Der weite Raum der Sängerin Barbara Barth

Von Dietrich Schlegel. Für die Jazzsängerin Barbara Barth ist bezeichnend, dass auf sie dieser Begriff zu eng gefasst ist, denn sie besticht durch eine ungewöhnliche Bandbreite ihrer stimmlichen Präsenz. Folgerichtig zieht sie als Berufsbezeichnung auch „Stimme“ / „Voice“ vor. Die in Köln lebende Saarländerin bewegt sich bewusst zwischen den Polen swingender Standards und mit Elektronik experimentierender Avantgarde. In diesem weiten Spielraum bringt sie Erstaunliches an Klängen, Lauten, Geräuschen hervor, mit einer Stimme, die glasklar in den Höhen und voller Wärme in den tieferen Lagen klingt. Sie kann scatten like hell, fauchen, kreischen, flüstern, hauchen und auch wunderschön alte Songs singen, ein bestechender Reichtum an Facetten und Nuancen, dokumentiert auf bereits vier Alben. Eines nennt sie selbstbewusst „This is… Barbara Barth“. Zugleich bleibt sie selbstkritisch und bekennt „I’m still on my way…“ Von der Klassik zum Jazz Ihr Weg führte Barbara Barth, die 1983 in dem kleinen Dorf Braunshausen bei St. Wendel im Saarland geboren wurde, erst nach einem längeren Vorlauf zum Jazz. Gern gesungen hat sie schon als Kind und als Schülerin, sang in verschiedenen Chören, nahm dann an der Kreismusikschule in St. Wendel auch …

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30. Jazzfest der Jazzmusiker-Initiative München, Teil 2: Noch mehr Bilder eines Festivals

Der zweite Teil des 30. Jazzfestes München der Jazzmusiker-Initiative München JIM brachte an drei Abenden je drei Bands auf die Bühne der Black Box im Gasteig. Bei diesen 9 Konzerten wurde das Festival-Thema „Bilder einer Ausstellung“ in unterschiedlicher Weise aufgenommen, aber insgesamt deutlicher als an den vorausgegangenen Festival-Abenden Ende Oktober: Das Modern String Quartet nahm das Motto wörtlich und spielte Mussorgskys „Bilder eine Ausstellung“ swingend im eigenen Jazzarrangement. Ganz unmittelbar projizierte Sängerin Nina Michelle ihre eigenen, starkfarbigen Gemälde, meist mehr oder weniger abstrakte Kompositionen, zu ihren Liedern passend auf die große Leinwand hinter der Bühne. Begleitet von Peter Tuscher, Jan Eschke, Andreas Kurz und Rick Hollander. Das Duo Elwood & Reßle hatte sich um die Performerin Ruth Geiersberges verstärkt, um ihr Projekt wort- und klangstark zu präsentieren. Leider erschloss sich der Hintersinn dieser „Zeitreise 1877, 1966, 2019“ mit Bezug auf bestimmte Bilderwelten ohne erklärende Ansage nur dem, der ihn auf der Internetseite http://www.jazzfestmuenchen.de gelesen hatte. Kräftige Bilder im Kopf entstanden allerdings auch so. Für heimatliche Bilder hatte Bassklarinettist und Saxophonist Hugo Siegmeth mit seiner Bayrisch Jazz Group (Irmi Haager, Josef Reßle, Andreas Kurz, Bastian Jütte) …

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Roger Hanschel und „String Thing“ im Konzert 

Von Stefan Pieper. Lange war es still um den alten Bahnhof Mönchengladbach-Rheydt-Geneicken. Seit dem Herbst begegnen sich in diesem liebevoll restaurierten Architekturdenkmal aus dem Jahr 1899 Musik und bildende Kunst. Auch der Jazz hat hier einen zentralen Platz, wenn er überregionale Künstler zu Gastspielen anlockt und zudem der regionalen Szene ein Podium bietet. „kunstsignal“ haben die Macher ihre Initiative genannt. Der Name soll eine Marke sein für den frischen Aufbruchsgeist, mit dem ein ambitionierter Konzertbetrieb seitdem Fahrt aufnimmt. Der hohe Raum mit seiner offenen Akustik hat sich bereits bei einigen sehr unterschiedlichen Debut-Konzerten gut bewährt. Aktuell kam er einer Begegnung des Saxofonisten Roger Hanschel mit Gunther Tiedemanns Streichquartett „String Thing“ zu gute. Dieses Quartett sucht seinesgleichen: Wenn Cellist Gunther Tiedemann zusammen mit Nicola Kruse (Violine), Ingmar Meissner (Violine, Viola) und Jens Piezunka (Kontrabass und Gesang) aufspielen, öffnen sich die Tore sehr variantenreich in alle mögliche Richtungen. An diesem Abend wurde dieser fantastisch flexible Klangkörper zum Partner auf Augenhöhe für Roger Hanschel, dessen Spielweise und Klangkultur schon für sich genommen aus dem zahllosen Saxofonisten-Meer mit großem Wiedererkennungsfaktor herausragt. Fast ausschließlich neue Kompositionen erblicken an diesem Abend …

