Unvergesslich: das Esbjörn Svensson Trio – Live in London jetzt auf CD

Kaum zu glauben – vor zehn Jahren erschütterte die Nachricht vom tragischen, tödlichen Tauchunfall des damals 44-jährigen schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson die Jazzwelt. Was wäre wenn … abrupt endete ein kometenhafter Aufstieg, dem anscheinend keine Grenzen gesetzt schienen, bis auf die des realen, eben unvorhersehbaren Lebens. Was Esbjörn Svensson mit seinen Freunden und Weggefährten, dem Bassisten Dan Berglund und Schlagzeuger Magnus Öström seinerzeit anstellten, sprengte jeden Trio-Horizont. Nun erscheint mit „e.s.t. Live In London“ posthum eine DoCD (DoLP), aufgenommen im Barbican Centre, London, im May 2005. Ein echter Glücksfall, dass dieses Konzert mitgeschnitten wurde und nun veröffentlicht wird. In der Tat eine Sternstunde des Trios mit einer wunderbaren Auswahl von Stücken, die sie auf dieser Tour präsentierten. Anders als bei dem 2007 aufgenommenen Album e.s.t. „Live in Hamburg“ wird hier das Repertoire des Albums „Viaticum“ in den Vordergrund gestellt. Bereits …

Weiterlesen

Ein wahnsinniger Abend: Nels Cline 4 im Jazzclub Unterfahrt

Gitarrenaffinados kamen vergangenen Freitag im Münchner Jazzclub Unterfahrt voll auf ihre Kosten: „Wilco“ Gitarrengott Nels Cline (man mag es eigentlich nicht wirklich glauben) debutierte in der Unterfahrt mit dem ebenfalls fantastischen Julian Lage in seinem Quartett. Bassist Jorge Roeder und der Schlagzeuger Tom Rainey sorgten für ungemein spannende, inspirierte Momente, und dass zwischen Cline und Lage eine komplette Generation liegt, ging in den Gitarren-Dialogen vollkommen unter. Die Chemie stimmte von Anfang an, nicht nur zwischen den beiden Ausnahmegitarristen, sondern im gesamten Quartett. Wie bezeichnete der Rolling Stone Nils Cline vor Jahren einmal treffend: „der Avantgarde-Romantiker“ – besser kann man die musikalischen Ausflüge des Quartetts an diesem Abend nicht beschreiben. Wer’s verpasst hat: nachzuhören auf dem gerade bei Blue Note erschienenen Album „Currents, Constellations“. Text & Fotos: Thomas J. Krebs

Weiterlesen

Anouar Brahem – Tunesian Blues in der Münchner Philharmonie

Es gibt sie … diese Überraschungsabende und -konzerte. Man freut sich darauf, hat eine gewisse Erwartung, ist gespannt auf Musiker in einer bestimmten Formation und am Ende ist alles doch anders, noch viel besser und interessanter als man es sich gewünscht hat. So geschehen am vergangenen Samstag. Anouar Brahem, der tunesische Komponist und Virtuose an der arabischen Oud, gastierte in der Münchner Philharmonie und stellte live sein aktuelles, bei ECM erschienenes Album, „Blue Maqams“ vor. Gemeinsam mit Django Bates, Dave Holland und Jack DeJohnette verwandelte das Quartett den großen Saal der Philharmonie in eine Kathedrale. Leise Töne von Brahems Oud tasten sich ans Ohr der Hörer, dann setzt Dave Holland mit einfühlsamem, aber bestimmten Bass ein. Django Bates entlockt seinem Steinway unglaublich feine, arabisch anmutende Töne und Jack DeJohnettes feinfühlig differenziertes Schlagzeugspiel sorgt für entsprechenden rhythmischen Drive – „Tunesian Blues“ …

Weiterlesen

CD-Rezension: Pablo Held – Investigations

Seit dem Jahr 2005 existiert das Pablo Held Trio mit Robert Landfermann am Bass und dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel bereits. Bis dato erschienen offiziell neun Alben unter Helds eigenem Namen, davon fünf reine Trioalben in dieser Besetzung (plus eine Aufnahme im Trio mit John Scofield). Nach dem bedauernswerten Ende des Münchner Labels Pirouet, auf dem Pablo Held vorher prominent vertreten war, hat das Trio nun eine neue Heimat in England bei Edition Records gefunden. Die gerade erschienene CD „Investigations“ ist das 10. Album von Pablo Held und erscheint zum 10. Jubiläum des englischen Labels – ein schöner Zufall! So beginnt mit dem neuen Tonträger gleichzeitig auch ein neues Kapitel des Ausnahmetrios. Nach all den Jahren ist die Formation nicht müde geworden, neue musikalische Horizonte auszuloten und zu erkunden. Tradition und Avantgarde geben sich hier die Klinke in die Hand, alle …

Weiterlesen

BMW Welt Jazz Award 2018 – Clubbing mit Andi Kissenbeck

  Am vergangenen Sonntag trat Andi Kissenbeck mit der klassischen Hammond B3 und seiner Formation „Club Boogaloo“ beim BMW Welt Jazz Award auf und groovte das Publikum bei blauem Himmel, Sonnenschein und vollem Haus auf den Palmsonntag ein. „Der Jazz gehört zu Deutschland“ – so kommentierte Kissenbeck pointiert die großartige Resonanz des Publikums an diesem Vormittag. Mit dem wunderbaren Torsten Goods an Gitarre (übrigens eine J.A. Keller Signature Archtop) und Gesang, dem Saxophonisten Karel Růžicka Jr. und Drummer Tobias Backhaus begegnete Andi Kissenbeck mit seiner Truppe dem Thema des diesjährigen Jazz Awards „Jazz Moves“ mit Spielfreude, Witz und satten Tönen vom ersten bis zum letzten Takt. Yeah Baby – do the Boogaloo!  

