Konzertkritik: das Elliot Galvin Trio im Leeren Beutel

Eine gehörige Portion Enthusiasmus und künstlerischer Ehrgeiz. Abgesehen von Musikalität und technischer Brillanz, sind das die Eigenschaften die das britische Elliot Galvin Trio nach Regensburg geführt haben müssen. Zwischen London, wo sie öfter auftreten, Manchester und Paris, dort gastieren sie demnächst, war der Leere Beutel der einzige Auftrittsort in ganz Deutschland. Und der Jazzclub hat mit den, auf dem Kontinent noch unbekannten, jungen Musikern eine gute Nase für Talente bewiesen. Das Konzert, schwach besucht zwar, offenbarte ein frisches, unkonventionelles und ungemein vielseitiges Trio. Das braucht dann auch weder Vergleiche mit anderen Jungstars wie Michael Wollny oder Lorenz Kellhuber zu scheuen, noch gründelt es in flachen Gewässern wie manche angesehene Jazztrios. Seit den Erfolgen von Trios wie E.S.T. oder von Brad Mehldau gehört diese Besetzung wieder zu den beliebtesten im Jazz und stellt entsprechend große Anforderungen an junge Musiker. Der 27-jährige …

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Zum Tod von Coco Schumann – in seiner Autobiografie geblättert

Der Berliner Jazzmusiker, Gitarrist, Schlagzeuger, Bandleader und Komponist Coco Schumann ist am  28. Januar 2018 in einem Berliner Krankenhaus im Alter von 93 Jahren gestorben. Dies teilte seine Plattenfirma Trikont (München) heute mit. Heinz Jacob „Coco“ Schumann wurde am 14. Mai 1924 in Berlin geboren. Seine Mutter  Hedwig war Jüdin, sein Vater Alfred wuchs in einer christlichen Familie auf. Im März 1943 wurde Coco Schumann wegen des Nichtragens des „Judensterns“, des Spielens nichtarischer Musik und wegen Verführung „arischer“ Frauen denunziert und verhaftet. Sein Vater Alfred verhinderte, dass er wie vorgesehen ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde. Stattdessen kam er in das Ghetto Theresienstadt. Dass er dort bei den „Ghetto – Swingers“ Schlagzeug und später Gitarre spielen konnte, rettete ihm das Leben. Nach jahrzehntelangem Schweigen sprach Schumann im Jahre 1997 in seiner Autobiografie  „Coco Schumann, Der Ghetto-Swinger. Eine Jazzlegende erzählt“ über sein …

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Ein Buch-Tipp: 100 Jahre Jazz

Die Geburtsstunde des Jazz ist ja nach wie vor umstritten. Das gibt der Autor dieses Jubiläumsbandes auch ganz offen zu. Viele datieren sie aber nach wie vor auf den 26. Februar 1917, als die Original Dixieland Jass Band des Kornettisten Dominic James La Rocca die Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixieland Jass Band One-Step“ für das Plattenlabel Victor aufnahm. Wie danach der Jazz zu dem wurde, was er heute ist, führt dieses Buch in 63 Porträts von Musikern, die den Jazz prägend beeinflusst haben, vor: Von seinen Anfängen in den Straßen New Orleans 1917 bis heute stehen sie stellvertretend für inzwischen 100 Jahre Jazzgeschichte. Die bedeutendsten Akteure des Jazz werden vorgestellt – nach Epoche und Stilrichtungen: von Louis Armstrong und Johnny Dodds über Count Basie und Benny Goodman bis hin zu Stan Getz und Sonny Rollins. Jedes Porträt umfasst eine …

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Joachim Kühns Ausstellung „Schönheit und Wahrheit“ in Hamburg