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 Olivia Trummer aus Stuttgart ist Jazz-Preisträgerin des Landes Baden-Württemberg 2019

Der Jazz-Preis Baden-Württemberg wurde in diesem Jahr zum 35. Mal verliehen. Erhalten können ihn Nachwuchsmusikerinnen und -musiker unter 35 Jahren, die in Baden-Württemberg leben oder durch ihre künstlerische Arbeit eine enge Beziehung zum Land haben. Darüber durfte sich dieses Jahr die Pianistin und Sängerin Olivia Trummer aus Stuttgart freuen. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 28. Juli 2019 im Rahmen eines Preisträgerkonzertes im Theaterhaus Stuttgart verliehen. „Olivia Trummer versteht die klassische Musik als Inspiration für ihre eigenständige musikalische Arbeit und überträgt Elemente daraus in den Jazz und die Improvisation. Sie hat einen persönlichen Stil im Zusammenspiel von Klavier und Gesang entwickelt und ist damit längst über die Landesgrenzen hinaus anerkannt“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski am Mittwoch (13. März) in Stuttgart. Die Vorsitzende der Jury, Gudrun Endress, begründete die Entscheidung wie folgt: „Olivia Trummer zeichnet Vieles aus. Die virtuose, sich in vielen Stilen bewegende Pianistin hat im Lauf der Jahre einen Gesangsstil entwickelt, der aus derselben Quelle kommt wie ihr Klavierspiel. Sie ist darüber hinaus eine der wenigen KünstlerInnen, die die Fähigkeit besitzt, charakteristische und inspirierende Elemente der klassischen Vorlagen mit Intuition und Fantasie …

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Chaplin’s Secret: Dotschy Reinhardt mit neuer CD

Mit ihrem mittlerweile vierten Album ist die Berliner Sängerin Dotschy Reinhardt  musikalisch einem Geheimnis auf der Spur. Entdeckt wurde es von Charlie Chaplins Tochter Victoria in dessen Nachttisch. Dort verwahrte der berühmte Daddy einen Brief, worin festgestellt wird, dass er – Charles Chaplin – nicht in London, sondern auf einem nahe gelegenen Grundstück geboren worden sei, auf welchem „romany people“, also Romanis kampierten. Dieses Geheimnis nimmt Reinhardt als Ausgangspunkt, um mit Eigenkompositionen und einigen Standards dem Swing von Django Reinhardts Hot Club, dem Bossa Nova und swingendem Jazz ihre Referenz zu erweisen. Eine coole Mischung, welche die Sinteza – die sich seit Langem aktiv für die Rechte von Sinti und Roma einsetzt – schon früher erfolgreich erprobt hat. Weich und geschmeidig singt sie von schwierigen Fragen des Lebens. Sie lädt ihre Landsleute ein Romanes zu sprechen, damit die Sprache ihrer Vorfahren nicht verloren geht und zeichnet mit ihrem Gitarristen Alexey Wagner eine wunderschöne, intime Liebeseinladung in den Himmel – „Fly Away“. Leider schmiert sie bei ihrem entschiedenen und selbstbewußten Aufruf „Romanes“ am Schluß ein wenig mit der Stimme ab. Eine kaum merkliche Beeinträchtigung, die den …

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Ein New Yorker im Ruhrgebiet – ein Recklinghäuser in New Work: Stefan Bauer und sein neues Album „Voyage West“

