Mette Nadja Hansen und Johannes von Ballestrem – Eine Jazz-Hommage an die „Geliebte Clara“

In Bonn wird nicht nur in jedem Jahr Ludwig van Beethoven, der große Sohn der Stadt, mit einem wochenlangen, international besetzen Musikfest geehrt. Auch Robert Schumann, der die zwei letzten Jahre seines Lebens in Bonn verbracht hatte, wenn auch in beklagenswertem Zustand, wird in der Bundesstadt in besonderer Weise gewürdigt, mit einem jährlichen Schumannfest, das jetzt vom 1. bis 16. Juni zum 22. Male stattfand, diesmal unter dem Motto „Geliebte Clara“. Aus Anlass ihres 200. Geburtstages am 3. September wurde Schumanns Ehefrau und Mutter seiner acht Kinder in mehr als zwei Dutzend Konzerten sowie Theater- und Filmvorführungen als bedeutende Musikerin gefeiert. Sie galt als berühmteste Pianistin ihrer Zeit, wurde aber als gleichwertige Komponistin nicht anerkannt, denn Frauen wurde die öffentliche Aufführung ihrer Werke nicht zugestanden. Fanny Mendelssohn, Felix’ begabter Schwester, erging es bekanntlich ebenso. So wurden während des Schumannfestes auch einige, bisher unbekannte Kompositionen Clara Schumanns aufgeführt. Ein Abend in dem von der Klassik bestimmten Schumannfest blieb dem Jazz vorbehalten. Clara Schumann und Jazz? Welche Berührungen könnten sich da ergeben, welche Antworten die engagierten Jazzmusiker finden? Nun, der in Bonn gebürtige, in Berlin lebende Pianist …

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„Offenbach meets Jazz“ – Eine Würdigung durch die Kölner Musiker Laia Genc und Radek Stawarz

Köln feiert in diesem Jahr mit großem Aufwand und zahlreichen Konzerten und Events den 200. Geburtstag ihres großen Sohns Jacques Offenbach. Der am 20. Juni 1819 geborene Jacob Offenbach war bereits mit vierzehn Jahren wegen seines augenfälligen musikalischen Talents von seinem Vater, einem jüdischen Kantor, nach Paris geschickt worden. In der damals führenden Kulturmetropole Europas entwickelte sich Jacques, wie er nun hieß, in erstaunlich kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Theatermusiker und Komponisten weltweit gefeierter Operetten, einer neuen Musikgattung, die er 1858 mit „Orpheus in der Unterwelt“ gewissermaßen „erfunden“ hatte. Unzählige Werke des unermüdlichen, mit unerschöpflichem Einfallsreichtum gesegneten Komponisten und Theater- und Orchesterleiters folgten. In die Offenbach-Feierlichkeiten der Kölner Hochkultur wollte Marina Barth, die Principalin des Kabarett-Theaters „Klüngelpütz“, das auch dem Jazz verbunden ist, einen spezifischen Kontrapunkt setzen. Sie schätzt an Offenbach das Musikantische – Virtuosität, Improvisation, Leidenschaft, Spaß, die Vielfalt kultureller Einflüsse, allesamt Ingredienzen des Jazz. Für die Umsetzung des auf den ersten Blick gewagten Mottos „Offenbach meets Jazz“  waren zwei dem Hause verbundene Musiker geradezu prädestiniert: Laia Genc, die mehrfach ausgezeichnete Kölner Pianistin und Komponistin mit deutsch-türkischen Wurzeln, und Radek Stawarz, der in der …

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Abschied mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen: Chefdirigent Michael Abene verlässt die WDR Big Band

Von Dietrich Schlegel. „Tomorrow Is Just Another Tomorrow“ – der heitere Gelassenheit ausdrückende Titel dieser Ballade, die Michael Abene eigens für sein Abschiedskonzert als Chefdirigent der WDR Big Band geschrieben hat, klingt wie das Lebensmotto dieses Meisters des großochestralen Jazz. Als 2003 Zeit in die Dienste einer – wie er bald feststellte – „der besten Big Bands überhaupt“ eintrat, hatte er nie damit gerechnet, dass sein Vertrag so oft verlängert wurde, dass am Ende, wie er jetzt belustigt gern wiederholte, die krumme Zahl „eleven plus“ stand. Und noch immer hat er nicht genug von diesen „wonderful musicians, great soloists and the ensemble band on such a quite high level“. Am 26. September wird er ein Konzert mit John Abercrombie leiten. Und er hofft, auch später noch ein-, zweimal pro Jahr als Gastdirigent nach Köln – „the city is great“ – eingeladen zu werden, zumal es für amerikanische Verhältnisse nur einen Katzensprung ist hinunter nach Graz, wo er seit 2011 am KUG Jazz Institut eine Professur innehat und mit seiner Frau und Managerin Gretchen eine Wohnung besitzt. Am 2. Juli, sechs Tage nach seinem Abschiedskonzert im …

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In einem Meer von Schwingungen – Jens Düppe und seine ungewöhnlichen Kommunikationskonzerte

Von Dietrich Schlegel · Waren Sie schon einmal in einem „Geräusch-Café“? Und haben dort gar ein Konzert gehört? Wohl kaum, wenn Sie nicht gerade am 2. oder 3. April in einer Kölner Galerie weilten, um –ja, um einfach nur Geräuschen zuzuhören, die aus einigen kleinen Lautsprechern in einen spärlich möblierten Raum rieselten. Zwar gab es Kaffee und Kuchen, aber sonst lagen nur Zeitungen und Zeitschriften mit exotischen Schriftzeichen herum. Die eher leisen Geräusche wurden nebenan von zwei Perkussionisten mittels angezündeter Streichhölzer, sich in Wasser auflösenden Vitamintabletten, zerrissenem Papier, in einer Schale kullernden Erbsen, raschelnden Plastiktüten oder auch schepperndem Besteck und Geschirr erzeugt. Dazwischen Geknister und Geknaster. Alle halbe Stunde ertönte eine menschliche Stimme, die des Luxemburger Wahl-Kölners Guy Helminger, der live aus dem Nebenraum eigene Gedichte rezitierte. Auf eine solche Idee kann nur der Kölner Schlagzeuger und Perkussionist Jens Düppe kommen, einer der innovativsten Vertreter der improvisierten Musik hierzulande (siehe JazzZeitung 2/2012). Seine Reihe „Kommunikation 9“ läuft nun schon im fünften Jahr, eine Performance ungewöhnlicher als die andere, wenn es auch nicht immer neun im Jahr werden, wie ursprünglich vorgesehen. Ehe wir uns anderen Beispielen …

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