Im Mondenschein. Foto: Hufner

Sunny Murray mit 81 Jahren gestorben – „Energie“

* 21. September 1936 in Idabel, Oklahoma als James Marcellus Arthur Murray; † 7. Dezember 2017. Martin Kunzler zitiert in seinem Jazzlexikon dem Schriftsteller und Schlagzeuger Stanley Crouch: „Sunny ist wie Monk oder Miles, er kann einen Klang so voller Musik spielen, weil er am genau richtigen Platz mit genau dem richtigen Touch gespielt wird.“ (Murray, James Marcellus Arthur (»Sunny«). DB Sonderband: Jazz-Lexikon, S. 3896 (vgl. JL Bd. 2, S. 914)). Einen ausführlichen Nachruf brachte bereits die New York Times. Hier soll nur auf eine Besonderheit des Spiels Murrays hingewiesen werden. Zum ersten Mal habe ich ihn gehört im schulischen Musikunterricht als Schlagzeuger bei Albert Ayler: Spirits Rejoice. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Diese An- und Abschwellen auf den Becken, dann die Phrasenenden begleitenden Schläge neben dem Metrum. Das klang frei und gleichzeitig anschmiegsam. Oder umgekehrt. Die Musik hat auch von der Schallplatte nichts von ihrer andauernden Aktualität eingebüßt. Sie zu kopieren wäre andererseits eher sinn- und sprachlos, unglaubwürdig. Es geht nicht um die Beherrschung einer technischen „Leistung“ oder Lösung. Noch nicht eingetaktet …

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Dizzy Gillespie in a concert in 1988

Dizzy lives! Zum 100. Geburtstag von Dizzy Gillespie

Endlich konnte ich Dizzy sehen. Er trat auf die Bühne und sagte: „Ich möchte die Musiker vorstellen“. Danach stellte er scheinbar ernsthaft, doch aus Lust am Ulk die Musiker einander auf der Bühne vor. Schallendes Gelächter des Publikums, das Eis war gebrochen und das Konzert konnte losgehen. Sich an Dizzy Gillespie erinnern, heißt auch, sich seine unbezähmbare, mit Experimentierlust verbundene Spielfreude ins Gedächtnis zu rufen, nochmals über die Clownerien eines begnadet ironischen Spaßmachers zu schmunzeln. Bei allem Wissen um den tiefen künstlerischen Ernst, mit dem der geniale Innovator seine Tonsprache und damit einen Grundbaustein des modernen Jazz überhaupt formte, ist es seine ansteckende, auf die Hörer überspringende Lebensfreude, die unser Bild von ihm prägt. Einmal „Ool-ya-koo“ oder „Manteca“ hören und Kummer wird buchstäblich weggeblasen von den atemberaubenden, akrobatischen Höhenflügen seiner strahlenden Trompete.

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+++ news +++ Hürther Django Reinhardt Tage +++ Jubiläumsausgabe: 50. SWR NEWJazz Meeting +++

+++ Hürther Django Reinhardt Tage: Konzerte, Workshops, Film und Ausstellung +++ Es gibt nur wenige Musikstile, die so eng mit einem einzelnen Namen verbunden sind wie der Gypsy Swing mit Django Reinhardt. Der Gitarrist gilt als Begründer und Idol des ersten europäischen Jazzstils. Mehr noch, Reinhardt trug den Jazz in die Kultur der Sinti und machte ihn zu einem Teil ihrer Traditionen. Im Gypsy Swing mischen sich viele Einflüsse: französische Musette-Walzer, der Swing der Dreißigerjahre, Harmonien der Sinti-Musik und ein Repertoire an Melodien und Stücken, das Django in seinem Gedächtnis aufbewahrte, wie in einer riesigen Plattensammlung. Bis heute werden Gitarristen jeder Herkunft weltweit von seiner Musik begeistert und inspiriert, entwickeln seine Musik weiter und verbinden sie mit moderner Jazzharmonik. Der Jazzclub Hürth widmet Django Reinhardt in diesem Jahr eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Vom 29. September bis 8. Oktober finden drei Konzerte im Jazzkeller in Gleuel und eines im Berli Theater statt sowie eine Ausstellung im Bürgerhaus. Zusätzlich werden wieder Workshops in den Hürther Gymnasien durchgeführt, bei denen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben Joscho Stephan, Marius Peters und Ralf Dombrowski persönlich kennenzulernen, mit …

