Lyambiko mit Band im Jazzclub Leerer beutel. Foto: Michael Scheiner
Lyambiko mit Band im Jazzclub Leerer beutel. Foto: Michael Scheiner

Lyambiko im Jazzclub Regensburg: Relaxte Swingsongs über die Liebe

An den Flügel gelehnt, sang sie als Zugabe „Mütterlein“. Ohne Mikro, nur mit der Kraft ihrer wandlungsfähigen Stimme. Freilich nicht in der deutschen Originalversion von Fred Rauch und Gerhard Winkler, sondern in der englischen Interpretation „Answer Me (My Love)“ von Carl Sigman. Damit landete der große Nat King Cole 1954 einen veritablen Hit. Für Lyambiko wurde der alte Popsong zum stärksten Moment des Abends. Bei ihrem umjubelten Auftritt beim Jazzclub im Leeren Beutel brachte die schmale Sängerin mit dieser unverstärkt, aber hingebungsvoll gesungenen Schnulze noch einmal alles an Ausdruckskraft und emotionalen Nuancen zum Vorschein, was in ihr steckt. Großartig auch, wie die vierköpfige Band sich bei dem swingenden Evergreen zurücknahm und dem ihrer Frontfrau Raum zur Entfaltung ließ.


Es war ein entspanntes und unterhaltsames Konzert mit einer spürbar motivierten Band, die Lust hatte zu spielen. Und mit einer gut gelaunten Sängerin, die sich auch mal zu vergnüglichen Schäkereien mit ihren Kollegen hinreißen ließ. Gemeinsam stellten sie das  neue Album „Love Letters“ vor, das im September bei „OKeh“ erschienen ist. Zu den Texten einiger Songs hat sich die aus Thüringen stammende Sängerin von Liebesbriefen anregen lassen, die sie „in einer verstaubten Schachtel auf dem Dachboden des Elternhauses ihres Mannes gefunden“ hatte.

Geschrieben worden waren sie von dessen Großeltern in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Mit Standards und Songklassikern, wie dem Disney-Walzer „Some Day My Prince Will Come“ und „There Is No Greater Love“ hat sie daraus einen roten Faden gewoben, der Album und Programm ihrer Release-Tour durchzieht. Verpackt in geschmackvoll swingende Musik besingt Lyambiko das langsame Eintauchen in einen Sommermorgen, „Summer Morning“, die Wintersonne – „Winter Sun“ – und das leise Prizzeln des Schnees in einer abgeschiedenen Landschaft. Dabei lässt sie ihre Stimme knarzen, jubeln, mädchenhaft kieksen oder süffisant breit rollen. Das Ausdrucksspektrum, über welches sie mit souveräner Leichtigkeit verfügt, ist beeindruckend und hebt sie gerade in diesem Segment von jazzigem Entertainment weit heraus.

Es gibt einige Jazzsängerinnen, die weit expressiver und auch kräftiger singen als die 39-Jährige. Nur wenige allerdings gestalten ihren Vortrag so variationsreich und immer wieder überraschend. Dass sie sich musikalisch auf breit getretenen, man kann auch sagen altmodischen Pfaden bewegt, nimmt man gern in Kauf. Zum einen, weil die Band mit Pianist Marque Lowenthal und Bassist Robin Draganic, zwei langjährigen Wegbegleitern Lyambikos, wunderbar erfrischende Begleiter hat, die auch solistisch schöne Akzente setzen. Ergänzt werden sie von Tilman Person am Schlagzeug, einem Neuzugang, und Trompeter Martin Auer, der mit packenden Soli und Improvisationen ein außerordentlich wohltuendes Gegengewicht bildet und den Gesang bestens ergänzt. Auer, der auch ein geschmeidiges Flügelhorn bläst, war auch Mitglied im Jazzorchester Regensburg und ist dabei durch formschöne une einfallsreiche Soli hervorgetreten. Bei Lyambiko teilte er sich diese Rolle mit dem relaxten, gleichwohl findigen Spiel Lowenthals, der auch herrlich groovende Reggaesongs beigesteuert hat.

Text und Fotos: Michael Scheiner

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