CD-Rezension: GoGo Penguin – Man Made Object

Auch wenn man es beim ersten Höreindruck nicht unbedingt vermutet: GoGo Penguin sind, formal gesehen, ein akustisches JazzTrio bestehend aus Chris Illingworth am Piano, dem Schlagzeuger Rob Turner und mittlerweile Nick Blacka, für den ausgeschiedenen Grant Russell, am Bass. Was sie auszeichnet, ist vor allem ihr gemeinsames Herangehen an die Kompositionen, die musikalische Dichte und das unglaublich enge, Rhythmus-treibende Zusammenspiel. Die Band stammt ursprünglich aus Manchester/England, der Stadt, die nicht nur grandiose Indie Bands wie Joy Division oder Stone Roses hervorgebracht hat, sondern auch für eine besondere, unkonventionelle Jazz Szene steht. Ebenfalls dort beheimatet ist der Trompeter Matthew Halsall, der praktisch die entdeckerische und Label-technische Vorarbeit für die Band geleistet hat. GoGo Penguins Debut „Fanfares“ aus dem Jahr 2012 sowie ihr Folgealbum „V2.0“ sind auf Halsalls großartigem Label Gondwana Records erschienen. Jamie Cullum zählt GoGo Penguin zu seinen Lieblingsbands und DJ Gilles Peterson ist ebenfalls restlos begeistert. Daraufhin hörte sich auch Blue Note Präsident Don Was die Band live beim Überjazz Festival in HH an und der Rest ist Geschichte. So ist letztlich der Vertrag mit dem renommierten Label Blue Note zustande gekommen, auf dem …

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Shift – die neue CD von Logan Richardson

Von Thomas J. Krebs – Den umtriebigen Altsaxophonisten Logan Richardson werden viele Fans nicht unbedingt als Leader, sondern eher als Sideman von Ambrose Akinmusire oder z.B. Gerald Clayton kennen. Mit seiner neuen CD “Shift”, erschienen auf dem renommierten Blue Note Label, legt Richardson nach „Cerebral Flow“ und „Ethos“ nun sein drittes Album unter eigenem Namen und gleichzeitig ein wirklich beeindruckendes Album vor. Auf den ersten Blick besticht natürlich die hochkarätige Besetzung mit Pat Metheny (!) an den Gitarren, dem Drummer Nasheet Waits, Jason Moran am Piano und dem Bassisten Harish Raghavan – diese Jungs muss man erst einmal alle an einen Tisch bringen. Eine erstklassige Besetzung macht natürlich noch keine herausragende CD aus, bei dem Album „Shift“ stimmt aber einfach alles, kompositorisch wie musikalisch. „Nomen est omen“ wurde die Idee der „Shift“ Studioband bereits 2009 im Kopf von Richardson geboren, es folgten Kontakte, Gespräche, bis zur Umsetzung vergingen Jahre und das Projekt „verschob“ sich – bis heute. Das Warten und Richardsons Hartnäckigkeit haben sich gelohnt. So individuell die Musiker letztlich alle sind, wirklich interessant ist, was sie hier in der Band gemeinsam anstellen. Das wiederum …

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Jazz war seine zweite Leidenschaft – Zum Tode von Roger Willemsen

Von Dietrich Schlegel. Die Literatur war die eine Leidenschaft des am vergangenen Sonntag am Krebs gestorbenen Autors, Fernseh-/Radio-Moderators und Filmemachers Roger Willemsen. Seine zweite war der Jazz. Sie kam aber in den vielen Nachrufen in den Medien eher zu kurz, wurde oft gar nicht einmal erwähnt. Zu vielfältig, fast unübersehbar war auch das Schaffen dieses ungewöhnlichen, auch ungewöhnlich kreativen Intellektuellen. Doch die Hingabe, mit der er sich der Musik im Allgemeinen und dem Jazz im Besonderen widmete, war beeindruckend. Er verfügte über fundierte Kenntnisse der Geschichte des Jazz, seiner Stilrichtungen und seiner Interpreten. Und er war – wie das Verve-Online-Magazin „Jazz Echo“ seinen Nachruf überschrieb – „ein Advokat des Jazz“, ein unermüdlicher Werber für die heiß geliebte Musik der Improvisation. In seine Fernseh-Talkrunden lud er nicht nur Jazzmusiker wie Herbie Hancock, Chick Corea oder Quincy Jones ein. Er gewann auch Michel Petrucciani (1962 – 1999) zum „Hauspianisten“ seiner Talkshow „Willemsens Woche“ und verschaffte dem durch seine Knochenkrankheit schwer behinderten, aber ungestüm lebenshungrigen genialen Musiker in Deutschland eine über die Jazzszene hinaus reichende Bekanntheit. Die Zusammenarbeit der beiden schon so äußerlich unterschiedlichen Männer – Petrucciani war …

