Chico Freeman’s „Exotica“ eröffnet das Herbstprogramm „New York im Bayerischen Hof“

Im Rahmen der Konzertreihe „New York im Bayerischen Hof“, die mittlerweile seit mehr als fünfundzwanzig Jahren (!) im Nightclub des legendären Münchner Hotels stattfindet, eröffnete Chico Freeman’s Formation „Exotica“ das diesjährige Herbstprogramm. Ein gelungener Auftakt letzte Woche, den Chico Freeman gemeinsam mit Heiri Känzig am Bass und dem Ausnahmepercussionisten Reto Weber präsentierte. Die drei Musiker, unbestritten allesamt Meister ihres Fachs, begeisterten das Publikum mit ihren Kompositionen, vielfältigen Klangfarben, differenzierten Rhythmen und wunderbaren Improvisationen. Seit Jahrzehnten geben sich internationale Stars, Größen der JAZZ- & LATIN-Szene die Klinke des traditionellen Nachtclubs in die Hand und auch dieser Herbst verspricht erneut musikalisch abwechslungsreiche und spannende Gigs! So wird am 21.10. erst einmal der legendäre Jethro Tull Gitarrist Martin Barre mit seiner Band den Nightclub rocken. Es folgt John Scofield im Duo mit Jon Cleary am 11.11. und als weiteres Jazz-Highlight am 19.11. Ron Carter‘s „Foursight“  Quartett (!), mit Renee Rosnes, Jimmy Greene und Payton Crossley. Am 26.11. gibt sich das Brooklyn Funk Ensemble wieder einmal die Ehre und wird den Club in gewohnter Weise in eine Jazz-, Funk- & Groove-Sauna verwandeln. Am Tag darauf, dem 27.11., wird Pianist …

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Wo der Bass die erste Geige spielt

Anfang Juli war er wieder einmal in München, um auf der Bühne des Night Clubs im Hotel Bayerischer Hof seinen kammermusikalischen Weltmeisterjazz zu präsentieren: Bassist Ron Carter im Trio mit Gitarrist Russell Malone und Pianist Donald Vega. Ein Schlagzeug hätte bei dieser fein gemachten Musik nur gestört. Seit fast sieben Dekaden gilt der smarte wie sympathische Kontrabassist aus Ferndale/Michigan als einer der wichtigsten, kreativsten und strahlkräftigsten Vertreter seiner Zunft. Mit seiner Philosophie der absoluten Professionalität und Verlässlichkeit erhob er sich zum Vorbild ganzer Generationen von Jazzmusikern. Sein einzigartiges Spiel ist auf schätzungsweise zweitausend fünfhundert Alben zu hören, rund fünfzig davon nahm er als Leader auf. Seine technischen und musikalischen Mittel sind grenzenlos, sein legendärer Ruf auch. Ralf Dombrowski war vor Ort und fing die warme Stimmung der Musik auch im Bild ein.

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Zum Tod von Geri Allen

Wie die New York Times meldet, starb die US-amerikanische Pianistin Geri Allen am 27. Juni an den Folgen einer Krebserkrankung im Alter von 60 Jahren in einem Krankenhaus in Philadelphia. Allen wurde in den 80er-Jahren (siehe unser Foto) bekannt, als sie nach New York zog und Mitglied des M-Base Collective um den Altsaxophonisten Steve Coleman wurde. Das M-Base Collective, das bald auch in Europa starke Beachtung fand, vereinte in seiner Musik Rhythmen aus der afrikanischen Diaspora mit experimenteller zeitgenössischer Jazzmusik. Später arbeitete Geri Allen eng mit Jazz-Klassikern wie dem Bassisten Charlie Haden und dem Schlagzeuger Paul Motian zusammen. In ihrem Stil vereinte Allen die verschiedensten Elemente der Jazz-Piano-Geschichte, wie von Bud Powell, Thelonius Monk, Cecil Taylor und Mary Lou Williams. Als gefragte Solistin spielte sie mit Tony Williams, Ron Carter und später sogar mit dem Freejazz Pionier Ornette Coleman, der bekanntermaßen sonst nicht gern mit Pianisten zusammenarbeitete, weil er das Instrument als harmonisch zu restriktiv empfand. Geri Allen unterrichtete als Gastprofessorin an der Howard University; sie bekleidete eine außerordentliche Professur für Jazz-Piano und Improvisation an der School of Music, Dance & Theatre der University of …

