Sven Deckers JULI Quartett mit „Lost in Poll“

Von Dietrich Schlegel. Im Sommer 2017 ging auf den Poller Wiesen am Rhein vor den Toren Kölns ein Bumerang verloren und eine Komposition ward geboren: „Lost in Poll“. Kurz darauf sollten noch acht weitere Kompositionen entstehen, in nur vier Tagen, in denen sich Sven Decker in einem Proberaum eingeschlossen „und der Kreativität freien Lauf gelassen hatte“. In diesem Proberaum traf der Kölner Saxophonist, Komponist und Bandleader dann bei Renovierungs- und Aufräumarbeiten drei andere Musiker. Beim Ausprobieren der Akustik in dem neu hergerichteten Raum kam es spontan zu einer gemeinsamen Probe und „schnell war klar, dass wir in dieser Besetzung zusammen arbeiten möchten“. Diese Besetzung – das sind Sven Decker, Tenorsaxophon, Klarinette und Bassklarinette;  Heidi Bayer, Trompete und Flügelhorn; der Bassist  Conrad Noll und der Schlagzeuger Jo Beyer – eine für Deckers musikalische Vorstellungen ideale Crew, mit der er an seine …

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+++ news +++ Jazzclub Bruchsal präsentiert Barbara Dennerlein +++ Konzertfinale des Jungen Münchner Jazzpreises 2018 +++ Bund fördert moers festival bis 2023 mit 1,4 Millionen

+++ Jazzclub Bruchsal präsentiert Barbara Dennerlein – Solo Adventskonzert +++ Ihre CDs wurden mit Auszeichnungen, mehrfach mit Jazz Awards und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik bedacht, ihre CD „Take Off“ (Verve/Universal) erreichte sogar Platz 1 der Jazz-Charts und wurde als meistverkauftes Jazz-Album gefeiert. Barbara Dennerlein gehört zum Kreis der wenigen deutschen Künstler mit internationaler Reputation und ist längst Protagonistin auf der legendären Hammond B 3 und der Pfeifenorgel. Besonders faszinierend wirkt Barbara Dennerlein live. Als wichtigster und erfolgreichster deutscher Jazz-Export sind ihr die großen internationalen Festivalbühnen ebenso vertraut wie die Clubs: das „Blue Note“ und das „Sweet Basil“ in New York, „Ronnie Scott’s Club“ und „Jazz-Café“ in London oder das „Blue Note“ in Tokio, Festivals in USA und Kanada: Montreal-, Vancouver-, Toronto-, Edmonton-, Victoria-Jazzfestival, europäische Festivals wie Den Haag Northsea Jazzfestival/ Holland, Pori-Jazzfestival/Finnland, Molde-Jazz/Norwegen, Arhus Jazzfestival/Dänemark, Maastricht-Kortrijk-Festival/Belgien, Vitoria Festival de Jazz/Spanien; …

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Junge Talente – der erste Carl-Bechstein-Wettbewerb „Jazz-Klavier solo“ in Berlin

Von Godehard Lutz. „Der Jazz ist eine unterschätzte Größe und bedarf mehr Förderung in unserem Land.“ So lautete das Bekenntnis von Professor Christian Höppner, dem Generalsekretär des Deutschen Musikrates und Vorsitzenden des Kuratoriums der Carl-Bechstein-Stiftung zum diesjährigen 5. Carl-Bechstein-Wettbewerb, der erstmals für junge Jazzpianisten stattfand. „Der Carl-Bechstein-Wettbewerb für Kinder und Jugendliche 2018 möchte Freude am Musizieren vermitteln, in Deutschland lebende junge Pianistinnen und Pianisten fördern und außergewöhnliche Leistungen belohnen.“ So stand es in der Ausschreibung. Der „Kulturstall“ von Schloss Britz in Berlin-Neukölln bot am 3. und 4. November das entspannte und intime Ambiente mit ausgezeichneter Akustik für den diesjährigen Klavierwettbewerb, den die Carl-Bechstein-Stiftung seit 2013 dort veranstaltet. Im feinen, aber unerwartet kleinen Rahmen fand er am Samstag vor eine hochkarätigen Jury aus vier Jazzpianisten und einem Jazz-Journalisten (und leider wenig Publikum) statt. Während es bei den Klassik-Wettbewerben der letzten Jahre um …

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Roy Hargrove mit Justin Robinson. Foto: Susanne van Loon

Sicher zwischen allen Stilen – Zum Tod des Trompeters und Komponisten Roy Hargrove

