Rezension: Chris Gall & Bernhard Schimpelsberger: Studio Konzert

STUDIO KONZERT – das ist eine vollanaloge, audiophile Direct-to-2-track Konzertreihe, die seit 2013 in den Ludwigsburger Bauer Studios produziert wird und ausschließlich als 180g Vinyl, handnummeriert, als Limited Edition in den Handel gelangt. Das 21. STUDIO KONZERT bestritten der Pianist Chris Gall und Bernhard Schimpelsberger am Schlagzeug und verschiedensten Perkussionsinstrumenten. Die Klangkombination Klavier/Schlagzeug hat eine lange Tradition, beginnend mit Shelly Manne’s legendärem, in den fünfziger Jahren aufgenommem, Album  „The Three & The Two“ (im Duo mit Russ Freemann), und sie hat, melodie- wie perkussionstechnisch gesehen einen eigenen, ganz besonderen musikalischen Reiz. Vor einer Dekade spielten Gall und Schimpelsberger bereits gemeinsam in der Formation „Taalism“. Anlässlich des STUDIO KONZERTS trafen die Musiker wieder aufeinander. Man merkt der Aufnahme an, dass in der Zwischenzeit  bei Beiden viel passiert ist. Während Schimpelsberger zwischenzeitlich intensiv in die Welt indischer Rhythmik eintauchte und vor Ort mit Meistern wie Anoushka Shankar oder Akram Khan Erfahrungen sammelte, musizierte Gall vorwiegend mit seinem Klaviertrio, experimentierte als Solist in verschiedenen Genres, sowie als Gastmusiker bei der Formation „Quadro Nuevo“. Beide waren also gut beschäftigt, aufgeschlossen für Herausforderungen und musikalisch wie klangtechnisch in neuen Sphären …

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LAG-Jazz-Preis 2017 für junge bayerische Jazzer ausgeschrieben

Junge talentierte Jazzkünstler aus Bayern müssen gefördert werden. Deshalb schreibt der Kemptener Kleinkunstverein Klecks e.V. auch für 2017 den Hansjürg Hensler Jazz-Wettbewerb in Kooperation mit der „LAG Jazz in Bayern“ aus. Es geht um den LAG-Jazz-Preis, eine organisierte und begleitete Tournee durch namhafte Clubs und Spielstätten in Bayern. Bis zum 15.01.2017 dürfen sich Musiker und Musikgruppen ab zwei bis fünf Personen bewerben. Kein Musiker darf zum Zeitpunkt der Bewerbung älter als 30 Jahre sein, mindestens ein Bandmitglied muss in Bayern geboren sein, festen Wohnsitz in Bayern haben oder an einer bayerischen Hochschule studieren. Stilistisch sind alle Arten des Jazz zugelassen. Die Vorauswahl aus allen Einsendungen wird von einer dreiköpfigen unabhängigen Jury getroffen. Neben musikalischen Aspekten fließen auch die Präsentation und die Professionalität der Bewerbung mit in die Bewertung ein. Es werden vier Bands zum Finale am Mittwoch, den 03.05.2017 nach Kempten eingeladen. Die Gewinner von 2016, das Leo Betzl Trio, sagen: „Unsere Erfahrung mit dem Wettbewerb und dem damit verbundenen Preis war unglaublich positiv. Neben der Tourerfahrung und der Tatsache, dass wir als Trio sowohl musikalisch als auch menschlich noch stärker zusammengewachsen sind, war der …

