Jazz kommt aus Afrika – zur jazzahead! 2026

(Von Kat Pfeiffer) Ein paar Töne – und klar ist: Das ist Jazz. Doch wie klingt eine Menge, die über Jazz verhandelt? So wie auf der jazzahead! 2026. In Halle 6 summt es wie in einem Bienenhaus – etwas lauter als im Vorjahr. Die jazzahead! verbindet Showcase-Festival, Club-Night in der Stadt, Branchentreffen, Workshops und Konferenz. Messe und Konferenz sind ausschließlich Fachbesuchern vorbehalten. Vor Ort treffen sich Booker, Labels, Musikorganisationen, Vereine, Festivalmacher, Journalistinnen und Musiker. In diesem Jahr ist die jazzahead! 20 Jahre alt geworden und wirkt von Jahr zu Jahr internationaler.

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Früher Meeting für deutsche Player

Die größte Fachmesse Europas breitet sich weltweit aus. „jazzahead! war am Anfang ein Meeting für deutsche Player”, sagt Sybille Kornitschky, die treibende Kraft hinter jazzahead! „Wir hatten im ersten Jahr tatsächlich Teilnehmende aus drei Ländern: Deutschland, Italien und Österreich. Heute ist diese Veranstaltung weltweit die Nummer eins. Die Teilnehmenden kommen aus 62 Ländern von allen fünf Kontinenten. Das sind rund die 3.000 registrierte Teilnehmer, die anlässlich der jazzahead! nach Bremen reisen. Im Rahmen des Festivals, weil wir auch ein stadtweites Festival produzieren, sind das über 20.000 Menschen, die wir an diesem Wochenende bewegen. In diesem Jahr haben wir 160 Konzerte in drei Tagen und vier Nächten.“

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Die Konzerte sind für jeden mit einer Eintrittskarte zugänglich. Es werden die Messegelände, das Kulturzentrum Schlachthof und die Stadt Bremen bespielt. In diesem Jahr hat sich das Festival am Samstag in die Bremerhavener Klubs ausgebreitet – eine Hafenstadt, die durch die dort in der Vergangenheit stationierten Amerikaner eine eigene Jazzerinnerung pflegt.

Offene Formen

Alle möglichen Jazz-Varianten sind zu hören. Von eher traditionellen Klängen über ethnische Interpretationen bis hin zu offenen Formen – zum kontemplativen oder aktiven Zuhören. Ob man sich am Freitagabend für die schwedische, polnische, britische oder afrikanische Club Night entscheidet oder für kleinere, einzelne Konzerte, ist auf jeden Fall Teil des Geschehens. Und dann gibt es noch die Jam-Session-Nächte …

Mein Freitag-Weg führt mich durch den wunderschönen Bremer St.-Petri-Dom, in dem ich zunächst dem schwedischen Bachjazz Trio lausche, das moderne Jazz-Interpretationen von Kompositionen Johann Sebastian Bachs spielt. Das zweite Konzert gehört dem Duo Andrii Pokaz (p) und Magnus Öström (dr). Es ist eine emotionale Lawine aus östlichen, romantischen Klaviermelodien und rhythmischen Schlagzeugfantasien. Später geht es zum Bremer Ratskeller. Dort tritt die Sylwester Ostrowski & Freddy Hendrix Jazz Brigade auf.

Partnerland Schweden

Jedes Jahr arbeitet die jazzahead! mit einem Partnerland zusammen. 2026 war das Schweden: mit eigenen Künstler:innen, Beiträgen zum Konferenzprogramm und einer sichtbaren Präsenz in der Messehalle. Mit Beispielen aus der eigenen kultur- und sozialpolitischen Praxis, in der auch von rechten Politikern umstrittene Entscheidungen getroffen wurden, plädierte Schweden auf der Konferenz dafür, Künstler:innen zu stärken, damit sie ihr Schaffen als gesellschaftliches Engagement und als Mission verstehen. Eine gute Nachricht für alle, die sich um Urheberrechte im Zusammenhang mit KI sorgen, kam aus dem Panel „Musik und KI“. Im Rahmen der STIM wurde ein erstes KI-Lizenzierungssystem vorgestellt. Es soll ein faires Training ermöglichen und durch ein Trackingsystem die legale Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke durch KI sichern. Dem schwedischen Vorreiter sind inzwischen weitere Anbieter gefolgt. Es lohnt sich, dazu zu recherchieren.

Am Nachmittag des letzten Tages hat Schweden den symbolischen Torch an die nächsten, an die Region Baltikum übergeben. Damit stehen die drei Partnerländer für das Jahr 2027 fest: Lettland, Litauen und Estland.

