Karlheinz Drechsel (2013). Foto: Hufner

Rundfunkjournalist Karlheinz Drechsel ist tot

Im Alter von 89 Jahren starb am 5. Oktober der am 14. November 1930 in Dresden geborene Musikjournalist und Jazzmusiker Karlheinz Drechsel in einem Berliner Krankenhaus infolge einer Covid-19-Erkrankung.  Der als Dr. Jazz bekannte Drechsel moderierte von 1959 bis 1991 die Sendung Jazz Panorama und war einer der Gründungsväter des Dixielandfestivals in Dresden.

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Bodor und Mezei – ein Improvisationsmusiker aus der Vojvodina mit einer Hommage an archaische Volkslieder

Wem in Deutschland ist der Name Anikó Bodor ein Begriff? Bestenfalls nur Volksmusik-Forschern und Musikhistorikern. Für ihre Heimatregion, die Vojvodina im Norden der Republik Serbien, jedoch hat die 2010 verstorbene Musikwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin Großes, ja Unverzichtbares geleistet. Ihre Arbeit wird durch mehr als ein halbes Hundert Studien, wichtige Artikel und volksmusikalische Veröffentlichungen – Bücher, Noten, Schallplatten – belegt. Der wohl bedeutendste Teil ihres Werkes ist die auf fünf Bände konzipierte Reihe »Ungarische Volkslieder der Vojvodina«, von denen bisher vier Bände, davon die ersten drei zu Bodors Lebzeiten, veröffentlicht wurden. Daneben gibt es noch ein Buch mit Liedern aus dem Dorf Bácskertes (auch: Kupuszina), dessen Bevölkerung noch heute zu knapp achtzig Prozent ungarisch ist; das Dorf liegt im Nordwesten der Vojvodina, an der serbisch-kroatischen Grenze in unmittelbarer Donaunähe. Der Wert von Anikó Bodors Arbeit ist nicht hoch genug einzuschätzen; ihr Verdienst besteht im Sammeln, Erkennen, Systematisieren und Bewahren der Volksmusikkultur aus der Bácska, dem Banát und Syrmiens – der heutigen Vojvodina. Sie gründete das Südungarische Musikarchiv und prägte dessen wissenschaftlichen Forschungen. Damit leistete sie einen wesentlichen Beitrag zum Erkennen des kulturellen Reichtums nicht nur ihrer Heimat, …

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Schillernde Schönheit afrikanischer Melodien: Zum Tod von Manu Dibango

Manu Dibango ist der erste prominente Künstler, der an den Folgen einer Coronarvirus-Infektion gestorben ist: Mitte März war die Erkrankung des Künstlers an COVID-19 bekannt geworden, am 24. März starb der 1933 in Douala, Kamerun geborene Jazz-Saxofonist und Komponist im Alter von 86 Jahren an den Folgen der Infektion in seiner Wahlheimat Paris. Manu Dibango, Sohn eines Gutsbesitzers und einer Modedesignerin, kam 1949 mit 15 Jahren nach Frankreich. Dort sollte er das Abitur machen und einen seriösen Beruf erlernen. Kamerun war damals noch französische Kolonie, die Unabhängigkeit als Republik erhielt das Land erst 1960. In einem Interview mit dem BR Klassik-Redakteur Uli Habersetzer erzählte Dibango: „Eltern in Kamerun brachten damals Opfer, damit sie ihre Kinder nach Europa schicken konnten, um zu studieren – um Arzt oder Anwalt zu werden, also angesehene Berufe zu erlernen.“ Der Beruf Musiker zählte allerdings nicht dazu, Manu Dibangos Vater hatte bestenfalls zu Kirchenmusik einen Bezug: „Solange darin ein Halleluja vorkam, kein Problem. Aber ohne Halleluja wurde es schwierig. Ich hatte es nicht so mit dem Halleluja. Andere afrikanische Kinder kehrten mit bedeutenden Studienabschlüssen zurück, und ich – machte Musik. Das …

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+++ news +++ Dienstag after work: Der BMW Welt Jazz Award 2020 +++ Will Jacobs in Oberthulba +++

+++ Dienstag after work: Der BMW Welt Jazz Award 2020 +++ Bereits zum 12. Mal findet dieses Jahr der BMW Welt Jazz Award statt: allerdings nicht länger Sonntagvormittag, sondern zwischen 14. Januar und 10. März an sechs Dienstag-Abenden im Doppelkegel der BMW Welt. Die Veranstalter stellen in diesem Jahr alles unter das Motto „The Melody at Night“. Denn „jeher war der Abend und die Nacht das Terrain des Jazz“. Lesen Sie mehr zum neuen Konzept des Jazzpreises im Interview mit Zana Koval, Leiterin Marketing und Vertrieb der BMW Welt. Auf dem Programm stehen sechs kostenfreie Konzerte, in denen Virtuosen um den BMW Welt Jazz Award 2020 spielen. Im Rahmen der hochkarätigen Event-Reihe geben die ausgewählten Ensembles ihr Bestes, um Publikum und Jury von ihrem Können, ihrem Konzept und vor allem von ihrer Live-Performance zu überzeugen. Die Jury nominiert nach Abschluss der Konzertrunde zwei Finalisten. Diese treffen am 9. Mai 2020 in einem musikalischen Duell um die begehrte, mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Auszeichnung aufeinander. Der Gewinner wird direkt im Anschluss an das Finale im Auditorium der BMW Welt gekürt. Die Dienstags-Konzerte finden ab 19.00 Uhr im …

