Amaro Freitas Trio

Amaro Freitas Trio in Regensburg

Obrigado – ihr seid unglaublich! Jazz, Naturklänge und brasilianische Regenwaldstimmung im Leeren Beutel Beim Anblick des Amaro Freitas Trio, das durch den Mittelgang im Leeren Beutel Regensburg die Bühne enterte, konnte man auf die Idee kommen, ein Konzert mit wenig Abstufungen und Nuancen stünde bevor. Zwei der Musiker, Bassmann Sidiel Vieira und Rodrigo Braz am Schlagzeug waren ganz in weiß gewandet, lediglich Namensgeber Freitas am Flügel trat in schwarz auf, dem internationalen Bekleidungscode der Kunstszene. Nach dem ersten langen Stück, das vor Energie, Tempo und Abwechslung barst, war diese einschränkende Vorstellung komplett pulverisiert. Was der Pianist aus dem nordöstlichen Brasilien in diese Komposition alles hineingepackt hat, würde bei manchen anderen Musikern für ein ganzes Album oder mehr reichen. Es fanden sich darin brachiale freie Passagen, die in der Form, weniger in der Kompromisslosigkeit und Härte an Cecil Taylor erinnerten. Werbung Genauso gut schien der 35-jährige Tastenzauberer auch den üppigen Stil eines McCoy Tyner, wie becircende Minimalisten und moderne Romantiker des Klaviers zu kennen. Abrupt wechselte er vom wilden funkensprühenden Ritt in eine fast süßliche Melodie, die mit rhythmischer Raffinesse von seinen Mitmusikern gebrochen wurde. Dann …

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Jonas Sorgenfrei (links) mit den Musikern seines Quintetts

Dickköpfiger Bass, filigraner Puls

Nabburger Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei hat bereits ein halbes Dutzend Alben veröffentlicht Nabburg/Nürnberg. Die Liste mit Musiker:innen ist lang, mit denen Jonas Sorgenfrei zusammengespielt hat. Etwas kürzer eine weitere mit Auszeichnungen und Preisen des gebürtigen Nabburgers. Noch etwas kürzer eine Aufzählung seiner Veröffentlichungen. Hält man sich dann allerdings vor Augen, dass ein junger Schlagzeuger mit gerade 33 Jahren bereits auf ein halbes Dutzend Alben blicken kann, ist das eine ganze Menge. Sein jüngstes Album, mit „Quintet Live“ betitelt, ist erstmals im letzten Herbst als rein digitales Produkt veröffentlicht worden. Weil es in diesem Jahr für den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Rundfunkproduktion des Jahres“ nominiert worden war, ist Sorgenfrei noch einmal rangegangen und hat das Album in einer kleinen, limitierten Auflage als CD-Edition pressen lassen. Produziert hat es der Bayerische Rundfunk mit einer kleinen Anzahl von Zuhörenden im Münchener Studio. Sie geben der Liveaufnahme den Charme und die Vitalität eines intimen Clubkonzerts. „Quintet Live“ beschränkt sich auf vier Stücke, allesamt aus Vorgängeralben, die für diese Besetzung neu arrangiert wurden. „Life upon a dying star“, ein melancholisch-anrührendes Stück über das Leben auf einem sterbenden Stern, ist der …

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Membran des Geistigen durchstoßen – John Coltrane auf der Spur