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Jörg Hegemann. Foto: PR

Boogie Woogie Congress am 26.10. in Essen

Mit dem „3. Boogie Woogie Congress“ begründete 2005 der allzu früh verstorbene Rolf Lebeda – vielgeliebter Haus-Pianist bei „Pumpen-Hannes“ Schmitz – in der Essener Philharmonie eine Tradition. „Fetziger Blues in High-Speed“, schrieb die WAZ damals über Jörg Hegemann, „dessen Finger über die 88 Tasten rasten, als würde er pro Note bezahlt, und dafür immer wieder tosenden Applaus kassierte.“ Als legitimer Lebeda-Nachfolger präsentiert der Wittener Entertainer seither jedes Jahr Spitzenkräfte jenes mitreißenden Piano-Stils irgendwo zwischen Blues, Swing und Rock’n’Roll als „Boogie Woogie Congress“. Bei der 19. Ausgabe am 26. Oktober ab 19.30 Uhr im RWE-Pavillon der Philharmonie Essen bietet der französische Star-Pianist Jean-Pierre Bertrand, der schon mehrfach beim Boogie Woogie Congress für Begeisterunsgstürme sorgte, großes Entertainment mit unverwechselbarem Sound. Sein junger niederländischer Kollege Eeco Rijken Rapp beweist, warum er seit 2006 auf YouTube für seine Interpretationen klassischer Hits weltweit gefeiert wird. Spannend wird der Auftritt von Dirk Engelmeyer, der als singender Schlagzeuger frische Akzente setzen wird. Traditioneller Höhepunkt auch beim „19. Boogie Woogie Congress“: das „Battle“ seiner Gäste mit Jörg Hegemann an zwei Flügeln. Mittwoch, 26. Oktober 2016, 19.30 Uhr im RWE-Pavillon der Philharmonie Essen mit …

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+++ News +++ hr-Bigband Saison 2016/2017 +++ Applaus-Workshops +++ trio Rosenrot braucht Unterstützung +++

+++ hr-Bigband in der Saison 2016/2017 +++ „Eine Reise von Louis Armstrong bis Nik Bärtsch mit einigen faszinierenden Zwischenstopps – das wird eine großartige Saison“, sagt Jim McNeely voller Vorfreude auf seine sechste Spielzeit bei der hr-Bigband. „Es ist eine der besten Nebeneffekte als Chefdirigent der hr-Bigband, dass ich eine beständige und langfristige Beziehung mit diesem Weltklasse-Ensemble führen darf“, so der New Yorker Komponist, Arrangeur und Bandleader weiter. Zu den vielen spannenden Künstlern, die in der neuen Saison 2016/17 bei der hr-Bigband zu Gast sein werden, gehören Ed Motta, Dave Holland und Gretchen Parlato. Preisgekrönt, lässig und weltgewandt Gerade erst wurde eine Produktion der hr-Bigband und Julian Argüelles mit dem britischen Parliamentary Jazz Award im Westminster Palace geehrt. Solche Auszeichnungen und immer zahlreicher werdende Einladungen von etablierten Festivals und Konzerthäusern spiegeln das auch überregional steigende Interesse an der hr-Bigband wieder. In der Saison 2016/17 gehört eine Wiederaufnahme der „Wunderkammer XXL“ mit dem Pianisten Michael Wollny bei den Leipziger Jazztagen und bei der von ihm selbst kuratierten „Zeitinsel Michael Wollny“ im Konzerthaus Dortmund dazu, außerdem der Auftritt mit Nik Bärtschs Ronin beim Jazzfest Berlin und die …

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+++ Veranstaltungstipps +++ Birdland Neuburg +++ 3. Vibrafon Festival „Vibraphonissimo“ in Nürnberg/Fürth +++ jazzclub augsburg e.V. +++

+++Birdland Neuburg +++ Freitag, 8. Januar 2016 und Samstag, 9. Januar 2016, 20.30 Uhr: Cécile Verny Quartet (Cécile Verny (voc), Bernd Heitzler (b), Andreas Erchinger (p), Lars Binder (dr, perc)) – Alle Jahre wieder – obliegt es dem Cécile Verny Quartet, die neue Jazzsaison in Neuburg zu eröffnen. Dass es inzwischen schon das zehnte Mal in Folge ist, hat auch mit der extrem hohen Qualität der Formation, ihrer erfrischenden Wandlungsfähigkeit und der Treue ihrer Fans zu tun. Längst gilt Cécile Verny als eine der größten Sängerinnen der modernen Unterhaltungskultur und ihre eingespielte Combo um Bernd Heitzler, Andreas Erchinger und Lars Binder als ein musikalischer Organismus, der seinen Star in jeder Lebens- und Bühnenlage stützt, stärkt und leuchten lässt. Freitag, 15. Januar 2016, 20.30 Uhr – finanziert mit der Spielstättenprogrammförderung: Mareike Wiening Quintett (Mareike Wiening (dr), Johannes Enders (sax), Volker Engelberth (p), Sebastian Böhlen (g), Johannes Felscher (b)) – Sie stammt aus Erlangen und lebt seit geraumer Zeit in York – was man hört. Die Schlagzeugerin Mareike Wiening versteht es mittlerweile nahezu perfekt, unwiderstehliche rhythmische Patterns mit weiblicher Feinheit und Eleganz zu kombinieren. Alles, was die …

