Dizzy Gillespie in a concert in 1988

Dizzy lives! Zum 100. Geburtstag von Dizzy Gillespie

Endlich konnte ich Dizzy sehen. Er trat auf die Bühne und sagte: „Ich möchte die Musiker vorstellen“. Danach stellte er scheinbar ernsthaft, doch aus Lust am Ulk die Musiker einander auf der Bühne vor. Schallendes Gelächter des Publikums, das Eis war gebrochen und das Konzert konnte losgehen. Sich an Dizzy Gillespie erinnern, heißt auch, sich seine unbezähmbare, mit Experimentierlust verbundene Spielfreude ins Gedächtnis zu rufen, nochmals über die Clownerien eines begnadet ironischen Spaßmachers zu schmunzeln. Bei allem Wissen um den tiefen künstlerischen Ernst, mit dem der geniale Innovator seine Tonsprache und damit einen Grundbaustein des modernen Jazz überhaupt formte, ist es seine ansteckende, auf die Hörer überspringende Lebensfreude, die unser Bild von ihm prägt. Einmal „Ool-ya-koo“ oder „Manteca“ hören und Kummer wird buchstäblich weggeblasen von den atemberaubenden, akrobatischen Höhenflügen seiner strahlenden Trompete.

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+++ news +++ Hürther Django Reinhardt Tage +++ Jubiläumsausgabe: 50. SWR NEWJazz Meeting +++

+++ Hürther Django Reinhardt Tage: Konzerte, Workshops, Film und Ausstellung +++ Es gibt nur wenige Musikstile, die so eng mit einem einzelnen Namen verbunden sind wie der Gypsy Swing mit Django Reinhardt. Der Gitarrist gilt als Begründer und Idol des ersten europäischen Jazzstils. Mehr noch, Reinhardt trug den Jazz in die Kultur der Sinti und machte ihn zu einem Teil ihrer Traditionen. Im Gypsy Swing mischen sich viele Einflüsse: französische Musette-Walzer, der Swing der Dreißigerjahre, Harmonien der Sinti-Musik und ein Repertoire an Melodien und Stücken, das Django in seinem Gedächtnis aufbewahrte, wie in einer riesigen Plattensammlung. Bis heute werden Gitarristen jeder Herkunft weltweit von seiner Musik begeistert und inspiriert, entwickeln seine Musik weiter und verbinden sie mit moderner Jazzharmonik. Der Jazzclub Hürth widmet Django Reinhardt in diesem Jahr eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Vom 29. September bis 8. Oktober finden …

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BornToBeBlue © AlamodeFilm#2

Born To Be Blue: ein Chet-Baker-Film im Kino

Er fasziniert bis heute ungemein, nicht nur in seiner Eigenschaft als „Samtpfoten“-Trompeter und Falsett-Crooner erster Güte, sondern vor allem als tragische Jazzikone par excellence: Chet Baker. Unvergessen und als Einstieg in die Materie wärmstens empfohlen sei an dieser Stelle erst einmal Bruce Webers Dokumentar-Film „Let’s Get Lost“ von 1988, der auf DVD erhältlich ist. Kurz nach seinem tragischen Fenstersturz in Amsterdam vereint Weber hier Filmausschnitte, Interviews und eindrucksvolle musikalische Beispiele aus dem Leben des „James Dean des Jazz“. Gut aussehend und vordergründig sehr lässig agierend spielte sich Baker Anfang der 50er in die erste Reihe des so genannten West Coast Swing. Und ungefähr hier setzt der Kinofilm mit einem hervorragenden Ethan Hawke in der Titelrolle in Rückblenden den wichtigsten Akzent. 1954 trat Chet Baker im berühmten Birdland in New York auf. Kreischende Mädels warten vor dem Eingang auf den Gast …

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Mali zu Gast in Schweden: ein Bericht vom Stockholm Jazz Festival

