Eine vitale deutsch-amerikanische Begegnung: Im Regensburger Degginger überzeugte ein New Yorker Trio mit Gitarrist Rüdiger Eisenhauer mit modernem Jazz und Latingroove

Was für ein Treibauf! Oder auch Antreiber, das kommt – wie immer – auf die Perspektive an. Adam Nussbaum, Schlagzeuger im Quartett mit Rüdiger Eisenhauer, Gitarre, Mark Soskin am Flügel und Bassmann Jay Anderson, hatte beim Konzert im Degginger auf jeden Fall die Hosen an. Lustvoll trieb er seine Mitspieler mit harten Schlägen vor sich her, gab Gas und bremste im nächsten Moment wieder ein. Bei dunklen Bluesballaden schien er die Luft anzuhalten, so dass von seinem hingetupften Spiel kaum mehr etwas zu hören war. Dann wieder drehte er auf und eilte auch mal Zehntelsekunden voraus. Daneben riss er Witze, versuchte auch das unschlüssige Publikum zu animieren, aus sich herauszugehen, und vollführte solistisch regelrechte Tänze auf Becken und Fellen. Der 60-Jährige, der eine Stunde außerhalb des Big Apple in ländlicher Umgebung lebt, gehört seit Jahrzehnten zu den bestbeschäftigten Schlagzeugern in New Yorks Jazzszene. Er ist auf vielen Alben des im letzten Jahr verstorbenen Gitarristen John Abercrombie zu hören, spielte mit Sheila Jordan, Steve Swallow, Stan Getz und der Bigband von Carla Bley. Zudem war Nussbaum Mitglied im Quintett von Dave Liebman und unterrichtet heute an …

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Trauer um den Posaunisten, Bandleader und Hochschullehrer Erich Kleinschuster

In der Nacht vom 11. auf den 12. September ist der renommierte Grazer Jazzposaunist und Professor für Jazzposaune an der Kunstuniversität Graz, Erich Kleinschuster, verstorben. Dies meldete heute die Kunstuniversität Graz, an der er seit der Gründung des Grazer Jazzstudiengangs 1965 bis zu seiner Emeritierung wirkte. Der am 23. Januar 1930 in Graz geborene Jazzposaunist Erich Kleinschuster wirkte als Komponist, Arrangeur und Solist, als Leiter zahlreicher Jazzensembles und last but not least als engagierter Pädagoge. Im Laufe seiner langjährigen internationalen Karriere pflegte er Erfahrungsaustausch mit einigen der wichtigsten zeitgenössischen Jazzsolisten, darunter Art Farmer, Dusko Gojkovic, Albert Mangelsdorff, Stan Getz, Joe Zawinul, Volker Kriegel, Mel Lewis und Aladar Pege. Als Start dieser Karriere gilt die Einladung in die USA zum New Port Jazz Festival als Vertreter Österreichs und als Posaunensolist im „New Port International Youth Orchestra“ unter Marshall Brown im Jahre 1958. Nach seiner  Rückkehr wirkte Kleinschuster in Wien als freiberuflicher Studiomusiker und Jazzposaunist, Komponist und Arrangeur. 1965 gehörte er dem Gründungsensemble des Institutes für Jazz an der damaligen MAkad. (jetzt MUniv.) in Graz an. Mitwirkung u. a. im Orchester von J. Fehring (1958–65) in Wien und …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 27.08. bis 02.09.2018

