Die Wahrheit über JazzhörerInnen: Untreu, aber glücklich!

Die empirische Sozialforschung ist für gewöhnlich unbestechlich. Die Ergebnisse sind nicht in Zweifel zu ziehen. Da kann man die Akkorde zählen, Intervalle in Konstellationen setzen und den Jazzomat ranlassen. Oder man kann die soziale Situation der Jazzmusiker erheben wie in der JazzStudie 2015 … Und manches Ergebnis prallen direkt auf Milz und Hirn, so wie dieses, das in einer Pressemitteilung im Maileingang landete: „Untreue hören Jazzmusik“: „Jazz, Salsa und Pop sind die drei Musikgenres mit Fans, die am wahrscheinlichsten ihrem Partner untreu sind.“ Herausgefunden hat das ein Institut mit dem vielversprechenden Namen Victoria Milan. Das hat seine Mitglieder nach ihrem Musikgeschmack befragt und danach, ob sie beim Musikhören eher an ihre Liebhaber oder die langfristigen Partner denken täten. Eine absolut hieb- und stichfeste Erhebungsmethode liegt dem zugrunde. Fakten: Es geht hier um 19% der JazzhörerInnen, die potentiell angeblich untreu sind. Diese ruchlosen, amoralischen Jazzfans aber auch. Wer seine Ruhe suchen möchte, meide den Jazzclub, das Jazzfestival. Jeder Ton droht zu einer Verführung zu werden. Gierige Blicke plötzlich überall. Der Chef von Victoria Milan, ein gewisser Sigurd Vidal (oder Vedal, die Mail ist hier nicht ganz …

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Audience Development (8) – Multiplikatoren

So banal dieser Satz wirkt, er ist ebenso richtig wie wichtig: Man kann nicht alles alleine machen. Die Möglichkeiten des einzelnen Musikers, des einzelnen Veranstalters zur Publikumsfindung und -bindung sind zeitlich wie finanziell eng begrenzt. Daher fällt Multiplikatoren eine wichtige Rolle zu. Dazu nun einige Anregungen für leere bis schmale Geldbeutel… 1) Bekannt aus Zeitung, Funk und Fernsehen Den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern in Deutschland fiel über viele Jahrzehnte eine, wenn nicht die tragende Rolle bei der Vermittlung von Jazz und neuer Musik zu. Noch heute läuft jeden Tag Jazz im öffentlich-rechtlichen Radio, wenn auch überwiegend spät abends (nach 22 Uhr) und fast nie länger als 60 Minuten am Stück. Zudem haben etliche private Sender Jazzsendungen im Programm. Selbst Fernsehformate mit Jazzbeteiligung gibt es noch. Diese sind jedoch in aller Regel so gut im Nachtprogramm der Spartensender versteckt, dass die Vermittlungschancen an ein nicht-vorbereitetes, spontan einschaltendes Publikum sehr gering bleiben. Dennoch sind Funk und Fernsehen, ebenso wie Printmedien aller Art, nach wie vor wichtige Multiplikatoren. Welche Zeitungen, welche Radiosender in eurer Umgebung könnten warum an einer Berichterstattung (Programmtipp? Konzertkritik? Live-Mitschnitt?) interessiert sein? Welche Journalisten kennt ihr? Kennen …

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Am International Jazz Day der UNESCO: Fuller Sound im Gasteig