„Das ist die Art Musik, die Gott hören würde!“ Ein Eintrag unter einer Aufnahme von „Naima“, die John Coltrane mit seinem Quartett 1965 bei einem belgischen Festival eingespielt hat, erinnert an die fast mythische Verehrung, die der amerikanische Musiker manchmal bis heute genießt. Der zwei Jahre später verstorbene Saxophonist hatte diese Komposition seiner ersten Frau Juanita „Naima“ Coltrane gewidmet. Mit dieser hingebungsvoll interpretierten Ballade eröffnete ein Quartett um Uwe Steinmetz das Konzert „Coltrane 100 – A Love Supreme“ beim Jazzclub im Leeren Beutel Regensburg – und traf das Publikum gleich mitten ins Herz. Ungewöhnliches Format Die gut besuchte Veranstaltung zum 100. Geburtstags eines der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts hatte ein ungewöhnliches Format. Statt einfach bekannte Stücken zu spielen, hatte Steinmetz die Journalisten Roland Spiegel vom BR und den Autor dieses Beitrags eingeladen. In Gesprächsrunden zur Person und zu Wechselwirkungen von Jazz, Spiritualität und Demokratie gingen sie der Wirkung des großen Musikers auf Jazz und Popkultur nach. Es gibt um den inneren und äußeren Nachklang, den dieser große Musiker bis heute hat. Werbung Für Spiegel, der beim Bayerischen Rundfunk tausende von Jazzsendungen moderiert hat, ist …

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Gitarrist Peter Bernstein: Swingender Post-Bop mit griffiger Eleganz

„Hey man“ begrüßt der Regensburger Gitarrist Helmut Kagerer den amerikanischen Kollegen Peter Bernstein im Gedränge der Tür zum Saal im Leeren Beutel. Dieser stutzt kurz, schließt den Kollegen dann freudig in die Arme. „Hey, always on tour“, gibt Bernstein zurück und strebt nach einem begeistert aufgenommenen ersten Set mit einem Wink in die Pause. Da hatte der 59-Jährige, der sechs Tage zuvor auf Europatournee Geburtstag feierte, das fast ausverkaufte Konzert mit dem Stück „Simple As That“ begonnen. Die relaxt swingende Komposition aus seinem Album „What Comes Next“ kann in ihrer zurückhaltenden Ruhe und spielerischen Eleganz als Statement verstanden werden. Sie war in der ersten Hochphase der Coronapandemie entstanden. In New York City, wo die Aufnahme im Herbst stattgefunden hatte, herrschte damals eine angespannte Nervosität und Angst, waren doch schon im Frühjahr und Sommer viele Todesfälle bekannt geworden. Werbung Wunsch nach Besonnenheit Auch das Titelstück, mit dem Bernsteins Quartett nach längerer Pause die zweite Hälfte seines Jazzclubkonzertes startet, unterstreicht in seiner Unaufgeregtheit den Wunsch nach Besonnenheit. Tempo nimmt die Band in „Harbor No Illusions“ auf, „Mach dir keine Illusionen“ auf deutsch, dem letzten Stück des Abends …

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„Only Hits“ mit Lisa Wahlandt: Vertraute Pophymnen neu interpretiert 

Lisa Wahlandt stellt auf ihrem neuen Album „Only Hits“ aus Pop, Folk, Soul und brasilianischer Musik vor. Schon etwas arrogant, wenn Bob Dylan davon singt, dass „du einfach nur irgendwie meine wertvolle Zeit verschwendet hast (Mädel)“. Dennoch rät er der Freundin im Refrain „don`t think twice, it´s all right“, also „denk nicht soviel darüber nach, es ist alles in Ordnung“. Ein Hit wurde der selbstreflektive Song des großen Folk- und Rockpoeten allerdings nicht, auch wenn er bis heute häufig im Repertoire von Musikern aus Pop, Rock oder Jazz auftaucht. Werbung Auch die Münchner Sängerin Lisa Wahlandt hat sich entschieden, das über 60 Jahre alte Lied auf ihr neues Album „Only Hits“ zu nehmen. In einem bluesigen Stil mit lässigem Countrytouch begleitet von Paulo Morello auf der Gitarre und Sven Faller am Bass, gibt sie dem harten Abschiedspoem eine eigene, weniger scharfe Note. Dazu trägt gerade auch Morellos feinfühliges Spiel, das ein klein wenig an Bill Frisell erinnert, und sein untrüglicher Sinn für Dramaturgie bei. Nur wenig später als Dylans Abgesang erschien 1966 das berühmte Revolver-Album der Beatles. Aus diesem Klassiker hat Wahlandt die Liebesballade „Here, …

