Lisa Wahlandt stellt auf ihrem neuen Album „Only Hits“ aus Pop, Folk, Soul und brasilianischer Musik vor.
Schon etwas arrogant, wenn Bob Dylan davon singt, dass „du einfach nur irgendwie meine wertvolle Zeit verschwendet hast (Mädel)“. Dennoch rät er der Freundin im Refrain „don`t think twice, it´s all right“, also „denk nicht soviel darüber nach, es ist alles in Ordnung“. Ein Hit wurde der selbstreflektive Song des großen Folk- und Rockpoeten allerdings nicht, auch wenn er bis heute häufig im Repertoire von Musikern aus Pop, Rock oder Jazz auftaucht.
Auch die Münchner Sängerin Lisa Wahlandt hat sich entschieden, das über 60 Jahre alte Lied auf ihr neues Album „Only Hits“ zu nehmen. In einem bluesigen Stil mit lässigem Countrytouch begleitet von Paulo Morello auf der Gitarre und Sven Faller am Bass, gibt sie dem harten Abschiedspoem eine eigene, weniger scharfe Note. Dazu trägt gerade auch Morellos feinfühliges Spiel, das ein klein wenig an Bill Frisell erinnert, und sein untrüglicher Sinn für Dramaturgie bei.
Nur wenig später als Dylans Abgesang erschien 1966 das berühmte Revolver-Album der Beatles. Aus diesem Klassiker hat Wahlandt die Liebesballade „Here, There and Everywhere“ gewählt, neu arrangiert, mit Background Voices und einem Basssolo aufgepeppt. Echte Hits in ihrer Zeit waren der von Eric Burdon gesungene Animals-Song „The House of the Rising Sun“, der in einer weiteren Version gar ein zweites Mal in den Charts etlicher Länder landete, und die Softrockballade „Bridge Over Troubled Water“ von Paul Simon und Art Garfunkel.
Als einer der meistgecoverten Popsongs, drunter von berühmte Vorgängerinnen wie Roberta Flack und Bonnie Taylor, setzt Wahlandt mit ihrer heiter-farbigen Version eine eigene starke Duftmarke. Das gelingt ihr auch mit der feministischen Selbstbehauptung von Gloria Gaynor „I will survive“, das in seiner Dramatik aber auch ein wenig mehr Zug vertragen hätte. Dafür verpasst sie dem von Peggy Lee zum gecoverten Bluessong „Fever“ einen feinen ironischen Touch, der auch von Morello an der Gitarre aufgenommen und fast mit einem Zug ins Höhnische verstärkt wird. Um diesen wiederum zu verschleiern, lässt es der Oberpfälzer, der als Künstlerischer Direktor am Jazzinstitut Berlin lehrt, sogar ein wenig krachen – eine Seltenheit bei dem elegant-swingenden Spieler.
„Only Hits“ ist ein Album, wie gemacht für entspannte Sommerabende und traute Begegnungen. Populäre Melodien gehen ins Ohr und wecken Erinnerungen, um zugleich mit neuen, unerwarteten Akzenten aufhorchen zu lassen. Eine leichte akustische Pop-Jazz-Produktion mit Charakter und feinem Groove, die große Nähe bewirkt. Neben den bereits erwähnten Songs sind es Klassiker aus Soul, Folk und brasilianischer Musik, die das Trio in intime Miniaturen verwandelt. Reduziert im Setup, geben sie wohlvertrauten Melodien Raum und erzählen sie mit eigener Handschrift neu.
Im Zentrum steht dabei die warme Stimme von Lisa Wahlandt. Mit unverwechselbarem Gespür für Coverversionen wirken ihre Interpretationen wie kurze Filme – manchmal augenzwinkernd, manchmal berührend direkt, immer mit Haltung. Gerade bei Stücken wie „Wonderful World“, die längst zu Hymnen geworden sind, können so neue Akzente und Emotionen entstehen.
Text und Foto: Michael Scheiner
Lisa Wahlandt, Paulo Morello & Sven Faller – Only Hits, GLM/Fine Music FM 442-2, als Download auf allen gängigen Plattformen und als CD (Edel-Vertrieb) erhältlich