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Die vielen Talente der Jutta Hipp – eine umfangreiche Dokumentation gibt Auskunft

Von Dietrich Schlegel. Gleich zu Beginn sei es gesagt: „The Life And Art Of Jutta Hipp – Hipp is cool“ ist eine verlegerische und jazzhistorische Großtat des Musikproduzenten Micha Gottschalk und der Jazzmusikerin und Musikpädagogin Ilona Haberkamp. Ganz wesentlich war auch der Jazzhistoriker Gerhard Evertz, Verfasser eines Buches über „Jutta Hipp – ihr Leben & Wirken“, an Recherche und Dokumentation beteiligt. Eine stabile Box im 12“ Format alter LPs enthält ein schwergewichtiges, reich bebildertes Buch voller informativer Texte und Dokumente, ein Beispiel hoher Buchkunst, noch beeindruckender als Gottschalks 2014 in ähnlicher Aufmachung erschienene Text- und Musikdokumentation „mood records cologne Gigi Campi: Jazz in West Germany 1954 – 1956 – The First Independent Modern Jazz Label in Europa“. So wurde dieses Gesamtkunstwerk zu einer bibliophilen Hommage auf Jutta Hipp, die am 4. Februar 1925 in Leipzig geborene und am 7. April 2003 in Queens/N. Y. gestorbene einst als „First Lady of European Jazz“ gefeierte Pianistin, die über Jahre in Europa auch die einzige Jazzmusikerin an einem Instrument war. Sonst gab es nur Sängerinnen. In diesem Jahr wäre sie 90 Jahre alt geworden. Der Inhalt dieser Box …

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+++ News +++ Konzertvorschau +++ Oberthulba +++ Weidener Jazzherbst +++

PIANO BÜHNE KLEINHENZ +++ Freitag 23. Oktober 2015,  um 20 Uhr: Harry Ahamer & Band aus Wien – „Ko ma scho was song?“ -Mundart Funk , Blues, Soul , Jazz! Als Integrationsfigur, Szenemittelpunkt oder Katalysator bezeichnet man Vollblutmusiker wie Harry Ahamer gerne, die nicht nur vom Publikum, sondern ganz besonders auch von den Kolleginnen geschätzt werden – aufgrund der Hingabe zur Musik und einer großen Begabung, die über das Alltägliche hinausweist. Geschenkte Inspiration, von wo auch immer,  und klangliche Umsetzung des nicht zu Versprachlichenden sind die Stichworte jener besonderen Kunst, die über das Handwerk hinausgeht – interessanterweise oft von Autodidakten.  So auch bei Harry Ahamer, geboren 1964 in Vöcklabruck (oö). Statt einer Uhr gibt es eine Gitarre zur Firmung, der weitere Weg ist somit vorgezeichnet. Dieser dann oft per Autostop zurückgelegt, und als handliches Instrument für beengte Fahrstunden die Bluesharp erlernt, der Gesang kommt mit der Zeit dazu. Musik am Lagerfeuer schult dabei die Praxis und gibt einen entwicklungstechnisch wichtigen Experimentierrahmen ab. Viele Bands versichern sich in weiterer Folge der vielseitigen Musikalität des aufstrebenden Gitarristen und Sängers, eigene Ensembles entstehen: City blues band, Million Dollar …

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Die schönsten Jazz, Funk & Soul-Plattenhüllen aller Zeiten