Am International Jazz Day der UNESCO am 30.4. konzertieren das Tia Fuller Quintet feat. Sean Jones und Claus Reichstaller sowie das U.M.P.A Jazz Orchestra der Hochschule mit Stücken von Tia Fuller gemeinsam in der Black Box.Das Konzert wird einer der Höhepunkte der diesjährigen JAM:M Jazz Masters München sein.(Karten bei München Ticket) Jam-Sessions der Studenten der Hochschule für Musik und Theater und den Teilnehmern der Meisterkurse gibt es am 1.5. und am 2.5. jeweils um 21.00 Uhr in der Lounge des Restaurants „gast“ im Gasteig. Am 3.5. wird es für die Amateure dann ernst: Die Teilnehmer der JAM:M Jazz Master Classes präsentieren in der Black Box ihre Ergebnisse vor Publikum. Neben umfangreichen Konzertaktivitäten mit ihrem Quintett, aber auch als Sidewoman bei Popstar Beyoncé, leitet Tia Fuller derzeit acht Ensembles am Berklee College of Music. Altsaxophonistin und Komponistin Tia Fuller war Mitglied bei Terri Lyne Carrington’s „Mosaic’ Project“, für das es einen Grammy gab, sie arbeitete als Assistentin des musikalischer Direktors bei Esperanza Spalding’s „Radio Music Society“- Tournee, und tourte mehrfach mit Dianne Reeves. In München unterrichten sie und ihre Mitstreiter in Einzelgruppen, dazu leitet jeder Dozent …

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News: Defrancesco in Oberthulba +++ Jazz-Jubiläum in Syke +++ Verdienstkreuz für Hans-Martin Müller

Joey Defrancesco an der Hammond-Orgel in Oberthulba Nach dem Auftritt im Juli 2004 von Legende Jimmy Smith an der Hammond Orgel, kommt nun auch sein designierter Nachfolger Joey Defrancesco (USA) mit Trio auf die Piano-Bühne in Oberthulba. Auf allen großen Bühnen der Welt zeigt er seine Klasse an der „Hammond B3“ Orgel. Die Bühnenpartner des Radio- und TV-Stars waren und sind Jimmy Smith, Miles Davis, und Ray Charles. Mit dem Miles Davis-Orchestra tourte er bereits als 17-Jähriger  durch Europa. Mit 5 Jahren begann er das Orgelspiel und mit 10 Jahren spielte er in Philadelphia schon in einer Band. Sein Ziehvater war Jimmy Smith. Mit 18 hatte er sein eigenes Quartett und mit 22 spielte er 4 Jahre lang in der Band von John McLaughlin. 2004 und 2010 war er für seine Titel „Falling in love again“ und „Never can say good bye“ für den „Grammy“ nominiert. Begleitet wird Joey von international anerkannten Musikern: Jason Brown am Schlagzeug und Dan Wilson an der Solo-Gitarre, Spezialist für Soul&Technik an der Jazz-Gitarre. Freitag, 06. März, 20:00 Uhr in Oberthulba auf der Piano-Bühne. Weitere Informationen: www.pianobuehne.de   20 Jahre Jazz Folk Klassik in Syke …

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Radio Jazz Research schaute über die Grenzen des Jazz

Radio Jazz Research tagte beim Münsteraner Jazz Festival – Das Internationale Jazzfestival Münster feierte vom 9. bis zum 11. Januar seine 25. Ausgabe und blickte auf 36 Jahr Geschichte zurück, und 30 Jahre davon hat Fritz Schmücker nun schon die künstlerische Leitung. Der Radio Jazz Research e.V. war schon mehrmals beim Münsteraner Festival zu Gast und ließ sich auch in diesem Jahr die Gelegenheit nicht entgehen. Die Vereinigung aus Wissenschaftlern, freien Journalisten, Zeitungs- und Rundfunkredakteuren, Autoren, Historikern und Festivalkuratoren kommt mehrmals im Jahr zu Tagungen zusammen und befasst sich bei diesen Gelegenheiten mit dem ganzen Spektrum des Jazz würdigt damit diese aktuelle europäische musikalische Kunstform. (Siehe www.radiojazzresearch.de) . In Münster widmeten sich die Referate und Diskussionen u.a. folgenden Themen: „Jazz & Tanz“, „Jazz & Film“, „Jazz & Hörspiel“, „Jazz & Verantwortung“, „Jazz & Recorded Music“, „Jazz & Gesellschaft“, „Jazz & Kulturpolitik“ sowie „Jazz & Neue Musik“. Die 26. Arbeitstagung rekapitulierte damit die vielfältigen Austauschverhältnisse, in denen sich der Jazz der Gegenwart befindet, Austauschverhältnisse mit anderen Formen ästhetischer und vorästhetischer Gegenwartsbewältigung, mit den verschiedenen bildenden und darstellenden Kunstformen bis hin zur empirischen Realität der prekären Existenzgrundlage …