Der Vibrafonist Stefan Bauer ist mit Leib und Seele ein New Yorker, genauer gesagt ein Musiker aus Brooklyn, aber ebenso ein bekennender, aus Recklinghausen stammender Ruhrgebietsmusiker, der regelmäßig zu seinen vielbeachteten „Heimspielen“ viele Jazzgrößen aus NRW mobilisiert. Und Bauer ist in bestem Sinne ein musikalischer Reisender. In dieser Hinsicht betreibt er seit Jahren seine international besetzte Band „Voyage“ als einen überaus flexiblen Melting Pot unterschiedlicher Einflüsse. Der neuesten Wurf dieser Band, das Album „Voyage West“ featured vor allem die israelische Sängerin Tammy Scheffer. Üblicherweise agiert diese Vokalkünstlerin als gleichberechtigtes „Instrument“ in der Band, sticht aber auf dem neuen Album durch besonders ausgiebige Bravourparts hervor, derweil ihr die Bandmitglieder mit umgemein flexibler Spielfreude den roten Teppich ausrollen. Scheffer, der es vor allem nahöstliche und indische Musikstile angetan haben, verwebt auf den langen Stücken eine weit ausgedehnte Melismatik mit den Jazzimprovisationen ihrer Band, wobei es vor allem immer wieder zu aufregenden unisono-Parforecitten kommt. Das neue Album eröffnet in dieser Hinsicht erfrischende, neue Inspirationsquellen, etwa traditionelle nordische Melodien oder musikalische Themen, die wie alte englische Folktunes wirken. Gemeinsam schöpft die Band daraus ein aufregend variantenreiches Farbspektrum. Vor allem …

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Festival jazzopen Stuttgart eröffnet mit Verleihung der German Jazz Trophy 2019 an Dee Dee Bridgewater

Stuttgart. Über 50 Acts in elf Tagen auf fünf Bühnen. Nach der 25-jährigen Jubiläumsfeier im Juli letzten Jahres präsentieren die jazzopen Stuttgart vom 4. bis 14. Juli 2019 erneut ein vielfältiges Programm, in dem Jazz trotz allem Popstarrummel noch immer die DNA darstellt. Der Veranstalter Opus rechnet Pop-timistisch mit einem Besucherrekord von über 50.000. Auf der jazzopen-Hauptbühne im Ehrenhof des Neuen Schlosses treten Bob Dylan, Sting –„My Songs und Jamie Cullum & LP auf. Im Vorprogramm stehen Rickie Lee Jones, José James und das Moka Efti Orchestra feat. Severija auf der Schlossplatz-Bühne. Auf der zweiten Hauptbühne im Innenhof des Alten Schlosses präsentiert das Festival Mnozil Brass –„Gold“, Bobby McFerrin –„Gimme 5“ Chilly Gonzales & Kaiser Quartett sowie Chick Corea –„My Spanish Heart“. Als Festival-Auftakt ist erneut die Verleihung der German Jazz Trophy im SpardaWelt Eventcenter geplant  – dieses Jahr wird die Auszeichnung an die US-amerikanische Sängerin Dee Dee Bridgewater verliehen. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert sowie mit einer Statue des Stuttgarter Bildhauers Otto Hajek. Er wird verliehen von der Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg, der neuen musikzeitung und JazzZeitung.de Aus der …

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+++ News: +++ „jazzahead!“- Kulturfestival in Bremen +++

Håkon Kornstad und Mari Boine: Norwegen jazzt in Bremen Die Fachmesse jazzahead! findet  vom 25. bis zum 28. April 2019, in der Messe Bremen statt, begleitet vom Kulturfestival des diesjährigen Partnerlandes Norwegen, das bereits am 13. April startet. Offiziell eröffnet wird das zweiwöchige Festival mit einem Doppelkonzert im Theater am Goetheplatz. Auf dem Programm stehen neben viel Musik auch Literatur, Film, Kunst, Theater und mehr. Es sei eine Ehre, Partnerland der jazzahead! 2019 zu sein, sagt Aslaug Nygard, Botschaftsrätin für Kultur der Norwegischen Botschaft in Berlin. „Von der weltgrößten Jazz-Messe als relevantes Jazz-Land wahrgenommen zu werden, ist aber mehr – eine einzigartige Gelegenheit, um die norwegische Musik in Deutschland noch bekannter zu machen.“ Die Künstler des Abends, das Håkon Kornstad Trio und Mari Boine, seien seit Langem etabliert. „Sie sind beste Beispiele dafür, wie verschiedene Einflüsse neue musikalische Ansätze hervorzubringen vermögen.“ Den ersten Teil des Abends bestreitet das Trio rund um den Saxophonisten und ausgebildeten Opernsänger Håkon Kornstad. Die drei Musiker stellen ihr neuestes Album „Im Treibhaus“ mit Interpretationen und Improvisationen rund um Arien und Kunstlieder der Romantik vor, das Stilgrenzen ausdehnt, überwindet und zum …

