Frida mit Freedom of Flight

Von Stefan Pieper. Wie sehr ein Sängerinnentrio ohne weitere Harmonieinstrumente einer kraftvoll aufspielenden Rhythmusgruppe Paroli bietet, das demonstriert die Band Frida auf ihrem beeindruckenden Debutalbum „Freedom of Flight“ – aber es geht noch viel mehr. Frida agiert im Kollektiv: Mascha Corman, Sara Decker und Julia Ehninger schreiben und komponieren Songs, arrangieren Material aus unterschiedlichen Quellen und gebrauchen ihre Stimmen lyrisch und instrumental. Weit weg erscheinen traditionsbehaftete Jazzschablonen. Genau dies macht den Weg frei für unberechenbare Interaktionen, nicht selten ein aufregendes „Call and Response“ zwischen den drei Sängerinnen und dem Bassisten Conrad Noll und Schlagzeuger Jeroen Truyen. Ebenso ist jede vokale Geste, jede Silbe und Betonung einer maximalen Klarheit in Ausdruck und Darstellung geschuldet. „Baby one more time“ Frida zeigt zum Einstieg einem einschlägigen Popmusik-Klassiker, wo der Hammer hängt: „Baby one more time“ – eigentlich von Britney Spears bekannt gemacht, entfaltet allein schon aus dem mehrstimmig gesungenen Sprachrhythmus der Titelzeile heraus so viel unverbrauchten, frischen Groove, dass die daraus folgende hinreißende Melodielinie allein dadurch in Fahrt kommt. Aber es wird fragiler und geht zunehmend ans Eingemachte auf dieser verschlungenen vokal-instrumentalen Reise: Ätherische Klangbilder zwischen Bass-Flagoletts und …

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Charly Antolini schenkt der Neuen Jazzschool München ein Stück Musikgeschichte

 Mit ihm begleitete er den „King of Swing“ Benny Goodman und tourte mit der Lionel Hampton-Big Band – jetzt bekommen die Drummer von Morgen an der Neuen Jazzschool und deren staatlich anerkannter Berufsfachschule für Musik darauf Unterricht: Der Münchner Jazzmusiker Charly Antolini übergab dem Pasinger Musikinstitut diese Woche sein Schlagzeug-Set, mit dem er seit 1973 für viele Konzert-Highlights gesorgt hat. Der gebürtige Schweizer, der besonders durch seine solistischen Einlagen bei TV-Auftritten mit der Max Greger Big Band in den 1970er Jahren einem breiten Publikum bekannt wurde , hat einen neuen Vertrag mit einem anderen Schlagzeug-Hersteller abgeschlossen und wollte mit der Schenkung seinem langjährigen Kollegen Max Neissendorfer seine Wertschätzung ausdrücken. Denn der 1. Vorstand des Neue Jazzschool München e.V. und stellvertretende Leiter der Berufsfachschule für Rock, Pop und Jazz ist seit knapp vierzig Jahren als Pädagoge in der Nachwuchsarbeit aktiv. Als Pianist und Sänger arbeitete er in unterschiedlichen Bandprojekten, schwerpunktmäßig Mitte der 1980er Jahren, mit Antolini zusammen. Jazzschool-Dozent Andreas Keller freute sich, das Geschenk des Wahl-Moosachers in sein Auto zu packen. Dabei konnten die beiden in Erinnerungen schwelgen: Im Alter von 16 Jahren nahm der aktuelle …

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36 brillante Gitarristen aus 35 Ländern: Samo Šalamon & Friends