Krawatte während des ersten Sets, Fliege im zweiten, weißes Hemd, taubenblaues Sacco, dunkle Sonnenbrille, die Trompete nicht in gewöhnlichem Goldmessing, sondern edelstahlpoliert – Roy Hargrove war eine Erscheinung. Und der soulige Hardbop, den er zuletzt mit seinem exquisiten Quartett mit Quincy Philipps (dr), Justin Robinson (sax) und Ameen Saleem (b), pflegte, war ebenso stilsicher wie schräg und ausgefallen. Roy Hargrove wurde von Wynton Marsalis entdeckt, als dieser Mitte der 80er-Jahre Hargroves Highschool in Dallas besuchte. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er trotz – oder gerade wegen seines ausgeprägten Personalstils – mit unterschiedlichsten Musikern zusammen: mit Shirley Horn, Kitty Margolis, Erykah Badu (mit der er auch zur Schule gegangen war), Common, D’Angelo oder auch Me’shell Ndegeocello. Sein Plattenlabel Verve ermöglichte Hargrove Aufnahmen mit vielen Größen des Jazz, unter anderem mit Joe Henderson, Stanley Turrentine, Johnny Griffin, Joshua Redman und Branford Marsalis. …

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Bill Frisell (USA) – Music is | © HuPe-kollektiv

Jazzfest Berlin 2018 | Tag 4 | Mary Halvorson Octet / Bill Frisell

Der letzte Abend auf der „Großen Bühne“ des Hauses der Berliner Festspiele. Das HuPe-kollektiv (nicht der Autor der Blogtexte!) hat das in Fotos gebannt gesammelt, so wie auch schon an den anderen drei Tagen. Auf der Bühne standen Bill Frisell und das Mary Halvorson Octet (Bericht folgt). An dieser Stelle ein ganz herzlicher Dank an die Fotografin in der ersten Reihe. Schauen Sie sich auch die anderen drei Blogeinträge an, die sie fotografisch eingefangen hat, die anders als am letzten Tag, noch weitaus mehr gutes Material hergaben (siehe Ende des Artikels). Mary Halvorson Octet (USA) – Away with you Mary Halvorson guitar Susan Alcorn pedal steel guitar Dave Ballou trumpet Jon Irabagon alto saxophone Ingrid Laubrock tenor saxophone Jacob Garchik trombone John Hébert bass Tomas Fujiwara drums Bill Frisell (USA) – Music is Bill Frisell guitar solo In der Zugabe …

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Kenny Werner – „The Space“

Was für eine Freude! Endlich erscheint das lang erwartete Piano-Solo-Album von Kenny Werner „The Space“. Der Titel der Aufnahme ist Programm und lässt beim Hören der CD Raum für Klang und Assoziationen. Aufgenommen wurde sie im Mai 2016 im Oberhachinger Kyberg Studio – da kommt dann doch gleich wieder Wehmut auf angesichts der Tatsache, dass das dort beheimatete Label Pirouet produktionstechnisch seit 2016 „eine Pause macht“. Aber zurück zu Kenny Werners neuen Soloaufnahme. Entschlossen wie mutig ist die Auswahl der Stücke, die Kenny Werner auf seiner CD „The Space“ versammelt hat. Der Eigenkomposition „The Space“ gleich zu Beginn der CD, einer rätselhaften, klanglich abwechslungsreichen wie spannenden Art Suite, die den Hörer in den „Wernerschen“ Klangkosmos entführt, folgt Keith Jarretts „Encore from Tokyo“ in einer Adaption von Kenny Werner, interessant wie faszinierend gespielt. Danach präsentiert der Pianist eine harmonisch assoziative Eigenkomposition: …

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Zwei Gigs zum Geburtstag: E-Bassist Wolfgang Schmid wird 70

Zu fortgeschrittener Stunde erzählt Wolfgang Schmid manchmal Geschichten aus seinem Musikerleben. Zum Beispiel die aus Australien, als er mit Passport, der damals bekanntesten deutschen Jazzband, unterwegs war und eines Abends eine junge Bluesband im Vorprogramm rockte. Der Gitarrist hatte eine Schuluniform an, kurze Hose, ein Ränzel auf dem Rücken. Der Sound war schlicht, aber wirkungsvoll und sollte später so richtig berühmt werden. Die Anekdote passt gut zu Schmid. Denn auch wenn er seit vielen Jahren als E-Bassist in Deutschland einer von denen ist, die den Ton angeben, überlässt er es trotzdem den anderen, berühmt zu werden. Denn Schmid liebt es zu spielen, groovt wie kaum ein anderer im Land, hat Bands wie Wolfhound, Kick, Paradox oder The Hang und Projekte wie Superdrumming, Manaus oder Rap-Sody losgetreten, geleitet, geprägt. Aber es geht ihm eben nicht um die Oberfläche der Außenwirkung, sondern …

