Ein befreiter, heißer Atem: Jaimie Branch beim Krefelder Jazzherbst

Text und Fotos von Stefan Pieper. Es zahlt sich immer aus, früh voraus zu blicken – vor allem, um bei der Programmplanung weitsichtiges Gespür für neue Trends zu entfalten: In dieser Hinsicht landete Florian Funke vom Jazzclub Krefeld einen Volltreffer: Er war auf die rebellische US-Trompeterin Jaimie Branch schon aufmerksam geworden, bevor sie mit ihrem Erfolg in Europa regelrecht durch die Decke ging. Mittlerweile widmen sich auch etablierte Tageszeitungen, bei denen Jazz sonst allerhöchstens als Randnote vorkommt, dieser Frau, die schon zum Phänomen auserkoren wird. So viele Vorschusslorbeeren funktionieren: Das Glasfoyer des Krefelder Theaters, in dem dieser Höhepunkt des Krefelder Jazzherbstes stattfindet, ist bis auf den letzte Platz gefüllt. Vergessen wir allen Hype und alle Hysterie und besinnen uns aufs Hier und Jetzt! Diese Forderung scheint in Jaimies Branches Aufforderung, erstmal gemeinsam durchzuatmen, mitzuschwingen. Ebenso ist ihr das Herunterdimmen des Bühnenlichts ein Anliegen. Denn was Jaimie Branch danach musikalisch und inhaltlich zu sagen hat, soll zu einer geteilten Erfahrung werden, für die es Konzentration braucht. Seidenweich schimmernde Trompetentöne Verheißungsvoll stimmt eine afrikanische Mbira mit einer pentatnonischen Struktur auf das kommende ein. In diesen schleicht sich seidenweich …

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+++ News +++ Charly Antolini Jazz Power im Eventcenter SpardaWelt +++ Birdland Jazz Club Neuburg e.V. präsentiert +++ JAZZ-HERBST der JAZZ FEDERATION HAMBURG +++

+++ Charly Antolini Jazz Power im Eventcenter SpardaWelt +++ Unter dem Motto „Charly Antolini Jazz Power“ veranstaltet die Opus GmbH am Samstag, den 21. November 2015, einen hochkarätig besetzten Swing‐ und Jazz‐Abend im Eventcenter der Sparda‐Bank: Bandleader und Drum‐Legende Charly Antolini hat hierfür einige der führenden Jazz‐Solisten unserer Zeit um sich geschart. Dazu zählen der brillante Trompeter Omar Kabir aus den USA, Pianist David Gazarov aus Aserbaidschan, Bassist Wolfgang Schmid, die Tenor‐ und Altsaxophonisten Charly Augschöll (CH) und Florian Riedl, sowie Guest‐Drummer Andy Witte. Als Special Guest hat Antolini „Jazzvoice“ Fola Dada eingeladen: die Sängerin mit den nigerianischen Wurzeln zählt zu den gefragtesten Sängerinnen der Jazzszene. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr. Tickets ab 24 Uhr unter www.easyticket.de oder der tix‐box‐Hotline 0711‐997 999 99 +++ Birdland Jazz Club Neuburg e.V. präsentiert +++ Der Birdland Jazz Club Neuburg e.V. (wir berichteten: http://www.jazzzeitung.de) bietet ab September 2015 wieder hochkarätiges Programm. Eingeläutet wird die Jazzsaison am 11. September 2015 um 20.30 Uhr im Club Am Karlsplatz A 52 vom Dusko Goykovich Quintett, gefolgt vom Kevin Hays New Day Trio am 12. September 2015. Am 17. September …

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Wolfgang Sander: Keith Jarrett. Eine Biographie. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2015 364 Seiten, 22,95€ / E-Book 19,99€

Wolfgang Sandner: Keith Jarrett. Eine Biographie.

Keith Jarrett feiert am 8. Mai diesen Jahres seinen 70. Geburtstag. Das wird natürlich gebührend gefeiert. Im Hause ECM werden zu diesem Anlass gleich zwei Aufnahmen erscheinen. Eine klassische Einspielung mit Werken von Samuel Barber & Bela Bartok, sowie eine Solo CD mit Live-Improvisationen aus dem Jahr 2014. Soviel zu seiner Musik, die aktuell veröffentlicht wird. Und damit kommen wir auch gleich zum wesentlichen Punkt. Bei Jarrett steht immer die Musik im Vordergrund. Über den Menschen Keith Jarrett selbst blieb bisher vieles im Hintergrund und Verborgenen. Wolfgang Sandner, der ihn in persönlichen Gesprächen kennenlernen durfte, legt nun ebenfalls rechtzeitig zum seinem 70. Geburtstag eine fundierte Biografie über den Ausnahmepianisten vor. Das bis dato einzige erschienene, groß angelegte Werk schrieb 1992 der britische Trompeter Ian Carr. In der Zwischenzeit hat sich aber nicht nur im Jazz, sondern auch bei Jarrett viel ereignet, so dass Sandners Buch nicht zuletzt zu diesem Anlass überfällig war. Der Leser erfährt hier keine voyeuristischen Einblicke in Jarretts Leben, sondern seinen Lebenslauf, der parallel mit der Entwicklung des Jazz in soziologischen und historischen Kontext gestellt und mit persönlichen Ereignissen verwoben wird. Selbstverständlich …

