Bayerisches Jazzweekend 2026 – vielfältiger, jünger und interessanter denn je

Freitag und Samstag: Sounds zwischen Afrika und Ohrenputzern Vielfältiger, reicher, jünger und damit interessanter denn je. Auf diese einfache Formel lässt sich das diesjährige 45. Jazzweekend bringen. Auch wenn in den letzten Jahren seit dem geglückten Relaunch des einstigen Amateurfestivals vieles nach Jahren der Stagnation besser geworden ist, scheint es heuer noch einmal mehr Schwung bekommen zu haben. Zu spüren war das vor allem am Abend der offiziellen Eröffnung, als Scharen jüngerer und junger Menschen die Plätze, Höre und Gassen und später die noch wenigen offenen Spielstätten regelrecht bevölkerten. Beim Degginger bildete sich gar eine lange Schlange Wartender, um möglichst doch noch etwas von der coolen Show des Rapduos Leila Carter und Maniac mitzubekommen. Die virtuose junge Freestyle-Sängerin und der fast schon altgediente HipHop-Enthusiast traten zusammen mit einem der heißesten Live-Acts der deutschen Hip-Hop-Szene auf. Tribez, das fünfköpfige Ensemble mit dem vibrierenden Gitarristen Ben Treimer im Zentrum fädelte sich mit phänomenaler Energie von der 1960er Jahre Instrumentalnummer „Apache“ bis zu scratchy Sound von heute ohne dabei in eine Nostalgiepfütze zu treten. Werbung Die durchwateten dagegen am nächsten Abend voller Genuss Uwe Nitzl and his Sixpack …

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Zehn Jahre Shake Stew

Shake Stew reißt beim Jubiläumskonzert zum Zehnjährigen im Hof des Regensburger Thon Dittmer Palais  das Publikum zu Begeisterungstürmen hin. Gegen Ende des eher kurzen, musikalisch überaus üppigen Auftritts von Shake Stew ist es bei leichtem Niesel doch spürbar klamm geworden. Dabei hat sich „Österreichs  Jazzband der Stunde“, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ das Septett um Bandleader Lukas Kranzelbinder schon früh hervorhob, mächtig ins Zeug gelegt, um dem Publikum ordentlich einzuheizen. Das gelang ihr auch vom Fleck weg mit einem Medley älterer Stücke. Damit zeichnete die Band schon einen riesigen Bogen, den sie von der Noise Music der späten 90er Jahre übers südliche und nördliche Afrika bis in die aktuelle Londoner Subkultur durchwanderte. Wobei der brachiale Lärm des Noise nur ein entferntes Echo im Übergang von einem zum nächsten Stück blieb. Im flächigen Sound zweier Bassgitarren türmten sich wabernde Klangwände im eher geruhsamen Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais` auf, die alles mit sich rissen, was auf entspannter und lässiger Feelgood-Atmosphäre eingestellt war. Werbung In Stimmung gebracht worden waren die Zuhörenden schon zuvor vom Jazzorchester des Von-Müller-Gymnasiums. Unter der anfeuernden Leitung von Sebastian Glas und Jazzclub-Beirat Michael Straube, der seit …

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Die Münchner Techno-Bigband stellt neues „himmlisches“ Programm in der Regensburger Dominikanerkirche vor

Die ein wenig versteckt in der Predigergasse liegende Dominikanerkirche St. Blasius war bisher keineswegs als Hort überschäumender Lebensfreude und unbändiger Bewegungslust bekannt. Seit letztem Wochenende ist das anders. Schon vor dem Konzert der in München beheimateten Jazzrausch Bigband, die den bewusstseinsverändernden Zustand bereits im Namen trägt, hatten sich vor dem schmalen Eingang am Albertus-Magnus-Platz lange Menschenschlangen gebildet. Geduldig warteten sie auf Einlass in die nur selten zugängliche frühgotische Basilika. Es war, wie es eine ältere Besucherin zurückhaltend ausdrückte, „ein ganz besonderes Erlebnis“. Das war vom Ort, der nach vorne zum Altar gerichteten Bänke, der für fast die Hälftedes Publikums ungewohnten Musikmischung aus Jazz und technoiden Grooves bis hin zur Form der Musikaufnahme in der Tat. Bevor sich die Besuchenden einen Platz in dem von draußen erhellten Kirchenraum einen Platz suchen konnten, bekamen sie von Mitgliedern der Bigband einen Kopfhörer mit dem Hinweis in die Hand gedrückt, dass ein Teil der Musik nur über dieses Hilfsmittel zu hören sei. Werbung Mittig im Hauptschiff, wo sich Haupt- und Quergang kreuzen, war eine eher kleine Bühne aus mehreren Elementen aufgebaut, die – wie sich wenig später herausstellte – …

