„Kreuzritter des Swing“: zum Tod von Al Porcino

Text und Foto von Michael Scheiner – Im Mai 2010 feierten Jazzorchester Regensburg und Uni Jazz Orchester mit dem Bandleader Al Porcino dessen 85. Geburtstag im vollbesetzten Audimax. Am Silvestermorgen, nicht wie von einigen Medien berichtet am 2. Januar, ist der Musiker im Alter von 88 Jahren in seiner Wahlheimat München gestorben. „Wir sind alle wie vor den Kopf gestoßen“, sagt die Trompeterin Annette Neuffer, die elf Jahre in der Bigband ihres „väterlichen Mentors und Lehrers“ gesungen hat. Porcino war in den letzten Jahren häufiger in Regensburg. Meist auf Einladung des Jazzdirektors und Posaunisten Christian Sommerer. Der schätzte die große Erfahrung des Altmeisters sehr hoch und engagierte ihn für Workshops mit Studenten und verschiedenen Big Bands. Porcino folgte diesen Einladungen immer gern, erkannte er doch in Sommerer einen Geisterverwandten, der vieles von dem fortsetzen konnte, was ihm in der Musik und im Leben wichtig war. Am 14. Mai 1925 in New York City geboren, trat Porcino mit 17 Jahren in das Orchester des berühmten Sängers Louis Prima ein. Nach der Tournee mit Prima wurde die Arbeit in und mit Jazzorchestern zu Porcinos Lebensaufgabe. In den …

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Radio-Tipp: taktlos „Jazz prekär“

Am 12. Dezember 2013  wird von 21.03 bis 22.00 Uhr live aus dem Studio 9 des Bayerischen Rundfunks in München die Sendung taktlos gesendet. Die Moderation übernehmen wie immer JazzZeitungs-Herausgeber Theo Geißler und Marlen Reichert. Thema ist der Jazz. Hier einige Zeilen zum Inhalt – eigentlich toll: Es gibt so viel Jazz wie nie zuvor. Aber der Markt ist klein. Jazzclubs und –musiker müssen sich das Publikum teilen, stehen in Konkurrenz und treiben teilweise in die Insolvenz. Die „Initiative Musik“ des Bundes legte jetzt ein hochdotiertes Spielstättenförderungsprogramm auf. Was kommt davon aber bei den Musikern und Clubs wirklich an? Tropfen auf den heißen Stein oder Impuls für ein neuerblühendes Jazzleben in Deutschland? Darüber diskutieren bei taktlos 170  auf BR-Klassik Musiker, Clubbetreiber und Förderer. Gäste sind Michael Stückl (1. Vorsitzender Unterfahrt, München), Monika Roscher (Musikerin, München), Oliver Hochkeppel (Journalist, SZ, JazzZeitung), Live-Musik: Duo Kreitmeier & Zehrfeld. Weitere Informationen auf der Website von taktlos.

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!!Hauptsache Gute Musik!!

Als ich den Anruf bekam, für die „Jazzzeitung” schreiben bzw. bloggen zu dürfen, war ich erst verwundert, habe mich aber dann sehr gefreut darüber. 
Nicht weil ich nichts zu erzählen hab, ganz im Gegenteil. Bei manch grammatikalischen Formulierungen meinerseits würden Autoren beim lesen nur mit dem Kopf schütteln,
 aber in diesem Blog geht es denke ich nicht darum, sondern die „Message” soll ankommen. 
Keine Fachwörter, die nicht verstanden werden, oder ein erschlagendes Musikwissen, wo nachdem lesen ein Gefühl aufkommt CD’s und Bücher bestellen zu müssen.
 Einfach eine tolle Gelegenheit einmal im Monat meine Sicht aus der Musikwelt zu schildern.
 Diejenigen die mich kennen ob privat oder von der Bühne, wissen dass ich gerne viel erzähle. So um endlich mal nach dieser längeren Einleitung zum Thema zu kommen, versprochen bei den nächsten Malen geht’s gleich los. Warum fange ich mein ersten Blog mit der Überschrift !!Hauptsache gute Musik!! an?