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+++ News: +++ Workshopkonzert der Hochschule für Neue Musik und Jazz in Weimar +++ Jazzworkshop an der HfK Bremen für Studieninteressierte +++

Weimar: „Projekt Eins“ für Ersties? Die kostenfreie Jazznacht „Projekt Eins“ am 3. Februar in der Schützengasse bildet den Abschluss des diesjährigen Jazz-Workshops der Hochschule für Neue Musik und Jazz in Weimar – dort treten sechs Ensembles des Instituts auf. Um für ein Jazzstudium in Weimar zu werben, hatte das Institut für den 2. und 3. Februar zu einem kostenlosen Schnupper-Wochenende mit der Jazznacht als Höhepunkt nach Weimar eingeladen. Interessierte Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker aus der ganzen Bundesrepublik haben sich dafür angemeldet. Nach Weimar reisen Interessierte für die Fächer Saxophon, Klarinette, Posaune, Klavier, Gitarre, Bass, Drumset sowie Gesang. Während Workshop-Koordinator Prof. Wolfgang Bleibel die Blasinstrumente betreut, unterrichten auch seine Professoren-Kollegen Jo Thönes (Drumset), Manfred Bründl (Kontrabass / E-Bass), Achim Kaufmann (Klavier) sowie Jeff Cascaro und Michael Schiefel (Gesang). In einer Infostunde stellt der Komponist, Jazzmusiker und Arrangeur Stefan Schultze das Fach Arrangement und Komposition vor. Am Sonntag, 3. Februar erhalten die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer die Gelegenheit, in studentischen Ensembles zu spielen. Zum Abschluss folgt noch eine Besichtigung des Tonstudios und des Festsaals im Fürstenhaus. www.hfm-weimar.de Jazznachfolger für Bremen Die Jazzabteilung der HfK Bremen bietet für Studienbewerberinnen und …

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Sarah McCoy - Blood Siren
Sarah McCoy - Blood Siren

Sarah McCoy mit neuem Album bei Blue Note

Es gibt sie noch – angenehme musikalische Überraschungen: „Blood Siren“, Sarah McCoys neue CD, erschienen auf Blue Note Records, zählt ohne Zweifel dazu und ist gleichzeitig eine absolut ungewöhnliche Aufnahme. Das Album beginnt mit behutsamen, zurückhaltenden Tönen von Chilly Gonzales am Klavier, dann setzt die leicht dunkle Stimme Sarah McCoys ein, erzählt persönliche Geschichten und Begebenheiten. Ihr Gesang wandert dabei stilsicher zwischen Jazz, Singer-Songwriter oder Blues während zu den Klängen und Songs im Kopf eine Mischung aus New-Orleans-Voodoo-Film-Noir abläuft. Gleichzeitig ist „Blood Siren“ faszinierend instrumentiert. Leise, zurückhaltende Töne bestimmen das Geschehen, mal untermalt von Stella Le Pages Cello, oder der leichten, fast unmerklichen Synthesizer-Instrumentierung von Vincent Taurelle. Aber Sarah McCoy verlässt sich nicht nur auf Gonzales und Taurelle, sie begleitet ihren Gesang, fast beängstigend intensiv, z.B. in „The Death Of A Blackbird“ solo am Klavier oder untermalt „Someday“ oder „Mammas Song“ mit Klängen eines „spooky“ klingenden Toy-Pianos. Die Schönheit des Klangs wechselt sich ab mit betörenden, mal frostig bluesigen Klängen und McCoys faszinierender Stimme, die den Hörer in seinen Bann zieht. Sarah McCoy nimmt in ihren Texten kein Blatt vor den Mund und gewährt tiefe Einblicke …

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