Heißer Jazz & More Sommer im Bayerischen Hof

Nach organisatorischen Hürden und dem traurigen Verlust von Headliner Abdullah Ibrahim stand der Jazz Sommer im Bayerischen Hof vor immensen Herausforderungen. Doch jahrzehntelange Professionalität des Festivals und Entschlossenheit behielt die Oberhand: Mit dem kubanischen Pianisten Alfredo Rodriguez wurde kurzfristig ein hochkarätiger Opener verpflichtet. Vergangene Woche startete der Jazz Sommer traditionell mit dem Konzert der Münchner Musikkritiker Band & dem Matthias Bublath Trio und, soviel bereits vorweg genommen, das diesjährige Motto „What the world needs now“ ging mit großartigem Jazz und guten Vibes perfekt auf.

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Ralph Quinke & Miles Davis: Three days in Malibu

Als Ausstellungs-Highlight präsentierte der Fotograf Ralph Quinke dieses Jahr im Atrium des Hotels sensationelle Fotos zu seinem im Verlag Scheidegger & Spiess erschienenen Buch „Miles Davis – Three Days in Malibu“ . Eine persönliche Reportage, die er seinerzeit gemeinsam mit Marco Meier für die Schweizer Kulturzeitschrift „Du“ fotografiert hat. Zusammengefasst auf gut 100 Seiten Fotomaterial mit der damals erschienenen Reportage, ergänzt um ein Interview, das Arne Reimer mit Quinke und Meier zu ihrem Bericht geführt hat, ist dieses Buch ein wahrer Schatz nicht nur für Miles Davis Fans, das gleichzeitig seltene Einblicke in dessen Privatleben gibt.

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Der Eröffnungsabend im Night Club

Der kubanische Pianist Alfredo Rodriguez eröffnete das Festival mit einem exklusiven Highlight Konzert im Nightclub. Da Rodriguez sonst fast nur noch in großen Hallen spielt, feierten Publikum und Künstler die intime Club-Atmosphäre gleichermaßen: Rodriguez genoss die Nähe sichtlich und zündete mit seinem Trio ein furioses Latin-Feuerwerk aus Pop- und Jazzstandards. Nicht minder spektakulär war das zweite Konzert des Abends: Das Sirius Streichquartett mit Trompeter Joo Kraus harmonierte perfekt. Ob bei „Eleanor Rigby“, Stings „Englishman in New York“ oder Eigenkompositionen – ihr Zusammenspiel war präzise, erfrischend und musikalisch auf den Punkt gebracht.


Jazz und was die Welt noch alles braucht

Auch die Folgeabende begeisterten das Publikum. Am zweiten Abend verwandelte Allrounder Jowee Omicil den Nightclub gemeinsam mit der marokkanischen Sängerin Malika Zarra in ein energiegeladenes Happening. Urgewaltig, mitreißend und im permanenten Einsatz – mal auf der Bühne, mal mitten im Publikum – versprühte Omicil „basH“ und gute Vibes. Der dritte Abend gehörte dem traditionellen Jazz-Piano-Trio. Der spanische Pianist Daniel García Diego, Reinier Elizarde „El Negrón“ (Bass) und Shayan Fathi (Drums) verzauberten die ZuhörerInnen. Diegos einzigartiges Spiel – feinfühlig, perlend und hochsensibel – überzeugte in den Trio-Arrangements ebenso wie in seinen Solo-Kompositionen.

Puerto Rico und Nordic Sounds zum Ausklang

„And Now for Something Completely Different“: in der Tradition des im Rahmen des Jazz Sommer stattfindenden Latin-Konzerts präsentierte das Festival mit der Sängerin und Cuatro-Expertin Fabiola Méndez einen absoluten Geheimtipp. Begleitet von Drums, Bass und Perkussion zog die Puerto-Ricanerin das Publikum in ihren Bann. Ihre prägnante, luftige Stimme kombiniert mit der zehnsaitigen Cuatro – dem Nationalinstrument ihrer Heimat – vereinte eindrucksvoll traditionelle Folklore, Pop mit Jazz und begeisterte vom ersten Ton an. Ihre Europapremiere war ein echtes Festival-Highlight!

Ein krönender Abschluss und gleichzeitig historische Premiere: Pianist Tord Gustavsen und Saxophonist Trygve Seim, beide aus Oslo, absolvierten jeweils ihre Ausbildung in Trondheim und spielen – kaum zu glauben – jetzt erstmals als Duo auf der Bühne. Ein Meilenstein für den „Nordic Sound“! Fast schwerelos und spirituell getragen, webten die Musiker ein feingliedriges, beinahe kathedralisches Soundgeflecht in den Raum des Clubs. Gustavsens unverwechselbares Markenzeichen: durch seine subtile physische Präparierung des Instruments und dem sensiblen Einsatz der dadurch erzeugten elektronischen Nuancen transformierte er den Flügel in einen orchestralen Klangkörper, der auf faszinierende Weise mit dem ausdrucksstarken, leicht melancholischen Saxophon von Trygve Seim verschmolz. Ein gemeinsames Album dieser beiden ECM-Musiker ist kein bloßer Wunsch – es ist exakt der Impuls, den die Jazzwelt aktuell dringend benötigt.

Rück- und Ausblick

Die Antwort auf die Frage „What the world needs now“ lieferte der Jazz Sommer im Bayerischen Hof par excellence: Jazz & More! Das Festival überzeugte durch Tage voller musikalischer Höhepunkte und die einzigartige Nähe zwischen Musikern und Publikum. Die Stimmung im Club war bemerkenswert: je nach Konzert wurde ausgelassen gefeiert oder – wo es erforderlich war – mit Respekt und hoher Konzentration zugehört. Anfängliche Lichtprobleme wurden diesmal pragmatisch gelöst: Scheinwerfer an, ausgerichtet, Musiker im rechten Licht – nach den Erfahrungen der Vorjahre keine Selbstverständlichkeit. Etwas tricky vielleicht, aber geht doch!

Hochkarätige Live-Musik ist lebendiger denn je. Ein solches Festival erfordert Mut und echte Überzeugung. Der enorme Publikumszuspruch und das begeisterte Feedback zeigen: Der Aufwand hat sich gelohnt. Das gibt Rückenwind fürs nächste Jahr!

TEXT & FOTOS: Thomas J. Krebs

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