Am Anfang traf man sich auf der Insel Skeppsholmen, im Sommer, unter freiem Himmel und zu einem unterhaltsam Programm, das unter anderem Musiker wie Dizzy Gillespie, Chet Baker oder Count Basie in die Stadt lockte. Seitdem sind mehr als drei Jahrzehnte ins Land gegangen, der Sommertermin wurde in den Herbst geschoben und aus den Wiesen wurden Clubs und Theaterbühnen wie das Fasching oder das Kulturhuset. Denn das Stockholm Jazz Festival entwickelte sich zu einem zentralen Treffpunkt nationaler und internationaler Künstler, die sich dort im Herbst mit neuen, oft eigens geschriebenen Programmen vorstellen. Zur Eröffnung beispielsweise lud das Stockholm Art Orchestra um den Saxofonisten Nils Berg die Sänger Fatoumata Diawara in die Band, mit dem Ziel, die eigene schwebend kammermusikalische Klangvorstellung mit Impulsen aus Mali zu verknüpfen. Das Resultat klang durchwachsen, nach anfänglichen gestalterischen Höflichkeiten aber zunehmend konzise und wurde von …

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Das Bayerische Jazzweekend – ein Spaziergang

Text und Foto: Michael Scheiner – Bei einem Streifzug durch das Bayerische Jazzweekend kann man einiges erleben. An einigen Stellen, meist Übergängen zwischen Plätzen und verschiedenen Spielorten hat man als Flaneur auf der einen Seite noch den launigen Dixieland der Berliner „Dizzy Birds“ im Ohr, während einem bereits die düster-schweren Klavierklänge des in New York lebenden Kubaners Aruán Ortiz in den Gehörgang des anderen Ohres kriechen. Dazwischen schnappt man noch einige Takte eines funky Acidjazz-Groove auf, der aus dem Zelt eines Kartenverkäufers quillt. Nur wenige Schritte weiter in einem Durchgang dann ein Saxofonsolist mit einem unsäglichen Poprührstück, der auch etwas vom großen Aufmerksamkeitskuchen abbekommen will. Neben der verbreiteten Kategorie der Jazzweekend-Flaneure, die sich drei oder vier Stücke einer Band anhören, während des Applaus aufstehen und weiterziehen, gibt es ortsfeste Zuhörer. Sie bleiben auf ihrem einmal ergatterten Platz sitzen und hören …

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Jazz im Radio

Die Herbstmonate sind Hochsaison, was Live-Acts angeht. Wer dennoch nicht sein Zuhause verlassen will – denn mit dem Verlassen der eigenen vier Wände beginnt ja bekanntlich das gesamte Unglück der Menschheit, für den hat die Jazzzeitung.de -Redaktion ein paar Radio-Empfehlungen ausgesucht.   hr2 Live-Jazz SA. 24.1 OKT/19.05-20.00h HENRY THREADGILL SEXTET Henry Threadgill,, sax, fl | Frank Lacy, tb | Rasul Sidik, tb | Deidre Murray, cello | Fred Hopkins, b | Newman Baker. dr | Yaron Israel, dr | Ein Mitschnitt vom 21. Deutschen Jazzfestival Frankfurt 1988, VON CLAUS GNICHWITZ SO 25. OKT/19.05-20.00h DIE HR-BIGBAND: Konzerte und Produktionen u.a. mit: “Incomprendido” – hr-Bigband feat. Miguel Zenón, cond. by Mike Holober, Frankfurt am Main, Instituto Cervantes, September 2012, Teil 1 VON DANIELLA BAUMEISTER   SWR2 SA 17. OKT ⁄ 20:30 – 22:45 UHR DONAUESCHINGER MUSIKTAGE – LIVE NOWJAZZ SESSION ACOUSTIC & …

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Improvisation über Improvisation #8

Jerome Kerns „All the things you are“ ist ein Musikstück, das einem im Jazzkontext häufig begegnet – ein sogenannter Standard. Wie so viele Stücke aus dem Great American Songbook wurde es ursprünglich für ein Broadway-Musical („Very warm for May“, 1939) geschrieben. Das Musical war schnell vergessen, der Song aber erwies sich als Hit: die „Coverversionen“ von Tommy Dorsey (1939) und Frank Sinatra (1945) schafften es beide auf Platz eins der Hitparade (… wie ich dieses Wort liebe!). Die frühen Vokalversionen – wie jene von Helen Forrest (1939), Jo Stafford (1946) oder Tony Martin (1946) – untermalten mit opulenter Orchestrierung Oscar Hammersteins hochromantischen Text und verdeutlichten die Tanzmusikfunktion des Jazz in der Ära der Swing-Big-Bands. Recht schnell fand das Stück aber auch in Bebop-Kreisen Anklang, wo es als reine Instrumentalmusik für kleinere Besetzung abstrahiert wurde. Dizzy Gillespie stellte „All the things“ …

