Ein Buch-Tipp: 100 Jahre Jazz

Die Geburtsstunde des Jazz ist ja nach wie vor umstritten. Das gibt der Autor dieses Jubiläumsbandes auch ganz offen zu. Viele datieren sie aber nach wie vor auf den 26. Februar 1917, als die Original Dixieland Jass Band des Kornettisten Dominic James La Rocca die Titel „Livery Stable Blues“ und „Dixieland Jass Band One-Step“ für das Plattenlabel Victor aufnahm. Wie danach der Jazz zu dem wurde, was er heute ist, führt dieses Buch in 63 Porträts von Musikern, die den Jazz prägend beeinflusst haben, vor: Von seinen Anfängen in den Straßen New Orleans 1917 bis heute stehen sie stellvertretend für inzwischen 100 Jahre Jazzgeschichte.

Die bedeutendsten Akteure des Jazz werden vorgestellt – nach Epoche und Stilrichtungen: von Louis Armstrong und Johnny Dodds über Count Basie und Benny Goodman bis hin zu Stan Getz und Sonny Rollins. Jedes Porträt umfasst eine Kurzbiografie, einen übersichtlichen Lebenslauf mit den wichtigsten Daten zum künstlerischen Wirken und schöne Schwarzweiß-Fotos. Die „Signatur“ rundet das Porträt ab und analysiert Vorbilder des jeweiligen Jazzmusikers, Besonderheiten seiner Musik sowie seine Einflüsse auf den Jazz. Der Band ist sehr ansprechend gestaltet, liegt gut und schwer in der Hand, ist aber natürlich eher für Einsteiger in das Musikgenre gedacht. Es kratzt eben an der Oberfläche. Doch diese ist wie gesagt schön aufpoliert und nett anzusehen. Die Frauen sind natürlich in der Unterzahl, aber die wichtigsten Heldinnen wie Ella Fitzgerald oder Billie Holiday fehlen nicht. Am Ende stehen Keith Jarrett, Carla Bley, Jan Garbarek und German Jazz Trophy-Preisträger Abdullah Ibrahim, Vertreterinnen und Vertreter jüngerer Generationen fehlen, abegsehen von Esbjörn Svensson. Schade eigentlich… Aber, wie gesagt, wer gemütlich auf dem Sofa mit den CDs im Hintergrund einsteigen und durch einen ansprechenden Band blättern will, Empfehlung.


Ursula Gaisa

Philippe Margotin: 100 Jahre Jazz: Von der Klassik bis zur Moderne, 424 Seiten, Edition Delius, € 59,90

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