Der Klangregisseur – Wolfgang Hirschmann zum 85.

Tonmeister gibt es viele. Jedoch gibt es unter ihnen einen Solitär, dessen Klangspuren von Karl Heinz Stockhausen über Mauricio Kagel bis zu Quincy Jones, von Marlene Dietrich bis zu Herbert Grönemeyer, den Bläck Fööss und schließlich bis zur WDR Big Band reichen: Wolfgang Hirschmann. Jahrzehntelang war sein Name ein klingendes Markenzeichen.

„Sie kennen doch den Hirschmann?“

„Sie kennen doch den Hirschmann?“ schnurrte des Öfteren der berühmte Klaviervirtuose Friedrich Gulda an der Bühnenrampe. Nicht nur Gulda, sondern unzählige Berühmtheiten vertrauten Wolfgang Hirschmann in allen musikalischen und technischen Angelegenheiten. Dazu zählte auch Klaus Doldinger, für den der Klangästhet etwas Besonderes war: „Du warst in meinem Musikerleben der erste musikaffine Mensch, den ich neben meinen vielen Musikerfreunden Ende der 50er-Jahre als Tonmeister wahrgenommen habe.“ Auf seine Zusammenarbeit mit Wolfgang Hirschmann angesprochen, schreibt der Label-Manager Siggi Loch 2017 in der Festschrift für Wolfgang Hirschmann zum 80. Geburtstag (LAG Musik Verlag): „1964 kam es bei dem Album ‚Night Lady‘ mit dem Johnny Griffin Quartet für Philips auch erstmals zu einer Zusammenarbeit. Hirschmann war damals nicht nur der Tonmeister am Pult, sondern ein kreativer Geist“. Diese Kreativität sollte seinen weiteren Berufsweg nachhaltig prägen. David Liebman nennt ihn eine Ikone unter den Tonmeistern und für Bert Noglik ist Wolfgang Hirschmann ein genialer „Klangregisseur“.

Meister der Klangnuancen

Vielerorts, deutschlandweit genauso wie international, veredelte der Klangästhet in der weitverzweigten Studiobranche unzählige Aufnahmen. So war der Meisterschüler von Prof. Friedrich Trautwein (Robert Schumann Konservatorium Düsseldorf) und von Prof. Erich Thienhaus (Musikhochschule Detmold) bereits frühzeitig in den Studios in Köln oder London – u.a. in den Abbey Road Studios – für die EMI Electrola tätig. Darüber hinaus verfeinerte er das Klangspektrum der Neuen Musik (u.a mit Mauricio Kagel oder Karlheinz Stockhausen), genauso den Sound des Kurt Edelhagen Orchesters bei TV-Aufnahmen und das unverkennbare Klangprofil der Kenny Clarke Francy Boland Big Band.

Anderswo profitierten viele Jazz-Größen von Hirschmanns Know How, wie z.B. beim Jazz Fest Berlin, wo er 25 Jahre lang der Meister für Klangfeinheiten eines transparenten Saaltons war. Aber auch Showstars folgten seinen Ratschlägen in zahlreichen TV-Studio-Produktionen, nicht nur, wenn es um die richtige Platzierung des Mikrofons ging. Kurzum, der WDR konnte sich glücklich schätzen, als Wolfgang Hirschmann – nach äußerst erfolgreichen Studio- und Produktionsjahren im legendären Kölner Cornet Studio – nach freien Tonmeister-Engagements 1987 in Festanstellung zum Produzenten für die WDR Big Band berufen wurde. Er brachte exzellente internationale Kontakte mit und füllte vier Jobs gleichzeitig aus, war Produzent, Tonmeister, Redakteur und Manager. Unter Hirschmanns Produktionsregie mit vielen internationalen Komponisten wie Arrangeuren (Bob Brookmeyer, John Clayton, Jim McNeely, Bill Holman, Lalo Schifrin, Patrick Williams, Vince Mendoza, Bob Belden etc.) und mit namhaften Gastsolisten profilierte und steigerte die WDR Big Band ihr Renommee.

Internationale Tragweiten

Wolfgang Hirschmann integrierte aber auch immer wieder junge Talente, wie z.B. Vince Mendoza, der 1991 sein Europa-Debüt mit der WDR Big Band gab, oder Maria Schneider, die 1993 erstmals in Europa eine Big Band leitete. Zu den Höhepunkten in Hirschmanns Laufbahn als Produzent gehören sicher auch die Konzerte mit Quincy Jones beim Montreux Jazz Festival (1991, 1992, 1993), 1996 die Europa-Tournee mit Phil Collins unter der Leitung von Quincy Jones, Grammy Nominierungen, der Jazz-Award und schließlich Konzerteinladungen in die USA. Dort fanden Konzerte bei der IAJE Conference in New York, Januar 1998, in Long Beach im Januar 2002, das Programm zum EFO Int. Jazz Award for Joe Zawinul unter der Leitung von Vince Mendoza in Los Angeles genauso wie die Jazz Gala mit Patti Austin auf der Queen Mary oder ein Sonderkonzert mit Don Menza in Las Vegas eine große Resonanz.

Zum 85. Geburtstag von Wolfgang Hirschmann gratulieren in der im Januar erschienenen Festschrift viele Persönlichkeiten der Musikbranche. Die Festschrift wurde im LAG-Musik-Verlag veröffentlicht. Weitere Infos unter: info@lagmusik.de

Text: Michael Brüning; Bildnachweis: Reinhold Nickel (Festschrift Wolfgang Hirschmann zum 85.)

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