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Elliot Galvin – höllische Klanggewitter, irritierte Zuhörer

In der britischen Jazzszene hat es neben einer breiten Trad-Linie und einem innovativen Fusionzweig seit den 1970er Jahren auch eine starke Free-Szene gegeben. Auf dem Festland ist diese nur wenig wahrgenommen worden. Umso höher ist es dem Jazzclub anzurechnen, dass er mit dem Quartett des britischen Pianisten Elliot Galvin ein Schwergewicht der gegenwärtigen Jazzszene eingeladen hat, der an diese frühen Avantgarde- und Freejazz-Strömungen anknüpft. Geisterhafte Klavierklänge Bevor die ersten geisterhaften Klavierklänge die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zogen, fielen bereits die ungewöhnliche Instrumentierung und geschlechterparitätische Besetzung ins Auge. Eigentlich schade, dass dieser Umstand noch immer einen  Aufmerksamkeitswert besetzt, obwohl doch die Gleichberechtigung in weiten Teilen der Gesellschaft längst zur Normalität gehört. Werbung Neben dem Bass als einzigem elektrisch verstärktem Instrument, gespielt von Ruth Goller, waren Piano, Schlagzeug und eine Geige im Einsatz. Die allerdings war, wie bei vielen E-Gitarristen mit einer ganzen Latte von Effektgeräten verbunden. In einem langen frei improvisiertem Solo steuerte Mandhira de Saram diese derart virtuos mit den Füssen, dass sich über der Zuhörerschaft ein geradezu höllisches Klanggewitter entlud. Mit der brachialen Geräusch- und Lärmorgie gab die Violinistin der anfänglichen morbid-verlorenen Stimmung, …

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Mit Rappen, Pfeifen und Trompeten – Joo Kraus gastiert mit seinem Quartett in Regensburg

Der Trompeter Joo Kraus gastierte mit seinem Quartett im Regensburger Jazzclub Leerer Beutel. Mit seinem prächtig groovenden, sogar clubtauglichen Sound spricht der Trompeter, Sänger, Keyboarder und Komponist schon immer eine generationenübergreifende hellauf begeisterte Zuhörerschaft an. Seine Songs wie „Surfin` at Night“ oder schlicht „Chaka Boom (Tic Toc)“ interpretiert er meist in einem Sprechgesang, der am Rap-Idiom andockt. Das hat er bereits vor Jahrzehnten im Duo mit dem Kraan-Bassisten Helmut Hattler gemacht. Tab Two nannten sie ihr Jazz-Rap-Duo, mit dem sie auch in Regensburg gastierten und das lange als das erfolgreichste Duo des deutschen Jazz galt. Seit der Auflösung von Tab Two und einer kurzen Reunion für ein Releasekonzert eines weiteren Albums ist Kraus vor allem mit eigenem Quartett unterwegs. In der Besetzung mit den beiden Stuttgartern Veit Hübner am Kontrabass – gelegentlich auch Keyboards – und Torsten Krill am knackig wummernden Schlagzeug und dem elektrisierenden Gitarristen Jo Ambros hat er vor zwei Jahren das Album „No Excuse“ veröffentlicht. Aus dieser „musikalisch bunten Tüte, dem Briefmarken-Sammelalbum“, wie es zu recht auf Online-Plattformen beworben wird, stellte er Songs wie das poppige „Hope“, das mystisch-dunkle Titelstück und „Crying …

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Norbert Stein ist mit dem Pata Trio auf der Spur der „Planetentochter“