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Jazzpreis Berlin an Trompeter Axel Dörner. Foto: Hufner Jazzpreis Berlin an Trompeter Axel Dörner. Foto: Hufner

Jazzpreis Berlin 2019 an Axel Dörner

Kulturradio vom rbb und die Senatsverwaltung für Kultur und Europa vergeben den Jazzpreis Berlin an den Trompeter Axel Dörner. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird im Rahmen eines öffentlichen Konzertes am Donnerstag, 27. Juni 2019, ab 20.00 Uhr, im Kleinen Sendesaal des rbb verliehen. Axel Dörner, am 1964 in Köln geboren, lebt seit 1994 in Berlin. Auf Basis des zeitgenössischen Jazz hat er eine einzigartige, neue Klangsprache auf der Trompete entwickelt. Dem Trompeter geht es nicht vordergründig um den Klang des Instrumentes, es geht ihm um Klang an sich. Neue (Klang-) Räume „Durch die bewusste Abkehr von tradierten Spielweisen schafft Axel Dörner völlig neue (Klang-) Räume, die den Zuhörerinnen und Zuhörern große Aufmerksamkeit sowie Lust am Unerwarteten abverlangen“ begründete die Jury ihre Entscheidung. Axel Dörner nimmt einen singulären Platz in der internationalen Jazzszene ein und ist wichtiger Bezugspunkt und …

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Don’t fear Shreefpunk – Die neue Aufnahme von Matthias Schriefl

Egal ob Steuererklärung, Südtiroler Rundungen oder Stücke wie Hamburg, Amsterdam, Luxemburg – was sich Matthias Schriefl in seinen Kompositionen musikalisch vornimmt, strotzt vor Energie, Spontaneität und vor allem Witz. Mit langjährigen Bandkollegen und Wegbegleitern wie Jens Düppe, Robert Landfermann, Kalle Kalima, Jonas Burgwinkel, Johannes Behr oder Christian Lillinger fräst sich Schriefl sprichwörtlich durch seine Stücke. Klanglich unterstützt wird Shreefpunk dabei von Streichern der Münchner Philharmoniker und dem singenden wie jodelnden Streichtrio Netnakisum. Yes! Das funktioniert und egal, ob ultraschneller Bebop, Metal-Gitarren-Soli, Streicher-Pizzicato, Stubenmusi, Blues, Punk oder Pseudo-Funk – es lässt sich alles musikalisch mit nur einem Wort zusammenfassen: Shreefpunk! Das Konzept „Keine Angst vor Einfachem, keine Angst vor Komplexität“ geht auf und lässt den Hörer – fest im Sattel – auf Schriefls wildem Ritt an seiner musikalischer Weltanschauung teilhaben. Das Gute an Shreefpunk ist, dass es sich bei Schriefls Musik …

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Eintauchen in ein frühes Emigrantenleben: Musikproduzent Ulrich Balß offenbart mit New-York-Fotobuch das Vermächtnis seines Großvaters

Mit der ausgefransten Metapher „wie Sand am Meer“ könnte man einen Fotoband über die Weltmetropole New York City schnell abhaken und beiseite legen. Dann schreibt der Autor, der Bremer Musikproduzent und Verleger Ulrich Balß, auch noch, dass sich „das Buch maßgeblich von den vielen New-York-Büchern unterscheidet“. Sagt doch jeder, mag man denken, und beraubt sich damit vielleicht einer überraschenden Entdeckung und einer exemplarischen Familiengeschichte, die sich über drei Generationen erstreckt. „New York – Past & Present“ ist zweisprachig gehalten und grenzt damit das Vergleichsangebot schon deutlich ein. Es enthält Aufnahmen von einem historischen New York des Jahres 1928 und aktuelle Bilder. Eine weitere Eingrenzung. Bei den Texten greift es auf Briefe und Aufzeichnungen des Leipziger Buchbinders Theodor Trampler zurück, der 15 Monate in New York lebte, um seine Familie in Deutschland durchzubringen. Und nicht zuletzt liegt dem querformatig gehaltenen Foto-Brief-Tagebuch-Band …

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