Als er 1990 zum ersten Mal ausgerichtet wurde, war der Biberacher Jazzpreis der erste Nachwuchswettbewerb Deutschlands im Jazzbereich. Dass die biennal stattfindende, vom Jazzclub Biberach zusammen mit der Stadt getragene Veranstaltung nicht nur traditionsreich ist, sondern bis heute zu den wichtigen ihrer Art gehört, sieht man schon an den Preisträgern, aus denen fast durchgehend etwas geworden ist: Angefangen mit Cornelius Claudio Kreusch, max.bab, Kristjan Randalu oder Laia Genc bis zu Matthias Lindermayr, Jakob Manz (vor Johanna Summer) oder zuletzt vor zwei Jahren Renner.
Diesmal war es eine besondere Ausgabe, war der Jazzpreis doch in das zweiwöchige Landesjazzfestival Baden-Württemberg integriert, das zum 50. Geburtstag des Jazzclubs nach Biberach vergeben worden war. Und im Festival-Gewand präsentierte er sich auch: Besucherrekord mit 380 Besuchern im ausverkauften Saal der Stadthalle; nie war der Sound besser; nie die Betreuung und Videobegleitung professioneller; nie die Beleuchtung schöner, nicht zuletzt dank den vom Lichttechniker selbst gebauten Bühnenstrahlern, die sanfte Farben von großen Metallschirmen abstrahlten.
Wer die inzwischen allerorten angesiedelten Nachwuchspreise seit längerem verfolgt, weiß um die Qualität, die hier geboten ist. Viele gehören mittlerweile regelmäßig zu den Höhepunkten von Festivals. So lieferten auch in Biberach die fünf aus knapp 25 Bewerbern ausgewählten Bands einen spannenden und abwechslungsreich schillernden Abend. Bei der Jury hatte am Ende das größte Ensemble die Nase vorn: die siebenköpfige Jomila Band rund um die Sängerin Josefine Laub. Sie überzeugte bei ihren durchwegs selbst geschriebenen Stücken vor allem durch den Mut, sich und ihre Musiker herauszufordern. Etwa mit scharfen Bläsersätzen, die sie unisono mit Vokalisen mitsang, mit mutigen Wechseln und einer Menge Dynamik. Weshalb sie auch den Kompositionspreis mitnehmen durfte.
Zweite wurden das Duo Bufte und Klimperkasten mit dem Pianisten Leon Lübken und dem Schlagzeuger Jakob Wroblewski aus Leipzig. Erst 21 und 22 Jahre alt, überzeugten sie durch ihre Improvisationslust, die dank ihrer Technik, ihren stringenten Arrangements und ihrer Aufmerksamkeit nie ins Leere lief. Schwer vergleichbar mit einem Septett mit Gesang wären sie für den Sieg ebenso in Frage gekommen.
Den Publikumspreis gewann das Trio Mellow, wohl für ihre starken, sehr eingängigen Melodien, die der Jury vielleicht ein bisschen zu catchy waren. Bei ihr kam die Band nur auf den vierten Platz. Noch davor kam das Lukas Mohl Trio ins Ziel. „Letzter“ wurde etwas unerwartet der exzellente Trompeter Nico Weber mit seinem ungewöhnlich besetzten skandinavischen Quartett Flirre. Dessen sperrige, getragene Klanglandschaften ergeben bestimmt ein grandioses Album, für 25 Wettbewerbsminuten waren sie zu gleichförmig.
Letztlich sind die Platzierungen ohnehin nicht entscheidend. Wichtiger ist, dass der Biberacher Jazzpreis drei wichtige Aufgaben vorbildlich erfüllte: Er förderte junge Musiker und verschaffte ihnen Aufmerksamkeit. Er begeisterte die Zuschauer, indem er demonstrierte, wie attraktiv, vielfältig und mitreißend junger Jazz sein kann. Und er sorgte für Zusammenhalt, Freude und Aufbruchstimmung bei den städtischen wie ehrenamtlichen Mitwirkenden.
Text und Fotos: Oliver Hochkeppel
Beitragsbild: Wolfgang Volz