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Filmisch-surreale Atmo im Mikrokosmos – Bruno Heinens The W

„To the devil with exercises“, zum Teufel mit den Übungen, ist vielleicht nicht ganz der richtige pädagogische Ansatz, um jungen Menschen das Spielen eines Instrumentes näherzubringen. Das ist auch keineswegs Absicht oder Ziel des britisch-deutschen Pianisten Bruno Heinen. Er bezieht sich auf ein Zitat Béla Bartóks, welches endet: „they are the last thing I want to spend my time on“. Ideen aus Bartoks Werk Ohne Zweifel hat der im Saarland geborene Musiker, der als Einjähriger nach England kam, seine Übejahre längst hinter sich. Während dieser hat er sich auch mit der Musik des Ungarn auseinandergesetzt, dessen Sammlung pädagogischer Klavierstücke inspirierende Grundlage für die Kompositionen des Albums war. Werbung Heinen verwendet Zellen und Ideen aus Bartoks Werk, vorwiegend dem sechsten Band, sowie Liedtexte in Form von Zitaten und schafft damit eine neue Suite. Biografisch ist Heinen zudem von Komponisten wie Duke Ellington, Wayne Shorter und György Ligeti geprägt, die Ausdruck einer großen Bandbreite seines kompositorischen Schaffens sind. Die Grenzen zwischen Jazz und zeitgenössischer Musik sind fließend, die Musik ein eigener, eigenwilliger Kosmos mit Andockstellen für Jazztraditionalisten und Third-Stream- oder Avantgarde-Anhängern gleichermaßen. The W Neben dem neu …

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Bayerisches Jazzweekend 2026 – vielfältiger, jünger und interessanter denn je

Freitag und Samstag: Sounds zwischen Afrika und Ohrenputzern Vielfältiger, reicher, jünger und damit interessanter denn je. Auf diese einfache Formel lässt sich das diesjährige 45. Jazzweekend bringen. Auch wenn in den letzten Jahren seit dem geglückten Relaunch des einstigen Amateurfestivals vieles nach Jahren der Stagnation besser geworden ist, scheint es heuer noch einmal mehr Schwung bekommen zu haben. Zu spüren war das vor allem am Abend der offiziellen Eröffnung, als Scharen jüngerer und junger Menschen die Plätze, Höre und Gassen und später die noch wenigen offenen Spielstätten regelrecht bevölkerten. Beim Degginger bildete sich gar eine lange Schlange Wartender, um möglichst doch noch etwas von der coolen Show des Rapduos Leila Carter und Maniac mitzubekommen. Die virtuose junge Freestyle-Sängerin und der fast schon altgediente HipHop-Enthusiast traten zusammen mit einem der heißesten Live-Acts der deutschen Hip-Hop-Szene auf. Tribez, das fünfköpfige Ensemble mit dem vibrierenden Gitarristen Ben Treimer im Zentrum fädelte sich mit phänomenaler Energie von der 1960er Jahre Instrumentalnummer „Apache“ bis zu scratchy Sound von heute ohne dabei in eine Nostalgiepfütze zu treten. Werbung Die durchwateten dagegen am nächsten Abend voller Genuss Uwe Nitzl and his Sixpack …

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Zehn Jahre Shake Stew

Shake Stew reißt beim Jubiläumskonzert zum Zehnjährigen im Hof des Regensburger Thon Dittmer Palais  das Publikum zu Begeisterungstürmen hin. Gegen Ende des eher kurzen, musikalisch überaus üppigen Auftritts von Shake Stew ist es bei leichtem Niesel doch spürbar klamm geworden. Dabei hat sich „Österreichs  Jazzband der Stunde“, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ das Septett um Bandleader Lukas Kranzelbinder schon früh hervorhob, mächtig ins Zeug gelegt, um dem Publikum ordentlich einzuheizen. Das gelang ihr auch vom Fleck weg mit einem Medley älterer Stücke. Damit zeichnete die Band schon einen riesigen Bogen, den sie von der Noise Music der späten 90er Jahre übers südliche und nördliche Afrika bis in die aktuelle Londoner Subkultur durchwanderte. Wobei der brachiale Lärm des Noise nur ein entferntes Echo im Übergang von einem zum nächsten Stück blieb. Im flächigen Sound zweier Bassgitarren türmten sich wabernde Klangwände im eher geruhsamen Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais` auf, die alles mit sich rissen, was auf entspannter und lässiger Feelgood-Atmosphäre eingestellt war. Werbung In Stimmung gebracht worden waren die Zuhörenden schon zuvor vom Jazzorchester des Von-Müller-Gymnasiums. Unter der anfeuernden Leitung von Sebastian Glas und Jazzclub-Beirat Michael Straube, der seit …

