Wolfgang Sauer gestorben

cover_sauerVon Dietrich Schlegel – Dass der am 26. April im Alter von 87 Jahren in Köln verstorbene Sänger und Pianist Wolfgang Sauer seine größten Erfolge und eine breite Popularität mit Schlagern wie „Glaube mir“ und „Tränen in den Augen“ zu verdanken hatte, sollte nicht vergessen lassen, dass auch er, wie so viele Stars der sogenannten leichten Muse, seine Wurzeln im Jazz hatte. Mit seinem volltönenden Bariton verfügte er über eine Bluesstimme par excellence. Außerdem hatte er, 1928 in Wuppertal geboren und seit Kindheitsjahren blind, an der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg neben dem Schulunterricht auch Musik, Chor und Komposition studiert und spielte ausgezeichnet Klavier. Seine Liebe galt dem Jazz. Nach dem Abitur 1946 trat er mit einer Studentenband in Amiclubs auf. 1951 ging er mit seiner „No Name Band“ bereits auf Tournee, wurde dann Mitglied der „Ebony Blue Five“ des Dortmunder Klarinettisten Glen Buschmann. Wolfgang Sauer gewann in den ersten fünfziger Jahren mehrfach den Gondel-Poll als bester deutscher Jazzsänger. Bei den Deutschen Jazzfestivals 1954 und 1955 in Frankfurt, bei denen er auch mit dem Glen-Buschmann-Quintett auftrat, wurde er mit standing ovations gefeiert. Davon finden sich drei Titel auf einer der CDs der Dokumentation „deutsches jazz festival 1954/55“ bei Bear Family. Die mit einer Band um Glen Buschmann und Carlo Bohländer aufgenommene Single „For You My Love“ war mit 30 000 Stück eine, wenn nicht die meist verkaufte Jazzplatte des Jahres 1955. Kurt Edelhagen und Erwin Lehn holten Sauer zu Aufnahmen mit ihren Orchestern an ihre Sender in Baden-Baden und Stuttgart. Auch Paul Kuhn engagierte ihn für Bigband-Aufnahmen. Beispiele dieser Produktionen wurden 2002 auf der Bear Family-CD „My Swinging World, 1953-66“ versammelt. Sauer präsentiert sich dort weniger als Blues-Interpret, sondern als mitreißender Swinger. Noch 1964 nahm ihn Edelhagen mit auf eine DDR-Tournee, von der Amiga einen Live-Mitschnitt aus dem Berliner Friedrichstadtpalast veröffentlichte – ob Bear Family sie ausgraben kann?

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