Wo bleibt der deutsche Jazz?

DIE ZEIT stellte kürzlich in ihrer Online-Ausgabe – wieder einmal – diese Frage.


Ausgangspunkt für das erneute Aufrollen eines altbekannten Themas – nämlich, dass sich vom Jazz schlecht leben lässt – ist die weiterhin zunehmende Dichte von erstklassigen Musikern und Bands aus Deutschen Landen, die das Missverhältnis zwischen der Qualität des Gebotenen und den Bedingungen, unter denen deutsche Musiker arbeiten, mehr und mehr in Schieflage bringt.

Der Autor des Artikels sieht die Deutschen Musiker – vor allem die jungen – durch die relative Gleichgültigkeit der Deutschen für ihre eigenen Künstler in Bedrängnis gebracht. In anderen Ländern sei dies anders. Deutsche Künstler, darunter unser Gastautor Felix Falk von Mo‘ Blow, beklagen im ZEIT-Artikel die mangelnde strukturelle Unterstützung bei Konzertreisen vonseiten Deutscher Kulturinstitutionen.

Mo' Blow. Foto: ACT/Dirk Mathesius
Mo‘ Blow. Foto: ACT/Dirk Mathesius

Unter den zahlreichen Kommentatoren des Artikels wird natürlich mehr oder weniger polemisch diskutiert, ob Jazz nun toll sei oder doch eher nicht…

falsche Irrtümer…

Abseits der Geschmacksdebatten gab es aber auch einige der im Text getroffenen Aussagen richtigzustellen: Kritisiert wird zum Beispiel, dass im Artikel inklusive Labelchef Siggi Loch nur ACT-Künstler zu Wort kommen. Auf die Behauptung, dass junge deutsche Jazzkünstler bei deutschen Festivals kaum programmiert werden, meldeten sich Veranstalter wie beispielsweise das Elbjazz-Festival, das ausdrücklich auf 25 Deutsche Bands in seinem diesjährigen Programm verweist (Kommentar 21). Die Behauptung, deutsche Bands hätten auf deutschen Bühnen keinen Platz, ist so pauschal kaum haltbar. Der „Nachwuchsmusiker“ DominikR deckt allerdings in seinem Beitrag den Pferdefuß auf (Kommentar 25): Einfach nur spielen reicht nicht, der Auftritt muss auch angemessen bezahlt werden, wenn Jazzmusiker von ihrer Kunst leben sollen! Gerade hier bleiben die Veranstalter oft hinter den Erwartungen zurück.

Die wütendsten Proteste gab es aus Richtung des italienischen Goethe-Instituts, das sein dortiges Engagement für deutsche (ACT-) Künstler ignoriert sieht (Kommentar 29, 32). Obendrein zitiert der Autor im ursprünglichen Text Siggi Loch dahingehend, dass der Leiter des Instituts in Rom bei einer Jazzveranstaltung mit Till Brönner im eigenen Haus durch Abwesenheit glänzte. Dies hat sich als falsch herausgestellt und die Redaktion musste den Passus inzwischen ausbessern.

Was wir daraus gelernt haben? Es gibt viele deutsche Jazzmusiker, von denen spielen nur wenige oft genug und allesamt verdienen dabei zu wenig. Und: Wenn man andere Menschen als Siggi Loch fragt, findet man heraus, dass ACT gar nicht das einzige deutsche Jazzlabel ist! Wer hätte das gedacht…

Zum Artikel auf ZEIT-Online

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