Furioses für 144 Saiten plus Drumset – neue CD von Christy Doran

Seit Jahrzehnten versorgt der irisch-schweizerische Gitarrist Christy Doran eine treue Fangemeinde stetig mit neuen Ideen und musikalischen Überraschungen. Bands wie New Bag, Sound Fountain oder Bunter Hund existieren teilweise als Langzeitprojekte bis heute. Seine Partner und Mitmusiker sucht er sich danach aus, wie er sich mit ihnen in einen ekstatischen Rausch spielen kann. Er spielte und spielt mit Fredy Studer, Urs Leimgruber, Carla Bley, Ray Anderson, Erika Stucky, Marilyn Mazur, Han Bennink, Albert Mangelsdorff, Jamaaladeen Tacuma, Marty Ehrlich oder der Pipa-Virtuosin Yang Jing. Doran lehnt Denkverbote und Schubladen ab und verabscheut Langweile oder Routine. Das Rockjazz- oder Fusionquartett OM mit Urs Leimgruber, Bobby Burri und Fredy Studer, welches in den 2000er Jahren eine Neuauflage erfahren hat, ist eines seiner erfolgreichsten Projekte. Für seine siebenteilige Komposition „144 Strings for a Broken Chord“ hat er 20 Elektrogitarrist*innen, vier E-Bassist*innen und eine Schlagzeuger angeheuert und ist mit ihnen ins Studio – und danach auf die Bühne in seiner Heimatstadt Luzern – gegangen. Unter der Leitung von John Voirol führte das E-Gitarren-Orchester die suitenartig angelegten Instrumentalstücke auf und wurde von einem hörbar begeisterten Publikum stürmisch gefeiert. Es sind – …

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Frischer Mix aus Afro-Cuban-Fusion-Jazz mit Mario Alberto Silva

Geboren in San Francisco, wuchs der Trompeter, Komponist und Pädagoge Mario Alberto Silva in einer Latino Community auf. Aus jedem Fenster in der Nachbarschaft plärrte Latin music, aus Straßenschlitten dröhnte Rap und während des Carnival vibrierte die Atmosphäre vom Klang der Sambarhythmen. Schon auf der HighSchool spielte Silva in der Schulband und war fest entschlossen die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Mittlerweile blickt er auf über zwanzig Jahre Erfahrung als Musiker in verschiedenen Bands zurück – und legt mit der Pan-American Sonata sein Debutalbum als Leader vor. Es enthält einen erfrischenden Mix aus unterschiedlichen Einflüssen, Stilen und Inspirationen. Lebenslust und gute Laune Insgesamt acht Songs, darunter zwei des famosen kubanischen Pianisten Chuchito Valdes, die eines gemeinsam haben: Sie machen Laune, versprühen Lebenslust und kümmern sich einen Dreck um Gestern oder Morgen. Hier und jetzt animieren sie prallem Charme zum Hüfte schwingen, Tanzen und dazu das Dasein in vollen Zügen zu genießen. Da prallt 80er Jahre Funk auf kniffeligen Dixieland-Blues, afro-kubanische Trommelrhythmen auf Fusion, Pop- und Afro-Jazz. Allerdings ist Silva, der sich für die Aufnahmen Valdes (p, synth, fender rhodes), Aaron Germain (bass), Josh Jones (dr, …

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Magische Klangmomente: Rockjazzformation OM gibt seltenes Konzert in Regensburg

Es sei das beste gewesen, was sie seit langem gehört habe. Etwas unsicher, aber mit leuchtenden Augen, hält die junge Frau Urs Leimgruber und Christy Doran nach deren Auftritt mit OM im Leeren Beutel ein abgelöstes Plakat zum Signieren hin. Sie spiele selbst Musik, erklärt sie und antwortet auf die Frage nach ihrem Alter: „18 Jahre.“ „So muss es sein“, strahlt sie darauf der 67-jährige Saxofonist an, „die Jugend hört unsere Musik“. Damit übertreibt der grauhaarige Musiker mit dem adretten Pferdeschwanz zwar leicht, denn das Gros der Zuhörer im Konzertraum gehört eindeutig älteren Semestern an. Vermutlich haben einige schon die erste Auflage des Quartetts in den späten 70er- oder frühen 80er-Jahren miterlebt. Damals zählte OM aus dem zentralschweizerischen Luzern zu den aufregendsten Gruppen des sich neu entwickelnden Jazzrock-Genres. Selbst hat das – bis heute – kollektiv organisierte Quartett seine Musik allerdings immer als „Electric Jazz“ bezeichnet. Durchaus auch um sich gegen die einsetzende Kommerzialisierung und musikalische Vereinfachung abzugrenzen, die sich auch bald herausbildete und manchen Bands eine breitere Anerkennung verschaffte. Neben dem deutschen Trio Giger-Lenz-Marron und der englischen Band Nucleus um den Trompeter und Musikprofessor …