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XXL Jazz für eisige Wintertage in Burghausen

Frei nach dem Motto „Mit Pauken und Trompeten in’s neue Jazzjahr“ leiten die Winterkurse der Internationalen Jazz Akademie Burghausen das akademische Jahr 2014 bereits im Dezember ein. Vom 16.-19.12.2013 entleiht die Hochschule für Musik und Theater in München fünf ihrer exzellenten Jazz-Dozenten nach Burghausen: das Ausnahmetalent Axel Kühn am Saxophon, der Groove-Meister am Klavier und der Orgel Andreas Kissenbeck, der charakteristische Trompeter Claus Reichstaller, der Schlagzeuger „Mr Cool“ Michael Keul und der Allrounder-Bassist Henning Sieverts. Als Special Guest und besonderes Schmankerl komplettiert der US-amerikanische Jazztrompeter und -komponist Tim Hagans das erstklassige Team. Der mehrfach ausgezeichnete Musiker mit „lots of emotional breadth“ (Jim Macnie, Village Voice) spielte unter anderem mit Dexter Gordon, Randy Brecker, Peter Erskine und Dave Liebman, war Mitglied des Stan Kenton Orchestraund leitete die schwedische Norrbotten Big Band über 15 Jahre. Unter dieser hochprofessionellen Anleitung wird in gezielten Workshops Arrangement, Stilistik, Zusammenspiel, stilgerechtes Improvisieren, Dynamik und Programmgestaltung behandelt und an der individuellen Jazzsprache eines jeden Einzelnen gefeilt, um das musikalisch-künstlerische Profil der Jungstars zu schärfen. Für die Dauer der Winterakademie findet allabendlich im berühmten Jazzkeller des Burghauser Mautnerschloss‘, eine Jamsession für alle Beteiligten …

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Das 44. Deutsche Jazzfestival auf arte live web miterleben

Folgende Pressemitteilung erreichte uns heute vom Hessichen Rundfunk: Morgen fällt der Startschuss für das 44. Deutsche Jazzfestival in Frankfurt am Main (24.-26- Oktober). Der Hessische Rundfunk überträgt dieses Festival im Netz auf arte live web, sodass jeder – mit nur einem Klick – eintauchen kann in Sound, Stimmung und Story desFestivals: jazzfestival.arte.tv – egal ob Sie sich aus Berlin, Köln oder München reinschalten – ob mit den Kumpels, mit der Familie, den Clubmitgliedern oder der Band – ob Sie Kopfhörer aufhaben oder die Anlage aufdrehen: Seien Sie einfach mit dem Herzen dabei. Und wenn Sie vom Jazzfestival genauso begeistert sind wie wir, dann teilen Sie den Link und embedden Sie unseren Livestream in Ihre Webseite. Wir übertragen jedes einzelne Konzert des Jazzfestivals. Aber darüber hinaus sammeln wir Backstage-Interviews mit den Künstlern und andere mitteilungswürdige Ereignisse ein. Denn auch die wollen wir teilen – mit Ihnen, mit allen Musikliebenden, mit der ganzen Welt: Und zwar online auf http://jazzfestival.arte.tv und in den sozialen Netzwerken (#jazzff13). Wir möchten insbesondere Sie, als bekennender Jazz-Fan, dazu einladen, an diesem Event teilzunehmen. Und nicht nur das, wir würden uns freuen, wenn Sie …

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Sunday Night Orchetra

Die Zahl von Schul-, Jugend- und Amateurbigbands geht in die tausende. Erstaunliche in diesen Zusammenhang ist auch die große Zahl von sog. Profi-Bigbands, in denen gut ausgebildete und renommierte Jazzmusiker spielen, deren Einkommen von anderer Seite gesichert ist – sei es durch die Anstellung in einer Rundfunkbigband und/oder als Lehrerende an Musikschulen und Musikhochschulen. Das Cologne Contemporary Orchestra, die Count Pauli Bigband von Philip Kacza in Hamburg, das Max von Mosch-Orchetra, die Bigband „Summit“ von Christian Sommerer und das Sunday Night Orchestra seien hier exemplarisch genannt. Letztere trat am 30. September im soeben mit dem Spielstättenprogrammpreis ausgezeichneten Jazzclub „Unterfahrt“ in München auf. Posaunist Jürgen Neudert hat seit kurzem die Organisation übernommen und ist auf der Suche nach (bezahlten) Auftrittsmöglichkeiten. (Eine CD wird in Kürze erscheinen). Da nur wenige Konzert- und Festivalveranstalter in Deutschland in der Lage sind, eine Bigband auftreten zu lassen und gleichzeitig auskömmlich zu bezahlen, sollte und könnte z.B. das Goethe-Institut solche großen Ensembles vorzugweise ins Ausland schicken und damit auch finanziell deren Existenz mit sichern helfen. Denn in diesen Orchestern konzentrieren sich hervorragende Musiker, die ein hohes handwerkliches Können und engagierte Kreativität …

