Barbara Barth und Manuel Krass präsentierten neue CD im Café Livres in Essen

Von vielen Büchern umgeben zu sein, produziert eine eigene Behaglichkeit. Das Café Livres in Essen hat sich genau dieser Deko-Idee verschrieben. Aber das niveauvolle Kulturprogramm dieser kleinen, gemütliche Location beweist, dass der Anspruch weiter, über das rein Dekorative hinaus geht. Also war dieser Ort für die Sängerin Barbara Barth der denkbar beste Rahmen für ein Präsentationskonzert ihrer neuen Duo-CD zusammen mit dem Pianisten und Keyboarder Manuel Krass. Für Barbara Barth, die heute in Köln lebt, ist Essen die „alte Heimat“, weil sie hier an der Folkwanghochschule studierte. Den Pianisten Manuel Krass kennt sie schon von früher, beide sind in Saarbrücken groß geworden, wo beide auch Lehraufträge haben. Dass es zwischen den beiden künstlerisch passt, zeigt ihre Duo-CD.


Während die Sonne frühsommerlich in den hellen Raum hinein flutet, lassen die beiden das Eröffnungs- bzw. Titelstück ihrer CD so „sphärisch“ wie nur möglich beginnen. Barbara Barths ausgedehnten, atmenden Gesangslinien werden von sparsam dahingetupften Synkopen vom Fender Rhodes beantwortet. Immer geht es darum, den Raum weit zu machen – mit gesungenen Strophen, in weitgespannten Melismen, aber auch in Parts, in denen die – oft mutig virtuos und zuweilen experimentell eingesetzte –  Stimme zum gleichberechtigten Instrument wird. Viel Fantasie lebt beim Umgang mit Klangfarben und Effekten, bei denen es immer wieder um die Manipulation der Räumlichkeit geht.

Manuel Krass fungiert auf Stagepiano und Laptop als Raumgeber, Widerpart und Dialogpartner und oft alles zugleich – mit nie einem Ton zu viel! Da gibt eine sparsame Tonfolge im richtigen Moment eine modale Struktur vor, um ein ganzes Stück oder eine Duo-Improvisation daraus abzuleiten. Oder es fordern rhythmische Texturen Barbara Barth zu lautmalerischen Improvisationen  heraus. Und immer scheint Manuel Krass ein ganzes Arsenal von verschiedenen Tasteninstrumenten zu bedienen – sei es Konzertflügel, Hammerklavier oder Celesta. Alle diese Sounds hat er sorgsam am Rechner konzipiert und seinem Stagepiano „virtuell“ einverleibt.

Das Duo hob an diesem Abend aber nicht nur in freie Klangsphären ab –  denn dafür spannen eindringliche, in bestem Sinne „große“ Songs immer wieder neu den emotionalen roten Faden! Nicht nur schottische Folk-Tunes haben es Barbara Barth angetan, die sie mit klarer, vor allem in Mittellage sehr ausdrucksstarker Stimme intoniert. Schon im nächsten Moment wird wieder lustvoll mit dem Material gespielt und alles „low-fi-mäßig“ durch den Verzerrer gejagt. Auch aus Cole Porters „Every time we say goodbye“ machen die beiden etwas gänzlich neues.

Barbara Barth im Café Livres. Foto: S. Pieper

Diese aktuell in Köln lebende, vielbeschäftige Musikerin kann selber Songs schreiben – und wie! Das Stück „Let go“ beginnt sehr verspielt, fast spielzeughaft, dann kommt subtile Jazzharmonik ins Spiel, die schließlich in eine sehnsuchtsvoll-melancholische Ballade mündet. Das setzt so viel tiefe Emotion frei, dass einem sowieso jedes Nachdenken über „Stilschubladen“ oder „Genres“ vergeht, ebenso auch in anderen neuen Stücken aus eigener Feder, die  „One day she`ll fly“ oder „Inner Peace“ heißen.

Die Quellen für diese neue Duo-Konstellation fließen nach wie vor reichlich. Es kamen im Café Livres schon wieder neue Stücke zur „Uraufführung“, die noch gar nicht veröffentlicht sind. In einem ganz neuen Song namens „They say“ kommt Barbara Barth ins Philosophieren. Nämlich über die Herausforderung, den eigenen Weg zu finden und sich von Erwartungen anderer frei zu machen. Von der Lust daran, weiter auf der Suche zu sein, nach etwas zu streben. Was vielleicht sogar spannender ist, als wenn der ersehnte Zustand schließlich eingetreten ist. Bei diesem intimen, konzentrierten Livekonzert im Essener Café Livres wurde demonstriert, wie aufregend so eine Suche sein kann. Mit Krass, der wie sie selbst, aus Saarbrücken stammt, hat Barth schon früher zusammen gearbeitet. Dass es zwischen den beiden künstlerisch passt, zeigt die neue Duo-CD unter dem Titel „In Spheres“.

Barbara Barth & Manuel Krass: In Spheres,  jazzhaus Musik 2018

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