Oliver Korthals legt live im Radio auf

Der DJ, Moderator und Mojo Club-Mitbegründer Oliver Korthals legt im Radio auf
Bei Freeform ist der Freigeist namensgebend. Weder stilistische noch rhythmische Grenzen engen das Programm ein, das wie ein DJ-Set konzipiert ist. Stattdessen wird der DJ, Moderator und Original Jazzrocker Oliver Korthals die Hörer formlos und unangepasst durch seinen ausgedehnten musikalischen Kosmos führen, dessen Zentrum der Jazz ist. Bonobo trifft Okay Temiz, Fat Freddy’s Drop treffen The Greg Foat Group und Azymuth treffen auf Mayer Hawthorne – um nur ein paar Namen zu nennen. Jede Sendung ist ein Unikat, keine wird gleich oder zu 100 Prozent nach einem Schema geformt sein.


Freeform: The Mojo Radio Show startet läuft einmal im Monat freitags von 22:05 bis 23:00 Uhr auf NDR Info. Immer am Montag danach gibt es eine Wiederholung auf dem Digitalsender NDR Blue ab 23:05 Uhr. Premiere wird Freitag, der 9. Oktober 2015 sein (22.05 – 23.00 Uhr)

Oliver Korthals. Foto: NDR
Oliver Korthals. Foto: NDR

 Oliver Korthals

  • 1974: erster tragbarer Plattenspieler mit 8
  • 1980: die Debütalben von The Beat, The Specials und Dexy’s Midnight Runners eröffnen eine neue musikalische Welt
  • 1983: Run DMC in der Hamburger Markthalle: 2 turntables and a microphone!
  • 1986: Resident im Hamburger Kir – hier wird Eklektizismus GROSS geschrieben, das prägt.
  • 1988: hinter dem DJ Pult im Kir wird zusammen mit Leif Nüske die Idee zum Mojo Club geboren
  • 1989: die erste Mojo Nacht im Hamburger Holthusenbad
  • 1991: der Mojo Club eröffnet und die Reeperbahn 1 wird erfunden
  • 1992: Zusammenstellung der ersten Mojo Club Compilation
  • 1993: Jazzwelle Plus erkennt das Potential – erste Radioshow
  • 2009: die Türen schliessen an der Reeperbahn 1 – Köln wird zur Wahlheimat
  • 2013: down under im neuen Mojo Club an der Reeperbahn 1 und on air bei NDR Info

 

Fragen an Oliver Korthals:

Oliver, Du bist Mitbegründer und DJ des Mojo Club. Wofür steht „Mojo“?

Mojo bedeute so viel wie „Zauber“ oder „Charme“ und ist aus dem Voodoo entlehnt. Das Wort stammt ursprünglich aus Afrika. Man findet es heute z.B. noch auf den Kanaren. Dort wird eine scharfe Soße so genannt. Diese besteht aus vielen leckeren Zutaten und hat einen einzigartigen Geschmack. Da schließt sich der Kreis wieder, denn musikalisch gesehen ist das genau unser Rezept!

Was macht eigentlich einen guten DJ aus?

Ein guter DJ im Club trifft die gute Balance zwischen eigenem Stil und dem Geschmack des Publikums. Ein DJ ohne Publikum wäre undenkbar, aber ein DJ, der nur das spielt, was gewünscht wird, ist überflüssig. Insofern muss man das Publikum auf eine Reise entführen und mit seinem Geschmack begeistern. Die Kunst liegt darin, sich selbst nicht zu verbiegen, sich aber auch nicht anzubiedern!

Was bedeutet das Radio für Dich persönlich und für Deinen Weg als Künstler?

Das Radio gibt einem in der Arbeit völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten. Hier steht nicht die Bewegung auf der Tanzfläche im Vordergrund, sondern hier kann man, den richtigen Sender vorausgesetzt, sehr eigen darüber bestimmen, wie sich das Programm zusammensetzt, wie sich der programmatische Fluss bewegen soll. Man verfügt bei diesem Medium über Freiheiten, die man im Club nicht hat. Insofern hat man hier die Möglichkeit, sich und seinen Geschmack in einem völlig anderen Licht zu zeigen. Aber man hat auch nie ein direktes, unmittelbares Feedback!

Gab es eine Lieblings-Sendung – eine, die Dich besonders beeinflusst hat?

