Colonel Petrov’s Good Judgement: Hypomaniac

Viel Krach und einiges Filigranes. CDs in der HörBar April 2022

Eine bunte Mischung aus der Welt der mehr oder minder improvisierten Musik hat Huflaikhan im April in der HörBar der nmz rezensiert. Markus Reuter: Truce 2 Roever Quartett: Hell’s The Hippest Way To Go Moritz Preisler Trio: Raureif Colonel Petrov’s Good Judgement: Hypomaniac Initiative H: Polar Star Markus Reuter: Truce 2 … Das Trio um Markus Reuter findet sich zusammen in einer krachenden Orgie aus musikalischer Energie. Robustes Musizieren in sieben utopischen Räumen. Das krächzt zu Beginn aus den Lautsprechern in einer Mischung purer losgelassener Klangrhythmen.… Niklas Roever Quartett: Hell’s The Hippest Way To Go …Musik, die einen einfach selig machen kann, weil sie mit so eleganter Freundlichkeit den Tönen nichts abpresst, sondern sich laufen lässt … Moritz Preisler Trio: Raureif … Wenn bei der letzten Nummer „Pulverisation“ der Bass von David Helm irgendwann allein im Raum steht, erreicht diese Musik eine derartige Konzentration in Leere, dass man kurz versinkt und die Musik schließlich ausatmen kann in den anschließenden Klangsplittern von Moritz Preislers Klavier und den Rhythmusresten des Schlagzeugs von Jan Philipp. Schön das! … Colonel Petrov’s Good Judgement: Hypomaniac …Die Frage ist allein noch …

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51. Internationale Jazzwoche Burghausen mit jungem Jazz und reichlich Popacts

Die Zitterpartie um die 51. Internationale Jazzwoche Burghausen ist erfolgreich ausgestanden. Nach zweijähriger Pause und dreifacher Planung – für März 2020 und zweimal für 2021 – konnte sie mit 31 Auftritten fast wie gewohnt über die Bühnen gehen. Rund 6.000 Besucher an den sechs Tagen zeigten, dass trotz oder vielleicht sogar wegen der Corona-Pandemie das Bedürfnis nach Live-Konzerten groß war. Der 1. Bürgermeister nannte das erste Festival deutlich zu optimistisch „perfekt. Wir machen einfach so weiter und sind stolz darauf, dass wir die Jazzwoche haben.“ Von Seiten der veranstaltenden IG Jazz hieß es, man sei in der Zwickmühle gewesen, kommerziell zugkräftige Namen zu finden, auf die man bei der Kalkulation angewiesen sei; mit der Gefahr von Enttäuschungen und Mogelpackungen andererseits. Und davon gab es in diesem Jahr einige. Von Leslie Mandokis Soulmates fehlten ohne Erklärung vier, darunter ausgerechnet Al Di Meola, Richard Bona und Till Brönner von der Jazzfraktion. Den guten Ruf als Jazzfestival gefährdeten, ohne neues, jüngeres Publikum anzuziehen, auch andere jazzferne Popacts wie Jungle by Night aus Holland und die Soulsängerin Joy Denalane. Dass deren Band wegen einer Covid-Erkrankung ausfiel, bescherte immerhin ein …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 28.03.22–03.04.2022

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 13. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Andere tolle Sendungen im Radio finden Sie in der Radiowoche im Bad Blog Of Musick. mo – 28.03.2022 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor sechs 19:30:00 | Ö1 Céline Bonacina Trio bei den INNtönen 2021 Die aus dem ostfranzösischen Belfort stammende Céline Bonacina hat sich in den letzten 15 Jahren als eine der interessantesten europäischen Stimmen am Baritonsaxofon etabliert. Mit kraftvollem Ton und rhythmusbetonten, dann auch wieder balladesk entschleunigten Eigenkompositionen, die auch durch ihren siebenjährigen Aufenthalt auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean beeinflusst sind, wusste die 46-Jährige auch am 1. August 2021 im Rahmen des INNtöne-Open-air-Festivals auf dem Buchmannhof im oberösterreichischen Innviertel zu überzeugen: Bonacina, auch am Sopransaxofon zu hören, intonierte mit ihrem aus Chris Jennings (Kontrabass) und John Hadfield (Schlagzeug) bestehenden Trio Musik ihrer aktuellen CD „Fly Fly“ und erhielt dafür viel Beifall von Seiten eines beglückten Publikums. 22:04 bis 23:00 | WDR 3 WDR 3 Jazz: Der geheime Garten des Jazz Extended Version 22:30 bis 23:00 | hr2-kultur Jazz Now: Aus …

