Abschied von der Škoda-Allstar-Band: Uli Beckerhoff blickt auf ein gelungenes Modell zur Förderung der Kultur zurück

Foto: Frank Pusch
Foto: Frank Pusch

Von Stefan Pieper – Zum letzten Mal geht ab dem 5. November die Škoda Allstar Band auf Tour. Danach zieht sich der Autokonzern endgültig aus dem Bereich des Jazz-Sponsoring zurück. Damit ist der hochkarätig besetzten Combo aus internationalen Jazzgrößen die Möglichkeit zur weiteren Existenz als tourneefreudige Liveband genommen. Ulrich Beckerhof, Gründer und langjähriger Leiter der Skoda Allstar Band blickt mit großer Dankbarkeit auf die gute Zusammenarbeit mit dem Sponsor zurück. Bei voller künstlerischer Souveränität hat Škoda dieser Band das lebenswichtige  Rückgrat gegeben. Beckerhoffs ernüchterndes Fazit beschreibt die heutige wirtschaftliche  Situation für die meisten Jazzmusiker und – bands: „Mit so einer großen Formation zu spielen, ist heutzutage auf der Live-Ebene nicht mehr finanzierbar. Ein Tourbetrieb in dieser Größenordnung ist nicht ohne einen Sponsor zu stemmen. Ich bin sehr dankbar, dass wir so lange von diesem Sponsor unterstützt worden sind.“


Durch das Sponsoring durch Skoda konnte die Allstar-Band 15 Jahre lang viel Basisarbeit in Sachen Jazz leisten. Last but not least konnte dadurch der Tourneebetrieb vor allem in Sachen Jazzvermittlung reiche Früchte tragen: „Wir haben an zahllosen, auch sehr kleinen Örtlichkeiten gespielt und dadurch einem breiten Publikum die Gelegenheit gegeben, hochkarätigen Jazz kennen zu lernen. Ich habe darauf geschaut, dass auch kleine Veranstalter diese Band bekamen und sich dies dank unseres Sponsors auch leisten konnten. Mir ist es unheimlich wichtig, dass eben nicht nur in den Zentren Jazz passiert, sondern eben auch in kleinen entlegeneren Gegenden und Städten.“

Auf Unverständnis stößt es beim Bremer Ensembleleiter und Trompeter, dass der Bandname, der für eine Automarke steht, immer noch so stark den Beigeschmack von Schleichwerbung hat. Beckerhoff weiß hier leidvolles über einen äußerst distanzierten Umgang durch die Medien zu berichten. Aber da werde doch mit zweierlei Maß gemessen, erläuterte Beckerhoff im Gespräch mit dem online-Jazzmagazin nrwjazz: „Niemand hat Probleme damit, über Spiele von „Bayer“-Leverkusen zu berichten oder diese im Fernsehen zu übertragen.“

Ulrich Beckerhoff, der im übrigen mit der Bremer Fachmesse jazzahead eine europaweite Marketing-Plattform für die lebendige europäische Jazz-Gegenwart mitbegründet hat, plädiert in diesem Zusammenhang für eine entspannte Haltung. Vom Sponsoring profitieren doch beide Seiten. Gerade in heutiger Zeit brauche es eine gesunde Spürnase für Menschen im wirtschaftlich entscheidenden Positionen, die über eine Affinität für Kultur, Musik und letztlich auch für Jazz verfügen.

In dieser Hinsicht hatte Uli Beckerhoff schon lange vor der Bandgründung Pionierleistungen vollbracht. Er machte Menschen in der Wirtschaft für das Potenzial der improvisierten Musik aufmerksam. Von dem, was Jazzmusiker auf einem Konzert oder in einer Session tun, könne man doch nur lernen: „Ich denke, dass eine Jazzcombo eine ideale Gruppierung ist, an der man Kommunikation studieren kann. Jeder kann sowohl als Solist nach vorne treten, aber auch wieder zurück treten, um den anderen den Vortritt zu lassen. Weil improvisiert wird, muss permanent eine extreme Aufnahmebereitschaft von allen Seiten der Musiker vorhanden sein.“ Entsprechend wurden Beckerhoffs Combos schon zu Management-Trainings eingeladen – zudem belegt die Resonanz bei vielen Jazzkonzerten vor sehr unterschiedlichem Publikum, was für inspirierende Energie von live gespieltem Jazz ausgehen kann. Uli Beckerhoffs Credo hierzu: „Combojazz ist ein idealer Platz, um zu demonstrieren, wie Gesellschaft funktionieren kann und sollte.“

Noch einmal bilden bei der Abschiedstournee Uli Beckerhoff, Trompete/Flügelhorn, Matthias Nadolny, Tenorsaxofon, Glauco Venier, Piano, Peter O`Mara, Gitarre, Ingo Senst, Bass und Bruno Castellucci, Schlagzeug eine hochkarätige Live-Combo. Außerdem ist als „special Guest“ die britische Sängerin Norma Winstone dabei, die schon öfter mit der Skoda-Allstar Band zusammenarbeitete. Zur Philosophie der Skoda Allstar Band gehört die Exklusivität des Live-Auftritts. Deswegen wurde bewusst auf das Aufnehmen von Tonkonserven verzichtet getreu dem Credo, dass Jazz Live-Musik ist und immer Publikum braucht.

KONZERTE

International SKODA ALLSTAR BAND
feat.NORMA WINSTONE (vocal)

5.11.2015 – 20:00
Neustadt am Rübenberge
Schloss Landestrost

6.11.2015 – 20:00
Düsseldorf
Jazz Schmiede

7.11.2015 – 20:00
Nürtingen
Kreuzkirche

8.11.2015 – 20:00
Gelsenkirchen
Schloss Horst

9.11.2015 – 20:00
Unna
Schloss Opherdicke

10.11.2015 – 20:00
Mönchengladbach
Haus Erholung

11.11.2015 – 20:00 Uhr
Bremen
Sendesaal

Advertisements

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.