„Sechzehntelnoten machen mich an“ Ein Energiebündel am Klavier. Und ein Musiker, der auch malt. Joachim Kühns Ausstellung „Schönheit und Wahrheit“ in Hamburg Sie heißen „Ansicht“, „Zeichen“ oder „Noten Landschaft“, leuchten dem Betrachter in kräftigen Farben entgegen und haben sichtbar mit Musik zu tun: Gemälde von dem Jazzpianisten Joachim Kühn, zurzeit zu sehen (noch bis 21. Mai) in der „Fabrik der Künste“ in Hamburg. Manche reichen vom Boden bis zur Decke und sind mehrere Meter breit, manche haben das eher handliche Format einer aufgeklappten großen Tageszeitung. Mit der energiegeladenen Musik von Kühn und Anmerkungen zu seinen Bildern wurde die Ausstellung mit dem Titel „Schönheit und Wahrheit“ – inspiriert von einem Stück des von Joachim Kühn verehrten Saxophonisten Ornette Coleman, „Beauty and Truth“ – jetzt eröffnet. Auf zwei Etagen in den großen, lichten Räumen des Ausstellungsortes in einer ehemaligen Lagerhalle im Hamburger …

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Arne Reimers Jazz Heroen

Ein Jahr nach dem Erscheinen seines ersten Bandes „American Jazz Heroes“ legt Fotograf Arne Reimer nach. Am 10. Mai erscheint das noch opulenter geratene „American Jazz Heroes Volume 2“. Der Bildband  führt jedoch nicht einfach das Erfolgsrezept fort, verdiente, aber etwas in Vergessenheit geratene Pioniere des US-Jazz zu würdigen: Dieses Mal werden auch große Stars wie Sonny Rollins, Ornette Coleman, Roy Ayers, Billy Cobham oder auch Archie Shepp und Steve Swallow mit Carla Bley in Wort und Bild porträtiert. Viele davon konnte Autor und Fotograf Arne Reimer exklusiv zu Hause besuchen. Seit gestern nachmittag ist es offiziell: der Autor und Fotograf Arne Reimer wird für seine beiden Bücher AMERICAN JAZZ HEROES und AMERICAN  JAZZ HEROES VOLUME 2 dieses Jahr mit dem Sonderpreis des ECHO JAZZ ausgezeichnet (Verleihung am 1. Juni).  Arne Reimer konnte seine Gesprächspartner bei seinen Besuchen wieder dazu …

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Ekkehard Jost in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg 2004. Foto: Hufner

Der streitbare Musiker und Forscher – Zum Tod von Ekkehard Jost

Letzten Donnerstag starb im Alter von 79 Jahren Ekkehard Jost. Er gilt als einer, wenn nicht, der Pionier der Jazzforschung in Deutschland. Seine Habilitationschrift „Free Jazz“ aus dem Jahr 1972 brachte dem Jazz in Deutschland nicht nur akademische Weihen, sondern war natürlich, mehr als bemerkenswert. Eine Arbeit über Jazz und zwar eine über aktuellen Jazz zu schreiben und damit in der Musikwissenschaft zu reüssieren muss als Unmöglichkeit erscheinen. Gewiss, 1970, im Umfeld des Beethovenkongresses hat sich in der deutschen Musikwissenschaft viel bewegt. Der Zeitpunkt war günstig. Dass er, Ekkehard Jost, ein echter 68er mit allen politischen Implikationen, dann aber auch noch Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Gießen wurde, darf als nächste Erstaunlichkeit wahrgenommen werden. Am Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik sammelte sich zu der Zeit eine junge Schar progressiver Musikwissenschaftler (wie der Musikpsychologe Eberhard Kötter, der junge tschechische Forscher …

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Welten-Zusammenprall mit Adele Neuhauser

Aufregende Grunzlaute, tiefe Lockrufe, Radau und kreischende Hühner. Die Veranstaltung des Uni-Jazzorchester Regensburg mit der Band Edi Nulz und Adele Neuhauser am 14. Januar wird aufregend. In dieser besonderen Musiklesung zum 50-jährigen Jubiläum der Universität kommen auch noch andere Tiere zu Wort. Seltene Tiere, sehr seltene Tiere, eigentlich „die letzten ihrer Art“. Aus diesem Buch des britischen Kult-Autors Douglas Adams (Per Anhalter durch die Galaxis) liest die österreichische Schauspielerin Neuhauser ausgewählte Passagen vom Kakapo, heimischen Hühnern und vom Baiji-Delfin. Musikalisch aufs Vergnüglichste unterstützt wird sie dabei vom Trio Edi Nulz, einer Combo, deren Konzerte aus einer Gratwanderung zwischen Irrsinn und Präzision, Präzision und Wahnsinn oder Wahnsinn und Tennis besteht. Allemal großes Hörspiel. Verstärkt und in seriös-jazzige Ecken und Winkel hineingetrieben wird dieser Irrsinn vom Uni-Jazzorchester unter Leitung von Lorenz Kellhuber. Der Pianist hatte auch die Idee, die musikalischen Welten zu …