Ein kleiner Blick in die Jazzwoche 35 im Radio. Ab jetzt mit dem ARD Radiofestival 2018. Wochentags von 23:35 bis 00:00 auf hr2-kultur | MDR Kultur | NDR Kultur | Bremen Zwei | SR2 KulturRadio | SWR 2 | WDR 3. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Jazz im Radio (Fernsehen) SR2 – JazzNow – Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr BR-KLASSIK – Jazztime – Von Montag bis Freitag täglich um 23.05 Uhr rbb-kulturradio – Late Night Jazz – Sa und So 23:04 – 24:00 Uhr hr2-kultur – Jazz in hr2-kultur – täglich SWR2 – Jazz – täglich WDR3 – JAZZ & WORLD – Improvisiertes zum Tagesausklang – Montag bis Freitag, 22.04 – 0:00 Uhr Deutschlandfunk – Jazz (Überblick) – Jazz Live, JazzFacts und Milestones Deutschlandfunk Kultur – Jazz – diverse Sendetermine ARTE TV – Jazz 27.08.2018 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor Sechs – Galt MacDermot: Ain’t got no – I got life,  Hair (Musical, 1967) 19:04 bis 20:00 | hr2-kultur Hörbar: Musik grenzenlos 19:35 bis 20:00 | MDR Kultur MDR KULTUR – Jazz Lounge: Silje Nergaard, …

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Gewinnen Sie Tickets! JAZZ SOMMER 2018 im Bayerischen Hof

Als Medienpartner des Jazz Sommers im Bayerischen Hof verlosen wir 15 mal 2 Tickets. Versuchen Sie Ihr Glück – Postkarte oder E-Mail genügen! Das Festival „Jazz Sommer im Bayerischen Hof“ gilt als offizieller Nachfolger des Münchner Klaviersommers, der bis Ende der 90er Jahre Weltstars wie Miles Davis, Sonny Rollins, Keith Jarrett, Stan Getz, Wynton Marsalis, aber auch Klassik-Stars wie Svjatoslav Richter, Jewgenij Kissin, Martha Argerich, Ivo Pogorelich in der Philharmonie und anderen Hallen der Hochkultur in München prästentierte. Auch diesen Sommer bietet das 2007 vom Hotel Bayerischer Hof gegründete Festival vom 23. – 28. Juli ein erlesenes und abwechslungsreiches Musik-Programm im Festsaal und Night Club. Das Festival wird am 23.7. von der britische Soul-Jazz-Band Incognito eröffnet. Im Anschluss daran spielt Nik West mit ihrer Band im Night Club coolen Funk. Die Blues-Legende Lucky Peterson tritt am 24.7. mit seiner Band The Organisation feat. Tamara Tramell auf. Am 25.7. präsentiert der Gitarrist Bill Frisell neu arrangierte Filmmusikklassiker aus seinem Projekt „When You Wish Upon A Star“. Die zweite Festivalhälfte ist dominiert von CD-Vorstellungen ebenfalls internationaler Musiker: The Queen of Afro Groove Manou Gallo (Titelbild) präsentiert ihre neue …

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Alexander Bühl ist Jazz-Preisträger des Landes Baden-Württemberg – Bernd Konrad erhält Jazz-Ehrenpreis

Alexander Bühl ist Landesjazzpreisträger 2018 Der Saxophonist Alexander Bühl ist Jazz-Preisträger des Landes Baden-Württemberg 2018. „Alexander Bühl, der von John Coltrane, aber auch von Lester Young und Stan Getz beeinflusst ist, gehört mittlerweile zu den wichtigsten neuen Tenorsaxophonisten in Deutschland“, sagte die baden-württembergische Kunststaatssekretärin Petra Olschowski bei der Bekanntgabe des Preisträgers. „Er ist ein erfindungsreicher Saxophonist mit glänzender Technik und melodischem Einfallsreichtum. Er vereinigt vielfältige Einflüsse in seinem persönlichen Stil, die ihn – gepaart mit Geschmacksicherheit, dramatischem Gespür sowie einer perlenden Leichtigkeit – zu einer spannenden jungen Musikerpersönlichkeit machen. Die Jury unter Vorsitz von Prof. Bernd Konrad stellte fest: „Der Saxophonist und Komponist Alexander Bühl ist ein Musiker, der in vielfältigen Formationen arbeitet. In kleinen Besetzungen sowie in Big-Bands gelingt es dem Saxophonisten, durch packende Improvisationen und durch interessante, spannende Kompositionen das Publikum und die Fachwelt zu begeistern“. Bereits vor seinem Studium an der Hochschule für Musik Nürnberg spielte Bühl im „Landesjazzorchester Baden-Württemberg“ unter der Leitung von Bernd Konrad und gewann später das „Skoda-Stipendium“ für das„Bundesjazzorchester“, mit dem er Tourneen nach Südafrika und Indien unternahm. 2017 erschien seine zweite Sextett-CD „All About Gershwin“, die sich …