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Die Münchner Techno-Bigband stellt neues „himmlisches“ Programm in der Regensburger Dominikanerkirche vor

Die ein wenig versteckt in der Predigergasse liegende Dominikanerkirche St. Blasius war bisher keineswegs als Hort überschäumender Lebensfreude und unbändiger Bewegungslust bekannt. Seit letztem Wochenende ist das anders. Schon vor dem Konzert der in München beheimateten Jazzrausch Bigband, die den bewusstseinsverändernden Zustand bereits im Namen trägt, hatten sich vor dem schmalen Eingang am Albertus-Magnus-Platz lange Menschenschlangen gebildet. Geduldig warteten sie auf Einlass in die nur selten zugängliche frühgotische Basilika. Es war, wie es eine ältere Besucherin zurückhaltend ausdrückte, „ein ganz besonderes Erlebnis“. Das war vom Ort, der nach vorne zum Altar gerichteten Bänke, der für fast die Hälftedes Publikums ungewohnten Musikmischung aus Jazz und technoiden Grooves bis hin zur Form der Musikaufnahme in der Tat. Bevor sich die Besuchenden einen Platz in dem von draußen erhellten Kirchenraum einen Platz suchen konnten, bekamen sie von Mitgliedern der Bigband einen Kopfhörer mit dem Hinweis in die Hand gedrückt, dass ein Teil der Musik nur über dieses Hilfsmittel zu hören sei. Werbung Mittig im Hauptschiff, wo sich Haupt- und Quergang kreuzen, war eine eher kleine Bühne aus mehreren Elementen aufgebaut, die – wie sich wenig später herausstellte – …

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Elliot Galvin – höllische Klanggewitter, irritierte Zuhörer

In der britischen Jazzszene hat es neben einer breiten Trad-Linie und einem innovativen Fusionzweig seit den 1970er Jahren auch eine starke Free-Szene gegeben. Auf dem Festland ist diese nur wenig wahrgenommen worden. Umso höher ist es dem Jazzclub anzurechnen, dass er mit dem Quartett des britischen Pianisten Elliot Galvin ein Schwergewicht der gegenwärtigen Jazzszene eingeladen hat, der an diese frühen Avantgarde- und Freejazz-Strömungen anknüpft. Geisterhafte Klavierklänge Bevor die ersten geisterhaften Klavierklänge die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zogen, fielen bereits die ungewöhnliche Instrumentierung und geschlechterparitätische Besetzung ins Auge. Eigentlich schade, dass dieser Umstand noch immer einen  Aufmerksamkeitswert besetzt, obwohl doch die Gleichberechtigung in weiten Teilen der Gesellschaft längst zur Normalität gehört. Werbung Neben dem Bass als einzigem elektrisch verstärktem Instrument, gespielt von Ruth Goller, waren Piano, Schlagzeug und eine Geige im Einsatz. Die allerdings war, wie bei vielen E-Gitarristen mit einer ganzen Latte von Effektgeräten verbunden. In einem langen frei improvisiertem Solo steuerte Mandhira de Saram diese derart virtuos mit den Füssen, dass sich über der Zuhörerschaft ein geradezu höllisches Klanggewitter entlud. Mit der brachialen Geräusch- und Lärmorgie gab die Violinistin der anfänglichen morbid-verlorenen Stimmung, …

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