Dieser Applaus ist Geld wert

Moderatorin Nina Sonnenberg uznd Staatsministerin Monika Grütters gratulierten 64 APPLAUS-Preisträgern. Foto: Ralf Dombrowski/Initiative Musik
Moderatorin Nina Sonnenberg uznd Staatsministerin Monika Grütters gratulierten 64 APPLAUS-Preisträgern. Foto: Ralf Dombrowski/Initiative Musik

Am gestrigen Abend zeichnete Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum dritten Mal herausragende Livemusikprogramme mit dem sogenannten Spielstättenprogrammpreis der Initiative Musik aus. Dieser firmiert erstmals unter dem neuen Namen APPLAUS – ein Kürzel für ‚Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten‘. Mit der Verleihung des bundesweiten Preises sind Förderungen in Höhe von 905.000 Euro verbunden. Die Veranstaltung fand dieses Jahr in Kooperation mit dem Kulturreferat München sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie in der Münchener Muffathalle statt. „What’s a Muffat“ – diese Frage stellte sich der eine oder andere auswärtige Künstler beim Rundgang und Empfang durch das Muffatwerk, einem ehemaligen Wasserwerk am Isarufer. Georg Muffat – diese kleine Abschweifung muss sein – war ein Komponist und Organist des Barock und wirkte unter anderem im nahegelegenen Passau am Hof des Bischofs Johann Philipp von Lamberg als Kapellmeister und Hofmeister der Edelknaben als Kapellmeister. Damals war man noch am Hofe angestellt, heute ist man unabhängig und schlank im Budget. Zahlreiche Spielstätten, das wurde bei den Laudationes der Moderatorin Nina Sonneberg immer wieder deutlich, sind ohne Ehrenamt und Selbstausbeutung nicht denkbar.

Der APPLAUS 2015 zeichnete 64 herausragende Livemusikprogramme aus 14 Bundesländern aus, 36 Clubs und 28 Veranstaltungsreihen werden geehrt und mit insgesamt 905.000 Euro gefördert. Hauptpreise gingen an das Gebäude 9 in Köln, UT Connewitz in Leipzig und Zoglau3 – Raum für Musik in Taubenbach/Reut.

Während Staatsministerin Ilse Aigner vertretungslos abgesagt hatte, laudierten und gratulierten Kulturreferent Georg Küppers sowie Staatsministerin Monika Grütters die zweieinhalbstündige Massenauszeichnung souverän. Die Zwischenmusiken spielten live und kurzweilig das hochvirtuose Jazz-Funk Trio „Three Fall“ sowie die Gitarrenpopband „Polyester“ um die Bassistin Lisa Carbon.

„Mit dem neuen Namen für unseren Preis ‚APPLAUS – Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten’ wollen wir den kulturpolitischen Wert kleinerer bis mittlerer Musikclubs für die kulturelle Vielfalt in Deutschland hervorheben“, betonte Staatsministerin Prof. Monika Grütters. „Denn: Für junge, aufstrebende Musikerinnen und Musiker sind vor allem die kleinen Clubs mit ihren qualitativ hochwertigen und innovativen Programmen wichtige Orte, um sich künstlerisch zu entwickeln, neue Fans zu gewinnen und ihre Kreativität auch finanziell abzusichern. Zugleich tragen diese Clubs entscheidend zur soziokulturellen Vernetzung lokaler Rock-, Pop- und Jazzmusikszenen bei.“

Die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) begrüßte in ihrer Pressemitteilung zu Veranstaltung den Preis, betont die Wichtigkeit eines solidarischen Miteinanders in der Clubszene. „Nur eine starke Partnerschaft von Spielstätten und Musikern führt zu einem kulturell herausragenden Programm“, so Gebhard Ullmann, Vorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker. „Damit die von der Kulturstaatsministerin unterstrichene finanzielle Absicherung der Kreativität von Musikern auch wirklich gewährleistet ist, sollten angemessene Konditionen für Künstler noch stärker in den Preisstatuten verankert werden.“

Wachsender wirtschaftlicher Druck führt zunehmend dazu, dass immer mehr Spielstätten Kosten und Risiken auf die Künstlerinnen und Künstler verlagern. Immer seltener werden daher Festgagen gezahlt. „Hier muss ein Musikpreis des Bundes ein klares Zeichen setzen“, so Ullmann, „Insbesondere die Spielstätten, die sich diesem problematischen Trend entgegenstellen, sollten ausgezeichnet werden“.

