Zweite Joscho Stephan Nacht füllt das Bürgerhaus Hürth

Von Günter Reiners – Am Wochenende sorgte der Jazzclub Hürth im Bürgerhaus der Stadt erneut für einen Höhepunkt im Kalender der Kulturstadt Hürth. Nach dem großen Erfolg der ersten „Joscho Stephan Nacht“ im Oktober 2013 luden die Macher des Jazzclubs zur Fortsetzung des erfolgreichen Konzepts. Damit setzte das Team um den Vorsitzenden Günter Reiners eine Zusammenarbeit fort, die schon als Tradition bezeichnet werden kann: Immerhin stand Joscho Stephan bereits mit 17 Jahren erstmals für den Verein auf der Bühne und hält dem Jazzclub seitdem die Treue. Joscho Stephan ist dafür bekannt, dass er die Grenzen des Gypsy Swing beharrlich erweitert. Auf den Spuren Django Reinhardts lässt er sich jenseits aller Purismusdebatten durch Kompositionen und Genres beeinflussen, die im „klassischen“ Gypsy Swing keine Rolle spielen.

 Ungezügelte Virtuosität

Entsprechend vielfältig war das Programm, das Stephan zusammen mit dem Jazzclub für die Bühne des Römersaals ausgesucht hatte. Den Auftakt machte die Formation „Salsa Picante“. An der Percussion sorgte Thomas Kukulies für lateinamerikanischen Rhythmus. Mit einem Programm aus dem Bereich „Latin-Jazz“, das tatkräftig von Joscho Stephan unterstützt wurde, heizte die Salsa-Band dem Publikum ein und bereitete das Feld für den weiteren Abend, der explosiv fortgesetzt wurde: Die Formation „Wildes Holz“, die sich um den Jazz-Blockflötisten Tobias Reisige schart, setzte den Saal unter Strom und bewies zum wiederholten Male, dass die Blockflöte ihren Ruf als „Kinder-Quäl-Instrument“ zu Unrecht hat. Mit spätpubertärem Vergnügen an der liebevollen Entweihung großer Ikonen der Musikgeschichte ließen Markus Conrads (Bass) und Anto Karaula (Gitarre) Johann Sebastian Bach mit Michael Jackson tanzen, wirbelten Ludwig van Beethovens „Pathétique“ ordentlich auf, sprangen wie eine Teenie-Band durch die Luft, schwangen wie die „Jackson Five“ die Hüften und entfesselten mit ihrem Arsenal an unterschiedlichsten Flöten und Ideen ungezügelte Virtuosität, hemmungslose Spielfreude und komisches Showtalent. Natürlich ließ es sich Joscho Stephan nicht nehmen, zusammen mit „Wildes Holz“ in den Gypsy Swing einzutauchen und unbekümmert Mozarts „Rondo alla turca“ in die Mangel zu nehmen.

Künstlerischer Dialog

Der letzte Teil des Abends geriet demgegenüber deutlich ruhiger, hatte es aber nicht weniger in sich. Seit langem schon arbeitet Joscho Stephan mit dem international bekannten saarländischen Klarinettisten Helmut Eisel zusammen, der sich dem Klezmer verschrieben hat. Zusammen mit Max Schaaf am Kontrabass und Günter Stephan an der Rhythmusgitarre entwickelten Stephan und Eisel einen intensiven künstlerischen Dialog zwischen den unterschiedlichen Musikwelten von Klezmer und Gypsy Swing. Am schönsten blühte dieser musikalische Austausch vielleicht in Eisels Komposition „The Ballad Of A Lonesome Maestro“, die der Klarinettist seinem berühmten musikalischen Partner Giora Feidman gewidmet hat. Ausgehend von einer schmerzlichen Klage der Klarinette, die Eisel in bester Klezmer-Manier wie eine menschliche Stimme schluchzen und singen ließ, zauberte Stephan magische Flageolett-Töne, bis sich die Musik im Zusammenspiel mit dem Trio fast zu einer nostalgischen Cool-Jazz-Nummer verwandelte. Den jiddischen Klassiker „Bei Mir Bistu Shein“ polierten die beiden zu einer temporeichen Nummer auf. Django Reinhardts Evergreen „Minor Swing“ nutze Eisel schließlich noch einmal, um seine unglaublichen Atemreserven zu zeigen und im ekstatischen Zusammenspiel mit Stephan zu beweisen, dass Klezmer und Gypsy Swing trotz aller Unterschiede hervorragend zusammenpassen.

Dritte „Joscho Stephan Nacht“ geplant

Joscho Stephan bedankte sich zum Schluss des Konzerts bei den zahlreich erschienenen Gästen sowie dem Jazzclub und stellte noch auf der Bühne fest, dass ein solch erfolgreiches Konzept zwingend nach Fortsetzung verlangt. Und auch Günter Reiners, Vorsitzender des Jazzclubs Hürth, zeigte sich begeistert: „Im nächsten Jahr gibt es natürlich erstmal wieder eine Fortsetzung unserer „Hürther Jazznacht“. Ich denke aber, dass es unbedingt eine dritte „Joscho Stephan Nacht“ geben sollte, für die wir schon viele neue Ideen haben. Wir möchten unsere gute Zusammenarbeit mit Joscho fortsetzen, der ja glücklicherweise gewissermaßen zu unserer Jazzclub-Familie dazugehört. Alle Gypsy-Fans sollten sich unbedingt den 2. April vormerken: Da wird Joscho zusammen mit der amerikanischen Formation „Swing Je T’aime“ im Jazzclub spielen. Es lohnt sich!“

Die zweite Joscho Stephan Nacht war ein großer Erfolg. Foto: Günther Reiners
Die zweite Joscho Stephan Nacht war ein großer Erfolg. Foto: Günter Reiners

 

 

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