internationale Jazzszene. Bis heute gilt er als einer der ganz Großen, der mit seinem Spiel den Jazz maßgeblich geprägt und bereits zu Lebzeiten Geschichte geschrieben hat. Gleichzeitig hat Solal immer gelehrt und sein Wissen weiter gegeben. So geschehen vor ca. 30 Jahren an einen seiner Schüler, den Pianisten Cornelius Claudio …

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+++NEWS+++ Freisinger Jazzfest 2018+++25 Jahre Internationales Oldtime Jazz Festival in Speyer+++

3. Freisinger Jazzfest Am Freitag den 6. Juli veranstaltet der Freisinger Kulturverein 3klang e.V. das 3. Freisinger Jazzfest. Im lauschigen Garten des Europäischen Künstlerhauses Schafhof in Freising stehen an diesem Abend Claus Koch & Boperators („A Tribute to Blue Note“), Stephan Holstein’s „Clarinetology“ sowie Isabel Casas y Nueva Vista auf der Open Air-Bühne. Der Eintritt für diesen Jazz-Event ist frei! Weitere Informationen: www.3klangev.de    25 Jahre Internationales Oldtime Jazz Festival in Speyer Das Internationale Oldtime Jazz Festival in Speyer lädt im 25. Jahr seines Bestehens vom 16. bis 19. August 2018 in den Innenhof des historischen Rathauses. Unter dem Motto „frisch und frech, ungestüm und galant, traditionsbewusst und doch jung“ wird vier Tage tanzbarer Jazz präsentiert. Zum Auftakt des Festivals betritt mit Krüger Rockt! am Donnerstag, dem 16. August, die Bühne. Der bekannte Heidelberger Boogie Woogie Pianist Harald „Lee“ Krüger malträtiert das Piano mit Händen, Füßen und anderen Körperteilen. Zu hören gibt es Typisches für die Fünfziger: Schnulze, Doo-Wop, Boogie und Rockabilly. Am Freitag werden die Besucher von den Mama Shakers empfangen. Die fünf jungen, temperamentvollen Künstler kommen aus Frankreich, Schweden und der Türkei haben sich in …

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Jazz in der Botanik: Der Internationaler Augsburger Jazzsommer 2018 lädt zu Konzerten mit besonderem Flair

Mit Auftritten von Instrumentalisten aus aller Welt und Gastspiele aufstrebender Nachwuchskünstler bietet der Internationale Augsburger Jazzsommer seit mehr als einem Vierteljahrhundert Live-Jazz aus der ganzen Welt eine Bühne. Zwischen dem 11. Juli und 12. August erwarten die Besucher des Internationalen Augsburger Jazzsommer vier Wochen lang Konzerte vor der Naturkulisse des Botanischen Gartens. Der langjährige künstlerische Leiter des Augsburger Jazzsommers, Christian Stock, ist auch dieses Jahr für ein anspruchsvolles Programm verantwortlich. Der Festivalauftakt  am 11. Juli ist bereits eines der Highlights: Das Vijay Iyer Sextet des namensgebenden New Yorker Pianisten/Komponisten lässt eine Klangwelt entstehen, die mal aufregend explosiv  und mal  elegische Züge trägt. Einer lieb gewonnenen Tradition folgend, bereichert Bassist und Festivalleiter Christian Stock auch 2018 das Programm. Das Christian Stock Trio wird dabei durch Billy Harper zum Quartett erweitert und bildet das musikalische Fundament für den „nagelscharfen“ Sound des texanischen Tenor-Saxofonisten. Matthias Schriefls „Six Alps & Jazz“ und das Florian Favre Trio laden im Rahmen des Internationalen Augsburger Jazzsommer zu einem Doppelkonzert. Während Schriefl die Musik seiner Allgäuer Heimat in furchtlosen Hier-und-Jetzt-Jazz überführt, besticht der groovende, melodische Jazz des jungen Schweizer Ensembles mit viel Mut …

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+++News+++Programm des ELBJAZZ 2018 ist nun vollständig+++JazzBaltica 2018+++

+++Programm des ELBJAZZ 2018 ist nun vollständig+++ Das musikalische Programm des ELBJAZZ 2018 ist vollständig: Mehr als 50 Konzerte am 1. und 2. Juni 2018 – plus drei weitere, die es bereits einen Tag zuvor, am 31. Mai., im Großen Saal der Elbphilharmonie in Hamburg zu erleben gibt – prägen 2018 das Festival. Die Spieltage, an denen die Künstler auftreten werden, stehen nun ebenfalls fest. Neun Neubestätigungen komplettieren den Spielplan. Darunter der 1969 in Schweden geborene und unter anderem in Detroit aufgewachsene Magnum Coltrane Price, der seinen ersten Plattenvertrag bereits mit 19 Jahren in der Tasche hatte. Außerhalb von Skandinavien vor allem als Bassist der Nils Landgren Funk Unit bekannt, kommt er zum ELBJAZZ mit seiner eigenen Band, bei der er nicht nur in die Basssaiten, sondern auch zum Mikrofon greift. Ergänzen wird das Programm auch Laura Perrudin. Die Französin setzt neben ihrer Stimme auf ein besonderes Instrument: eine elektrische chromatische Harfe. Ihre Musik mag an Björk, Portishead oder auch Flying Lotus erinnern, aber auch Anklänge von Debussy und Ravel lassen sich finden. Neben der siebenköpfige Band Botticelli Baby, die eine Melange aus Gypsy-Swing, dem …

