Veteranentreff mit Hipnessfaktor beim 1. Landesjazzfestival Bayern in Regensburg

Ron Carter. Foto: TJ Krebs
Ron Carter. Foto: TJ Krebs

Ein wahres Feuerwerk, um einmal die abgegriffene Metapher zu nutzen, hat der amerikanische Gitarrist John Scofield am letzten Abend des 1. Bayerischen Landes-Jazzfestivals in Regensburg abgebrannt. Im Velodrom, einem Baudenkmal, bestritt er im Quartett mit Larry Goldings (p, org), Altmeister Steve Swallow am E-Bass und Youngster Bill Stewart (dr) ein Doppelkonzert neben dem Dusko Gojkovich-Scott Hamilton Quintett. An diesen beiden stilistisch weit auseinanderliegenden Bands lassen sich gut programmatische und kulturpolitische Aspekte der LAG Jazz in Bayern e.V. festmachen, die das Festival zusammen mit dem örtlichen Jazzclub auf die Beine gestellt hat.


Internationale Stars sollten sich die Bühne mit bedeutenden Vertretern der bayerischen Szene teilen, junge, wenig bekannte Musiker gleichberechtigt neben bekannten Größen stehen. Im Prinzip hat das – fast – funktioniert. Mit dem jungen Trio des 25-jährigen Rosenheimers Leo Betzl, Gewinner des diesjährigen LAG-Jazzpreises und Student der Münchner Musikhochschule, eröffnete ein enorm spannendes Klaviertrio energiegeladen und federleicht swingend zugleich das frisch aus der Taufe gehobene Festival. Allerdings hielt sich die Resonanz, ebenso wie beim knackig groovenden Funk-Soul-Blues-Jazz-Gemisch des Münchner Orgeltrios „Organ Explosion“ am zweiten Abend ziemlich in Grenzen. Offensichtlich ist es selbst mit diesem hippen Retro-Instrumentarium und tanzbaren Grooves nur bedingt gelungen auch junge Menschen anzusprechen und in die Clubs und Venues zu locken. John Scofield, der auf seiner Tour erstmals sein neues, ebenfalls retro-orientiertes Programm aus alten Cowboy- und Countrysongs, „Country for old Men“, in Europa vorstellte, brachte es mit einem lakonischen „Look at yourself“ verschmitzt spöttelnd auf den Punkt. Bei aller großartigen Musik, mit der Scofield (64 Jahre) selbst, der immer noch glanzvolle Trompeter Dusko Goykovich (85 Jahre), Tenorsaxofonist Scott Hamilton (62 Jahre) und der wunderbare Ron Carter (79 Jahre) mit seinem „Golden Striker Trio“ das Publikum eins ums andere Mal begeisterten, es war ein bisschen ein Veteranentreff des Jazz – mit großem Hipnessfaktor allerdings.

Für alle, die in Regensburg Ron Carter’s „Golden Striker Trio“ verpasst haben ergibt sich in München diesen Donnerstag, den 27.10. um 21:00h im Nightclub des Hotels Bayerischer Hof nochmal die Gelegenheit, diese außerordentliche Formation live zu hören.

Text: Michael Scheiner. Bilder: TJ Krebs und Michael Scheiner

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