Tastend, fast zerbrechlich beginnt das Tenor sich einen Weg zur imaginären „Planetentochter“ zu bahnen, einem mythologischen Wesen, schön und versponnen. Genauso will es vom Pata-Trio des Saxofonisten und Komponisten Norbert Stein wahrgenommen und mit poetischem Eigensinn erspürt werden. Umgarnt von Beckengeraschel (Jörg Fischer) und flüchtig mäandernden Klaviersprüngen (Uwe Oberg) zieht es schließlich, begleitet von einem warmen Basston, fein flackernd seine Bahn im Universum des Pata-Masters. Werbung Vom Trio bis zum Orchester Seit Jahrzehnten erforscht und erweitert der Kölner mit unterschiedlichsten Besetzungen vom Trio bis zur orchestralen Formation ein Universum aus freier Improvisation,  Komposition und Lust am Schönen. Es sind die Klänge und ihre kommunikativen Beziehungen, die er nicht müde wird zu ergründen. Die „Planetentochter“, mit einem skurrilen, in Urzeiten einmal futuristischen Fluggerät auf dem Cover, nimmt die Nummer 27 in dieser Albumdiskothek ein und damit schon die dritte Zehnerstaffel ins Visier. The Raven Speaks Mit sechs Titeln und knapp vierzig Minuten ist es ein eher kurzes Album, nach dem üppigen letzten, mit zwölfköpfiger Besetzung eingespielten „Pata Kandinsky“. „The Raven Speaks“ ist ein Paradestück für die einerseits melodisch eigensinnige, sehr bildhaft wirkende musikalische Gewichtung Stein`scher Kompositionen …

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John Wolf Brennan – von Nacht I Gallen und anderen Tieren

Kein bisschen leise sagt man manchmal über Ältere, die entgegen äußerer Erwartungen auch in höherem Alter noch aktiv sind. Auf Musiker:innen und andere Kunstschaffende trifft dies fast immer zu. John Wolf Brennan, der irisch-schweizerische Pianist und Musikpädagoge, macht da keine Ausnahme. Der Output des Komponisten und Improvisationsmusikers ist fast schon spektakulär. Alleine in den letzten zwei Jahren sind es mehr als ein halbes Dutzend, insgesamt zählt sein Gesamtwerk über 80 CDs/Einspielungen. Aktuell gehören dazu Aufnahmen mit neuer Musik mit der Groupe Lacroix, mit weit gespanntem musikalischen Horizont mit den Pilgrims, mit dem Langzeitprojekt Pago Libre und gemischten Besetzungen. „Wild Card – Songs For A Farm“ ist nach dem erfrischend uncoolen 24er Album „FriendShip – Riffs ahead!“ mit tausenderlei Zitaten der Pop- und Rockgeschichte jüngstes Pago-Libre-Werk und Album Nummer 83. Es ist das 15. Album des renommierten Jazz-Quartetts und musikalisch und von seiner Entstehung her etwas ziemlich Ausgefallenes.  „Songs From A Farm“ ist kein  einfacher Gimmick, die Musik wurde tatsächlich auf einem Bauernhof eingespielt, was dem Album eine erdige Atmosphäre verleiht. Werbung Wilde Tänze mit Kobolden Tatsächlich regten Hühner, Raben, Zwergziegen und Alpacas die Musikanten an …

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Die albanisch-schweizerische Sängerin Elina Duni und der britische Gitarrist Rob Luft stellen auf ihrer aktuellen Tournee eigene und Folksongs vor