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Veranstaltungstipp: Ingrid Arthur in Oberthulba

Ingrid Arthur, die große Jazz und Blues Stimme aus Amerika ist wieder mit Ihrer  fünf Mann starken Groove-Formation auf der Piano-Bühne in Oberthulba zu Gast. Die in Berlin lebende Amerikanerin ist weltweit on Tour , begleiten werden sie Simon Horn (Bass), JC Dook (guitar), Helmut Bruger (piano), Fuasi Abdul (sax) und Tracy Dunken (drums). Die in Gainesville, Georgia (USA) geborene Ingrid Arthur ist eine der mächtigsten Stimmen in der Geschichte der Musik. Sie ist nicht nur eine wunderbare Sängerin, sie ist die Göttin des Souls mit reichhaltigem und traditionellem Hintergrund und  dem Einfluß von Aretha Franklin, Mavis Staples, Mahalia Jackson. Im Laufe ihrer Karriere arbeitete Ingrid mit vielen internationalen Stars zusammen. Unter anderem war Sie Background Sängerin bei Grammy Award-Gewinner von 1996 und 1997 Cissy Houston (Mutter von Whitney Houston), „Face to Face” und „He Leadeth me” und bei Grammy Award-Gewinnerin Bette Midler mit dem Song des Jahres „From A Distance”. Sie trat auf den verschiedensten Bühnen in New York, Paris, London und Berlin auf und wurde wegen ihrer Professionalität, sympathischen Erscheinung und einzigartigen Stimme überall mit stehenden Ovationen belohnt. Sobald sich die Türen oder …

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Um Haltung geht es: Im Gespräch mit Florian Peters über dessen neues Album „11 Waves“

Was ist jenseits der Gedanken und Meinungen, die vielleicht doch nicht alles sind? Höre auf, das Haus suchen zu wollen, wenn Du gerade im Raume bist! Kannst Du noch die Stille hören? Oder die Leere lieben? Florian Peters, Singer/Songwriter, Pianist und Gitarrist aus Regensburg hatte sehr lange viele Gedanken im Kopf, die irgendwann Worte, Sätze und schließlich Songs bildeten. Etwa sein „Mantra to stop Crazyness“, aus welchem die oben zitierten Zeilen stammen. Für seine Songs nimmt Peters sich Jahre Zeit. Jahre des Lebens, des Suchens und des Angekommen-Seins. Genug Material für viele Momentaufnahmen von Stimmungen, Gefühlszuständen und Reflexionen ist hier zusammen gekommen, wie Florian Peters im Gespräch betont: „Jeder Song hat seine individuelle Geschichte. Mein Leben ist ja auch sehr vielfältig und genau diese Vielfalt ist mir ein sehr hoher Wert.“ Zur gelebten Vielfalt des Florian Peters gehören neben seinen Musikprojekten etwa Seminare, in denen er eben nicht einfach nur Gitarre spielen, sondern eine „kreative Kommunikation“ lehrt. Und dann gibt es eine andere nie versiegende Inspirationsquelle, das Reisen. Aktuell paddelt er mit dem Kajak ab Regensburg die ganze Donau herunter – etappenweise allerdings. Allein. Elf …

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Auf musikalischen Zehenspitzen: Uni-Jazzorchester Regensburg mit Ack van Rooyen

