Frida Gold eröffnete die „Courtyard Concerts“ im De Medici Living Hotel Düsseldorf

Überzeugender Versuchsballon Die gewohnten Plätze und Abläufe von Konzerten sind selten Corona-tauglich, es braucht neue Orte, Ideen und Kooperationen, um im Augenblick Kultur mit persönlichen Begegnungen unter die Leute zu bringen. In Düsseldorf sind jetzt alle drei Punkte zusammengekommen. Beginnen wir mit dem Ort: Da ist das De Medici Living Hotel zwischen Altstadt und Rhein, ein echtes Grandhotel und Flaggschiff der Derag Hotelgruppe, voller Kunst und mit einer bewegten 400-jährigen Geschichte. Es hat einen großen Innenhof mit der Andreaskirche als Rückseite und drei Seiten Hotelfront. Neben der Kultur ist die Hotellerie mit der größte Leidtragende der Krise, und nach einiger Zeit der Schockstarre besann sich Hotel-Direktor Bertold Reul auf eine seinem Haus innewohnende neue Möglichkeit: Als Spielort für „Courtyard Concerts“. „Wir konnten in den vergangenen Wochen nicht das sein, was wir im Kern sind – Gastgeber“, erklärt er. „Das hat uns gefehlt. Darum möchten wir mit unserer neu geschaffenen Courtyard-Reihe ein Stück dazu beitragen, dass wir wieder Gastgeber sein, dass Gäste bei uns besondere Momente erleben und Künstler wieder einen Ort der Begegnung mit ihrem Publikum haben können.“ 70 Quadratmeter Bühne wurden über den Brunnen …

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„Wir können nicht die Welt retten“: Moers-Festival 2020

Der Name Moers steht für Wagnis und „kreative Unterwanderung“, wie es Festivalmacher Tim Isfort charakterisiert. Unter den herrschenden Bedingungen ein internationales Festival zu machen, schloss das Risiko des Scheiterns ein. Aber wo ein Wille ist, tun sich Wege auf und wird improvisiert: Woher konnte Ersatz für viele abgesagte Programmpunkte geschaffen werden? Wie sollte alles für die behördlichen Hygienemaßnahmen passend gemacht werden? Welche Nachweise galt es zu generieren, um -letztlich erfolgreich! – eine beruflliche „Systemrelevanz“ für etwaige Einreisegenehmigungen zu belegen? Das Ziel wurde erreicht: Ein „vollwertiges“ viertägiges Moers-Festival, das jeden Anspruch an Vielschichtigkeit, Fantasie und Relevanz erfüllt, wenn auch die Bühne in diesem Jahr in erster Linie das world wide web war und die Festivalhalle zur Produktionsstätte wurde. Der österreichische Saxofonist Wolfgang Puschnig artikulierte, wonach er und zahllose Kolleginnen und Kollegen im Moment so ausgehungert sind: Mitten im ekstatischen Solo verlässt er seinen Platz und „bespielt“ kurzerhand einen Kameramann. Musikmachen braucht Publikum, damit Empfindung  fließt. Und nicht nur Helene Erben von der Gesangsgruppe „Sjaella“ ist vom eingespielten „virtuellen Applaus“ irritiert. Die paar in großem Abstand voneinander sitzenden und zum Tragen von Masken verpflichtete Gäste und Kameraleute …

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Lee Konitz. Fotos: Thomas J. Krebs

Dialoge und Rhapsodien – ein Nachruf auf Lee Konitz

Der am 13. Oktober 1927 in Chicago geborene Altsaxophonist Lee Konitz zählte zu den Erfindern und Virtuosen des sogenannten Cool Jazz. Mit seinem linearen Spiel prägte er Musiker wie Paul Desmond, Bill Evans, Hans Koller, Albert Mangelsdorff und schließlich sogar Avantgardisten wie Anthony Braxton. Im Andenken an den gestern in Greenwich Village im Alter von 92 Jahren verstorbenen Künstler veröffentlicht die JazzZeitung eine Laudatio auf Lee Konitz, die Andreas Kolb am 11. Juli 2013 anlässlich der Verleihung der German Jazz Trophy 2013 in  Stuttgart hielt. Fotos: Thomas J. Krebs Dialoge und Rhapsodien „Als wenn die ewige Harmonie sich mit sich selbst unterhielte“, sagte Johann Wolfgang Goethe über das Wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach. Von der Musik als Klangrede sprach der Dirigent Nikolaus Harnoncourt als er in den 80ern einen neuen Zugang zur Alten Musik suchte. Im Sektor des Jazz führte unser heutige Gast und Preisträger Lee Konitz mit die spannendsten und aufregendsten Musik-Diskurse – und das über sieben Jahrzehnte hinweg. Zu den wunderbarsten musikalischen Konversationen, die ich kenne, zählen die Duos von Lee Konitz mit „Gesprächspartnern“ wie Joe Henderson, Elvin Jones, Eddie Gomez, Karl …