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12. Jazz-Weekend in Unterföhrung

Vom 18. bis 20. Juli feiert Unterföhring mit dem 12. Jazz-Weekend alle Spielarten des Jazz. Los geht’s mit einem Eröffnungs-Doppelkonzert im Weindepot unter dem Motto „The Art of Voice“. Anklänge an Chanson, Jazz und Weltmusik entdeckt man bei der in Dresden geborenen Stimm-Akrobatin Almut Kühne, während bei der Frauen-Power-Gruppe Niniwe die Musik von Monteverdi, Dowland oder Britten in die heutige Zeit übersetzt und modern interpretiert wird – „Time stands still“. (18.07.) Als US-Highlight folgt am Samstag der vielfach preisgekrönte Star-Trompeter Tom Harrell auf der Bühne des Bürgerhauses. Seit Chet Baker gibt es im Jazz wohl keinen Trompeter mehr, der solch ein musikalisches Potenzial hat wie er – als Komponist, Arrangeur und Solist. Mit seinem neuesten Projekt „Colors of a dream“ gibt Harrell in Unterföhring sein einziges (!) Deutschland-Konzert 2014 und präsentiert ein Sextett der Extraklasse, feat. Esperanza Spalding. (19.07.) Harrell …

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Joachim Kühn 2014 web (c) Juan Martin Koch

Joachim Kühn: Porträt und Auftritt im Leeren Beutel

Unten stehendes Portrait von Ssirus W. Pakazd erschien zuerst in der Printausgabe 2-14. Am 15. April gastierte Joachim Kühn im Leeren Beutel in Regensburg. Juan Martin Koch fotografierte. In Trance: Joachim Kühn feierte seinen 70. Geburtstag – von Ssirus W. Pakzad: Seinen 70. Geburtstag hat Joachim Kühn in einem Berliner Studio verbracht – mit seinem Lieblings-Tontechniker, dem Sound-Magier Walter Quintus und ohne die feste Absicht etwas zu schaffen, was später unbedingt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss. „Ich werde einfach spielen, wozu ich gerade Lust habe und an nichts anderes denken“, sagte der legendäre Pianist ein paar Monate vor seinem Ehrentag.“ Er zuckt kurz mit den Schultern, als das runde Wiegenfest im Gespräch gestreift wird. „Man nullt mal wieder. Und man ahnt, dass die Hälfte der Lebenszeit überschritten ist.“ Einem Schmunzeln folgt eine Pause, dann ein fast unhörbarer Seufzer. „Man …

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Musikerbiografien als anonyme Hörbücher veröffentlicht

Aus unserer aktuellen Printausgabe, von Marcus A. Woelfle – Ich habe in meiner Laufbahn Vieles erlebt: Mir wurden Texte unterschoben, während meine Passagen in Artikeln anderer auftauchten. Meine Worte wurden von wohlmeinenden, doch kenntnislosen Korrekturlesern verschlimmbessert, sinnentstellend gekürzt und verändert. Einmal wurde sogar ein von mir geschriebenes Buch um ein Drittel gekürzt, obwohl ich es diesmal geschafft hatte, die exakte Zeichenzahl zu liefern. Das Resultat strotzte vor Fehlern, unverständlichen Passagen und wurde um ein unfreiwillig komisches Vorwort „ergänzt“. Mochten mich auch die Änderungen vor Schrecken erbleichen oder vor Scham erröten lassen, die Ehre der Autorschaft ließ man mir, selbst wenn mein Name bisweilen mit „k“ und/oder „ö“ entstellt wurde. Doch der folgende Fall ist einmalig. Eigentlich schreibt man nicht über seine eigenen Werke, jedenfalls nicht ohne triftigen Grund. Bei ohne Autornennung oder unter Pseudonym erschienenen Werken hat die Selbstrezension allerdings …

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