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The Melody At Night – der BMW Welt Jazz Award geht Anfang 2020 in die nächste Runde

Zana Koval, Leiterin Marketing und Vertrieb der BMW Welt, im Gespräch über den neu gestalteten  Jazzpreis Seit 2009 gibt es den BMW Welt Jazz Award – eine ambitionierte Konzertserie im Format eines Wettbewerbs. Elf Jahre lang wand sich an sechs Sonntagen im Jahr morgens um zehn eine lange Besucherschlange quer durch die BMW Welt zum Konzertsaal im  Doppelkegel – und nur die Frühaufsteher fanden Einlass. Der BMW Welt Jazz Award ist ohne Frage ein Erfolgsmodell geworden und in der BMW Welt weiß man um den Wert guter Modellpflege. Pflege heißt heute Marketing und dafür ist seit zwei Jahren Zana Koval als Leiterin Marketing BMW Welt zuständig. Das Motto 2020 „The Melody At Night“ verkündete Finanzvorstand Dr. Nicolas Peter bereits beim Finale am 4. Mai – jetzt steht die neue Serie von sechs Konzerten in Clubatmosphäre jeweils an einem Dienstagabend fest. Die Künstler und Termine finden Sie in einer Übersicht unten. Was sich hinter diesem Motto verbirgt und welche Veränderungen ins Haus stehen, lesen Sie im folgenden Interview mit Marketingchefin Zana Koval. JazzZeitung: Frau Koval, der BMW Welt Jazz Award ist ein Erfolgsmodell. Kann man das …

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Saxophonistin Carolyn Breuer räsoniert über 35 Jahre Jazz

Ende Juli hat die Saxophonistin Carolyn Breuer den Reigen der „Jazz Summer Weeks“ in der Unterfahrt eröffnet, mit dem der Münchner Jazzclub seit vielen Jahren nicht nur der Sommerflaute trotzt, sondern auch meist heimischen Musikern Gelegenheit gibt, über fünf Tage am Stück ein Projekt zu entwickeln oder gleich mehrere vorzustellen. Breuer stellte dabei ihr neues Quartett vor, an den letzten beiden Tagen auch um Gäste und das Eidos Streichquartett erweitert. Und zwar unter dem ganz persönlichen Titel „Celebrating 35 Years of Jazz“. Die ersten fünfzehn hat die Tochter des Pianisten und Ex-Posaunisten Hermann Breuer zum Studium und Karrierestart in Amsterdam verbracht, den Rest in der Münchner Szene. Zeit für eine Bestandsaufnahme – Oliver Hochkeppel traf sich mit Carolyn Breuer zum Interview. Oliver Hochkeppel: Haben Sie für sich persönlich erreicht, was Sie sich zu Beginn ihrer Karriere vorgenommen haben? Carolyn Breuer: Ich anfangs eine Zahl im Kopf. Mit zwölf hatte ich mit dem Saxophon angefangen, mit 15, als ich die ersten Gigs spielte, entschied ich mich, Musikerin zu werden und dachte mir: Mit 26 kannst du spielen. Ich weiß nicht, warum. Witzigerweise war das dann auch …

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radio-jazz. Montage: Hufner

Zukunft des Jazz beim Westdeutschen Rundfunk – Ein Interview mit Tinka Koch und Karl Karst in der nmz

Wie sieht die Zukunft des Jazz im WDR aus? Diese Frage stellte der Chefredakteur der neuen musikzeitung (nmz), Andreas Kolb, dem Programmchef von WDR 3 und frisch gebackenen Sprecher des Deutschen Medienrates im Deutschen Kulturrat, Karl Karst, und der zuständigen Redakteurin Tinka Koch. Sie ist die Nachfolgerin des langjährigen WDR 3 Jazzchefs Bernd Hoffmann, der Ende des Jahres 2018 in Pension gegangen war. Herausgekommen ist ein mehr oder weniger aufschlussreiches Portrait der Zukunftsvorstellungen bei WDR3, den Jazz betreffend. Einerseits soll alles toll sein, andererseits ist vieles noch im Ungaren. Die Schwesterpublikation JazzZeitung.de teast den Artikel mit dem Titel „Arbeit am zukunftstauglichen Jazzradio“ an und verweist auf die nmz Juli/August 2019, in der Reaktionen auf das Interview veröffentlicht werden sollen. Arbeit am zukunftstauglichen Jazzradio Am 1. April ging WDR 3 mit dem Relaunch seiner Jazz-Sendestrecke in der Verantwortung der neuen Jazzredakteurin Tinka Koch an den Start. In den Wochen zuvor war in der Jazzszene eine gewisse Unruhe entstanden, freie Mitarbeiter hatten sich öffentlich über das Verschwinden ihrer Autorensendungen beschwert. Lesen Sie weiter unter neue musikzeitung: „Arbeit am zukunftstauglichen Jazzradio“  