Das ausdrucksstarke Duo machte auch im Regensburger Jazzclub Leerer Beutel Station. Michael Scheiner war da. „Close Your Eyes“, schließe deine Augen, könnte in der Zeit von Hass und Hetze nicht nur im Netz leicht mißverstanden werden. Als Doris Day das romantische Liebeslied vor über sechs Jahrzehnten mit dem Trio des deutsch-amerikanischen Pianisten André Previn veröffentlichte, musste niemand daran herumdeuteln. Werbung Auch in der subtilen Interpretation von Elina Duni und dem Gitarristen Rob Luft erwachte nach wenigen Augenblicken der Kern dessen, was diesen Song ausmacht: Vertrauen und emotionale Sicherheit. Nach ihrem gefeierten Regensburg-Debüt vor knapp drei Jahren beim Sparks&Visions-Festival, damals im Trio, stellten die beiden beim Jazzclub im Leeren Beutel Songs ihres Albums „Time To Remember“ vor. Dabei legte das Duo mit albanischen und kosovarischen Volksliedern, Folksongs und wenigen Standards eine musikalische Intimität an den Tag, wie sie selten zu erleben ist. Schon bevor sie den luftig-zarten Titelsong mit der feinen spröden Note vorstellten, liess die in der Schweiz aufgewachsene Sängerin durchklingen, worauf diese atemberaubende Geschlossenheit beruht. In einer Moderation erzählte sie davon, dass sie als gebürtige Albanerin ein nomadisches Leben führt und „meist aus meinem …

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Conny Bauer und Kalle Kalima legen Duoalbum bei Jazzart vor 

Von Michael Scheiner – Im März – Maaliskuu, die dritte Nummer auf dem Duo-Album von Posaunist Conny Bauer und Kalle Kalima an der Gitarre – beginnen die beiden Instrumentalisten vergnügt, selbstvergessen zu tänzeln. Geradezu versöhnlich legen sie sich nebeneinander ins frische noch kühle Gras und genießen die wärmenden Strahlen, während ihr Spiel lyrisch sanft ausklingt. Facettenreiche 13 Monate „13 Kuukautta“, auf deutsch 13 Monate, haben die Musiker ihr erstes gemeinsames Albumprojekt benannt. Dem kürzeren Kalender wurde einfach ein zusätzlicher Eismonat, „Jääkuu“, hinzugefügt. Damit wandelt das Duo weniger auf dem Spuren des chinesischen Autors Liu Cixin, der dem blauen Himmel in seinem SF-Roman „Drei Sonnen“ gleich zwei weitere Himmelskörper angedichtet hat. Vielmehr klirrt es nach anfänglichem Abtasten spitz und knarzend im zwischen dem Weihnachtsmonat Joulukuu und Januar, Tammikuu, liegenden Kältekeller. Werbung Vom Titel her klingt das physisch als Cd und als Download erhältliche Album wie ein Stück Programmmusik, angelehnt an die finnischen Wortbedeutungen der Monate, die teilweise jahreszeitliche Themen setzen. Von diesen Feinheiten abgesehen, bietet es fesselnde Musik, ein intergenerationelles Aufeinandertreffen zweier starker Musikpersönlichkeiten verschiedener Herkunft und Hintergründe. Ist Conny Bauer ein Kriegskind, aufgewachsen im damals abgegrenzten …

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„Night of Divas“ mit Bigbandleader Roman Fritsch und Steffi Denk

Steffi Denk wäre nicht Steffi Denk, würde sie den Stier nicht bei den Hörnern packen. Beim Konzert mit der Big Band des Baritonsaxofonisten und Arrangeurs Roman Fritsch im Arcadenhof des Thon-Dittmer-Palais`, gebührte dem jungen Bandleader die Rolle des Gegenspielers. „Ich kenn` dich seit du fünf warst“, ging sie nach dem ersten Song, den von Lena Horne und vielen anderen gesungenen Jazzstandard „The Lady Is a Tramp“, den leicht verdatterten Orchesterleiter direkt an. „Das ist, glaube ich, auch so“, brachte der schließlich heraus. Die energiesprühende Sängerin war da schon ein Stück weiter. „Hier tobt das junge Blut“, grummelte sie zum Vergnügen des Publikums ins Mikro, während sie sich auf der Bühne umschaute. Sie sei ein wenig ängstlich gewesen, wandte sich Denk wieder an Fritsch, „als du mich gefragt hast, ob ich mit dir und der Band einige Songs singen will“. Dazu muss man wissen, dass die „schärfste Stimme Bayerns“, wie sie gern angekündigt wird, mit Fritsch` Vater, dem Bassisten Markus Fritsch, seit Jahren zusammen in einer Band spielt. Für den ersten gemeinsamen Auftritt mit der Big Band hat sie mit dem Sohn ein Programm von Jazz …

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