„Von Ersatz kann keine Rede sein!“ – „Latin meets Gypsy“ begeisterte im Jazzkeller Hürth

Nachdem das Ensemble «globalBEAT» das letzte Mal 2016 für den Jazzclub in Hürth aufgetreten war, hätte die Formation rund um den Chapman-Stick-Virtuosen Christian Becker am Wochenende eigentlich erneut im Jazzkeller auf der Hermülheimer Straße spielen sollen. Leider sagte «globalBEAT» acht Stunden vor Konzertbeginn krankheitsbedingt ab. Da stellte sich für Günter Reiners, Vorsitzender des Jazzclubs Hürth e. V., die Frage: „Was tun?“


Glücklicherweise ist der Jazzclub Hürth bestens vernetzt: Mit einigen Telefonaten schaffte es Reiners buchstäblich in letzter Minute, Ersatz für das Konzert zu finden. Wobei wirklich nicht von „Ersatz“ gesprochen werden sollte, wenn man der hohen musikalischen Qualität Rechnung trägt, die ein spontan gebildetes Ensemble aus vier mit dem Jazzclub verbundenen Musikern am Abend auf die Bühne brachte. Unter dem rasch gefundenen Titel «Latin meets Gypsy» unternahmen die Gitarristen José Díaz de León und Sven Jungbeck, die seit einiger Zeit zusammen als Duo auftreten, zusammen mit dem in Hürth bestens bekannten Geiger Sebastian Reimann sowie Christoph Bormann am Bass einen Streifzug durch Gypsy Swing und Latin-Jazz. Ein Programm, das in seiner Qualität und dramaturgischen Ausgewogenheit überraschte.

Funkensprühendes Feuerwerk

Sebastian Reimann, José Díaz de León und Sven Jungbeck als Duo und Christoph Bormann

Den Anfang machten die Musiker mit Gypsy Swing aus der Feder Django Reinhardts, Vater des Genres und Inspiration für alle Gitarristen, die in seinen Fußstapfen unterwegs sind. In «Django’s Tiger» und «Minor Blues» zeigten die Interpreten sauberes Ensemblespiel und hervorragende Soli. Mit der Komposition «Veinte años» von María Teresa Vera schlug das Ensemble einen Bogen zum Latin-Jazz. José Díaz de León bewies sich bei diesem Bolero genauso als einfühlsamer Sänger wie in dem von Antonio Machín im spanischsprachigen Raum unsterblich gemachten Bolero «Dos gardenias» der Kubanerin Isolina Carrillo. In «Manhã de carnaval» aus Marcel Camus‘ filmischem Meisterwerk «Orfeu negro» hellte das Ensemble die Melancholie des Bossa-Nova-Klassikers zu sommerlicher Lässigkeit auf. In Chick Coreas latino-inspirierten Standard «Spain» meisterten die naturgemäß kaum vorbereiteten Musiker die Schwierigkeiten des Unisono-Spiels mit verblüffender Sauberkeit. Feinste Schattierungen und Nuancen ließ das Ensemble Dango Reinhardts «Nuages» angedeihen. José Díaz de León steuerte leuchtende Flageolett-Töne bei und unterhielt einen angeregten Dialog mit Sven Jungbeck. Sebastian Reimann ergriff gegen Ende des Stückes die Gelegenheit beim Schopfe und zündete mit seinem Solo ein funkensprühendes Feuerwerk aus Zitaten, musikalischen Effekten und virtuosen Einlagen.

„Musikalisch herausragender Abend“

Günter Reiners zeigte sich nach dem Konzert beeindruckt und begeistert von der musikalischen Qualität des Abends. „Es ist natürlich für den Jazzclub immer traurig, wenn ein Programmpunkt nicht wie geplant stattfinden kann. Wenn die Folge aber ist, dass man kurzfristig ein Ensemble nach Hürth eingeladen bekommt, das aus dem Nichts heraus einen musikalisch derart herausragenden Abend gestalten kann, darf man sich wirklich glücklich schätzen“, ließ er im Gespräch mit dem Publikum wissen. „Die Jungs haben ohne Proben- und Vorbereitungszeit hervorragend gespielt. Von Ersatz kann also keine Rede sein. Im Gegenteil: Es hat uns so gut gefallen, dass wir die Musiker in genau dieser Besetzung sicher bald noch einmal zu uns einladen werden“, so Reiners weiter. Das nächste Highlight im Programm des Jazzclubs ist ein Konzert des Trios Accordion Affairs am 29. März im Jazzkeller.


Advertisements

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.