Hört man CDs, oder streamt man Musik, dann vermisst man meistens weniger den Vinylklang – der Hörsinn scheint sich auch an digitale Qualität anpassen zu können. Doch diejenigen, die noch wissen, dass es so etwas einmal gab, vermissen es immens: das Cover. 31 Zentimeter auf 31 Zentimeter groß erlaubt es eine wesentlich lebendigere Gestaltung als jede CD-Hülle oder jeder Seitenaufruf online. Eine Schallplattenhülle besitzt Haptik und die Schrift ist in der Regel auch für Menschen über 25 Jahre noch ohne Lupe lesbar. Vor allem aber sind die Hüllen der LPs – also Langspielplatten mit je etwa 45 Minuten Spieldauer pro Seite – ein Spiegel der Grafik und Bildsprache der 50er- bis 80er-Jahre. Und die sind sehenswert: Nicht umsonst gibt es seit Jahren immer wieder aufwändige und großformatige Bildbände mit Coverabbildungen, die meist einem Label gewidmet sind wie Blue Note, Verve, MPS oder ECM. Der Ansatz zweier in neuem Format wieder aufgelegter Publikationen in der Reihe Bibliotheca Universalis des TASCHEN-Verlags ist ein anderer. Er versammelt hunderte von Coverabbildungen geordnet nach den wichtigsten Musikern des Jazz und Soul. Zu jedem Werk gibt es ein Fact Sheet über …

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Nach der „Odyssee“ nun die Sieben Todsünden: Heiner Schmitz

Von Dietrich Schlegel – Um neue Ideen für ungewöhnliche Projekte ist der Komponist und Saxophonist Heiner Schmitz nie verlegen. Hatte er sich vor vier Jahren mit der „Odyssee“ das älteste Werk der abendländischen Literatur ausgesucht, um es in die Klangwelt einer modernen Jazz Big Band einzubetten, dem Cologne Contemporary Jazz Orchestra, und mit „The Voice“ Christian Brückner als Sprecher (s. JazzZeitung 2011/03 und 2012/04), so wagte er sich jetzt an die klassische Vorlage der Sieben Todsünden („Sins & Blessings“). Wem dabei Brecht/Weil oder gar mittelalterliche Mysterienspiele einfallen, liegt falsch, sowohl bei der inhaltlichen als auch der musikalischen Konzeption. Zwar nutzten auch Schmitz und sein Autor Peter Schanz den religiös ritualisierten Sündenkatalog – Hochmut, Habgier, Völlerei, Neid, Zorn, Trägheit, Wollust – als Basis. Aber sie erweiterten und relativierten diese Untugenden bis hin zur Umkehrung ins Positive, stellten die Sünden wortwörtlich in Frage, formulierten provozierende, hintergründige, ironische Fragen an die Zuhörer, die während der vier Konzerte im Januar nachdenklich schweigend, verlegen kichernd oder befreit lachend reagierten. Was trifft wohl auf mich zu? Da hieß es zum Beispiel: „Kann es Wachstum ohne Habgier geben?“ Oder: „Schon mal bei …

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CD-Rezension: Sternal Symphonic Society Vol 2

Von Thomas J. Krebs – Viele kleine Räder, Riemen und Gelenke sind auf dem CD-Cover der neuen Sternal Symphonic Society abgebildet und diese greifen musikalisch passgenau ineinander. Aber der Reihe nach: Vor gut 2 Jahren erschien die erste, vielbeachtete CD der Sternal Symphonic Society. Das Ensemble, im Jahr 2011 in Köln gegründet, legt nun mit „Vol. 2“ seine neue Aufnahme vor. In der Zwischenzeit ist die Society vor allem durch Live Auftritte weiter gereift und zu einem noch homogeneren Klangkörper verschmolzen. Was gleich beim ersten Hören der aktuellen CD auffällt ist, dass die Kompositionen und Arrangements expliziter auf die Musiker und Persönlichkeiten zugeschnitten sind. Mit von der Partie sind neben dem „Dirigenten“ Sebastian Sternal, der bei vier Stücken selbst den Klavierpart übernimmt, wieder alte Bekannte (ein „who is who“ der jungen deutschen Jazzszene) angefangen von Frederik Köster an der Trompete, dem Posaunisten Klaus Heidenreich, Christoph Möckel und Niels Klein an den Saxophonen/Klarinette, dazu das Pablo Held Trio (!) mit Jonas Burgwinkel und Robert Landfermann, sowie einem exzellent besetztem Streichquartett mit Erik Schumann, Zuzana Schmitz-Kulanova, Magdalena Härtl und Thomas Schmitz. Mit vortrefflichem Gespür für den nicht …