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Erste Förderrunde des Musikfonds 2018

Erste Förderrunde des Musikfonds 2018 Der Musikfonds fördert in seiner ersten Förderrunde in diesem Jahr 42 Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt rund 465.000 Euro. Zur Antragsfrist waren insgesamt 247 Anträge mit einem Antragsvolumen von ca. 3,8 Millionen Euro eingegangen, über die das vierzehnköpfige Kuratorium zu entscheiden hatte. Parallel dazu wurden 48 Anträge mit einer Antragshöhe bis zu 2.000 Euro eingereicht, aus denen Musikfonds-Geschäftsführer Gregor Hotz acht Anträge mit einem Gesamtvolumen von 14.000 Euro auswählte. „Die große Anzahl der Anträge aus allen Bereichen der zeitgenössischen Musik zeigt, dass der Musikfonds als mit Bundesmitteln ausgestattetes Förderinstrument dringend benötigt wird“, sagte Nikolaus Neuser, Vorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker. „Angesichts des enormen innovativen Potentials der Musikszene und der Vielzahl an Anträgen ist es ein wichtiges Signal, dass das Programm der neuen Regierung auch eine Weiterentwicklung bei den finanziellen Mitteln des Musikfonds vorsieht.“ Das Spektrum der vom Kuratorium ausgewählten Projekte wertet Neuser als Beleg für einen wachsenden Stellenwert von Improvisierter Musik und Jazz auch in den Bereichen der sogenannten Ernsthaften Musik und in genreübergreifenden Projekten. Die Union Deutscher Jazzmusiker sieht er in der Pflicht, verstärkt für den Kerngedanken des …

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+++News+++Axel Zwingenberger und Martin Schmitt auf der Piano-Bühne+++Südtirol Jazzfestival 2018+++Junger Münchner Jazzpreis 2018+++

+++Axel Zwingenberger und Martin Schmitt auf der Piano-Bühne+++ Am Freitag, den 4. Mai 2018 ist auf der Piano-Bühne Kleinhenz ein ganz besonderes Programm geboten. Deutschlands namhaftester Blues & Boogie-Pianist, Axel Zwingenberger, zeigt zusammen mit dem bayerischen Piano-Entertainer Martin Schmitt Blues und Boogie & Woogie Piano-Unterhaltung auf zwei Konzert-Flügeln: ein Steinway C 227 cm und ein Bösendorfer 225 cm. Axel Zwingenberger tritt seit 2001 regelmäßig als Stargast mit großem Erfolg auf der Piano-Bühne Kleinhenz auf. Er tourte bereits in Asien, Afrika und Europa, stand mit Künstlern wie Lionell Hampton, Big Joe Turner, Alexis Korner, Dave Green und Charlie Watts auf der Bühne. Viele Radio- und TV-Auftritte sowohl in Deutschland als auch im Ausland wie auch große CD-Produktionen machten ihn weltweit bekannt. Auch Martin Schmitt, ein echter Münchner, kann große Erfolge in Deutschland verbuchen. Seine eigenen Songs mit kritischen und vor allem humorvollen Texten trägt er meist solo am Piano im Blues, Boogie und auch Pop-Stil vor. Auf der Piano-Bühne war er schon dreimal zu Gast und begeisterte den meist ausverkauften Saal. Bei einem Auftritt im Gärtnerplatztheather München bewiesen Martin Schmitt und Axel Zwingenberger erstmalig gemeinsam ihr Können. Nun schlägt dieses „Doppel“ …

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Ein echtes „Bunker-Kind“: Luise Volkmann kam mit großer Band in ihre Bielefelder „Heimstätte“ zurück

Der Bunker Ulmenwall wurde in diesem Jahr einmal mehr mit dem Spielstättenpreis für seine Programmplanungen ausgezeichnet. Und dies zu Recht, markiert diese Örtlichkeit doch seit Jahrzehnten eine prägende Institution – nicht zuletzt für den ambitionierten MusikerInnen-Nachwuchs: Entsprechend wäre auch die rasante Laufbahn der gebürtigen Bielefelderin Luise Volkmann – einer hochkreativen Bandleaderin, Saxofonistin und Komponistin – ohne den Bunker wohl kaum denkbar! Die heute 25-jährige hat bereits ein Studium in Leipzig absolviert, danach folgte ein Erasus-Stipendium in Paris. Dorthin zieht es sie nach wie vor immer noch regelmäßig, um die Energie einer internationalen Musikmetropole begierig aufzusaugen und sich sozial-künstlerisch bestens zu vernetzen. Also durfte man Großes erwarten, als sie mit einer 12-köpfigen Truppe zum „Heimspiel“ zurück in den Bunker Ulmenwall kam. Und doch übertraf die in bestem Sinne „un-erhörte“, von ihr komponierte und arrangierte Musik alle Erwartungen. Luise Volkmann will es wissen, so viel ist klar! Ihre bescheiden wirkenden Ansagen versprechen „Songs“, in denen sie auf musikalische Weise von persönlichen Beziehungen erzählt. Aber dann eröffnen sich grenzenlose Weiten, in denen sie mit ihrer Band Ideen und Klänge bestechend kreativ zu verflechten weiß. Sie macht gerne das …

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