Weiterlesen

40 Jahre Jazzclub Unterfahrt – Vier spannende Tage

Zwölf abwechslungsreiche und spannende Konzerte, ein begleitendes Jazz-Filmprogramm mit anschließenden Fach-Diskussionen – all night long, bis in den frühen Morgen. Alle Veranstaltungen sehr gut bis vollkommen ausverkauft, feiern ohne Ende, Begegnungen, Gespräche, gute Laune, erstklassige Musik, Bier, Wein und Gesang… das Schöne an so einem Jazzclub-Geburtstag ist die Nähe der Musiker zum Publikum und umgekehrt. So persönlich und hautnah bekommt man die Stars sonst nur selten zu hören und zu Gesicht. Thomas J. Krebs war die Tage vor Ort und hatte natürlich seine Kamera mit dabei.

Weiterlesen

Marcela Arroyo zu Gast beim BMW Welt Jazz Award mit den Tangomoods von Puerta Sur

Das aus Zürich kommende Trio Puerta Sur gastierte am vergangenen Sonntag beim BMW Welt Jazz Award mit seinen Tangomoods und verzauberte das Publikum mit leisen, nachdenklichen Klängen auf musikalisch höchstem Niveau. Mit Daniel Schläppi am Bass und dem Violinisten Andreas Engler hat die Sängerin Marcela Arroyo die perfekten Begleiter für ihr Projekt gefunden. Die Musik bewegte zwar, der Jazz jedoch kam bei der kunstvollen Fusion aus Tango, Klassik und Chanson deutlich zu kurz. Die Fotografen Thomas J. Krebs (Fotos unten) und Susanne van Loon (Fotos oben) sahen Marcela Arroyo und ihre Mitstreiter aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Gemeinsam ist ihren Bildern die Faszination durch Arroyos Theatralik und Bühnenpräsenz im winterlichen Morgenlicht des BMW Welt Doppelkegels.

Weiterlesen

Ramón Valle heizt im Münchner Jazzclub Unterfahrt ein

Draußen vor der Tür satte zweistellige Minusgrade, drinnen im Club karibische Hitze und kubanische Rhythmen. Der 1964 in Holguin auf Kuba geborene Pianist Ramón Valle zündete ein mitreißendes musikalisches Feuerwerk mit seinem langjährigen Begleiter Omar Rodriguez Calvo am Bass und dem inspirierten Schlagzeuger Jamie Peet. Da wippten die Füße zum ungezügelten Groove der Musik, perlende Klavierläufe mit vertrackten Tempi ließen immer wieder aufhorchen, herrliche Soli sorgten für Spannung und Valle prägte den Abend mit einer sehr persönlichen Songauswahl. Das Trio spielte ausschließlich Kompositionen aus Valles Feder. Ein Coversong war dann doch dabei: Michael Jacksons – Nomen est omen – „Don’t stop ‘til you get enough“. Das begeisterte Publikum konnte einfach nicht genug bekommen und die Musiker spielten bis auch das letzte Eis (im Glas der Drinks) geschmolzen war.  

Weiterlesen

Stephanie Lottermoser präsentiert „This Time“ live

Im Nightclub des Hotel Bayerischer Hof präsentierte die Tenorsaxophonistin Stephanie Lottermoser ihre brandneue auf Motor Entertainment erschienene CD „This Time“. Ihre Kompositionen sind gespickt mit packenden Grooves im Wechsel mit einfühlsamen Beats und klasse Texten – von ihr gesungen. Begleitet wird sie dabei von versierten Musikern wie dem Gitarristen Ferdinand Kirner, Jan Eschke an den Keyboards (im Konzert mit Hansi Enzensperger von Organ Explosion), Ludwig Klöckner am Bass sowie dem Drummer Christoph Buhse. Das Ganze soundtechnisch sauber produziert von Meister Steve Greenwell, aber mit Bedacht und immer Lottermosers eigene Sound-Handschrift tragend.   „This Time“ zeigt Lottermoser allen wo das Saxophon hängt: locker um den Hals, fast schwebend spielt sie auf Teufel komm raus und begeistert den Hörer. Da wippen die Füße, schnippen die Finger und angesichts der mitreißenden Mucke fällt es einem schwer still zu sitzen. Bis dann doch die …

Weiterlesen

Matinee: Das Duo Elin-Sakas bei Eleven-eleven in Olching

Die Musikreihe „Eleven-eleven MusikKultur e.V.“ wurde im Februar 2005 aus der Taufe gehoben. Seitdem fanden 156 spannende Matineen im Konzertsaal des Olchinger KOM statt. Am letzten Sonntag, dem 18.02.18, war es wieder einmal soweit: diesmal mit dem Duo des Saxophoninsten und Bassklarinettisten Christian Elin und Prof. Maruan Sakas am Flügel. Eine besondere Matinee dieser Konzertreihe, stand sie diesmal ganz im Zeichen des Jazz und der Improvisation. Allerdings mit einem kleinen Wermutstropfen gleich zu Beginn: Elin, der außer Sopransaxophon auch ein Virtuose an der Bassklarinette ist, musste beim Konzert leider kurzfristig auf dieses herrliche Instrument verzichten, da es kurz vor dem Konzert umfiel und nicht mehr spielbereit war. Wie es im Jazz nun mal ist wurde das Programm kurzerhand umgestellt, und so spielten die beiden einfach Stücke für Piano und Sopransaxophon aus ihrem Repertoire… und die hatten es in sich! Außer …

Weiterlesen