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Heute beginnt die 40. Ausgabe der Leipziger Jazztage

Heute beginnt die 40. Ausgabe der Leipziger Jazztage, die in diesem Jahr unter dem Zeichen „der schönen Künste“ steht. Insgesamt treten an 10 Tagen über 100 Künstler/-innen in mehr als 25 Konzerten auf, darunter Ensembles wie das Julia Hülsmann Quartett feat. Theo Bleckmann oder Schlagzeuger Antonio Sanchez. Bei zahlreichen Eigenproduktionen und Auftragsarbeiten mit internationalen Stars sollen die verschiedenen Künste miteinander verbunden werden. Neben der traditionellen Verleihung des Leipziger Jazznachwuchspreises wird  in diesem Jahr zum ersten Mal der Nachwuchspreis BMW Welt Young Artist Jazz Award vergeben und der Gewinner in einem Preisträgerkonzert präsentiert. Zur Jubiläumsausgabe erscheint zudem das Buch: „Flamingos und andere Paradiesvögel – 40 Jahre Leipziger Jazztage“.

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Crowdfunding-Kampagne zum Buch „10 Jahre WOMEN IN JAZZ“ gestartet

2015 feierte das Internationale Jazzfestival WOMEN IN JAZZ Halle/Saale sein 10. Jubiläum. Diesen Anlass nutzte Festivalfotograf Rüdiger Schestag, der das Festival WOMEN IN JAZZ schon seit der ersten Ausgabe fotografisch begleitet, um einen hochwertigen Bildband über die internationale weibliche Jazzszene zu konzipieren. Im Fokus stehen die Künstlerinnen, die in den vergangenen zehn Jahren beim Festival WOMEN IN JAZZ zu Gast waren, darunter Jazzgrößen wie Hiromi Uehara, Simphiwe Dana, Makiko Hirabayash, Julia Hülsmann, Candy Dulfer, Marylin Mazur, Ayse Tütüncü, Caroline Thon, Paula Morelenbaum, China Moses, Catherine Russell, Jane Monheit und Sidsel Endresen. Der Stuttgarter Fotograf Rüdiger Schestag präsentiert in seinem Hochglanz-Bildband nicht nur Fotos vom Auftritt der Künstlerinnen, sondern auch spannende Einblicke in den Backstage-Bereich sowie ausdrucksstarke Portraitfotos. Das Buch ist ca. 250 Seiten stark und 30×30 cm groß. Mit dem Projekt ist nicht nur eine fotografische Chronik des Festivals WOMEN …

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Neues aus dem Osten: Veranstaltungstipp TU Dresden und Rock-Buch

+++ Musikwelten aus der »Stadt der Winde« – (von Mathias Bäumel) +++ Am 29. Januar 2016 findet ein Konzert des Triestiner Duos WindRose als Auftakt eines Kolloquiums des Italienzentrums der TU Dresden statt: Kaum jemand vereint die Essenz der Kulturregion rund um Triest und Friaul Julisch-Venetien mehr in sich als Alfredo Lacosegliaz. Der Künstler, ein Kind slowenischer Eltern (der Name »Lakoseljac« wurde italianisiert), lebt und arbeitet in der ehemals österreichischen, seit Ende des Ersten Weltkrieges italienischen Hafenstadt, die vom Schriftsteller Veit Heinichen »Stadt der Winde« genannt wurde. Von Anfang nahm Lacosegliaz alle multikulturellen Einflüsse der Großregion auf, was seine Aktivitäten als Musiker und Textdichter geprägt hat. Nach allerersten, jugendlichen, eher rockigen Musikprojekten in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre gehörte Alfredo Lacosegliaz in der Mitte der siebziger Jahre zu den Mitbegründern der Triestiner Gruppe Giorni Cantati, für die er auch …

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