CD-Rezension: Dieter Ilg mit B-A-C-H

Dieter Ilg hat sich mittlerweile einen Platz in der ersten Riege der Bassisten gesichert – national wie international. Unabhängig von seiner kontinuierlichen spielerischen Vielseitigkeit, angefangen bei Marc Copland , Roberto di Gioia oder Mike Manieri, im Duo mit Charlie Mariano oder Till Brönner, erkundet Ilg seit 2009 im Trio mit Rainer Böhm am Piano sowie dem Schlagzeuger Patrice Héral Harmonik, Strukturen und Rhythmik klassischer Komponisten, die er mit seinem Trio jazztechnisch unter die Lupe nimmt. Anders als die seinerzeit im „Third Stream“ üblichen, zum Teil musikalisch abgehobenen, Experimente oder swingende Klassik-Varianten eines Jacques Loussier, nimmt sich Ilg mit seinem Trio ausgewählte Kompositionen und deren Werke vor, analysiert sie und bereitet diese fast visionär auf. Angefangen mit Verdis „Otello“, von der es eine Studio- und eine Live-Version gibt, folgte Wagners „Parsifal“, danach widmete er sich den Werken Beethovens (nomen est omen: …

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Bremer jazzahead eröffnet mit finnischer Nacht und Jazz für Kinder

Die ersten Besucher der Bremer Fachmesse und des Showcase Festival jazzahead waren gestern früh 400 Grundschulkinder, die begeistert bei dem Konzert von Mini Schulz (b), Obi Jenne (dr), Peter Lehel (sa) und Thilo Wagner (p) mitmachten. Mini Schulz ist zusammen mit den Machern der jazzahead und Markus Lüdke vom Musikland Niedersachsen Initiator des Kongresses „Jazz und Improvisation für Kinder“, der gestern die internationale Fachmesse für Jazzmusiker, Veranstalter, Booker, Agenten, Förderer und Produzenten eröffnete. Der Ansatz des Kongresses war so klar wie einleuchtend: Jazzmusiker mit ihrer Gabe zur Improvisation sind ideale Musikvermittler, die nicht an den Noten kleben, sondern leicht mit ihren jungen und erwachsenen Zuhörern in Interaktion kommen. Das fanden auch die Vertreter großer Häuser wie Elbphilharmonie oder Berliner Philharmoniker und sandten ihre Vermittlungsspezialisten nach Bremen, um das Potenzial des Jazz für die Musikvermittlung und music education auszuloten. Nicht ganz …

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Preisträgerkonzerte: Klaus Doldinger spielte für Moritz Stahl

Bereits im November 2016 war der Komponist und Saxophonist Klaus Doldinger mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet worden. Am Dienstag, den 14. Februar, wurde der Preis  im Festsaal des Alten Rathauses durch Oberbürgermeister Dieter Reiter verliehen. Die Laudatio hielt Günter Rohrbach, für die musikalische Umrahmung sorgten Roberto Di Gioia, Patrick Scales, Ernst Ströer und Klaus Doldinger selbst. Doldinger erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Preis für „seine langjährige Verbundenheit zur Landeshauptstadt München und sein großartiges Lebenswerk in seiner Gesamtheit“, so die Jury. Mehr unter http://www.muenchen.de/aktuell/2017-02/doldinger-kultureller-ehrenpreis-2017.html Drei Tage später war der inzwischen 80-jährige Doldinger erneut in München am Saxophon tätig: Beim Preisträgerkonzert für den jungen Saxophonisten Moritz Stahl, der sich den 1. Preis des Kurt Maas Jazz Award 2017, unter 16 Mitbewerbern erspielt hatte. Die im Wettbewerb ermittelten Preisträger traten im Rahmen des Preisträgerkonzerts am Freitag, den 17. Februar 2017, …

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Intensiv, melancholisch, genreübergreifend: Das neue Album des Vokalquartetts Niniwe – Time Stands Still

Von Michael Scheiner – „Classics reloaded“ werden Konzerte des Berliner Vokalquartetts Niniwe marktgerecht angekündigt. Mit ihrer aktuellen Cd „Time stands still“ definiert es aber eher Klassik auf eigene Weise und reiht sich damit in den schmalen, aber langen Seitenarm vom Third Stream der 50er Jahre über Jacques Loussiers „Play Bach“ bis zu vielfältigen heutigen Varianten von „Jazz meets classic“ ein. Der künstlerisch-musikalische Kern ist deshalb auch weit besser mit „redefined“ beschreiben als mit „reloaded“, auch wenn dieses Verb heute fester Bestandteil der Pop-Ikonografie ist. Winnie Brückner, die nach Studium und Jazznachwuchs-Stipendium das Ensemble 2002 gegründet hat, streift mit den delikaten Arrangements von Liedern mehrerer Jahrhunderte immer wieder die Genres Pop und Jazz. Mit der poporientierten, häufig groove-betonten Vokalmusik von Jungsbands wie Viva Voce und den Wise Guys aber haben Niniwe so gar nichts am Hut. Die vier Sängerinnen holen die …

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Funkelndes Universum: Sebastian Sternals „Symphonic Society“