Von Mathias Bäumel. Bereits vor sechs Jahren trat der slowenische Ausnahmegitarrist Samo Šalamon mit einem reinen Gitarren-Ensemble an die Öffentlichkeit (CD „Ives“ mit den Gitarristen Manu Codjia und Mikkel Ploug), nun hat er während der Corona-Zeit den ersten Teil eines fantastischen neuen Gitarrenprojekts vorgelegt: „Almost Alone, vol. 1“. Das Projekt, für das Samo die Kompositionen geschaffen hat, stellt insgesamt 36 brillante Jazzgitarristen aus 35 verschiedenen europäischen Ländern vor. Nach dem nun veröffentlichten ersten Teil sollen die beiden Folgealben im Laufe der kommenden Monate veröffentlicht werden. Jetzt schon vermitteln die auf der ersten CD enthaltenen Stücke eine vielfältige Welt an Gitarren-Duo-Sounds von Free, Rock und Folk über New Age bis Noise, diese Scheibe ist deshalb wohl ein Muss für alle unvoreingenommenen Gitarrenfans! Neben Šalamon selbst greifen noch folgende Gitarristen in die Saiten: Alex Machacek (Österreich), Rafal Sarnecki (Polen), Cenk Erdogan (Türkei), Andre Fernandes (Portugal), Kalle Kalima (Finnland), Jacob Young  (Norwegen), Albert Vila (Spanien), Dušan JevtoviÄ  (Serbien), Lorenzo Di Maio (Belgien), Philipp Schaufelberger  (Schweiz) und Spiros Exaras (Griechenland). Wer neugierig ist, welche weiteren Gitarristen in Duos mit Samo Šalamon auf den nachfolgenden beiden CDs vertreten sind, findet eine …

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Gender Macht Musik.

News: +++ Deutsche Jazzunion mit Gender-Studie +++ Unternehmer*innenlohn und Ausweitung der Novemberhilfe gefordert +++

Neue Publikation zur Geschlechtergerechtigkeit im Jazz Es ist es soweit: Die Publikation „Gender.Macht.Musik. Geschlechtergerechtigkeit im Jazz“ der Deutschen Jazzunion als Download erhältlich. Mit geschlechtsspezifischen Nachauswertungen der jazzstudie2016 und der Mitgliederumfrage 2018 der Deutschen Jazzunion will die Publikation wichtige Einblicke in die aktuelle Situation von Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Jazzlandschaft geben. Mit  Beiträgen von Laura Block, Bettina Bohle, Wesselina Georgiewa, Urs Johnen und Max Körner wollen die wollen die Herausgeber einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Jazz zu leisten – und vielleicht damit auch in andere Kunst- und Kultursparten hinein zu strahlen und entsprechende Prozesse in Gang zu bringen. Laura Block, Projektleiterin Gleichstellung bei der Deutschen Jazzunion: „Mit unserer Veröffentlichung zeigen wir auf, dass der Status quo alles andere als zufriedenstellend ist. Das Geschlecht spielt nach wie vor eine wichtige Rolle für die Karrieremöglichkeiten von Frauen*; Strukturelle Diskriminierung, Ausgrenzung und Zugangsbarrieren sind leider immer noch Alltag für weibliche Jazzschaffende. Konsequent weitergedacht bedeutet das Einfordern von Gerechtigkeit im Jazz außerdem nicht nur eine Förderung von Frauen* im Jazz, sondern auch Solidarität mit anderen marginalisierten Menschen in der Jazzszene. Dies beinhaltet eine Bewusstmachung und ein Hinterfragen …

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New York – München: Das Progressive Chamber Music Festival 2020 als Stream

Als internationaler Brückenbauer zwischen zwei Avantgarde-Szenen präsentierte sich das Jazzfest Berlin in diesen Tagen (6.-8.11.2020). Berlin – New York war ein zweitägiger Konzertmarathon mit zwölf Projekten in sechs transatlantischen Tandems: je ein Set als Livestream aus der Betonhalle des Silent Green in Berlin und ein Set als Livestream aus dem Roulette in New York. Mehr dazu auch in der Jazzzeitung unter: https://www.jazzzeitung.de/cms/2020/10/jazzfest-berlin-2020/ Progressive Chamber Music Festival 2020 Das transatlantische Projekt aus der Hauptstadt hat gewissermaßen einen Vorläufer im Süden der Republik, im Münchener Milla Club. Seit fünf Jahren gibt es jeweils in den Monaten Oktober und November das Progressive Chamber Music Festival in New York, seit drei Jahren in Korrespondenz mit einem Ableger im Münchner Milla Club. Coronabedingt wird 2020 nur gestreamt – vom 11. November 2020 an ist das digitale Konzert online.   Initiatoren dieses genreübergreifende Festivals sind die Musiker des Sirius Quartets um den Geiger und Professor an der Münchener Musikhochschule, Gregor Hübner. Während man vom Jazzfest Berlin aus Brücken in andere Musikgenres schlägt, geht man beim Progressive Chamber Music Festival den umgekehrten Weg: Von der Kammermusik und Gegenwartsmusik hin zur improvisierten Musik. …