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The Gallery Concerts I: Jakob Manz & Johanna Summer

ACT Records ist seit seiner Gründung 1992 mit der bildenden Kunst fest verbunden. In der Berliner ACT Art Collection Gallery werden von Zeit zu Zeit spezielle Musikabende abgehalten. Mit dem vorliegenden Album „The Gallery Concerts“ wird eine neue Konzertreihe aus der Taufe gehoben, deren erste Ausgabe zwei junge Künstler bestreiten, die vorletztes Jahr auf ACT ihr Debut vorgelegt haben: Pianistin Johanna Summer und Saxophonist Jakob Manz. „Typisch ACT Records“ könnte man sagen. Natürlich hätte man etablierte Stars für den Auftakt einer solchen gewichtigen Serie verpflichten können. Aber was wäre ein Label ohne Visionen? Die aus Plauen stammende Pianistin Johanna Summer und der in Bad Urach geborene Saxophonist Jakob Manz kennen sich bereits seit etwas mehr als vier Jahren aus dem Bundesjugendjazzorchester. Damals haben die beiden bereits den Klassiker “Someday My Prince Will Come“ bei einer Session im Duo gespielt, und auch dieser Titel steht erneut auf dem Programm. Dazu gesellen sich Pat Methenys „Always and Forever“, Bechets Klassiker „Si tu vois ma mère“ oder Esbjörn Svenssons „The Return of Mohammed“ als Opener. Absolut breathtaking ist Manz Komposition “Endlose Erms“, zur Abwechslung gespielt auf seiner Blockflöte. …

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Trauer und Hoffnung: Gadó mit neuer CD „Whispering Quiet Secrets Into Hairy Ears“

Angesichts des Zustandes der Welt und deren Verworrenheit, in der Menschen hilflos scheinend in das Betrachten ihres bereits Gestorbenseins versunken sind, sucht auch Musik nach dem Ausdruck der Trauer. Der in Paris und Budapest lebende Gitarrist und Komponist Gábor Gadó gestaltet seit über dreißig Jahren mit seiner immer konzentrierter und spiritueller gewordenen Musik Zugänge zu philosophischen, moralischen und historischen Aspekten menschlichen Verlorenseins. Etwa zwanzig CDs mit Gadós Kompositionen und seinem Gitarrenspiel greifen gedanklich William Butler Yeats, Jakob Böhmes „Ungrund“, Tarkowskis „Stalker“, die Byzantinische Wende im historischen Christentum, Avicenna und Mirandola, Livingstone und Strindberg oder auch bedeutende Schriftsteller wie Bohumil Hrabal, Joseph Brodsky und László Krasznahorkai auf. Wenn seine aktuelle CD „Whispering Quiet Secrets Into Hairy Ears“, die er im Duo mit diesmal dem Saxophonisten János Ávéd eingespielt hat, mit „Lacrimosa“ beginnt, einer Assoziation an die Sequenz aus Mozarts Requiem, der allerletzten Arbeit Mozarts, der über dem Komponieren des Werkes verstarb, darf das wohl als Hinweis auf das Gesamtthema dieser Gadó-CD verstanden werden: das Abschiednehmen, die Beweinung und das Rechenschaft ablegen als ein Sich-bewusst-Machen eigener historischer und spiritueller Wurzeln. Musik als klanggewordene Trauer. Und Musik als …