Wann wird ein Künstler, ein Musiker zur „Legende“? Um die 80 Jahre herum ist ein Alter, wo diese einfallslose Floskel scheinbar ein Eigenleben zu entwickeln beginnt und auf jeden draufgepappt wird, der sich nicht dagegen wehrt. Demnach ist der niederländische Trompeter Ack van Rooyen vermutlich eine „Superlegende“, hat er doch mit 87 Jahren ein schon fast biblisches Alter erreicht, in dem er dennoch nach wie vor ganz aktiv unterwegs ist. Beim Jazzclub im Leeren Beutel bestritt der weißhaarige Musiker als Stargast des Regensburger Uni-Jazzorchesters (UJO) das Abschlusskonzert der Saison – und wurde völlig zu Recht lauthals dafür gefeiert. „Weiter klatschen“, forderte Lorenz Kellhuber das Publikum forsch-fröhlich auf, als sich die Musiker der Uni-Bigband durch die eng gepackten Stuhlreihen zu ihren Plätzen schlängelten. Kellhuber selbst verschwand hinter einer Steinsäule und setzte von dort am Flügel einige dramatische Akkorde zum Auftakt für einen gleichermaßen unterhaltsamen, wie packenden Abend. Mit dem „A-B-C Blues“ von Bob Brookmeyer wählte das Orchester unter Leitung des Trompeters Benny Brown einen kraftvollen Einstieg. Damit machte es gewissermaßen von Anfang deutlich, wo der Hammer hängt. Unerwartete melodische Wendungen und abrupte harmonische Wechsel wurden problemlos …

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Renier Baas (g), Princess Discombobulatix, Südtirol Jazzfestival Alto Adige, Bozen, Messe, Foto Ralf Dombrowski

Reinier Baas und seine Prinzessinnen

Der diesjährige Composer in Residence des Südtriol Jazzfestival Alto Adige hieß Reinier Baas.  Der holländische Gitarristen gestaltete den Eröffnungsabend im Messezentrum von Bozen mit einer unterhaltsam-skurrilen Mischung aus Konzeptmusik, medienübergreifender Gestaltungsidee und subversivem Witz. Im Mittelpunkt stehen die Zeichnungen von Cartoon-Künstler Raymond Koot (Typex), die eine etwas holprige Liebes- und Leidensgeschichte der schrillen Princess Discombobulatrix illustrieren, von der Sängerin Nora Fischer stellenweise bühnentheatralisch umgesetzt werden, ansonsten aber als Projektionen präsent sind. Damit nicht genug. Während der folgenden Tage ist Baas viel beschäftigt, mit Workshops und kleineren Besetzungen wie etwa dem Duo mit dem Saxofonisten Ben van Gelder vor imposanter Dolomitenkulisse auf der Malga-Fornella-Alm am Würzjoch. Ulrich Möller-Arnsberg traf sich mit dem Künstler zum Gespräch. Reinier Baas, Sie sind in Hilversum geboren, haben in New York studiert und leben heute in Amsterdam. Die niederländische Zeitung „De Volkskrant“ feiert sie als einen der angesagten zeitgenössischen Jazzgitarristen. Was bedeutete es für Sie, „Composer in Residenc“ beim diesjährigen Südtirol Jazzfestival zu sein? Reinier Baas: Es ist bombastisch. Das Beste ist, daß ich hier mit Leuten aus Harlem und aber auch mit Leuten aus der Region spielen kann.  Ich lerne …

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Bergklänge und Stadtkultur – das Südtirol Jazzfestival Alto Adige geht in die 35. Runde

Klaus Widmann traut sich was. Denn er widersetzt sich als künstlerischer Leiter souverän den Gesetzen der Festivalwelt, die in der Regel Aufmerksamkeit über Prominenz generiert, und gestaltet das Südtirol Jazzfestival Alto Adige überwiegend mit Musikern, die erst noch entdeckt werden wollen. „Mich interessieren die jungen Leute und ihre Ideen“, meint Widmann und erzählt weiter, dass er aus diesem Grund beispielsweise der grenzüberschreitenden Euregio Jazzwerkstatt viel Raum gebe. Längst muss auch ein „Artist In Residence“ kein alter Meister des Geschäfts mehr sein, sondern kann, wie im Jahr des 35. Jubiläum des Festivals, mit dem holländischen Gitarristen Reinier Baas einen Newcomer der europäischen Jazzszene in den Mittelpunkt stellen. Sein Eröffnungsabend im Messezentrum von Bozen ist eine unterhaltsam-skurrile Mischung aus Konzeptmusik, medienübergreifender Gestaltungsidee und subversivem Witz, die er im elfköpfigen Ensemble präsentiert. Im Mittelpunkt stehen die Zeichnungen von Cartoon-Künstler Raymond Koot (Typex), die eine etwas holprige Liebes- und Leidensgeschichte der schrillen Princess Discombobulatrix illustrieren, von der Sängerin Nora Fischer stellenweise bühnentheatralisch umgesetzt werden, ansonsten aber als Projektionen präsent sind. Für den Festivalstart fügte Baas außerdem eine ebenso fröhlich schräge Bearbeitung der ladinischen Geschichte von Prinzessin Dolasilla hinzu, ähnlich …

