Frida Gold eröffnete die „Courtyard Concerts“ im De Medici Living Hotel Düsseldorf

Überzeugender Versuchsballon


Die gewohnten Plätze und Abläufe von Konzerten sind selten Corona-tauglich, es braucht neue Orte, Ideen und Kooperationen, um im Augenblick Kultur mit persönlichen Begegnungen unter die Leute zu bringen. In Düsseldorf sind jetzt alle drei Punkte zusammengekommen. Beginnen wir mit dem Ort: Da ist das De Medici Living Hotel zwischen Altstadt und Rhein, ein echtes Grandhotel und Flaggschiff der Derag Hotelgruppe, voller Kunst und mit einer bewegten 400-jährigen Geschichte. Es hat einen großen Innenhof mit der Andreaskirche als Rückseite und drei Seiten Hotelfront. Neben der Kultur ist die Hotellerie mit der größte Leidtragende der Krise, und nach einiger Zeit der Schockstarre besann sich Hotel-Direktor Bertold Reul auf eine seinem Haus innewohnende neue Möglichkeit: Als Spielort für „Courtyard Concerts“.

„Wir konnten in den vergangenen Wochen nicht das sein, was wir im Kern sind – Gastgeber“, erklärt er. „Das hat uns gefehlt. Darum möchten wir mit unserer neu geschaffenen Courtyard-Reihe ein Stück dazu beitragen, dass wir wieder Gastgeber sein, dass Gäste bei uns besondere Momente erleben und Künstler wieder einen Ort der Begegnung mit ihrem Publikum haben können.“ 70 Quadratmeter Bühne wurden über den Brunnen im Hof gestemmt, mit der Stadt Düsseldorf ein Hygiene- und Sicherheitskonzept ausgeheckt und die rund 50 zum Innenhof gelegenen Zimmer zu Logen für bis zu acht Personen umgewandelt. Fortan – langfristig, nicht nur zu Corona-Zeiten – sollen hier jetzt Konzerte und Veranstaltungen aller Art stattfinden, von Kabarett und Klassik über Rock und Pop bis zu Jazz. Sogar ein regelrechtes kleines Jazzfestival ist bereits in Planung.

Wie wunderbar das werden könnte, bewies der Versuchsballon, den Reul zusammen mit seinem Team, Sponsoren, zusammengeholten Technikern und Veranstaltern und dem Marketingchef der Derag Gruppe Tim Düysen am 18. Juni mit kaum drei Wochen Vorlaufzeit steigen ließ. Allround-Sänger Fabrizio Levita als Support und die Pop-Band Frida Gold weihten den Spielort ein. Für ein buntes Publikum, war der Kickoff der Konzertreihe doch zum Teil auch als Wohltätigkeitsveranstaltung ausgelegt: für Familien, die in den vergangenen Wochen durch die Ausgangsbeschränkungen viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen und ein gutes Nervenkostüm aufbringen mussten, oder Mütter und Väter in systemrelevanten Berufen arbeiten und wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen konnten.

Nicht zuletzt erwies der Hof seine akustische und atmosphärische Eignung für filigrane Musik im Unplugged-Modus, denn Frida Gold trat in ihrer kreativen Kernbesetzung an, nur mit der charismatischen Sängerin Alina Süggeler, dem Bassist Andreas Weizel und einer Backgroundsängerin, ohne Schlagzeuger und Gitarristen. Sie präsentierten ihr Ende September erschienenes Album „Wach“, die brandneue Single „Halleluja“ und natürlich die alten Hits „Wovon sollen wir träumen“ oder „Liebe ist meine Rebellion“. Ein fast melancholisches, die erste halbe Stunde vielleicht zu sehr auf niedriger Flamme köchelndes Konzert, das dann gegen Ende Fahrt aufnahm und bei dem man Süggeler anmerkte, wie die lange vermissten Reaktionen des Publikums sie euphorisierten. Umgekehrt wuchs die Begeisterung über den Ausdruck und die Kraft dieser wie bei so vielen großen Sängern schon früh im Kirchenchor geschulten Stimme. So war es für alle Beteiligten ein bewegendes Erlebnis in mitunter Gänsehaut erzeugender Atmosphäre, dem offenbar auch die Götter gewogen waren. Entgegen der Prognosen blieb das Wetter bis zum Schlussakkord warm und trocken. Doch keine 30 Sekunden, nachdem die Band abgetreten war, begann es aus Strömen zu regnen. Auch ein Knalleffekt.

Viel Glück wünscht man diesen Courtyard Concert weiterhin. Was das Wetter angeht, den kreativen Geist der Macher wie die Gnade, von Vorgängen in den Landesgrenzen wie in Gütersloh verschont zu bleiben.

Oliver Hochkeppel

Beitragsbild: De Medici Living Hotel

 

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