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Höllen-Jazz und Michael Mantler in Frankfurt

Der Auftritt der hr-Bigband am ersten Konzertabend des 46. Deutschen Jazzfestivals Frankfurt wird eine spannende Begegnung mit dem Free-Jazz-Trompeter und Bigband-Komponisten Michael Mantler. Unter der Leitung von Christoph Cech wird er das dreitägige Festival am Donnerstag, 29. Oktober, im hr-Sendesaal eröffnen. Der Festivalsamstag, 31. Oktober, steht ganz im Zeichen von Frank Zappa. Die Musik des Bürgerschrecks und musikalischen Chamäleons bringt Bandleader Mike Holober zusammen mit der hr-Bigband auf jazzorchestrales Format. 29. Oktober, 19 Uhr, hr-Sendesaal: Michael Mantler, hr-Bigband, Christoph Cech Mit seinem 1968 veröffentlichten Doppelalbum „The Jazz Composer’s Orchestra“ setzte Michael Mantler einen Meilenstein des orchestralen Free Jazz. Die gemeinsam mit seiner Ehefrau Carla Bley gegründete Bigband versammelte viele führende Protagonisten des „new thing“, darunter etwa Cecil Taylor, Don Cherry oder Pharoah Sanders. Als Mantler vor wenigen Jahren die alten Partituren digitalisierte und erstaunt feststellte, wie frisch diese Musik noch immer klingt, kam ihm die Idee zu einer aktualisierten Fassung. Er schrieb neue Parts für das „Radio.String.Quartet.Vienna“, castete Solisten und griff nun auch selbst als Solist zur Trompete, weil er die Leitung in andere Hände gegeben hatte. Die hr-Bigband wagt sich mit diesem Projekt auf …

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+++ News +++ Konzertvorschau +++ Oberthulba +++ Weidener Jazzherbst +++

PIANO BÜHNE KLEINHENZ +++ Freitag 23. Oktober 2015,  um 20 Uhr: Harry Ahamer & Band aus Wien – „Ko ma scho was song?“ -Mundart Funk , Blues, Soul , Jazz! Als Integrationsfigur, Szenemittelpunkt oder Katalysator bezeichnet man Vollblutmusiker wie Harry Ahamer gerne, die nicht nur vom Publikum, sondern ganz besonders auch von den Kolleginnen geschätzt werden – aufgrund der Hingabe zur Musik und einer großen Begabung, die über das Alltägliche hinausweist. Geschenkte Inspiration, von wo auch immer,  und klangliche Umsetzung des nicht zu Versprachlichenden sind die Stichworte jener besonderen Kunst, die über das Handwerk hinausgeht – interessanterweise oft von Autodidakten.  So auch bei Harry Ahamer, geboren 1964 in Vöcklabruck (oö). Statt einer Uhr gibt es eine Gitarre zur Firmung, der weitere Weg ist somit vorgezeichnet. Dieser dann oft per Autostop zurückgelegt, und als handliches Instrument für beengte Fahrstunden die Bluesharp erlernt, der Gesang kommt mit der Zeit dazu. Musik am Lagerfeuer schult dabei die Praxis und gibt einen entwicklungstechnisch wichtigen Experimentierrahmen ab. Viele Bands versichern sich in weiterer Folge der vielseitigen Musikalität des aufstrebenden Gitarristen und Sängers, eigene Ensembles entstehen: City blues band, Million Dollar …

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News: +++ Der Breitkopf-Klavierimprovisationswettbewerb +++ Jazz in Hamburg +++ Brass Band „Woodshockers“ gewinnt die German Open 2015 in Grimma +++