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Breaking News +++ Vinyl-Verkaufszahlen hoch wie nie +++ Grammies für die Lebenswerke Wayne Shorters und George Weins +++ Neue Funktionen auf nrwjazz.net +++

Seit das Marktforschungsunternehmen Nielsen Soundscan 1991 damit begann, Vinyl-Verkaufszahlen zu erfassen, war der Absatz noch nie so groß wie im Jahr 2014. Allein in den USA wurden 9,2 Millionen Schallplatten verkauft. Seit 2008 hält nun dieser überraschende Trend an. Auch die Jazz-Künstler kommen nicht um die schwarzen Platten herum: Populäre Jazzer wie Diana Krall, Gregory Porter oder Till Brönner veröffentlichen ihre neue Alben längst nicht mehr nur auf CD und im Digitalformat. Hinzu kommen massive Reissue-Serien von Labels wie Blue Note und Concord Records, so erscheinen beispielsweise essentielle Klassiker des Jazz in Vinyl-Neu-Editionen. +++ Nach über 55 Karrierejahren wird der 81-jährige Saxophonist und Komponist Wayne Shorter für sein beeindruckendes Lebenswerk mit dem Grammy Lifetime Achievment Award ausgezeichnet. Erst 2013 erhielt der innovations- und improvisationsfreudige Jazz-Musiker für sein Album „Without a net“ den zehnten Grammy. Bei der Sonderveranstaltung am siebten Februar in Los Angeles erhält eine weitere Jazz-Größe den Grammy für’s Lebenswerk: der 89-jährige Impresario George Wein. Die Jazz-Welt verdankt Wein das „Newport Jazz Festival“, das im August 2014 seinen 60. Geburtstag feierte, sowie das „New Orleans Jazz & Heritage Festival“ und das „Playboy Jazz Festival“ …

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Breaking News+++Devil Quartet von Paolo Fresu auf Tour+++jazzopen startet Vorverkauf+++James Blood Ulmer gastiert im Leeren Beutel+++Mareike Wiening in Nürnberg+++7. JazzFrühling in Kassel

Paolo Fresu mit Teufelsquartett auf Tour Das Devil Quartet des italienischen Trompeters Paolo Fresu ist eine Schau: Was er da mit Bebo Fera (g), Paolino Dala Porta (b)  und Stefano Bagnoli (dr) zaubert, reicht von impressionistisch hingetupften Pastellklängen über schwindelerregend schnelle Swing-Nummern bis hin zu Reminiszenzen an den Rock-Jazz der frühen siebziger Jahre. Vier ausgezeichnete Solisten, die sich auf ein virtuoses Quartettspiel verabredet haben. Nächstes Konzert ist am Donnerstag, 11.12.2014 im Nightclub des Hotel Bayerischen Hof in München. Weitere Konzerte in Deutschland am 12./12.14 im Prediger in Schwäbisch Gmünd und am 13.12.14 im Birdland in Neuburg. jazzopen in Stuttgart Das Stuttgarter Festival jazzopen startet den Vorverkauf für 2015: Bereits zum 22. Mal sorgen die jazzopen vom 3. bis 12. Juli 2015 für sommerliches Festivalflair. Zum Auftakt des Festivals wird am Freitag 3. Juli die German Jazz Trophy im Eventcenter SpardaWelt verliehen. Von Samstag 4. bis Dienstag 7. Juli bespielt das Festival die Open Air Bühne am Mercedes-Benz Museum: vor der imposanten Kulisse des Automobilmuseums finden vier Konzertabende und eine Family Matinee statt. Anschließend verwandelt sich der Schlossplatz in eine Spielstätte für Großkonzerte. Zwischen Mittwoch 8. …

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