Schee war’s. Alles in allem ein gelungenes Festival, entspannte Stimmung, kommunikative Atmosphäre, musikalisch fantastisch mit wunderbaren Begegnungen abseits der Bühne. Das Wetter spielte mit, die Locations haben sich als absolut festivaltauglich erwiesen und so passte eins zum anderen … aber nun der Reihe nach.

Das Niq-Team und das 1. Muniq Jazz Festival
Wer steckt hinter allem? Das NIQ e.V. Team! Vor gut vier Jahren von AkteurInnen der Münchner Jazzszene gegründet, entstand schließlich die Idee, ein Festival zu veranstalten das aktuelle Strömungen des Jazz und improvisierte Musik kombiniert. Dreh- und Angelpunkt sind Münchner Jazzmusiker, die einen aktiven Austausch zur überregionalen Szene herstellen und so Kooperationen ermöglichen. Seit Monaten intensiver Vorbereitungen des Niq Teams, Sponsoren- & Locationsuche nahm das 1. Muniq Jazz Festival Form und Gestalt an. Am 19. und 20. Juni war es endlich soweit. Das Programm stand, Locations waren gebucht, Licht- und Tonteam waren gefordert und gaben ihr Bestes. Im Nachgang betrachtet war das Muniq Jazz Festival eine bemerkenswert innovative Veranstaltung, die über den Jazz-Tellerrand blickt und mit abwechslungsreichen Programm für Begeisterung sorgte.

Zwei heiße Tage
Heiß war es, nicht nur wegen sommerlicher Temperaturen, sondern vor allem durch das was musikalisch abging. In zwei Hallen, dem „Zirka“ und im „Space for Skate“, einer Indoor Skathalle, die zur Konzerthalle umgebaut wurde, beide im Münchner Kreativquartier gelegen, fanden die Konzerte und Veranstaltungen statt. Und da ein Festival mehr ist als „nur“ Konzerte, gab es begleitend auch ein ansprechendes Rahmenprogramm: sowohl der Percussionsworkshop als auch die Podiumsdiskussion „Paniq – Jazz für alle?“ wurden sehr gut angenommen. Es gab eine Kinderbetreuung und für leibliches Wohl sorgte ein Food-Truck. Getränke gab es zu sozialverträglichen Preisen. Vor der Halle ein Soundsystem mit wechselnden DJs und eine separate Bar mit Relax- und Chillmöglichkeiten, was will der glückliche Jazzfan mehr?

Konzerte die berühren und begeistern – der erste Tag
Nun zu den Acts: Die Bassistin Natasha Zaychenko hatte sich zu ihrem Trio den Soundkünstler Paul Bissmann eingeladen. Es funktionierte wunderbar und reflektierte ihre vielfältigen musikalischen Einflüsse verwoben mit zeitgenössischen Sounds. Die Hitze in der Zirka Halle tat der Stimmung keinen Abbruch. Zum Glück sorgten Ventilatoren, und am zweiten Tag zusätzlich feilgebotene Fächer, für eine einigermaßen erträgliche Abkühlung. Die Space for Skate Halle war sowohl akustisch ausgewogen als auch atmosphärisch ansprechend. Dort fand am ersten Abend das erste von zwei Carte Blanche Konzerten mit dem Posaunisten Moritz Renner statt. Die Carte Blanche Acts ermöglichen es dem ausgewählten Musiker Begegnungen zu initiieren und musikalisch zu gestalten. Sowohl die Sängerin Francesca Gaza als auch Ella Zirina an der Gitarre sorgten für spannungsvolle Momente. Mastermind Moritz Renner und Robert Landfermann am Bass präsentierten mit diesem Quartett eine gelungene Melange aus Kammermusik und Jazz. Das Svetlana Marinchenko Trio SVM3 sorgte danach in der Zirka Halle für mitreißende Momente und bei Yvonne Moriels Band Sweetlife gab es kein Halten mehr. Der Groove, kombiniert mit beseelten Improvisationen und starken Kompositionen, sorgten für einen gelungenen Abschluss des ersten Abends.

Der zweite Festivaltag
Mit dem Percussionsworkshop von Fazer Drums und der Diskussion Paniq – Jazz für alle startete der zweite Tag des Festivals. Beleuchtet wurde auf dem Podium wie divers die Jazzszene heute ist. Was ist sichtbar, wer wird gehört, wem wird zugehört. Interessante Aspekte kamen zutage, klug moderiert von BR Moderator Ulrich Habersetzer. Währenddessen gab es draußen eine Kinderbetreuung, das DJ Pult mit groovigen Beats und die Bar mit coolen Drinks während drinnen dann wieder dem Jazz gefrönt wurde.
Den Auftakt bestritt das Duo Fiona Grond und Luca Zambito, die neben bewährten Stücken ihr neues Programm vorstellten. Mit traumwandlerischem Gespür für die Töne dazwischen, zauberte Zambito an den Tasten zum luziden Gesang Gronds. Die Band Fazer, gegründet vom Bassisten Martin Brugger, funktioniert live noch besser als auf Tonträger. Genial die Besetzung mit den Schlagzeugern Simon Popp und Sebastian Wolfgruber, die für den unverzichtbaren Drive sorgten.
Offen und frei improvisier
Schade, dass Fazer Auftritte recht selten sind, aber die Bandmusiker sind selbst gut unterwegs mit eigenen Projekten, so dass es immer wieder eine Freude ist, diese Band live erleben zu können. Für das zweite Carte Blanche Konzert stand die Schlagzeugerin Eva Klesse Patin. Sie suchte sich für ihre Band den Gitarristen Philipp Schiepek und Henning Sieverts am Bass aus. Für den leider erkrankten Julian Hesse sprang spontan Fazer Trompeter Matthias Lindermayr ein. Auch bei diesem Act entwickelte die Band eine gelungene Mischung aus Jazz, offen und frei improvisiert, mit klaren solistischen Akzenten.
Den Festivalabschluss übernahm das Duo Sun-Mi Hong und Moritz Stahl. Spannung pur, was da auf den Hörer in der Skate-Halle zukam. Bereits nach den ersten Tönen, geprägt von Stahls elektronischem Set-Up, war klar wo die Reise hingeht. Das Closing des Festivals entwickelte sich nach und nach zu einem jazzkosmischen Trip, relaxt, immer im Dialog und Akzente setzend improvisatorisch im Miteinander. Einen besseren Ausklang konnte man sich nicht wünschen. Das Publikum war über beide Tage, trotz Fußball-WM, zahlreich und konzentriert dabei. Jazz eben, der macht die Musik, inspiriert und lenkt nicht ab!

Resümee
In ein paar Jahren wird man sich hoffentlich retrospektiv gern an das erste, noch intime „familiäre“, Muniq Festival erinnern, das mittlerweile zu einer festen Institution der Münchner Festivalszene geworden ist und über die bayerischen Grenzen hinaus für Begeisterung sorgt. Zu wünschen ist dies dem Niq Kollektiv e.V. mit seinem Weitblick und musikalischen Visionen! Man darf gespannt sein, was nächstes Jahr auf dem Programm steht.
 TEXT & FOTOS: Thomas J. Krebs