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Zum Tod von Geri Allen

Wie die New York Times meldet, starb die US-amerikanische Pianistin Geri Allen am 27. Juni an den Folgen einer Krebserkrankung im Alter von 60 Jahren in einem Krankenhaus in Philadelphia. Allen wurde in den 80er-Jahren (siehe unser Foto) bekannt, als sie nach New York zog und Mitglied des M-Base Collective um den Altsaxophonisten Steve Coleman wurde. Das M-Base Collective, das bald auch in Europa starke Beachtung fand, vereinte in seiner Musik Rhythmen aus der afrikanischen Diaspora mit experimenteller zeitgenössischer Jazzmusik. Später arbeitete Geri Allen eng mit Jazz-Klassikern wie dem Bassisten Charlie Haden und dem Schlagzeuger Paul Motian zusammen. In ihrem Stil vereinte Allen die verschiedensten Elemente der Jazz-Piano-Geschichte, wie von Bud Powell, Thelonius Monk, Cecil Taylor und Mary Lou Williams. Als gefragte Solistin spielte sie mit Tony Williams, Ron Carter und später sogar mit dem Freejazz Pionier Ornette Coleman, der bekanntermaßen sonst nicht gern mit Pianisten zusammenarbeitete, weil er das Instrument als harmonisch zu restriktiv empfand. Geri Allen unterrichtete als Gastprofessorin an der Howard University; sie bekleidete eine außerordentliche Professur für Jazz-Piano und Improvisation an der School of Music, Dance & Theatre der University of …

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Klaus Doldinger erhält den ECHO JAZZ 2017 für sein Lebenswerk

Berlin/Hamburg, 23. Mai 2017 – Der Saxophonist und Bandleader Klaus Doldinger wird in diesem Jahr mit dem ECHO JAZZ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Vor 81 Jahren in Berlin geboren, spielte Doldinger ab 1953 in Düsseldorf in seiner ersten Band, den „Feetwarmers“, der auch der Kabarettist Dieter Süverkrüp sowie der spätere Bundesminister Manfred Lahnstein zeitweilig angehörten. In seiner wohl bekanntesten eigenen Formation, Passport, gegründet 1971, spielte zunächst Udo Lindenberg das Schlagzeug. In den 70ern wurde Doldingers Titelmelodie zum „Tatort“ zur bis heute gültigen Ikone, so unsterblich wie seine Musik zu Wolfgang Petersens Welterfolg „Das Boot“, dem Film „Die unendliche Geschichte“ sowie den TV-Serien „Liebling Kreuzberg“ und „Ein Fall für Zwei“. 2016 wurde er für sein Album „Doldinger“, auf dem er mit Gästen wie Udo Lindenberg, Helge Schneider, Dominic Miller, Sasha, Max Mutzke und dem diesjährigen ECHO JAZZ-Gastgeber Nils Landgren seine Historie Revue passieren lässt, von den Kritikern mit einhelligem Lob bedacht. Den ECHO JAZZ für sein Lebenswerk nimmt Doldinger bei der Verleihung am 1. Juni in Hamburg persönlich entgegen, er wird zudem live auftreten. In der Begründung der 12-köpfigen Jury heißt es unter anderem: „Im Kofferraum …

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