Der Breitkopf-Klavierimprovisationswettbewerb „Kreativ an den Tasten“, der Klavierimprovisationswettbewerb des Breitkopf und Härtel Verlages läuft noch bis zum 30. Juni 2015. Der Wettbewerb richtet sich an alle nicht professionellen Klavierspielerinnen und -spieler in den Altersgruppen 6–8 Jahre, 9–12 Jahre und 13+ Jahre. Die Improvisationen müssen auf YouTube hochgeladen werden. Zu gewinnen gibt es neben Geldpreisen und Notenheften ein Workshopwochenende am exploratorium in Berlin, das von den Komponisten und Musikpädagogen Reinhard Gagel, Andreas Hirche und Michael Ostrzyga geleitet wird. Anmeldung zum Wettbewerb unter: www.breitkopf.de/wettbewerb. Das Improvisationscamp vom 19. bis 20. September am exploratorium in Berlin ist außerdem offen für Klavierspieler/-innen jeden Alters mit Interesse am Improvisieren. Für Klavierlehrer/-innen wird parallel zum Workshop eine methodisch-didaktische Reflexion zum Umgang mit Improvisation angeboten. Anmeldeschluss hierfür ist der 10. September. Weitere Informationen unter: www.exploratorium-berlin.de   Jazz In Hamburg Hamburg hat in Sachen Jazz auch diesen Sommer Einiges zu bieten. Unter anderem die 2005 ins Leben gerufene „Count Pauli Bigband“, die Big Band-Sound der 60er-Jahre bis heute zum Besten gibt. Das 17 Mann starke Ensemble überzeugt durch präzises Zusammenspiel und inspirierte Soli; das Resultat ist ein 1. Klasse Hörerlebnis. Wer die Count …

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Audience Development (6) – Do-it-yourself-Vermittlung 3: Überlegungen zu Raum und Zeit

Dem Jazz wird oft vorgeworfen, er hänge von der Art seiner Präsentation immer noch in den goldenen Zeiten der 1950er und 60er Jahre fest. Auch wenn es längst viele lobenswerte Veränderungen gibt – einige habe ich in der einleitenden Folge dieser Blogserie bereits genannt –, würde mir doch auf die Frage „Wie läuft ein Jazzkonzert ab?“ zuerst folgendes Verlaufsklischee einfallen: Das Publikum wird eine halbe Stunde vor Beginn des Konzertabends in den Raum/ Saal gelassen und nimmt in Reihen oder an kleinen Tischen Platz. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos mehr oder weniger bekannter Jazzgrößen. Mit leichter bis mittlerer Verspätung betritt ohne Ankündigung eine Band die etwas erhöhte Bühne und beginnt mit dem ersten von zwei Sets, die jeweils etwa 45 Minuten dauern. Nach dem ersten Stück heißt der Bandleader das Publikum willkommen. Sofern die Musik der Gruppe ausreichend klare Trennungen zulässt, wird nach jedem Solo routiniert bis begeistert geklatscht. Die Pause zwischen den Sets wird genutzt, um neue Getränke zu ordern. Eine über Applaus und gegebenenfalls stilles Füßewippen hinausgehende Interaktion zwischen Publikum und Band während der Sets ist nicht vorgesehen. Vor dem letzten Stück stellt …

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Audience Development (4) – Do-it-yourself-Vermittlung 1: Text, Bild und Ton

Wie in der letzten Blogfolge deutlich wurde, spielt die Vermittlung zwischen Künstler und Publikum eine zentrale Rolle für Zuspruch und Akzeptanz der jeweiligen Musik. Als grob vereinfachende Faustregel könnte gelten: je kopflastiger, sperriger, dissonanter die Musik, desto weniger ist sie unmittelbar zugänglich, desto mehr Vermittlungsangebot wäre sinnvoll. Hätte man ausreichend finanzielle Mittel, könnte man die Vermittlungsarbeit an Experten abgeben. Im Jazzbereich stehen jedoch in der Regel sehr geringe finanzielle Mittel zur Verfügung, weshalb vieles notgedrungen in Eigenregie entsteht. Daher möchte ich zunächst jene möglichen Vermittlungsbereiche beleuchten, die Musiker und Veranstalter – als unmittelbar am Konzert beteiligte Personen – direkt beeinflussen können. 1) Bandinformationen, Ankündigungs- und Pressetexte „Unverwechselbarer Bandsound“? „Facettenreiche Musik“, in der sich „kantige Grooves“ mit „balladesken Stimmungen“ und „komplexen rhythmischen Strukturen“ abwechseln? „Tradition achten“ und doch etwas „ganz eigenes“ machen? Diese häufig verwendeten Textbausteine wecken (zumindest in mir) meist wenig Lust, sich vom heimischen Sofa durch den strömenden Regen in den Jazzclub zu bewegen. Nun sind die wenigsten Jazzmusiker gleichzeitig Schriftsteller oder Journalisten, weshalb man ihnen textliche Unzulänglichkeiten schwerlich vorwerfen kann. Gleiches gilt für Veranstalter, die aus dem verfügbaren Pressematerial sprachliche Flickenteppiche knüpfen. Dennoch …

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