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Dizzy Gillespie in a concert in 1988

Dizzy lives! Zum 100. Geburtstag von Dizzy Gillespie

Endlich konnte ich Dizzy sehen. Er trat auf die Bühne und sagte: „Ich möchte die Musiker vorstellen“. Danach stellte er scheinbar ernsthaft, doch aus Lust am Ulk die Musiker einander auf der Bühne vor. Schallendes Gelächter des Publikums, das Eis war gebrochen und das Konzert konnte losgehen. Sich an Dizzy Gillespie erinnern, heißt auch, sich seine unbezähmbare, mit Experimentierlust verbundene Spielfreude ins Gedächtnis zu rufen, nochmals über die Clownerien eines begnadet ironischen Spaßmachers zu schmunzeln. Bei allem Wissen um den tiefen künstlerischen Ernst, mit dem der geniale Innovator seine Tonsprache und damit einen Grundbaustein des modernen Jazz überhaupt formte, ist es seine ansteckende, auf die Hörer überspringende Lebensfreude, die unser Bild von ihm prägt. Einmal „Ool-ya-koo“ oder „Manteca“ hören und Kummer wird buchstäblich weggeblasen von den atemberaubenden, akrobatischen Höhenflügen seiner strahlenden Trompete.

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Ein Buch-Tipp: 100 Jahre Jazz

Die Geburtsstunde des Jazz ist ja nach wie vor umstritten. Das gibt der Autor dieses Jubiläumsbandes auch ganz offen zu. Viele datieren sie aber nach wie vor auf den 26. Februar 1917, als die Original Dixieland Jass Band des Kornettisten Dominic James La Rocca die Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixieland Jass Band One-Step“ für das Plattenlabel Victor aufnahm. Wie danach der Jazz zu dem wurde, was er heute ist, führt dieses Buch in 63 Porträts von Musikern, die den Jazz prägend beeinflusst haben, vor: Von seinen Anfängen in den Straßen New Orleans 1917 bis heute stehen sie stellvertretend für inzwischen 100 Jahre Jazzgeschichte. Die bedeutendsten Akteure des Jazz werden vorgestellt – nach Epoche und Stilrichtungen: von Louis Armstrong und Johnny Dodds über Count Basie und Benny Goodman bis hin zu Stan Getz und Sonny Rollins. Jedes Porträt umfasst eine Kurzbiografie, einen übersichtlichen Lebenslauf mit den wichtigsten Daten zum künstlerischen Wirken und schöne Schwarzweiß-Fotos. Die „Signatur“ rundet das Porträt ab und analysiert Vorbilder des jeweiligen Jazzmusikers, Besonderheiten seiner Musik sowie seine Einflüsse auf den Jazz. Der Band ist sehr ansprechend gestaltet, liegt gut und schwer …

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Brubeck for Two – Die CD „IN YOUR OWN SWEET WAY“ von Sabine Kühlich und Laia Genc

Von Dietrich Schlegel – Eine der schönsten und originellsten CDs dieses Jahres ist zweifellos „IN YOUR OWN SWEET WAY – A Tribute To The Great Dave Brubeck“, ein Duo der Aachener Sängerin/ Saxophonistin Sabine Kühlich und der Kölner Pianistin Laia Genc (Double Moon Records). Gut Ding will Weile haben – das alte Sprichwort trifft haargenau den Werdegang und Reifeprozess, den dieses Album seit 2009 bis zum Release im Frühjahr durchschritten hat. Über den Verlauf gaben die beiden erfolgreichen und sympathischen Musikerinnen, die sich längst mit Konzerten, Festivalauftritten und CDs in der Jazzszene behaupten, in einem lebhaften Gespräch mit der JazzZeitung ausgiebige Auskunft. Vor bald sechs Jahren hatte Sabine Kühlich auf Anfrage einer Veranstalterin nach einem „Tribute“-Wochenende mehrere Vorschläge unterbreitet. Die Wahl fiel auf Dave Brubeck. Bald wurde daraus die Idee eines Duo-Projekts. „Ich brauchte nicht lange zu überlegen, mit wem ich diese Aufgabe realisieren könnte“, berichtet Sabine, „das war Laia, mit der ich gerade eine weitere Folge unseres jazzpädagogischen Lehrgangs ‚Jazz for Kids‘ gemacht hatte. Auch von anderen gemeinsamen Projekten kannte ich sie gut, und ich war überzeugt, dass ich mich mit ihr an Brubeck …