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Musikalischer Trip von Texas bis Brasilien

Eine junge multikulturelle Jazzszene in Londons Südosten zählt seit einiger Zeit zu den angesagtesten der Welt. Promotet von bestens vernetzten DJs und Labelbetreibern haben es weniger hippe und weniger wild antanzende Bands  aus anderen Weltregionen deutlich schwerer sich gegen den Trend zum „Umsturz auf dem Dancefloor“ durchzusetzen. Emiliano Sampaios „Meretrio“ aus dem urbanen Moloch Sao Paulo, der größten Stadt Brasiliens, gehört einer solchen Szene an. Obwohl das exzellente Trio seit 15 Jahren existiert und mittlerweile acht Alben auf dem Markt hat, wie Sampaio mit professioneller Genugtuung beim Auftritt des Trios im Degginger erzählte, zählt es hierzulande noch zu den Insidern. Anders in Österreich, wo der kreative Kopf des Trios und Schlagzeuger Luis André nach einem Kompositionsstudium seit einigen Jahren lebt. Im Nachbarland gehören die Brasilianer längst fest zur quirligen und vielfältigen Grazer Szene, von wo aus sie ihre Eroberungstouren durch die Clubs von Deutschland, Frankreich und andere europäische Länder starten. Ursprünglich ins Leben gerufen, um die ganze Breite der brasilianischen Popular-Musik zu erforschen und neu zu definieren, hat sich das stilistische und musikalische Spektrum der drei Musiker stetig erweitert. Deshalb reagierten nach der Pause im …

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Gefühl von „Zimt ohne Zucker“ – Hannah Köpf mit neuem Album „Cinnamon“

Zart, fast gläsern singt diese Stimme vom Werden und Vergehen, „Golden Leaves (that turn to brown)“. Dabei, und das ist vielleicht das Besondere an dem wunderbar weichen Mezzosopran von Hannah Köpf, keine Spur zerbrechlich. Immer ist da auch eine stabile Beständigkeit, die verspricht, abends nicht einfach verschwunden zu sein, wenn die Sonne untergegangen und die Songs verklungen sind. Das hat auch viel mit der Musik der Kölnerin zu tun, die von einer countryaffinen Jazzband aus den Weiten von Alabama und Louisiana ins dicht besiedelte Europa geholt wird. Köpfs mittlerweile viertes Album, nach vorherigen Jazz- und Singer-Songwriteralben, besticht durch eine astreine Americana-Stimmung. Zehn Songs voll leichter Melancholie, verhaltener Freude und Erinnerungen an Dinge, wie den Zimtgeruch im Haus der Großmutter. Der hat dem Album zu seinem ungewöhnlichen Titel verholfen. Eine getragene Gitarrenmelodie, eine dunkle Trommel, die sich vor dem anrührenden Song verneigt und eine zurückgenommene Fiddle, die im Hintergrund weite Räume öffnet. „Cinnamon“ erzählt davon, wie Köpf durch den vertrauten Geruch des Gewürzes ins Haus ihrer Oma zurückversetzt wird. Das überwältigende Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, welches sie dabei erlebt, ist allerdings durchsetzt von der Gewissheit …

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Mischung aus Magie und Poesie – Lisa Bassenge mit „Borrowed and Blue“ beim Jazzclub im Leeren Beutel

Regensburg. Bei einem eindrucksvollen Konzert stellte die Berliner Sängerin Lisa Bassenge kürzlich ihr aktuelles Album „Borrowed and Blue“ beim Jazzclub Regensburg im Leeren Beutel vor. In einer ruhigen und intimen Atmosphäre ließen der schwedische Pianist Jacob Karlzon und der dänische Bassist Andreas Lang zusammen mit Bassenge grazile Welten zwischen Blues, Countrypop und Jazz entstehen. „Borrowed and Blue“ ist das erste reine Coveralbum der gewieften Songschreiberin mit Songs von den Beatles (Norwegian Wood) dem unverwüstlichen George Gershwin (My Man’s Gone Now aus Porgy & Bess) bis zur Country-Sängerin Patsy Cline (Three Cigarettes in an Ashtray) und Singer-Songwriter Bill Withers (Grandma’s Hands). Den Vorlagen liegen ganz unterschiedliche Stimmungen zugrunde. Kraft ihrer Integrität und nicht zuletzt dank der einfühlsamen Unterstützung ihrer beiden Mitspieler gelingt es Bassenge, aus diesem Wimmelbild der Einflüsse eine Geschichte mit rotem Faden zu machen. Die fast ausnahmslos entspannte, intime Stimmung bricht sie in der ersten Hälfte des Abends einmal mit einem coolen Groove auf. Dabei blitzt für einen Moment eine andere Bassenge auf, die auch mal loslassen und befreite Emotionen zeigen kann. Danach hat sie sich sofort wieder bis in die letzte Nuance eines …

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Ein Widerhall von Fusion und Flamenco