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Big Band Burghausen +++ Deutscher Jazzpreis 2015 +++ LMA Sachsen feiert +++ NDR Info Jazz März

Big Band Burghausen: „Best of Twelve“ beim Jahreskonzert 2015 Unter dem Titel „Best of Twelve“ präsentiert die Big Band Burghausen am Sonntag, den 22. Februar 2015, um 17 Uhr im Stadtsaal Burghausen ihr Jahreskonzert. Die Band spielt dabei eine „Best of“- Auswahl aus den Programmen der letzten zwölf Jahre. Berühmte Jazzklassiker und Songs von Billie Holiday, Natalie Cole, Charles Mingus, Cole Porter und Sammy Nestico sind dabei ebenso zu hören wie zeitgenössische Kompositionen von Robert von Siemens und Jan-Peter Klöppel. Für „Best of Twelve“ hat Leader Wolfgang Pietsch dabei Freunde und Solisten eingeladen, die die Big Band während dieser Zeit begleitet haben. So darf sich das Publikum auf ein Wiedersehen mit Kathi Winklbauer, Julia Fehenberger, Querflötist Michael Ross, Trompeter Richard Köster und Robert Lenzbauer am Piano freuen. Tickets sind erhältlich an den bekannten Vorverkaufsstellen sowie online auf www.b-jazz.com. Neuer Deutscher Jazzpreis Mannheim 2015: Finalisten bekanntgegeben Im Jahr 2015 vergibt die IG Jazz Rhein-Neckar e.V. in Kooperation mit der Alten Feuerwache Mannheim gGmbH bereits zum zehnten Mal den Neuen Deutschen Jazzpreis Mannheim. Das Festivalwochenende findet am 13. und 14. März 2015 in der Alten Feuerwache Mannheim …

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CD von Esther Kaiser +++ Swiss Jazz Award +++ Leipziger Jazztage +++ Jazz Zirkel Weiden +++ HfM Nürnberg aktuell

CD-Release von Esther Kaiser Mit einer erlesenen Band um den Pianisten Tino Derado und den Kontrabassisten Marc Muellbauer stellt Esther Kaiser ihr neues Herzensprojekt vor: „Learning How to Listen – The Music of Abbey Lincoln“ (GLM/Soulfood). Damit gibt sich eine der aufregendsten Stimmen im deutschen Vokaljazz am 6. Februar (21 Uhr) in der Cascadas Bar in Hamburg die Ehre und präsentiert ihre Hommage an die vor fünf Jahren verstorbene Abbey Lincoln, eine der Ikonen des Gesangs aus der goldenen Ära des modernen Jazz. Esther Kaiser, 1975 in Freiburg geboren, studierte Jazzsängerin und mittlerweile Hochschulprofessorin am Jazzstudiengang in Dresden, weiß nur zu gut, dass es keinen Sinn hat, die Stimme und die Phrasierung von Abbey Lincoln zu imitieren. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren In ihrer Hommage an die Musik Lincolns destilliert sie neue Seiten, Farben und Facetten, Qualitäten, die mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun haben. So lassen sich Songs in eine heutige Form bringen, so behalten sie ihren wahrhaftigen Kern und sind weiterhin in der Lage, ihr Publikum zu berühren. Eintritt: 13 /10 …

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International Škoda Allstar Band im November auf Tournee