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Emotion und Freigeist: Emile Parisien Quartett im Essener Grillo-Theater

Emile Parisien habe in der letzten Zeit viel über Digitalisierung, über die Sogwirkung von Bildschirmgeräten und über Multi-Tasking nachgedacht. So umriss der Saxophonspieler aus Okzitanien  zur Begrüßung seines Publikum die programmatische Idee zum neuen Album „Double Screening“ –  und dies setzte auch die Koordinaten bei einem Live-Konzert in perfekter Kollektiv-Chemie.  Die Band wurde im Essener Grillotheater begeistert gefeiert! Die Antworten auf zuviel digitale Verzettelei finden auf der Livebühne in Essen dann aber so analog und musikalisch entschlossen wie nur möglich statt. Unerschöpfliche Weiten, die gar kein WWW brauchen, tun sich angesichts der riesigen Fantasie aller vier Spieler an diesem Konzertabend allemal auf. Allein Parisiens Tongebung und Klangkultur auf dem Instrument ist schon Abendprogramm genug: Oft wie ein orientalisches Blasinstrument beschwörend und trotz der hohen Tonlage des Soprans irgendwie auch mystisch dunkel, dabei gerne latent orientalistisch die Intervalle verschleifend – so mutet sein Spiel über weite Strecken an. Bei allem Freigeist wird immer wieder dezidiert in klar definierte Jazz-Diktionen vorgestoßen – ja, es nimmt den Atem, wie diese Band swingen kann! Solche aberwitzig synkopengespickten Highspeed-Neobop-Höllenritte sind immer wieder Fazit der vorausgegangenen instrumentalen Fantasiereisen. Aber auch Bindeglied, …

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BMW Welt Jazz Award 2020: Das Trio Reis-Demuth-Wiltgen bestreitet das fünfte Dienstagskonzert

Als fünfte Band im Entscheid des BMW Welt Jazz Award war vor voll besetztem Haus das Trio des Pianisten Michel Reis, des Bassisten Marc Demuth und des Schlagzeugers Paul Wiltgen zu Gast. Pulsierende Pattern, mächtig sich auftürmende Klangkaskaden – nur unterbrochen von dem Motto „The Melody at Night“ geschuldeten inspirierten Balladen für Klaviertrio. Im Doppelkegel der BMW Welt stellte das Luxembourger Trio sein jüngstes Album   „Once In A Blue Moon“ vor. Vor Ideen sprühende, überraschende, stets packende Musik, die Emotionen weckt und vom traumwandlerisch sicheren Verständnis der drei Instrumentalisten getragen ist. Eine ausführliche Konzertkritik lesen Sie unter www.nmz.de Fotos: Thomas J. Krebs

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BMW Welt Jazz Award 2020: Das Quintett von Schlagzeuger Peter Gall bestreitet das vierte Dienstagskonzert

Es begann eine Spur zu akademisch und endete in einem Jazzrausch der Spitzenklasse: Das Konzert des Peter Gall Quintetts mit Musik von dessen neue CD „Paradox Dreambox“ – seiner ersten eigenen Produktion nach der Mitwirkung an über 30 CD-Alben als Mitmusiker. Aus der musikalischen Traumbox stiegen fünf herausragende und international tätige Solisten, die Galls originelle Kompositionen in einem superspannenden Interplay zum Leben erweckten. Fotograf Thomas J. Krebs lieferte für die Jazzzeitung eine inspirierte Fotogalerie. Eine Kritik zum Konzert lesen Sie unter www.nmz.de

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Adam Baldych. Foto: TJ Krebs

BMW Welt Jazz Award 2020: Das Quartett von Jazzgeiger Adam Baldych bestreitet das dritte Dienstagskonzert