Drei Jahre lang hat sich die jazzahead! auch thematisch mit dem afrikanischen Kontinent beschäftigt. Es wurde über den Weg der Musik von Afrika über den Atlantik und Amerika nach Europa, über die Entwicklungen des Jazz und über die aktuellen interkontinentalen Businessmöglichkeiten diskutiert. „Wir haben dieses Thema über drei Jahre hinweg verfolgt und jetzt gibt es ein richtiges Netzwerk!”, so Kornitschky. Wie es um den asiatischen Pazifikraum steht, werden wir zwischen 2027 und 2029 erfahren. Der Fokus liegt unter anderem auf Japan, Korea und Australien. „Wir denken in Netzwerken, wir motivieren Netzwerke, um besser miteinander zu arbeiten oder rufen sie gar erst ins Leben“, führt die Leiterin weiter aus.

Deutscher Jazzpreis

Auch der Deutscher Jazzpreis kehrte von Köln nach Bremen zurück. Zum sechsten Mal wurden die Auszeichnungen verliehen. Erstmals führten die Journalistin, Schauspielerin und Moderatorin Thelma Buabeng und der Musikjournalist sowie Artistic Advisor der jazzahead!, Götz Bühler, gemeinsam durch den Abend. Am Samstag, 25. April (am Geburtstag von Ella Fitzgerald!) wurden im Congress Centrum Bremen die Namen bekannt gegeben und 22 Preise vergeben. Das entspricht der neuen Aufteilung: den 22 Kategorien, die unter die 5 Hauptkategorien geordnet sind. Das Schöne daran ist, dass die Preisgelder, zu denen auch die GEMA beitragt, nicht nur an die Gewinner, sondern auch an die Nominierten vergeben werden. Der DJP steht für die Würdigung von Tradition, Interkulturalität, die Stärkung des Jazz, die Freiheit und Vielfalt. Herzliche Glückwünsche an alle ausgezeichneten Künstler!

Die DJP-Preisverleihung kann man hier ansehen:  https://www.youtube.com/watch?v=GcR64a2hKeQ

Ich schleiche mich langsam raus und gehe zum Nacht Showcase und zum Konzert von Israeli Pianistin Sharon Mansur Trio. Erstaunlich, wie eine so filigrane Frau einen derart prägnanten Klang hervorbringt! Sie spielt Flügel und verbindet dessen Sound mit dem Synthesizer, mit dem sie nahöstliche Klänge elektronisch moduliert. Ihre Musik widmet sie der Schönheit der Welt und erinnert daran, dass selbst in den dunkelsten Momenten immer die Gnade des Lebens existiert.

In Erinnerung bleibt mir die britische Saxophonistin Jasmine Myra: Harfenklänge wie bei Alice Coltrane oder Andreas Vollenweider, Musik über die stets scheinende Sonne über den Wolken. Zwei Saxophone und Flöte wirken wie weiche Kissen, das Klavier erzählt schaukelnd vom Orient – tröstlich.

Sprengung

Sorvina, New Yorkerin und Berlinerin, dagegen: Sie sprengt die Decke des Schlachthofs! Diese junge, amerikanische „Church Girl“, wie sie sich selbst bezeichnet, bringt die Tradition der schwarzen amerikanischen Diaspora auf die Bühne und verbindet dabei das musikalische Erbe von Soul, Rap und der Hip-Hop-Szene der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, wie etwa „Doo Wop“ von Lauryn Hill. Sie ist MC, verbindet Herzen – und springt erstaunlich hoch!

Der südafrikanische Trompeter und Sänger Sydney Mavundla mit seiner Band präsentiert in Bremen ein musikalisches, indigenes Storytelling. „Dirge for Our Fathers“ heißt sein letztes Album. Und bei der stylischen Band SAHAD aus dem Senegal wird zu ihren modernen funky Afrobeat-Grooves heftig getanzt.

„Diese Musik, die wir alle lieben, und das ist eben unsere shared passion, die lässt sich nicht in Schubladen stecken und das ist auch gut so. Junge Menschen sagen nicht, dass sie das eine oder das andere Genre hören, die hören Musik, und wir müssen von den Hörerinnen und Hörer lernen um die Zukunft für Jazz zu gestalten“, sagt die Leiterin der jazzahead!

Alles Beste zum 20. Geburtstag, jazzahead!

Wer nach Bremen nicht kam: ab Juni wird man die Showcase Konzerte 2026 auf dem jazzahead! Youtubekanal ansehen können: https://www.youtube.com/@jazzaheadtradefair

Einiges kann man auf der neuen ardjazz.de  Platform schon jetzt abrufen.

Die nächste jazzahead! findet vom 21. bis 24. April 2027 statt.

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