Jin Jim mit „Weiße Schatten“

Das Alte Pfandhaus in Köln. Pre-Release Konzert für die zweite CD der Band Jin Jim. Der Soundcheck beginnt mit einem wahren Gewitter von Schlagzeug, Kontrabass und E-Gitarre. Wie soll sich da der Flötist Daniel Manrique-Smith als Frontman der Band durchsetzen, fragt sich besorgt der Ohren- und Augenzeuge, der nicht zuletzt wegen dieses Solisten gekommen ist. Doch wie er sich durchsetzt, das zeigt er bald, nachdem die üblichen Abstimmungen mit dem Tontechniker geregelt wurden. Er zeigt es dann ausführlich im Opener des Konzerts, zugleich das erste Stück auch der neuen CD „Weiße Schatten“ der seit vier, fünf Jahren Aufsehen erregenden und in der Tat aufregenden Band „Jin Jim“. Ein wildes Entrée hat der Bassist Ben Tai Trawinski da für sich, den Schlagzeuger Nico Stallmann und den Gitarristen Johann May zusammengerührt. Und oh Wunder, sie sind unüberhörbar, die Flötentöne, Triller, langgezogene Melodiebögen, …

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+++ News +++ ACT Music +++ Preis für Haffner +++ Walter Quintus verstorben +++ 25 Jahre ACT +++

+++ „Joachim-Ernst-Berendt-Ehrenpreis“ für Haffner +++ Am 2. März hat die Stadt Baden-Baden den „Joachim-Ernst-Berendt-Ehrenpreis“ an den Schlagzeuger Wolfgang Haffner verliehen. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Festivals „Mr. M´s Jazz Club“ im Kurhaus in Baden Baden statt. Bisherige Preisträger sind Nils Landgren (2016), Patti Austin (2015), Till Brönner (2014), Paul Kuhn (2013) und Klaus Doldinger (2012). Wolfgang Haffner feierte zuletzt mit seinem Album „Kind of Cool“ große Publiums- und Kritikererfolge. Das Album schaffte es bis in die Top 50 der deutschen Album-Popcharts und erhielt innerhalb nur weniger Monate den German Jazz GOLD Award. Im Herbst 2017 erscheint ein neues Album von Wolfgang Haffner auf ACT.   +++ Tonmeister Walter Quintus verstorben +++ Vermutlich am 2. März 2017 ist Walter Quintus im Alter von nur 67 Jahren verstorben. Er galt als einer der international bedeutendsten und produktivsten Tonmeister des zeitgenössischen Jazz und …

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Da stürmt die Sonne! Brandheißer Jazz vom Trio: Danielsson, Neset und Lund!

“Sun Blowing”, das neue Trio-Album – mit Lars Danielsson am Bass, dem Drummer Morten Lund sowie dem Ausnahmesaxophonisten Marius Neset – präsentiert nicht nur eine Sternstunde des Jazz, darüber hinaus gibt es auch noch eine wirklich gute Entstehungsgeschichte: Auf der Rückreise von der JazzBaltica im Zug nach Kopenhagen trafen sich die Musiker, kamen ins Gespräch, und so war plötzlich die Idee dieses Trios geboren. Letztlich ist es eine Band ohne Leader, ein akustisches Trio mit drei gleichberechtigten Partnern, das sich ohne große Vorbereitung zusammensetzt und „pure“ drauf los spielt. Es sollten drei weitere Jahre vergehen, bis das Projekt schließlich verwirklicht wurde. Das passierte unkonventionell und unprätentiös im Gegensatz zur üblichen Schaffensweise, die sich Neset & Co sonst auferlegen. Im Kopenhagener MillFactory Studio bot sich letztes Jahr eine günstige Möglichkeit für eine Aufnahme an, die die drei spontan wahrgenommen haben. Ohne große …

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Jazzkritik ist käuflich

Die Dinge sind kompliziert. Neulich übersandte mir Redakteur Andreas Kolb einen Einladung zu einem JazzFestival, das in wenigen Tagen im September auf der Krim stattfinden soll. Rossiya Segodnya International Information News Agency invites Jazz Zeitung to take part in a press trip to the International Jazz Festival Koktebel Jazz Party. The press trip scheduled for September 10-17, 2014 will be held in Koktebel, a picturesque and cozy coastal town in Crimea. Die Sache ist vollfinanziert und so, als ob man Jazzjournalisten einkaufen könnte. (Kann man natürlich und das wird auch gerne, wo Kohle vorhanden, gemacht.  So kam ich zum Winterjazz nach Köln dieses Jahr. Ich glaube, das ist nich okay!) Es wirkt in der Tat teils merkwürdig, was man als bezahlter Gast dann schreibt, wo man sich für die Nettigkeit in der Pflicht fühlt. Ich hätte es auch nie gedacht, …