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+++ Pat Metheny 2017 auf Welttournee +++

Der mit 20 Grammys ausgezeichnete Gitarrist Pat Metheny hat Mitte Dezember 2016 eine umfangreiche Welttournee unter dem Motto ›an evening with Pat Metheny‹ angekündigt. Metheny, der kürzlich als jüngster und vierter Gitarrist überhaupt (neben Django Reinhart, Charlie Christian und Wes Montgomery) in die Hall of Fame des weltweit einflussreichsten Jazz-Magazins Downbeat aufgenommen wurde, wird an diesen besonderen Abenden Musik aus nahezu allen Schaffensperioden seiner Karriere präsentieren. Nach dem großen Erfolg seiner Grammy prämierten ›Unity Band‹ und ›Unitiy Group‹ Veröffentlichungen und den anschließenden exzessiven Tourneen nahm Pat Metheny sich 2015 eine wohlverdiente Auszeit – tatsächlich offenbar die erste überhaupt seit 1994, wie er selbst zu Protokoll gibt. Wie man sich denken kann, war Metheny während dieser Pause alles andere als untätig. Er nutzte diese Zeit zu Forschungszwecken musikalischer Natur und zur Weiterentwicklung einiger Ideen, die ihm seit längerem im Kopf herumschwirrten. Und auch ohne große Tourneepläne war Pat Metheny selbstverständlich dennoch live zu erleben: Ob mit der Hommage für die Eberhard Weber Konzertreihe, bei ausgesuchten Konzerten in Europa, Japan und Amerika oder als Artist in Residence beim Detroit Jazz Festival, bei dem er mit seinem eigenen …

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Veteranentreff mit Hipnessfaktor beim 1. Landesjazzfestival Bayern in Regensburg

Ein wahres Feuerwerk, um einmal die abgegriffene Metapher zu nutzen, hat der amerikanische Gitarrist John Scofield am letzten Abend des 1. Bayerischen Landes-Jazzfestivals in Regensburg abgebrannt. Im Velodrom, einem Baudenkmal, bestritt er im Quartett mit Larry Goldings (p, org), Altmeister Steve Swallow am E-Bass und Youngster Bill Stewart (dr) ein Doppelkonzert neben dem Dusko Gojkovich-Scott Hamilton Quintett. An diesen beiden stilistisch weit auseinanderliegenden Bands lassen sich gut programmatische und kulturpolitische Aspekte der LAG Jazz in Bayern e.V. festmachen, die das Festival zusammen mit dem örtlichen Jazzclub auf die Beine gestellt hat. Internationale Stars sollten sich die Bühne mit bedeutenden Vertretern der bayerischen Szene teilen, junge, wenig bekannte Musiker gleichberechtigt neben bekannten Größen stehen. Im Prinzip hat das – fast – funktioniert. Mit dem jungen Trio des 25-jährigen Rosenheimers Leo Betzl, Gewinner des diesjährigen LAG-Jazzpreises und Student der Münchner Musikhochschule, eröffnete ein enorm spannendes Klaviertrio energiegeladen und federleicht swingend zugleich das frisch aus der Taufe gehobene Festival. Allerdings hielt sich die Resonanz, ebenso wie beim knackig groovenden Funk-Soul-Blues-Jazz-Gemisch des Münchner Orgeltrios „Organ Explosion“ am zweiten Abend ziemlich in Grenzen. Offensichtlich ist es selbst mit diesem hippen …

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