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„Egal wo ein Klavier steht, da fühle ich mich zuhause“ – Luca Sestak

Von Miriam Hasenkampf – Wer sich im Dezember nicht nur mit Glühwein warm und mit Plätzchen bei Laune halten will, dem sei „New Way“, ein Blues und Boogie Album des niedersächsischen Jungpianisten Luca Sestak, ans Herz gelegt. Denn der erst 19-Jährige vermittelt mit seinem facettenreichen Klavierspiel Lebensfreude und Energie. Auf dem Album „New Way“, welches 2014 auf CD in raffinierter Vinyl-Optik erschienen ist, findet sich Jazz, der sich nicht in eine Schublade stecken lässt: bluesige Kompositionen neben klassischem Boogie (sehr schön: „Laci’s Boogie“), aber auch eine poppige Ballade („For Her“) und klassische Interpretationen (z.B. von Chopins „Frederic’s dream“). Dabei fahren einem vor allem die Boogie Stücke mit schnellem Tempo in die vereisten Tanzbeine. Von den 13 Songs, die Sestak alle selbst auf dem Klavier eingespielt hat, sind neun Eigenkompositionen. Nur bei zwei der 13 Stücke erhielt er Unterstützung am Schlagzeug durch Johannes Niklas. Die JazzZeitung hat dem jungen Künstler Fragen zu seinem Album, seinen persönlichen musikalischen Vorlieben und seinen bereits gemachten Erfahrungen und Erlebnissen auf der Bühne gestellt:   JazzZeitung: „New Way“ ist bereits Dein zweites Studioalbum. Davor hast Du 2010 das Album „Lost in …

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Tobias Christl: der Aha-Effekt

Text und Foto. Ssirus W. Pakzad – Wildern ist ein Jazz-Prinzip. Bei frühen Beutezügen gingen Tages-Schlager und Broadway-Songs ins Netz. Heute werden überall Fallen aufgestellt, besonders dicht im Terrain des Pop. Der Kölner Sänger Tobias Christl geht mit seiner Band „Wildern“ wildern. Er weidet „Video Games“ von Lana del Rey, „Toxic“ von Britney Spears, „Love Will Tear Us Apart“ von Joy Division, „I Will“ von Radiohead oder „Take On Me“ von a-ha genüsslich aus. Es gibt Musiker, die so etwas tun, weil es Aufmerksamkeit verheißt, weil dicke Schlagzeilen im Bereich des Möglichen liegen, wenn sich E über U hermacht. Jazzer, die Songs von Lana del Rey, Britney Spears oder a-ha covern? Da wird bestimmt so heftig gezwinkert, bis die Lider einen Muskelkater haben. „Dabei sind solche Nummern völlig unironisch gemeint“, sagt ein völlig übermüdeter Tobias Christl, der an diesem Morgen kaum aus den Augen gucken kann und manchmal mit Wortfindungsschwierigkeiten zu kämpfen hat. Nach mehreren Anlaufversuchen kann er dann aber schon formulieren, dass es ihm ernst ist mit den Songs, die manch einer abtun würde, weil sie ursprünglich Teil des Glitzer- und Glamour-Geschäfts waren. Aber …

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Wynton Marsalis – Gesellschaftskritik in Buchform

Wynton Marsalis ist nicht nur ein musikalischer „Lautsprecher“, auch zu Kultur und Gesellschaft hat er eine Menge zu sagen. Man denke an seine Haltung im Streit um die drohende „Europäisierung“ des Jazz in den vergangenen Jahren. In seiner 2008 erschienen Biografie „Moving on Higher Ground. How Jazz Can Change Your Life“ wagt er eine kritische Bestandsaufnahme der derzeitigen kulturellen Lage in den USA. Jetzt ist diese Biografie in der deutschen Übersetzung unter dem Titel „Jazz, mein Leben. Von der Kraft der Improvisation“ zu haben. Der Jazzpublizist Ralf Dombrowski hat sie gelesen und dabei Erhellendes wie Fragwürdiges gefunden. Hier geht’s zur Online-Rezension von Ralf Dombrowski.

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