CD-Rezension: Boris Bell – Sacred Drums

Hinhör-Musik mit dem Gestus der Weisheit: Boris Bell veröffentlicht seine Solo-Platte »Sacred Drums« auf EJK-Records


Schlagzeug-Soli gibt es im Jazz schier unendlich viele. Langspielplatten oder CDs mit ausschließlich solchen Soli, meist aus verschiedenen Aufnahmen zusammengestellt, schon deutlich weniger. Und noch seltener solche, die direkt als Perkussions-Solo-Platten konzipiert sind. Von Klassikern auf diesem Gebiet wie international Max Roach („Solo“, Baystate Records) oder national (mit internationaler Bedeutung) die „Hörmusiken“ von Günter Baby Sommer (Amiga, FMP, nato, Intakt Records) abgesehen haben weitere Perkussionisten auf diesem Gebiet von sich reden gemacht: Kevin Norton mit seiner CD „Quark Bercuse Solo Percussion“ auf FMR Records, die Schlagzeug mit Marimbaphon und Vibraphon verbindet, der spanische Freejazz-Drummer Ramon Lopez, der gern Geräusche verschiedener Utensilien einbezieht, mit seinen beiden Solo-CDs auf Leo Records oder Steve Reid mit „A Drum Story“, einer eher „klassischen“ Jazz-Schlagzeug-Solomusik, auf Altrisuoni Records. Dabei sind die großen, quasi durchkomponierten Solo-Werke der Jazzrock- und Fusion-Schlagzeuger – allen voran Terry Bozzios „Solo Drum Music I und II“ – noch gar nicht erwähnt.

Nun Boris Bell. Und auch noch mit Live-Aufnahmen aus einem Kirchenkonzert! Das Fantastische daran: Es ist eine Musik, die Innerlichkeit, Entspanntheit und Klangreichtum verbindet mit Expressivität, rhythmisch-metrischer Raffinesse und zackiger Exaktheit. Es ist wie eine souveräne Verbindung verschiedener Perkussionswelten – etwa der westafrikanischen mit Gamelan-artigem aus Südostasien, indische rhythmische Komplexität mit japanischer Trommelkunst –, die von mentaler Gelassenheit wie auch von einem frappierend großen Reichtum an Klangfarben zeugt. Eine Hinhör-Musik, die nichts von Imponiergehabe, sondern viel von einem Gestus der Weisheit hat.

 

Mathias Bäumel

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