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Konzert mit Pete York im Bayerischen Hof

Am Sonntag, den 4. Mai präsentieren Pete York & Young Friends ihre CD „Basiecally Speaking” (ACT) im Nachtclub des Bayerischen Hofs in München: Die Sache reicht zurück bis ins Jahr 1965. Da nahm die Spencer Davis Group – mit dem Nummer- Eins-Hit „Keep On Running“ gerade zu einer der heißesten Bands des Jahres avanciert – in London für die deutsche Phillips eine deutschsprachige Single auf. Neben dem Gitarristen und ehemaligen Deutschlehrer Spencer Davis, Steve Winwood und seinem älteren Bruder Muff gehörte der aufstrebende Schlagzeuger Pete York zur Band. Der nicht minder aufstrebende Produzent der Session war Siggi Loch. „Seit damals sind Siggi und ich befreundet“, erinnert sich Pete York, der im August dieses Jahres 70 geworden ist. „Vielleicht ist es Siggi‘s Geburtstagsgeschenk an mich, dass ich jetzt bei ACT ein Album machen konnte.“ Das Geschenk heißt „Basiecally Speaking“, und wie …

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Jazz in Berlin (1)

Früher war das JazzFest Berlin bekannt dafür, dass es Projekte und Ensembles nach Deutschland holte, die man hier noch nie gehört hatte. Diese Zeiten liegen eine gefühlte Ewigkeit zurück. Jedenfalls hieß ein Schwerpunkt-Thema 2011: Polen. Dieses Land beginnt 80 Kilometer hinter Berlin – und niemand wird behaupten, dass Adam Pieronczyk, Leszek Mozdzer, Tomasz Stanko oder Vladyslav Sendecki noch nie in Deutschland gespielt hätten. Im Gegenteil: Die Logistik war diesmal sogar besonders leicht zu handhaben, denn praktischerweise konnte sich der scheidende künstlerische Leiter die Hälfte der genannten Musiker direkt vom Label seines Vertrauens vermitteln lassen. Mit im Label-Paket steckten dann überraschenderweise noch ein paar andere Künstler wie Michael Wollnys [em], Caecilie Norby, Joakim Milder, Christopher Dell, Ida Sand und Iiro Rantala – die gab es wahrscheinlich gebündelt zum Rabattpreis obendrauf. Gerüchten zufolge übernimmt Siggi Loch im nächsten Jahr gleich selbst die …

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Wo bleibt der deutsche Jazz?

DIE ZEIT stellte kürzlich in ihrer Online-Ausgabe – wieder einmal – diese Frage. Ausgangspunkt für das erneute Aufrollen eines altbekannten Themas – nämlich, dass sich vom Jazz schlecht leben lässt – ist die weiterhin zunehmende Dichte von erstklassigen Musikern und Bands aus Deutschen Landen, die das Missverhältnis zwischen der Qualität des Gebotenen und den Bedingungen, unter denen deutsche Musiker arbeiten, mehr und mehr in Schieflage bringt. Der Autor des Artikels sieht die Deutschen Musiker – vor allem die jungen – durch die relative Gleichgültigkeit der Deutschen für ihre eigenen Künstler in Bedrängnis gebracht. In anderen Ländern sei dies anders. Deutsche Künstler, darunter unser Gastautor Felix Falk von Mo‘ Blow, beklagen im ZEIT-Artikel die mangelnde strukturelle Unterstützung bei Konzertreisen vonseiten Deutscher Kulturinstitutionen. Mo‘ Blow. Foto: ACT/Dirk Mathesius Unter den zahlreichen Kommentatoren des Artikels wird natürlich mehr oder weniger polemisch diskutiert, ob …

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Replik auf Händels Groll

Lieber Händel, Mit Staunen erlebe ich, wie Sie aus einer wenig ernsthaften – weil glossistischen – publizistischen Mücke einen schwergewichtigen – trotz Satirik – allzu staatstragenden Elefanten machen. Ich will nicht sagen aus einem kleinen Furz eine kapitale Blähung, denn immerhin tragen Ihre Ausführungen viel Erhellendes zu Halle und dem WiJ-Festival bei, wofür ich Ihnen danke. Das kulturelle Mordor des Ostens, das sie da beschreiben, mag ich mir allerdings in meinen dunkelsten Träumen nicht vorstellen. Mit dem akribischen Zerpflücken meiner „Argumente“ zeigen Sie Handwerkskunst, doch was lohnt’s gegen die schamlosen Übertreibungen und Überzeichnungen eines Ironikers? Ich empfehle zur Entspannung den Genuss der taktlos-News von Theo Geißler und Martin Hufner, die beiden können das vermutlich besser als ich. Worin Sie die Schmähung des Festivals, der Frauen oder der Stadt in meinem Blogpost erkennen wollen, will sich mir nicht ganz erschließen. Der …

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