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Julia Hülsmann Trio eröffnet die 12. Konzert-Competition BMW Welt Jazz Award

Mit viel Liebe zum motivischen Detail eröffnete das Julia Hülsmann Trio die neue Runde des BMW-Welt Jazz Award. Nach der Corona-Zwangspause wollte man 2022 befreit wieder neustarten, die aktuelle politische Lage sorgte allerdings für eine entsprechend gedämpfte Stimmung bei allen Teilnehmern. Das Konzert war gut besucht, die berühmte Schlange vor dem Einlass zum Doppelkegel hatte sich dieses Mal (noch) nicht gebildet. Aber der Wettbewerb 2022 ist noch jung. BMW-Vorständin Ilka Horstmeier hatte sicher nicht geplant, bei ihrer Begrüßungsrede zur 12. Ausgabe der Münchener Konzertserie auf das humanitäre Engagement des Konzerns hinzuweisen zu müssen. Eine Million Euro hatte die BMW Group bereits nach der ersten Kriegswoche an eine ukrainische Hilfsorgansation gespendet. Julia Hülsmann war zur Competition der Pianistinnen und Pianisten unter dem Motto „Key Position“ mit ihrem Trio angereist. Mit Marc Muellbauer am Kontrabass und Heinrich Köbberling am Schlagzeug verbindet sie eine zwei Jahrzehnte dauernde künstlerische Zusammenarbeit. Von Routine war da aber nichts zu spüren, eher von einem gemeinsam atmenden Klangorganismus, dessen drei Musikerpersönlickeiten sich blind aufeinander verlassen konnten, insbesondere auch dann, wenn mal ein neues und noch wenig geprobtes Stück auf dem Programm stand. Hülsmann …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 07.03.22–13.03.2022

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 10. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Andere tolle Sendungen im Radio finden Sie in der Radiowoche im Bad Blog Of Musick. mo – 07.03.2022 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor sechs 19:30:00 | Ö1 On stage: Amarcord im November 2021 im Wiener RadioKulturhaus Mit kammermusikalischen Bearbeitungen der Werke u. a. von Modest Mussorgski, Gustav Mahler und Erik Satie ist das Wiener Quartett Amarcord in den Jahren seit der Gründung anno 2000 bekannt geworden. Wobei Stilreinheit nicht Sache der vier Musiker ist, die auch gerne in Richtung Jazz, Pop, Tango und Volksmusik crossovern und mit Gitarrist Wolfgang Muthspiel ebenso zusammen gearbeitet haben wie mit den Sängerinnen Rebekka Bakken und Elisabeth Kulman. Am 5. November 2021 gab Amarcord im Großen Sendesaal des Wiener RadioKulturhauses das Programm „Das Leopoldstädter Testament“ zum Besten, mit Bearbeitungen von Werken Ludwig van Beethovens sowie stilentgrenzten Liedern -mit und ohne Stimme -und groovigen Instrumentalstücken des in Wien -Leopoldstadt beheimateten Komponisten Marcus Davy. Zudem standen Kompositionen von Georg Breinschmid und Amarcord-Violinist Sebastian Gürtler auf dem Programm. Die seit der Gründung …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 28.02.22–06.03.2022

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 9. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Andere tolle Sendungen im Radio finden Sie in der Radiowoche im Bad Blog Of Musick. mo – 28.02.2022 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor sechs 19:30:00 | Ö1 On stage live aus dem Wiener RadioKulturhaus: Franui und Nikolaus Habjan interpretieren Georg Kreisler Im Juli 2022 jährt sich der Geburtstag des Wiener Chansonniers Georg Kreisler zum 100. Mal, und die Osttiroler Musicbanda Franui nimmt dies zum Anlass, einige seiner berühmt-berüchtigten Lieder neu zu interpretieren. Die Sänger/innenrolle nimmt dabei in erster Linie „Lady Bug“ ein, die Soubrette, die nach eigenen Angaben bereits seit 15 Jahren auf Abschiedstournee ist. Hinter der charmanten, alten Dame, die mal melancholisch wirkt, dann wieder in bitterbösen Texten zum Sarkasmus neigt, steckt Nikolaus Habjan -und der aus Graz stammende Sänger, Kunstpfeifer und Puppenspieler weiß diese seine Figur und verwandte Charaktere wie immer genial in Szene zu setzen. Kreisler-Hits wie „Alles nicht wahr“, „Everblacks“, „Tauben vergiften“, oder „Der Staatsbeamte“ werden auf diese Weise ebenso neu interpretiert wie noch zu entdeckende Lieder des vielseitigen Musiker-Dichters, …

