CD-Rezension: De Groote-Faes Duo – Symphony for 2 Little Boys

Mal fein und zart, mal festlich, dann wieder rau und dunkel: Bruno de Groote und Ben Faes zeigen auf „Symphony for 2 Little Boys“ eindrücklich, wie wandelbar der Mix aus E-Gitarre und Kontrabass sein kann. Trotz begrenztem Instrumentarium erschaffen die beiden Musiker auf ihrem neuen Album einen mitunter überraschenden Sound, der sich jeder klaren Einordnung entzieht. Geschuldet ist dies wohl nicht zuletzt den unterschiedlichen musikalischen Einflüssen des Duos: De Grootes Gitarrenspiel schöpft aus verschiedensten Genres, von Jazz über Ambient bis hin zu Pop und Rock, Faes steuert einen reichen Erfahrungsschatz aus Klassik und Tango bei. Dass diese Mischung funktioniert, beweist schon der erste Titel. In „Le Métropolitain“ wechseln sich warme Unisono-Passagen ab mit wilden, rockigen Jazz-Improvisationen. Auch der nächste Track, „Bastien“, besticht vor allem durch Atmosphäre. Was anfangs als Hommage an Sebastian Bach gedacht war, entwickelte sich letztlich zu einem dunklen, teils schon bedrohlich anmutenden Stück mit viel Groove.


„Fermeture“ ist die erste von insgesamt drei Aufnahmen des Albums, auf denen sich Bass und Gitarre mit der gedämpften Trompete der New Yorker Jazz-Legende Dave Douglas verbinden. Dabei ergänzen sich Douglas‘ melodisches Spiel und der gut platzierte Sound des Duos beinahe wie von selbst.  Spätestens beim Hören von „Manifesto“ wird deutlich, dass die in Zusammenarbeit mit dem Trompeter entstandenen Tracks der ohnehin schon überzeugenden Platte einen echten Mehrwert bieten. „Manifesto“ kommt im Stil jüdischer Klezmer daher und zeigt erneut, wie facettenreich das Spiel des De Groote-Faes Duos ist.  Entsprechend unerwartet und anders präsentiert sich dann auch „La Bataille“ (zu Deutsch: „Die Schlacht“), welches mit gestrichenem Bass und harten Gitarrenklängen eine unheilvolle, gar postapokalyptische Kulisse skizziert. Ganz im Sinne dieses beklemmenden Ambientes ist auch „De eenzame treurwilg“, „Die einsame Trauerweide“.  Höchst melancholisch und persönlich klingt dieser Titel und ist eines der Highlights auf „Symphony for 2 Little Boys“, auch weil es das Können von De Groote und Faes einfängt, ganz klar und roh.

Wer selbst nach dem nahezu sinfonischen Intro und der  verzerrten Gitarre von „Cascamorras Blues“ noch nicht von der Vielseitigkeit der belgischen Musiker überzeugt ist, wird sich vielleicht von der nächsten Aufnahme überraschen lassen. „Help (I need it)“ ist nicht nur der einzige englischsprachig betitelte Track des Albums, sondern auch musikalisch eine Premiere des ansonsten instrumentalen Duos. Das Stück ist simpel gehalten, der erst ein-, später zweistimmige Gesang der beiden Musiker gepaart mit mal mehr und mal weniger sanfter Gitarre scheint wie die einzig logische Antwort auf die Lyrics des Liedes.

Das zweite Studioalbum in der Konstellation De Groote – Faes klingt munter, frisch, anders, besonders. Vor allem aber: nicht langweilig. Das Duo bricht alte Muster auf, und bezieht daraus originelles musikalisches Material. Das sorgt vor allem dann für Vergnügen, wenn man zu dem Hörertypus zählt, der es liebt, sich auch mal überraschen zu lassen.

Franziska Wenzlick

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