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Transatlantisches Miteinander beim Jazzfest: Berlin und New York rückten online ganz dicht zusammen

Nach jedem Konzert entsteht ein kurzer Moment der Leere, bei dem auch die Musikerinnen und Musiker etwas verunsichert wirken. Denn dort, wo sich nach intensivem Miterleben schließlich der Applaus entlädt ist – erst mal nichts! Auch dieser Eindruck blieb hängen nach vier virtuellen Jazzfest-Berlin-Tagen, wo – wie überall sonst auch zurzeit- das Publikum draußen bleiben muss. Trotzdem wurde nach Kräften und mit Erfolg demonstriert, wie auch in schwierigen Zeiten ein Festival zum Vorzeigeprojekt wird. Schon vor Verlegung des gesamten Jazzfests Berlin 2020 in den virtuellen Raum stand dafür eine gute Infrastruktur bereit. Sämtliche ARD-Sendeanstalten hatten online-Übertragungen und zugespielte Beiträge aus den Funkhaus-Studios von München und Köln zugesagt. Als dann der Lockdown 2.0 das Unvermeidliche eintreten ließ, verhalf die völlige physische Ortsgebundenheit vor allem den Kulturmetropolen New York und Berlin zu gemeinsamer Augenhöhe. Wo sich Gesellschaften zu spalten drohen, baut Jazz mit all seinen Randzonen die Schranken zwischen Kulturen, Nationen, und Stilistiken immer weiter ab – die zeitgleichen Tandemkonzerte zwischen Berlin und New York demonstrierten dieses Zusammenrücken vorbildhaft Weise. Fazit: Diesseits und jenseits des Atlantiks ist eine unbändige Lust vorhanden, beständig neue musikalische Welten zu erschaffen. …

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Klaviertrio Eastern Flowers: Das neue Album „Tendu“ von Jarry Singla, Ramesh Shotham und Christian Ramond überwältigt

Pianist Jarry Singla, der Perkussionspieler Ramesh Shotham sowie Bassist Christian Ramond bilden das Trio Eastern Flowers. Alle drei haben indische Wurzeln und schöpfen seit zehn Jahren gemeinsam-gleichberechtigt aus der indischen und vorderasiatischen Kultur – machen sich dabei die Errungenschaften des Jazz als universelles, für jede Abenteuerreise bereitstehendes Vehikel zu Nutze. Davon zeugt auch das bestechende neue Album TENDU! Jarry Singla schöpft auf Klavier und Harmonium aus dem Reichtum indischer Stilistiken, ebenso aus westlich-klassischer Tonalität und dringt auch immer wieder in die Freiheiten der Neuen Musik   ein. So subjektiv und tief persönlich, dass nicht selten eine fragile Lyrik daraus hervor geht. Viel hypnotische Kraft setzen die in den Stücken ausgiebig repetierten Ostinato-Tonskalen frei und bieten weiten Entfaltungsraum für das bewegliche Bassspiel von Christian Ramond und die vielen sinnlichen und auch melodischen Prozesse in der Perkussionskunst von Ramesh Shotham. Jedes Detail verblüfft beim Hören der acht Stücke aufs Neue, ein erstaunliches großes Ganzes bekräftigend:  Fragil und mystisch mutet die Introduktion des ersten Stückes Eviri Mela an. Aber dann verdichtet sich alles und treiben rhythmische Phrasen von Bass und Perkussion wie ein unerbittlicher Transmissionsriemen nach vorne. Das Stück …

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Casting für das Landesjugendjazzorchester Brandenburg 2021

