Lernen vom Trend-Master Herbolzheimer

Peter Herbolzheimer hat die Rockmusik in die Bigbandmusik geholt. Jazzrock war Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts der neue Trend des Jazz. Historiker sprechen sogar vom Jazzrock als neuem Jazzstil. Es war zuächst nichts weiter als die Adaption der musikalischen Grundlagenelemente der Beatles, der Rolling Stones, der Soulmusiker und anderer in den Jazz, und dies vor allem rhythmisch. Also das Verlassen von Swingendem zugunsten von Rockigem und „souligen“ Rhythmen. Musikpädagogen sprechen hier von ternären Spielarten (Swing = triolisch phrasiert) und binären Spielarten (Rock, Fusion, Funk, Latin = „gerade“ phrasiert). Darüber ist viel geschrieben worden. Aber das Gefühl dafür und damit der Erfolg stellt sich erst beim Spielen ein. Davon abgesehen, dass auch die Kombination von beiden Spielarten möglich und äußerst populär ist. Anyway. Peter Herbolzheimers Rhythma Combination & Brass (RC&B) hatte nicht nur damals ungeheueren Erfolg – in Live-Konzerten und im Fernsehen-, denn die Musiker setzten die neuen Zeichen des Jazzrock um in neue Zeichen der Bigbandmusik um. Jazzrock-Vorgaben von Miles Davis, Chick Corea, Wayne Shorter, John McLaughlin, Michael und Randy Brecker, Pat Metheny und vielen anderen fanden durch Peter Herbolzheimer Zugang in anspruchsvolle Musik …

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Improvisation über Improvisation #8

Jerome Kerns „All the things you are“ ist ein Musikstück, das einem im Jazzkontext häufig begegnet – ein sogenannter Standard. Wie so viele Stücke aus dem Great American Songbook wurde es ursprünglich für ein Broadway-Musical („Very warm for May“, 1939) geschrieben. Das Musical war schnell vergessen, der Song aber erwies sich als Hit: die „Coverversionen“ von Tommy Dorsey (1939) und Frank Sinatra (1945) schafften es beide auf Platz eins der Hitparade (… wie ich dieses Wort liebe!). Die frühen Vokalversionen – wie jene von Helen Forrest (1939), Jo Stafford (1946) oder Tony Martin (1946) – untermalten mit opulenter Orchestrierung Oscar Hammersteins hochromantischen Text und verdeutlichten die Tanzmusikfunktion des Jazz in der Ära der Swing-Big-Bands. Recht schnell fand das Stück aber auch in Bebop-Kreisen Anklang, wo es als reine Instrumentalmusik für kleinere Besetzung abstrahiert wurde. Dizzy Gillespie stellte „All the things“ 1945 erstmals ein Intro voran, das auf den ersten Blick wenig mit dem eigentlichen Stück zu tun hat und eine neue, geheimnisvollere Komponente hinzufügt. Dieses Intro tauchte bereits wenig später – etwa bei Red Rodney (1946) und Charlie Parker (1947) – so selbstverständlich integriert auf, …

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Zum Tod von Jim Hall

Am Dienstag, 10. Dezember 2013, starb der Gitarrist und Komponist Jim Hall sechs Tage nach seinem 83. Geburtstag in New York. Es ist keine leere Floskel, wenn man sagt, der am 4. Dezember 1930 in Buffalo, New York, geborene Musiker hat Jazzgeschichte geschrieben. Er spielte mit den meisten Größen seiner Zeit – und viele durften als sein Gast in seinem Trio auftreten beziehungsweise mit ihm in zahllosen anderen Konstellationen und Projekten.Seit 1999 spielte er regelmäßig mit Pat Metheny im Duo – das Bild wie sich der junge und der alte Virtuose gegenüber sitzen hat sich seinen Hörern eingeprägt. Nicht  nur Metheny, auch Gitarristen wie John McLaughlin, Larry Coryell oder John Scofield nennen Halls Namen, wenn man sie nach ihren Vorbildern fragt.Mehr über die Wirkungsgeschichte des großen Gitarristen lesen Sie in der Jazzzeitung 1/2014.

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NDR-Bericht zur Esbjörn-Svensson-Hommage bei JazzBaltica

Am Wochenende ist in Salzau JazzBaltica 2011 zu Ende gegangen, das diesmal mit dem Motto „piano, piano – remembering Esbjörn“ eine Hommage an den vor drei Jahren verstorbenen Pianisten und Komponisten Esbjörn Svensson beinhaltete. Der NDR hat in seinem „Kultur Journal“ einen Kurzbericht gesendet mit Interview-Einblendungen, in denen Protagonisten des Esbjörn-Tribute-Konzerts Pat Metheny, Nils Landgren und Magnus Öström zu Wort kommen. In der Mediathek des NDR ist der Videobeitrag abrufbar. Bezeichnenderweise unter dem Titel „Pat Metheny bei JazzBaltica“… Links: JazzBaltica NDR KulturJournal

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Gegoogelt: Wussten Sie schon…

…, welcher Künstler an oberster Stelle erscheint, wenn man bei YouTube das Suchwort „Jazz“ eingibt? Wer jetzt auf Miles Davis, Louis Armstrong oder Charlie Parker getippt hat, liegt leicht daneben. Die Ehre gebührt dem österreichischen DJ-Zweigespann Kruder & Dorfmeister: „Jazz Master“ Auf Nummer zwei, rechtmäßig durch den Tag „Smooth Jazz“ gekennzeichnet, ein Titel von Fusion-Gitarrist Claudio Spiewak „High Rise“ Auch die Ärzte sind ganz vorne dabei mit einem Track aus ihrem Album „Jazz ist anders“. Immerhin gerade noch unter den ersten zehn  Einträgen ist Altmeister Herbie Hancock mit… na?

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Kein Geld mehr für JazzBaltica

Kein guter Monat für die Macher von JazzBaltica. Nach dem Tod des Pianisten Hank Jones, den man in Salzau als langjährigen Wegbegleiter und Freund schätzte, kommen nun schlechte Nachrichten aus der Landespolitik. Schleswig-Holstein ist auf striktem Sparkurs und hat ein Konzept vorgelegt, das bis zum Jahr 2020 neben Kürzungen beim Schleswig-Holstein Musikfestival auch eine komplette Streichung der Fördermittel für das Jazzfestival vorsieht. Die Landesliegenschaft Salzau selbst wird ebenfalls als zu großer Kostenfaktor angesehen (jährlich 1.2 Mio. €) und soll verkauft werden. Das Motto des Konzepts „Schleswig-Holstein ist auf dem Weg. Handlungsspielraum erhalten – Zukunftschancen ermöglichen“ dürfte in Salzau und bei den anderen betroffenen Kulturträgern in Schleswig-Holstein einen höchst bitteren Klang haben. Der Deutsche Kulturrat hat die Pläne in einer Stellungnahme verurteilt und fordert einen „Nothilfefonds Kultur“ von der Bundesregierung. Inzwischen ist auch eine Resolution und eine Facebook-Gruppe zur Rettung von Jazzbaltica auf den Weg gebracht, die zu ihren Unterstützern neben internationalen Schwergewichten der Musikbranche (u.a. Sting, Pat Metheny, Chick Corea, John Scofield, Till Brönner und Nils Landgren) auch den schleswig-holsteinischen Alt-Ministerpräsidenten Björn Engholm zählt. Für den aktuellen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen ist Schleswig-Holstein durch die …

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