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Die Jutta Hipp-Story, nacherzählt von Dietrich Schlegel

[Dieser Text ist in der Printausgabe 4-13 erschienen.] Am 7. April jährte sich zum zehnten Mal der Todestag der Jazzpianistin Jutta Hipp – Anlass für die Saxophonistin Ilona Haberkamp, „Europe’s first lady of Jazz“ und „first white European woman on Blue Note“ mit einer ungewöhnlichen CD zu würdigen. „Cool is Hipp is Cool“, im Februar aufgenommen, von Laika Records produziert und im Mai veröffentlicht, wurde zu einer gelungenen Hommage an eine singuläre Musikerin und Künstlerin, die in der Geschichte des deutschen und europäischen Jazz der Nachkriegszeit einen wichtigen Platz einnahm, nicht zuletzt als für lange Jahre einzige Instrumentalistin in der Männerwelt des Jazz. Unvergessen sind ihre umjubelten Auftritte auf den Frankfurter Jazz-Festivals von 1953 bis 55. Die junge attraktive Frau, in Leipzig geboren und aufgewachsen, 1946 in den Westen geflüchtet, war ein Star. Auch der einflussreiche amerikanische Jazzkritiker Leonard Feather war von ihr beeindruckt, als er sie bei einem Auftritt mit ihrem Quintett in einem Jazzclub in Duisburg ausfindig gemacht hatte. Er lud sie nach New York ein, wo sie Ende 1955 eintraf, monatelang auf ihre Spielerlaubnis warten musste, aber dann ein von Feather vermitteltes …

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Enja-Mitbegründer Horst Weber gestorben

Wie Enja Records auf seiner Facebookseite bekannt gab, ist Label-Mitbegründer Horst Weber am 24. Februar 2012 im Alter von 78 Jahren in Garmisch-Partenkirchen verstorben. Im Juli 1971 legte Horst Weber gemeinsam mit seinem Partner Matthias Winckelmann mit einer Live-Aufnahme eines Konzerts des Pianisten Mal Waldron im Münchner Jazzclub „Domicile“ den Grundstein für ihr Label, das in den folgenden Jahren große Bedeutung für den internationalen Jazz erlangen sollte. 1986 trennten sich die Wege der beiden – Weber zog sich ganz aus der Jazzszene zurück, Winckelmann führt das Unternehmen Enja weiter bis heute. Im vergangenen Herbst konnte Enja Records sein 40-jähriges Bestehen mit einer Konzertreihe und einem Festkonzert im Münchner Carl-Orff-Saal feiern. Zum Gedenken, die Aufnahme, mit der damals alles begann… Die Trauerfeier findet statt am Montag, 5. März um 13 Uhr am Münchner Waldfriedhof, Eingang Loretto-Platz.

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Johannes Faber – Abschied vom Gärtnerplatz

Nach 12 Jahren geht in der laufenden Spielzeit die Konzertreihe „Jazz im Gärtnerplatz“ zu Ende. Das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz gibt mit der vom Trompeter Johannes Faber gestalteten Reihe ein festes Programmelement mit Seltenheitswert an einem staatlichen Opernhaus auf. Viele internationale Schwergewichte konnte Faber in das kleinere der beiden Münchner Staatstheater locken, das einen wesentlich intimeren Rahmen bot, als die großen Festivalbühnen, auf denen man Abdullah Ibrahim, Herbie Hancock oder Ron Carter sonst bewundern kann. Besonders waren in dieser Hinsicht auch die Jamsessions, die in der Kantine oder im Foyer des Theaters das ein oder andere Konzert zu einem wunderbaren Abschluss brachten. Ein Gag am Ende jedes Konzerts war der Auftritt von Faber selbst, der nicht nur alle Abende moderierte, sondern auch als musikalischer Gast immer wenigstens einen Song mitspielte. Faber dürfte wohl einer von ganz wenigen Konzertveranstaltern gewesen sein, bei denen sich die Musiker so etwas gefallen lassen. Auch das Neujahrskonzert der Allotria Jazzband gehörte seit immerhin elf Jahren zu Jazz im Gärtnerplatz. Nach 65 Konzerten ist nun vorerst Schluss. Das Theater schließt in der kommenden Saison für umfangreiche Sanierungsarbeiten. Ob der Jazz danach …

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