New Orleans tief verbunden – Zum Tode von Gerhard „Doggy“ Hund, Chef der Maryland Jazz Band of Cologne

Gerhard Hund ganz rechts im BildVon Dietrich Schlegel – „You know what it means to miss New Orleans“. Dieser alte Song stand wie ein Leitmotiv über dem Leben von Gerhard „Doggy“ Hund, dem Mitgründer, Leader und Posaunisten der Maryland Jazz Band of Cologne. Gerade erst, am 29. August, dem 10. Jahrestag, war der Verwüstung von „Big Easy“ durch den Hurrikan „Katrina“ gedacht worden, da starb nur eine Woche später der in Wien geborene, im Rheinland heimisch gewordene Musiker nach kurzer schwerer Krankheit, doch völlig überraschend für seine vielen Freunde und Fans mit 72 Jahren in seinem Wohnort Kerpen bei Köln. Kaum vorstellbar, dass sich ein anderer deutscher Jazzmusiker derart tief mit der Geburtsstadt des Jazz verbunden fühlte. 1979 war er erstmals dorthin gereist, um den Wurzeln des originalen Jazz, die er nach Jahren des damals für Amateurbands üblichen British Trad durch die Musik eines Bunk Johnson oder George Lewis endlich für sich entdeckt hatte. Unzählige Besuche folgten, mehrfach auch mit seiner kompletten Band. 2011 trat sie erstmals – als offizieller deutscher Kulturbeitrag – und 2014 nochmals beim Jazz & Heritage Festival auf. Sie gab Gastspiele in der legendären Preservation Hall und im Palm Court Jazz Café. Bereits 1998 war „Doggy“ Hund persönlich sowie der gesamten Band die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen worden. „Die Maryland Jazz Band“ hatte ihren Stil mittlerweile erweitert. Gemäß „Doggys“ Slogan „New Orleans Jazz live from Today“ wurden Einflüsse der heute in „Nawlins“ gespielten Musik wie karibische Rhythmen und aufgenommen.

Seit 1979 lud der auch sozial sehr engagierte, im Zivilberuf als Leiter einer Grundschule tätige Bandleader namhafte Musiker aus New Orleans als Gastsolisten für die jährlichen Tourneen der „Maryland Jazz Band“ durch Deutschland und die Benelux-Staaten ein. Dazu zählten so legendäre Musiker wie Percy und Willy Humphrey, Kid Thomas und Louis Nelson, aber auch jüngere wie die Trompeter Wallace Davenport und Dave Bartholomew.


Gastsolist im „Katrina“-Jahr war Lucien Barbarin, ein Großneffe von Louis Armstrongs einstigem Drummer Paul Barbarin. Der Posaunist hatte mit so unterschiedlichen Musikern wie Doc Cheatham, Nicolas Payton, Wynton Marsalis gespielt und ist ständiges Mitglied der Big Band von Harry Connick jr. Er gehörte zu den Jazzmusikern, die durch den Hurrikan und die anschließende Flut ihr ganzes Hab und Gut und ihre Häuser verloren hatten. Gegenüber der JazzZeitung (2005/11) schilderte er damals seines und seiner Mitbürger Schicksal. Und er bedankte sich für die seinerzeitige großzügige Hilfe aus Deutschland: „I just want to say to the people of Germany that we appreciate (your help) because we need help, a lot of the people there needs help, not just the Jazz musicians, a lot of people that don’t have nothing no more.“

Zu dieser Hilfe zählten auch die 18.000 €, die als Spenden auf jener Herbsttournee mit Lucien Barbarin und aufgrund eines Aufrufs auf der „Maryland“-Homepage eingegangen waren. Dort hatte „Doggy“ Hund an die Freunde und Fans seiner Band im In- und Ausland bis hin in die Schweiz appelliert: „New Orleans steht unter Wasser – Die Stadt braucht unsere Hilfe. Wer diese Stadt als Musikmetropole und Geburtsstadt des Jazz liebt, muss jetzt helfen!“ Die Summe wurde aufgeteilt auf vier der Band verbundene Musiker, die alles verloren hatten, sowie einen Hilfsfonds der Preservation Hall und einen non profit Radiosender, der ganztägig Jazz sendet und dessen Studio zerstört worden war.

Auch für die diesjährige Herbsttournee hatte „Doggy“ Hund wieder einen renommierten Musiker aus New Orleans als Gastmusiker engagiert, den Klarinettisten Michael White, mit dem gemeinsam er immer mal auftreten wollte. Dazu kann es nun nicht mehr kommen. Aber die „Maryland Jazz Band of Cologne“, die in wechselnden Formationen seit 1959 besteht, wird ihre Konzertverpflichtungen erfüllen. Wie und ob es danach ohne ihren umsichtigen und umtriebigen Chef weitergehen soll, weiß derzeit noch niemand zu sagen. Sein musikalisches Vermächtnis enthalten die zahlreichen CDs mit den vielen Gastsolisten aus New Orleans, die sich auf der Homepage der Band finden: www.marylandjazzband.cologne. Die traditionelle deutsche Jazzszene hat durch den Tod Gerhard „Doggy“ Hunds einen ihrer profiliertesten Vertreter verloren – und die Jazzstadt am Mississippi-Delta wohl einen der engagiertesten Bewahrer ihrer Tradition außerhalb der Vereinigten Staaten.

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