Von Dietrich Schlegel – Sebastian Sternal, viel gefragter und beschäftigter Jazzpianist und einfallsreicher Komponist, hat sich drei Jahre nach dem Erfolg mit seiner „Symphonic Society“, einer aus ausgesuchten Jazzmusikern und einem klassischen Streichquartett bestehenden „symphonischen Combo“, erneut und noch weiter auf das Terrain des symphonischen Jazz vorgewagt. Auf die mit dem ECHO Jazz 2013 ausgezeichnete erste CD folgt nun Volume 2, eine Fortsetzung mit derselben Formation, doch mit noch stärkerer Ausprägung des Symphonischen. Versuche, Jazz und symphonische Musik zueinander zu bringen, hat es schon mannigfach gegeben. Aber Sternal strebt da keine Anleihen an, etwa bei Strawinskys 1945 für Woody Herman geschriebenem berühmten „Ebony Concerto“. Erst recht sieht er sich nicht in der Tradition eines Paul Whiteman, der in den zwanziger Jahren für sein aus klassischen Streichern und bekannten Jazz-Musikern wie Bix Beiderbecke gebildetes Orchester erstmals den anspruchsvollen Begriff „Symphonic Jazz“ …

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News: Women in Jazz zum Zehnten +++ Film über Jazz-Legende +++ moers-Festival

Women in Jazz feiert runden Geburtstag Vom 24. April bis zum 03. Mai geht das Festival Women in Jazz in die bereits 10. Auflage. In über 20 Konzerten präsentieren sich „Jazz-Frauen“ aus der ganzen Welt und füllen ein umfangreiches Programm. Das Thema für diesen Festival-Jahrgang ist „Europäisch-Amerikanische Begegnung“. „Dabei fokussieren sich die Jazzmusikerinnen aus dem Ursprungsland des Jazz auf die Interpretation ihres musikalischen Erbes, und Europäerinnen auf vitalen, innovativen Jazz – immer offen für die diesem Kontinent aus aller Welt zustrebenden musikalischen Ideen“, wie Festivalleiter Ulf Herden schreibt. Besonders belebt wird das Festival durch von eigener Musiktradition geprägte Konzerte der Musikerinnen aus Süd- und Mittelamerika. Alle aktuellen Informationen (auch Ticketbestellungen) sind unter www.womeninjazz.de und unter https://de-de.facebook.com/womeninjazz zu finden. Übernachtungsangebote während des Festivals finden Sie unter www.stadtmarketing-halle.de. Frankfurter Jazz-Legende Carlo Bohnländer auf der Leinwand Der Dokumentarfilm „Carlo, Keep Swingin‘“ der Filmemacherin …

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nmz-TV-Bühne: Hochsubventionierte Klassik – unterbezahlter Pop und Jazz?

In unserem Post „Wo bleibt der deutsche Jazz“ über den ZEIT-Online-Artikel zur Deutschen Jazzszene kam kürzlich wieder die Situation des deutschen Jazz zur Sprache. Im genannten Artikel hat unter anderem Felix Falk von Mo‘ Blow die fehlende Exportförderung für deutsche Bands beklagt, die es zum Beispiel in skandinavischen Ländern sehr wohl gibt, mit der Folge, dass deutsche Jazzbands einen Wettbewerbsnachteil bei Engagements für Festivals und Clubs haben. Julia Hülsmann hat im nmz-TV-Studio auf der Musikmesse 2011 ins selbe Horn gestoßen: Über die Bedingungen in der deutschen Jazz- und Popszene im Vergleich zum stark subventionierten Klassikbetrieb hat Jazzzeitungs-Redakteurin Ursula Gaisa auf der Messe mit Julia Hülsmann (Musikerin, Sprecherin Bundeskonferenz Jazz), Peter Ortmann (Deutscher Musikrat, Projektleiter „Jugend jazzt“, Bundeskonferenz Jazz), Udo Dahmen (Pop-Akademie Baden-Württemberg) und Ina Keßler (Initiative Musik) über Themen wie Spielstättenförderung und Exportsubventionierung für deutsche Bands gesprochen. Das komplette Gespräch im …

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Pass the Peas! One Shot Not mit Fred Wesley

Wieder einmal ein kleiner TV-Tipp: Die Arte-Sendung One Shot Not mit Manu Katché und Alice Tumler (Sonntags 23.30 Uhr; Wiederholung: Samstags 13.00 Uhr) dreht sich um Live-Performances von Künstlern aus Rock/Pop/Jazz und anderen Genres in Verbindung mit kurzen Künstler-Interviews. Dabei greift Host Manu Katché immer auch selbst zu den Sticks und steigt bei den Bands ein. Das Zuschauen lohnt sich eigentlich immer. Diesmal hat das Line-Up mit Fred Wesley und Sly Johnson allerdings zwei Namen zusammengeführt, deren funkyness besonders viel Spaß macht. Außerdem mit dabei Seu Jorge, Midlake. Link zur Arte-Mediathek: http://videos.arte.tv/de/videos/one_shot_not_mit_alice_tumler_und_manu_katche-3666862.html Weitere Infos: One Shot Not bei arte.tv

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TV-Tipp: Wild Thing auf Arte – oder Iggy erklärt die Welt des Rock

Kein Jazz, aber wichtig… Mit der 2-teiligen Doku des französischen Regisseurs Jerôme de Missolz hat ARTE wieder einmal eine intensive Auseinandersetzung mit der Musikgeschichte auf den Weg gebracht. Wild Thing ist allerdings auch ein Sittengemälde der ersten Rock-Jahrzehnte – eindringlich, weil de Missolz nicht nur Recherchiertes, sondern auch Miterlebtes präsentiert. Unbedingt sehenswert sind die skurrilen kulturphilosphischen Betrachtungen von Iggy Pop. Der Mann ist einfach großartig! Der erste Teil ist bereits gelaufen, aber in der Arte-Mediathek noch in der kommenden Woche als Stream online. http://videos.arte.tv/de/videos/wild_thing_1_2_-3649004.html Teil 2 läuft dann am Donnerstag, 27. Janur 2011, 22.00 Uhr. Hoffentlich gibt’s dann auch erhellende Beiträge von Alice Cooper und Ozzy…

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