Am 14. Februar 2021 sind wieder junge Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker im Land Brandenburg eingeladen, beim Casting für das Landesjugendjazzorchester Brandenburg – kurz LaJJazzO – in der Regenbogen Musik- und Kunstschule Blankenfelde ihr Können zu zeigen. Gesucht werden Instrumentalisten an Saxofon, Trompete, Posaune, Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Im LaJJazzO können die Nachwuchsjazzer mit einem der profiliertesten Big Band-Leiter, dem international renommierten Jazz-Posaunisten Jiggs Whigham, zusammenarbeiten. Jiggs Whigham ist seit einem halben Jahrhundert erfolgreich auf den Bühnen der Welt zu sehen und seit über 10 Jahren künstlerischer Leiter des LaJJazzO Brandenburg. Der US-Amerikaner spielte unter anderem mit Größen wie Ella Fitzgerald, Stan Kenton, Tony Bennett und Bert Kaempfert und leitete die BBC Big Band. Die jungen Musikerinnen und Musiker werden durch Dozierende der deutschlandweiten Jazzszene betreut. Neben zwei Arbeitsphasen warten 2021 mehrere Konzerte im Land Brandenburg auf das LaJJazzO, unter anderem beim Festival SOUND CITY in Spremberg. Die nächste Probenphase findet vom 12. bis 18. April 2021 statt.  Der Anmeldeschluss für das Probespiel ist der 31. Januar 2021. Bewerbung online unter https://events.vdmk-brandenburg.de/. Das Titelbild zeigt das Landesjugendjazzorchester. Foto: Uwe Hauth

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Céline Rudolph, Jazz Institut Berlin © Jordana Schramm © Jordana Schramm
Céline Rudolph, Jazz Institut Berlin © Jordana Schramm

Céline Rudolph als Professorin für Gesang an das Jazz Institut Berlin berufen

Zum Beginn des Wintersemesters 2020|21 wird die Sängerin und Komponistin Céline Rudolph als Professorin für Gesang und Ensemble-Leitung am Jazz Institut Berlin berufen. Bereits im Sommersemester 2020 hatte sie als Gastprofessorin am JIB unterrichtet. Das Jazz Institut Berlin ist eine Gemeinschaftsinstitution der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und der Universität der Künste Berlin. Geboren in Berlin, studiert die deutsch-französische Sängerin zunächst Philosophie und später Jazzgesang und Jazz-Komposition an der Hochschule der Künste Berlin bei David Friedman, Jerry Granelli, Kirk Nurock und Catherine Gayer. Sie improvisiert mit Bobby McFerrin, lernt beim Djembemeister Famoudou Konaté, reist nach Brasilien und Westafrika und erfindet ihre eigene Lautsprache. In der Folge entstehen in São Paulo die Alben „Brazaventure“ und „Metamorflores“, auf dem sie sich u.a. mit Percussion-Legende Naná Vasconcelos zusammentut und für das sie 2010 den Echo Jazz erhält. Die Henri Salvador-Hommage „Salvador“ (Verve, Universal) veröffentlicht sie in einer deutschen und einer französischsprachigen Version. Von der Presse wird sie als „eine der schönsten europäischen Jazzstimmen“ (Badische Zeitung) gefeiert und von Kollegen wie Lee Konitz, Lionel Loueke, Gary Peacock, Bob Moses, Wolfgang Haffner oder Till Brönner geschätzt, mit denen sie die …

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Jazzfest Berlin 2020

Vor einer guten Woche sollte der Ticket-Vorverkauf für das deutsche Jazzfest Berlin, das vom 5. bis 8. November stattfindet, starten, doch wurde er erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben, da nicht klar ist, welche Auswirkungen die Pandemieentwicklung auf den Veranstaltungsbetrieb haben wird. Das Festival findet aber auf jeden Fall online statt und die Konzerte werden auf verschiedenen Plattformen gestreamt: Jazzfest Berlin on Demand, Jazzfest Berlin Festivalstream, ARTE Concert und Website Roulette in New York. Im Zentrum der dritten Festivalausgabe der künstlerischen Leiterin Nadin Deventer steht die Verbindung der Jazzszenen in Berlin und New York. Das Festival präsentiert Live-Konzerte im silent green Berlin, im Roulette in Brooklyn New York und deutschlandweit in acht Rundfunkstudios sowie zahlreiche Auftragsarbeiten, darunter multimediale Projekte und Video-Produktionen. Insgesamt sind bei den 27 Live-Projekten des Jazzfest Berlin 2020 über 30 Musikerinnen aus den USA und über 40 in Berlin lebende, internationale Musikerinnen zu erleben; außerdem Künstler*innen aus London und über 50 aus den verschiedenen Regionen Deutschlands. Das viertägige Festival findet zum größten Teil live in Berlin, New York und in sechs weiteren Städten Deutschlands statt. Per Streaming-Standleitung werden das Roulette (New-York) mit …

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