Das Instrument Geige führte viele Jahre ein Schattendasein im Jazz. Das hat sich längst geändert, und immer neue Stimmen geben diesem Streichinstrument, das wie kein zweites für Klassik, Hochkultur und Virtuosität steht, eine Heimat im Bereich des modernen Jazz. Derzeit angesagtester Vertreter dieser Gattung ist der Pole Adam Baldych, der trotz Orkan „Sabine“  zusammen mit seinem Quartett nach München in den BMW Doppelkegel gekommen war, um in den Wettstreit um die begehrte Trophäe des BMW Welt Jazz Awards einzusteigen. Die vier Polen lieferten eine hochprofessionelle Vorstellung, deren musikalische Bandbreite von Hildegard von Bingen, Thomas Tallis bis in die Gegenwart der improvisierten Musik reichte. Das sich Baldych nicht nur als der bekannte Paganini der Jazzgeige präsentierte, sondern seine Virtuosität in den Dienst der Musik stellt, auch mal leiseren Tönen Raum gab, berührte sichtlich einige Zuschauer. 90 Minuten großes Jazz-Theater – inklusive Zugabe. Alle Fotos: Thomas J. Krebs Siehe auch die Kritik von Ralf Dombrowski auf nmz.de  

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Baustellenkunst, Raum-Licht-Installation und ein Flügel, der hoch fliegt

Ein Wochenende auf dem Festival „Out of the Box“ im Münchner Werksviertel. Oder: Alain Roche gibt das erste Konzert im neuen Münchner Konzertsaal auf der vereisten Baustelle. Der Veranstalter whiteBOX geht im neuen Jahr nicht nur mit Eismusik aufs Dach oder mit Musik unter Wasser, sondern traut sich mit „Piano vertical“ in schwindelnde Höhen. Die Produktion des Schweizer Pianisten und Komponisten Alain Roche ist atemberaubender Stunt, urbane Poesie und technologisches Meisterstück in einem. Dieses Wochenende war es so weit: „Piano vertical – Chantier“ fand am 24., 25. und 26. Januar 2020 jeweils bei Tagesanbruch kurz vor 7.00 Uhr morgens auf dem Grundstück des zukünftigen Konzerthauses statt. Alain Roche hing dabei mit seinem eigens dafür konstruierten Konzertflügel in großer Höhe am Ausleger eines Baukrans und gab ein etwa 45-minütiges Konzert. Die Fotografin Susanne van Loon hielt die faszinierende Choreographie von Flügel, Pianist und Baustelle für die Jazzzeitung fest.   Alain Roche über seine Arbeit und seine Musik: „Die Baustelle ist der perfekte Ort für das Ostinato. Ich wollte mit mechanischen, metallischen Klangquellen arbeiten; roh und repetitiv wie die Ostinati, die ich besonders gern mag: Motorengeräusche, fallende …

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Andrea Hermenau Quintett in der BMW Welt. Foto: TJ Krebs

BMW Welt Jazz Award 2020: Das Andrea Hermenau Quintett bestreitet das zweite Dienstagskonzert

Jazz & Lyrik zur Nacht: mit ihrem Programm „Nachtpracht“ hat Andrea Hermenau und ihr Quintett  auf jeden Fall Maßstäbe gesetzt, an dem sich die Mitbewerber werden messen lassen müssen. Eine Konzertkritik  lesen Sie unter www.nmz.de Text & Fotos: TJ Krebs

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BMW Welt Jazz Award 2020: das erste Dienstagskonzert

Dass Cecilie Grundt nicht nur Musik studiert hat, sondern auch Architektur, glaubt man ihren Kompositionen anzumerken. Obwohl sie ihren Musikern genug Freiraum für Improvisationen und eigenen Ausdruck gibt, ist bei ihren Klanggebäuden nichts dem Zufall überlassen. Das 90-minütige (!) Konzert ohne Pause bot dem Quintett Gelegenheit, alle Stücke ihrer neuen CD „Contemporary Old School“ zu präsentieren. Trotz tosendem Applaus gab es nach diesem Mammut-Set verständlicherweise keine Zugabe. Und wer weiß, ob die junge Band überhaupt noch Pulver zu verschießen hatte? Der norwegischen Newcomer Band, die das erste Mal in München gastierte, gelang eine schöne Eröffnung des BMW Welt Wettbewerbs 2020 mit immer wieder aufs Neue überraschendem modernen Jazz. Nicht nur das Publikum zeigte sich von Grundts Gruppe beieindruckt, auch die junge Bandleaderin und Architektin ließ sich – nach einem kurzen Moment des Atem anhaltens – stimulieren und  anspornen von der Resonanz des Münchener Publikums, und sicher auch von der skulpturartigen, fesselnden Architektur des Doppelkegels der BMW Welt, in der sie ihre Soundlandschaften  entfalten durfte. Alle Fotos von Thomas J. Krebs Am nächsten Dienstag, den 21. Januar, kommt die Münchner Pianistin Andrea Hermenau zusammen mit Till …

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