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Meet me at the Loft: Pablo Helds neue CD

Zentriertheit und innere Schnelligkeit Seit fünf Jahren lädt Pablo Held regelmäßig Musikerinnen und Musiker aus aller Welt und aus der Kölner Szene ins Loft in Köln-Ehrenfeld ein. Hier wird aufgenommen, gestreamt – und vor allem spontan auf Traum-Level musiziert. Neu-Begegnungen, die es so vorher noch nicht gegeben hat, sind ausdrücklich erwünscht. Ein neues, rein digitales Compilation-Album zieht beeindruckende Bilanz. Es ist ein Luxus, aus 20 verschiedenen Liveaufnahmen jeweils das allerbeste, was hier passierte, herausdestilliert zu kommen und dies oft in epischer Länge von bis zu 15 Spielminuten pro Stück. Das rein digitale Format dieses Albums braucht ja auch auf keine zeitliche Limitierung von bis zu 74 Minuten wie auf einer CD Rücksicht zu nehmen. Es dürfte kein Zufall sein, dass Pablo Held das Album mit Wayne Shorters „Nefertiti“ beginnen lässt, was hier mit  Bo van der Werf, Florent Nisse und Iago Fernandez noch wilder wuchern und sich verästeln darf. Wayne Shorter ist ein erklärtes Idol für Pablo Held, beide haben sich oft kommunikativ und musikalisch miteinander ausgetauscht. Wayne Shorter schätzt an Pablo Held dessen „Zentriertheit, seine innere Schnelligkeit und auch dieses Geschichtenerzählen“. Sämtliche Stücke des …

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György Szabados und Éva Kanalas: CD bewahrt denkwürdiges Konzert von 1997 vor dem Vergessen

Vor 25 Jahren, am 15. Februar 1997, fand im Budapester Fonó Musikhaus ein denkwürdiges Konzert statt. Die dabei entstandenen Aufnahmen wurden kürzlich unter dem Titel „Tengri – Mindenség“ (etwa: Weltall – Allheit) von Éva Kanalas privat veröffentlicht. Dieses Duo-Konzert, Improvisationen über Volkslieder, vereinte den ungarischen Freejazz-Pionier und Pianisten György Szabados und die Volksmusiksängerin Éva Kanalas. Der CD-Begleittext betont: „Das Konzert von György Szabados und Éva Kanalas brachte eine völlig originelle Musikwelt zum Klingen.“ Szabados hob damals hervor, dass er von der starken, archaischen, reinen Klangwelt Maria Kanalas‘ zutiefst inspiriert sei. Die improvisierten Vokalisen der Kanalas basieren auf ihren Erfahrungen mit der vielfältigen Volksmusik aus dem weiten Tieflandraum (vor allem auch der Csángó-Musik) und auf Gesangstechniken und Motiven einer bis nach Ostasien reichenden archaischen Klangwelt. Eine ihrer vorangegangenen privat herausgebrachten Veröffentlichungen hatte Éva Kanalas bezeichnenderweise „Sounds from Shaman Time“ genannt, eine weitere hatte sie untertitelt mit „New Hungarian Shaman Songs“. Der Begleittext zur hier nun vorliegenden CD erläutert: „Die von Kanalas streng strukturierten Volkslieder umhüllt Szabados mit der Welt seiner freien Musik auf der Ebene der musikalischen Poesie. Es scheint, dass György Szabados all dies langsam …

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