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Von Möbeln im Ohr und Klängen, auf denen man sitzt

„Visionen“ sind heilbar, wollte der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt einst selbstgefällig weismachen. Es wäre schade drum. Deutlich wird das auch an Visionen, welche die Berliner Pianistin Fee Stracke auf einem Flughafen in Kanada überkamen. Nach einem Workshop sass sie dort erschöpft rum, als sich plötzlich die Stuhlreihen und Sitze um sie herum zu Rhythmen und einer Melodie formten. Gottseidank rannte Stracke, nach Deutschland  zurückgekehrt, nicht gleich zum Arzt, sondern begann Archive und Bibliotheken nach anderen besonderen Sitzgelegenheiten zu durchforschen. Recht bald stieß sie dabei auf den Ulmer Hocker von Max Bill, den Plastic Side Chair auf Traverse von Charles und  Ray Eames, den ikonischen Freischwinger von Mies van de Rohe, Marc Stam und Marcel Breuer aus den 20er Jahren, Michael Thonets Kaffeehausstuhl und etliche andere Möbel mit Stil und Geschichte. Aus den eher zufälligen musikalischen Visionen wurde eine künstlerische Absicht – und nach Monaten des Forschens, konzeptuellen Tüftelns und Noten Schreibens ein Packen voller Stücke, mit dem Fee Stracke ins Studio gehen konnte. Ein Stipendium des Berliner Senats half dabei und mit Daniel Meyer (g), Berit Jung (b) und Hampus Melin (dr) fand die Visionärin …

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Nach Folk-Jazz kommt der elektronische Folk: Sophie Hunger kreiert stellare Sounds aus Electropolis

Moleküle hört sich natürlich besser an, als Entrümpelung. Bevor Sophie Hunger aber daran gegangen ist, ihr neues Album „Molecules“ aufzunehmen, hat sie ganz viel entrümpelt. Vielleicht entrümpeln müssen, denn bei der Schweizerin hatte man schon bislang den Eindruck, sie lässt Bekanntes gern zurück und setzt sich neu zusammen. Das Unerwartete, Überraschende, manchmal auch Ungewöhnliche als konzeptioneller Gegenentwurf zum Vorhersehbaren. Nach dem erfolgreichen, folkig-jazzigen „Supermoon“ unternimmt sie mit ihrem sechsten Studioalbum einen besonders gründlichen Schnitt. Ohne Wehmut hat sie herkömmliche Instrumente über Bord geworfen und dafür Synthesizer, Drumcomputer und digitale Klänge in ihre Musik geholt. „Minimal electronic folk“ bezeichnet sie die pochenden Grooves und coolen Klänge, aus welchen sich ihre bildhaft-lyrischen Songs zusammensetzen. Erstmals singt sie zudem ausschließlich auf Englisch, lässt die anderen Sprachen hinter sich. „Ich wusste immer, dass es mit dem Sprachenmix nicht ganz koscher ist“, begründet sie ein wenig fadenscheinig ihre Entscheidung für den internationalen Markt. Nicht zuletzt ist „Molecules“ ihr persönlichstes Album. Denn neben den politischen Minen, die überall explodieren, ist auch ihre eigene Welt auseinander geflogen. Eine Welt in Aufruhr. Dieser rückt Hunger mit oft scharfkantig assoziativer Sprache, eigenwilligen Gedankenketten und …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 03.09. bis 09.09.2018

Ein kleiner Blick in die Jazzwoche 36 im Radio. Ab jetzt mit dem ARD Radiofestival 2018. Wochentags von 23:35 bis 00:00 auf hr2-kultur | MDR Kultur | NDR Kultur | Bremen Zwei | SR2 KulturRadio | SWR 2 | WDR 3. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Jazz im Radio (Fernsehen) SR2 – JazzNow – Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr BR-KLASSIK – Jazztime – Von Montag bis Freitag täglich um 23.05 Uhr rbb-kulturradio – Late Night Jazz – Sa und So 23:04 – 24:00 Uhr hr2-kultur – Jazz in hr2-kultur – täglich SWR2 – Jazz – täglich WDR3 – JAZZ & WORLD – Improvisiertes zum Tagesausklang – Montag bis Freitag, 22.04 – 0:00 Uhr Deutschlandfunk – Jazz (Überblick) – Jazz Live, JazzFacts und Milestones Deutschlandfunk Kultur – Jazz – diverse Sendetermine ARTE TV – Jazz 03.09.2018 00:00 | ARD-alpha alpha-jazz: Bettye LaVette 47. Internationale Jazzwoche Burghausen 2016 Bettye LaVette greift auf ein reiches Repertoire aus Blues- und Soul-Songs zurück. Ihre nähere Heimatregion rund um die Automobil-Metropole Detroit und der dort entstandene und weltberühmt gewordene Motown-Sound der 1960er waren sicher der …

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