Der Flötist Jorge Pardo trat mit dem Kin García Trio beim spanischen Kulturfestival cinEScultura in Regensburg auf – und wurde gefeiert. Es waren einige Zuhörer, die nach der zweiten Zugabe nicht so recht wussten, was sie mit dem eben Gehörten anfangen sollten: „Das war dermaßen toll, ich muss das erst verarbeiten“cin, strahlte eine Frau, die sonst eher weniger mit Jazz am Hut hat. Beim Auftritt des spanischen Flötisten und Tenorsaxofonisten Jorge Pardo mit dem Kin Garcia Trio, stieß sie eins ums andere Mal ins Horn bewundernden Lobes: „Wie die zusammen gespielt haben“, habe riesigen Spaß gemacht. Und die Nachbarin ergänzte, sie habe bisher „noch nie einen Flötenspieler im Jazz gehört, der mit soviel Groove und Leidenschaft“ spiele. Damit hat sie auf eine Weise recht, welche den grandiosen Auftritt des schmächtigen, 62-jährigen Instrumentalisten Pardo scheinbar zunächst schmälern könnte. Tatsächlich führte die Flöte lange ein Schattendasein im Jazz, bis bessere Verstärker, Mikrofonierung und Aufnahmetechnik das eher leise Instrument aus seiner Arme-Sünder-Ecke herausholten. Von den 60er bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts fanden dann mit Jeremy Steig, Eric Dolphy, Herbie Mann, dem aufgedrehten Roland Kirk und …

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Neue Sparte bei der Neuburger Sommerakademie: World Music

Neuburg/Donau. Erstmals in der nunmehr 41-jährigen Geschichte der Neuburger Sommerakademie wird es heuer Angebote im Bereich World Music geben. Ungewöhnlich dabei: In der alten Pfalzgrafenstadt ist diese Sparte dem Klassikbereich zugeordnet und hängt nicht – wie üblicherweise – am Jazzzipfel. Drei verschiedene ethnisch-stilistische Aspekte werden durch den Bandoneonista Marcelo Mercadante für Tangoensemble und Bandoneon, Khaled Bal’awi für Improvisation und arabische Musik und Christoph Hoffmann für afrikanisches Trommeln abgedeckt. Hoffmann studierte in Würzburg klassisches Schlagwerk und Musiktheorie und ist heute vorwiegend pädagogisch an Schulen und als Workshopleiter tätig. Khaled Bal’awi stammt aus einer musikalischen Familie und studierte Violoncello in den USA, China und England. Er ist Professor an der Yarmouk Universität in Jordanien und konzertiert weltweit mit Kammermusikensembles. Sein Kurs beinhaltet nach einer Einführung in die arabische Musik mit dem Gebrauch von Vierteltönen und der damit verbundenen Tonleitern rhythmische Übungen, Ornamentierungen und Improvisation. Der Argentinier Mercadante studierte bei Rodolfo Mederos und lebt heute in Spanien, wo er in verschiedenen Ensembles spielt und musikalische Projekte leitet. Er vermittelt die elementaren Techniken des Bandoneonspiels sowie Bandoneon und andere Instrumente. Mit der neuen Sparte setzt die Sommerakademie, die mit …

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Sven Faller mit exzellentem Trio auf Tour durch Süddeutschland

Regensburg. Lou Reeds „NCY Man“ müsste im Fall von Sven Faller (bass) von Jazzclub-Chef Winfried Freisleben noch um die „NYC Woman“, Schlagzeugerin Mareike Wiening, ergänzt werden. Damit konnte Freisleben in seiner Begrüßung von Fallers „Night Music/German Music“ illustrieren, dass die regional verorteten Musiker einen internationalen Horizont mitbringen. Dritter im Bund beim Auftritt im Leeren Beutel war der Regensburger Gitarrist Andreas Dombert. Faller, seit sieben Jahren in Schwandorf ansässig und lange mit dem Trio 11 unterwegs, hat sich vor einigen Jahren aus dem erfolgreichen Projekt zurückgezogen, um vermehrt eigene Ideen ausloten und Vorhaben umsetzen zu können. Neben einigen Duos gehört dazu das Soloprojekt „Night Music“, das der Wahloberpfälzer als Album, ergänzt um ein Buch mit eigenen Geschichten, veröffentlicht hat. Seither ist er mehrfach damit auf Tour gegangen, aktuell mit einer brandneuen, eindrucksvollen Besetzung, die ausgesprochen stimmig und überzeugend wirkt. Dazu trägt die gebürtige Erlangenerin Wiening mit ihrem fein akzentuierenden, dynamisch enorm variablen Schlagzeugspiel ebenso bei wie der gebürtige Niederbayer Dombert. Das kreative Feuer, welches die vorwiegend zurückhaltend aufspielende Musikerin auch in sich trägt, ließ sie diesmal nur selten aufblitzen. Meist zeigte sie sich als exquisite Begleiterin, leichthändig …

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