Als ich das erste Mal Anfang der achtziger Jahre in London unabhängiges Radio wie z.B. Horizon Radio gehört habe, war das anders als das, was ich bis dahin kannte. Ganz wichtig, wie sicherlich auch für einige andere Kollegen, war John Peel, den man in Hamburg über BFBS empfangen konnte. Der hat, unter anderen musikalischen Vorzeichen zwar, schon sehr früh gezeigt, wie wichtig es ist, ein, im wahrsten Sinne, offenes Ohr für andere Musikstile zu haben. Und natürlich muss auch Gilles Peterson erwähnt werden, der ja nun seit mehr als 25 Jahren aktiv ist. Er war immer Inspirationsquelle, ohne 1:1 kopieren zu wollen, was er in seinen Sendungen macht oder gemacht hat.

Deine neue Sendung auf NDR Info heißt „freeform – the mojo radio show“. Was erwartet die Zuhörer denn da?

Hier ist natürlich der Name Programm! Ich kann (hoffentlich) und will das spielen, was meinem persönlichen Geschmack entspricht und somit aber auch Mojo repräsentiert. Jazz wird die Inspirationsquelle sein, wobei die Grenzen zu anderen Stilen fließend sein werden.

Wie suchst du die Musik dafür aus?

Auch das wird fließend sein! Den Griff ins heimische Plattenregal wird es ebenso geben, wie den Zugriff auf die neusten digitalen Promofiles. Die Mischung wird es sein. Ich denke aber, ohne das jetzt schon 100% zu wissen, auch die wird immer unterschiedlich ausfallen. Sportlich dabei wird es sein, nur eine Stunde zur Verfügung zu haben! Das wird knapp, da muss ich mich sehr begrenzen. Das macht aber auch mit Sicherheit einen gewissen Reiz aus.

Wie bringst Du den Mojo-Flair ins Radio?

Die Sendung wird ähnlich wie ein DJ-Set im Club aufgebaut sein, insofern wird sich der Mojo-Flair nicht nur inhaltlich sondern auch stilistisch wiederfinden lassen.

In Mojo steckt ja eine Menge Jazz drin. Was bedeutet Jazz für Dich: eine Schublade oder eine offene Tür?

Ganz klar eine offene Tür, wenn auch Jazz gern als Schublade gesehen wird. Betrachtet man sich aber die Geschichte dieser Kunstform, lässt sich ganz eindeutig erkennen, wie aufgeschlossen und wissbegierig die Jazzer in ihren jeweiligen Epochen waren und auch nach wie vor sind!

Welches sind Deine Jazz-Ikonen?

Ikonographie ist ja nicht mein Spezialgebiet – aber im Ernst, eine Ikone im eigentlichen Sinne gibt es für mich nicht. Die Lebensgeschichten vieler Jazzer sind aufgrund ihrer langen musikalischen Arbeit so vielschichtig, dass ich häufig aber nur gewisse Episoden daraus mag. Aber mit Namensnennungen tue ich mich immer schwer….

Und Deine drei Lieblingsplatten? Welche würdest Du auf die berühmte „Insel“ mitnehmen?

Drei Lieblingsplatten – das wird schwer, aber drei Songs, die kann ich nennen:

Oscar Brown Jr. – Mr.Kicks

Dave Pike – Mathar

Jackie & Roy – Don’t Be Blue

Es ist ja zum Glück noch sehr (!) lange hin – aber: gibt es einen Song, der auf Deiner Beerdigung gespielt werden soll?

Ein wenig makaber ist die Frage schon! In der Tat hoffe ich das auch! Daher habe ich mir dazu noch keine Gedanken gemacht! Allerdings passt dann Jackie & Roy sehr gut – für alle, die ich zurücklassen werde.

Du arbeitest viel im wiedereröffneten Mojo Club in Hamburg, lebst aber in Köln. Was hat Hamburg, das Köln nicht hat? Und umgekehrt?

Hamburg ist eine Metropole mit Seehafen, das hat die Stadt maßgeblich geprägt. Köln hingegen liegt einfach geographisch ganz anders mit vielen direkten Nachbarn, was eine andere Atmosphäre erzeugt. Insofern präsentieren sich beide Städte – jede auf ihre unnachahmliche Weise – als weltoffene Metropolen. Hamburg hat Seeluft und Köln den Karneval!

(Interview: Annette Yang & Stefan Gerdes)

 

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