Im Herbst wird die International Škoda Allstar Band, bestehend aus international renommierten Jazzmusikern aus verschiedenen Ländern, zum dreizehnten Mal auf Tournee durch Deutschland gehen. Die Musiker kennen sich untereinander schon seit vielen Jahren und haben in den unterschiedlichsten Besetzungen miteinander gearbeitet. In dieser Besetzung trafen sie sich zum ersten Mal beim internationalen Workshop des Jazzclubs Eurocore in Trier, der sie dreizehn Jahre als Dozententeam verpflichtet hat. Bei den alljährlichen Dozentenkonzerten in Trier entstand die Idee, mit dieser Band weitere Konzerte in Deutschland zu geben. So traten in den vergangenen Jahren die Musiker gemeinsam bei mehr als 90 Konzerten auf Festivals, Fernsehkonzerten und in Theatern, Philharmonien und auch mit dem Symphonie-Orchester der Stadt Trier beim europäischen Kulturstadt-Jahr 2007 in Luxemburg und Trier mit großem Erfolg auf. Mit Unterstützung des Kulturpartners Škoda Auto Deutschland wird die Band im November wieder Konzerte in Deutschland geben. Nach vielen renommierten Stars der internationalen Jazzszene wie John Taylor, Maria Pia DeVito, Ack van Rooyen, Sonnica Yepes, Rosani Reis und Charlie Mariano konnte für die Tournee im Jahre 2014 die Sängerin Norma Winstone als Gaststar gewonnen werden. Die Musik ist so vielfältig wie …

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Kenny Wheeler. Foto: German Jazz Trophy

Zum Tod von Kenny Wheeler

Der kanadisch-britische Trompeter Kenny Wheeler (* 14. Januar 1930 in Toronto, Ontario; † 18. September 2014 London) galt nicht nur als Trompetenvirtuose mit unverkennbar eigenem, ätherischen Ton, sondern als einer der produktivsten Komponisten des Jazz: Gegen 200 Stücke hat er geschrieben, die auf gut 30 Alben veröffentlich wurden, die meisten bei dem deutschen Label ECM Records in München. Kenny Wheeler war schon seit längerer Zeit krank und bettlägerig. Musikerkollegen hatten mit Benefizkonzerten Geld gesammelt, um die Krankheitskosten tragen zu helfen. Nun ist er 84-jährig in London gestorben. Lesen Sie Ausschnitte aus der Laudatio für Wheeler, die Jazzzeitungsredakteur Andreas Kolb im Jahr 2005 in Stuttgart anlässlich der Überreichung der „German Jazz Trophy – a life for jazz“ an den Trompeter hielt. Die Trompete zeichnet sich durch eine seltsame Ambivalenz aus. Als dem repräsentativen Instrument des Hofes hatte sie von jeher eine Sonderstellung. Als Lehrlinge für die damals angesehenste und nur in höfischen Diensten stehende Zunft der Trompeter und Pauker wurden ausschließlich ehrbare und unbescholtene junge Männer aufgenommen, die nach einer strengen Lehrzeit von sechs Jahren (bis zur Künstlerreife braucht man heute auch so etwa 12 Semester) …

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Das gibt’s nur einmal: das Birdland Neuburg

Jazzclubs gibt es einige in Deutschland, vor allem natürlich in den mittleren und den Großstädten. Warum ist einer der berühmtesten und angesehensten dann mitten in der bayerischen Provinz, im kleinen Barockstädtchen Neuburg an der Donau angesiedelt? – Alles begann bereits im Jahr 1958, als der spätere Gründer der Jazzwoche Burghausen, Helmut Viertel eine Ausbildung zum Gerichtsvollzieher in Neuburg machte. Er hatte interessante Jazzplatten, die damals noch schwer erhältlich waren und hörte sie zusammen mit Manfred Rehm. Aus Liebe zum Jazz gründeten sie den Club, der aber erst ab 1985 richtig auf Kurs gelangte. Viertel war inzwischen nach Burghausen versetzt worden, und Rehm veranstaltete in verschiedenen Gaststätten regelmäßig Konzerte. 1991 zog man in die jetzigen Räumlichkeiten, ein Kellergewölbe unter der Hofapotheke: ein Ambiente, das Seinesgleichen in Deutschland und Europa sucht. Sponsor Fritz von Philipp erklärt sich den Erfolg folgendermaßen: „Ich merk’s immer an der Reaktion der Musiker, die sind so etwas gar nicht mehr gewöhnt. Hier ist der Club super, das Publikum super und das Umfeld bestens. Die Gastronomie steht nicht im Vordergrund, nichts klappert, man kann sich auf die Musik konzentrieren. Das ist phantastisch.“ (Text …

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