Zwar werden in den Preisstatuten ‚angemessene Konditionen‘ für die Künstler als Bedingung genannt, müssen jedoch nicht konkret nachgewiesen werden. „Der Preis für Spielstätten steht nach nur drei Jahren bereits sehr gut da und hat seine Notwendigkeit auch für die Musiker bewiesen. Jetzt muss er weiter justiert werden, damit auch wirklich die Live-Programme gefördert werden, die faire Bedingungen für die Künstler bieten. Nur dann wird dadurch die Kulturszene nachhaltig gestärkt“, so Ullmann weiter.

Mit ihrer Willenserklärung wirbt die Union Deutscher Jazzmusiker gemeinsam mit über 70 Veranstaltern aus ganz Deutschland schon länger für eine gemeinsame Verantwortung bei Mindestgagen und öffentlicher Spielstättenförderung. Link: www.u-d-j.de/willenserklaerung

 

APPLAUS- PREISTRÄGER NACH BUNDESLAND

BADEN-WÜRTTEMBERG
Kulturzentrum franz.K, Kat. I, Reutlingen
BIX Jazzclub, Kat. I, Stuttgart
Karlstorbahnhof, Kat. I, Heidelberg
Jazzclub Villingen, Kat. III, Villingen-Schwenningen
Jazzkongress e.V., Kat. III, Freiburg

BAYERN
Unterfahrt, Kat. I, München
Milla Club, Kat. I, München
Colos-Saal, Kat. I, Aschaffenburg
JazzStudio Nürnberg, Kat. II, Nürnberg
Musikverein, Kat. II, Nürnberg
Jazzclub Bamberg, Kat. II, Bamberg
Rote Sonne, Kat. II, München
Birdland Jazz Club Neuburg, Kat. II, Neuburg
Zoglau3 – Raum für Musik, Kat. III, Taubenbach / Reut *
CLUBZWEI Konzert, Kat. III, München
Jazz+, Kat. III, München
Initiative for music and youth culture, Kat. III, Bad Neustadt an der Saale

BERLIN
Donau115, Kat. II
Yaam, Kat. II
ausland Berlin, Kat. II
Gretchen, Kat. II
Lido, Kat. III
Jazzszene Berlin, Kat. III
Fourtrack on Stage, Kat. III
Acud Macht Neu, Kat. III
Indiekollektiv, Kat. III
amSTARt, Kat. III
Kometenmelodien, Kat. III

BRANDENBURG
Waschhaus, Kat. III, Potsdam

BREMEN
Kulturzentrum Lagerhaus, Kat. II
Tower Musikclub, Kat. II

HAMBURG
Hafenklang, Kat. I
Prinzenbar, Kat. III

HESSEN
DAS BETT, Kat. I, Frankfurt
Oetinger Villa, Kat. II, Darmstadt
Zoom, Kat. II, Frankfurt

MECKLENBURG-VORPOMMERN
Peter Weiss Haus, Kat. II, Rostock
Zwischenbau, Kat. II, Rostock

NIEDERSACHSEN
Nörgelbuff, Kat. I, Göttingen
Feinkost Lampe, Kat. II, Hannover
Salon Hansen, Kat. II, Lüneburg
Wendlandjazz, Kat. III, Gartow
Tonhalle, Kat. III, Hannover

NORDRHEIN-WESTFALEN
Gloria Theater, Kat. I, Köln
Stadtgarten, Kat. I, Köln
Gebäude 9, Kat. I, Köln *
Domicil, Kat. I, Dortmund
King Georg, Kat. II, Köln
Pension Schmidt, Kat. III, Münster
Top-Konzerte, Kat. III, Krefeld
Evinger Schloss, Kat. III, Dortmund
Dumont, Kat. III, Aachen

RHEINLAND-PFALZ
Kulturclub schon schön, Kat. I, Mainz
Das Vereinsheim, Kat. III, Worms
Planke Nord, Kat. III, Mainz

SACHSEN
Jazzclub Tonne, Kat. I, Dresden
Saxstall, Kat. II, Pohrsdorf
Noch Besser Leben, Kat. II, Leipzig
UT Connewitz, Kat. II, Leipzig *
Dynamite Konzerte, Kat. III, Radebeul
Emil, Kat. III, Zittau

SACHSEN-ANHALT
Klub Drushba, Kat. III, Halle

THÜRINGEN
JAZZ im PARADIES, Kat. III, Jena
Franz Mehlhose, Kat. III, Erfurt

* Hauptpreisträger 2015: Spielstätte des Jahres / Programm des Jahres  

 

 

 

 

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