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Toots Thielemans. Foto: German Jazz Trophy

Vom Hot Club de France in die Sesamstraße – ein Nachruf auf Toots Thielemans

In Brüssel, wo Jean Thielemans am 29. April 1922 geboren wurde, spielte er als Kind zunächst Akkordeon im Café seiner Eltern. In den Jahren 1943 und 44 wechselte er zur Gitarre und spielte die Musik der Platten von Django Reinhardt und Stephane Grappelli nach. Doch sein Lieblingsinstrument blieb sein „Toy“, das Spielzeug: die Mundharmonika. Jetzt starb Thielemans am 22. August im Alter von 94 Jahren in Brüssel. Aus diesem Anlass publiziert www.jazzzeitung.de die Laudatio, die Andreas Kolb anlässlich der Verleihung der German Jazz Trophy an Thielemans im Jahr 2004 verfasst hat. Laudatio zur German Jazz Trophy 2004 Von Andreas Kolb Lieber Toots Thielemans, sehr verehrte Damen und Herren, als ich bei der Vorbereitung dieser kleinen Rede mit Toots Thielemans einen Termin für ein Telefoninterview verabreden wollte, stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach ist, ihn ans Telefon zu kriegen. Denn Toots Thielemans ist ständig auf Reisen: im Oktober zum Beispiel zwischen Stuttgart, Baden-Baden, New York und Seoul. Pro Jahr kommen so etwa 250 Konzerte zusammen – eine beachtliche Zahl. Die German Jazz Trophy, die dieses Jahr zum vierten Mal vergeben wird, erhält Toots …

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Begabt, ehrgeizig, ehrlich – et très joyeuse: Christine Corvisier

Von Dietrich Schlegel – Bereits mit ihrer ersten eigenen CD „Walkin‘ Around“, die sie 2007 mit ihrem Quintett CC5 aufgenommen hatte, ließ die Saxophonistin Christine Corvisier aufhorchen. Nicht nur, dass sie fast ausschließlich eigene Kompositionen spielte, in einer stilistischen Breite von Modern Jazz, Groove und auch experimentellen Sounds – plus einem eigenwilligen Jazz-Arrangement des Edith-Piaf-Klassiker „La vie en rose“. Sie verriet auch, dass sie dabei war, auf ihrem Hauptinstrument, dem Tenorsaxophon, einen eigenen, erkennbaren Klang zu entwickeln. Mit ihrer letztes Jahr aufgenommenen zweiten CD „Reconnaissance“, für die sie gerade mit dem Schweizer Label Unity Records einen Vertrag geschlossen hat, erfüllt Christine in beiderlei Hinsicht die erweckten Erwartungen. Ihre Kompositionen sind noch vielgestaltiger und origineller oder in ihren Worten: „ehrlicher“, ihr Tenorspiel, vor allem in den tiefen Lagen, noch ausgereifter und eigenständiger. Und wieder hat sie ein berühmtes Piaf-Chanson, diesmal „La foule“ alias „que nadie sepa mi sufrir“, jazzig arrangiert, als ein Salut an ihr Heimatland. Gehörten zu ihrem ersten Quintett überwiegend Amsterdamer Kollegen, so hat sie sich für „Reconnaissance“ vier Kölner Musiker ihrer Generation ausgesucht, mit denen sie „très heureuse“ sei, begeistert von deren Musikalität …

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