+++ Sonny Rollins im Alter von 95 Jahren verstorben +++
Der legendäre Jazz-Saxophonist und Komponist Sonny Rollins ist tot. Der US-Musiker starb im Alter von 95 Jahren in seinem Zuhause in Woodstock im Bundesstaat New York. Das teilte seine Familie auf der offiziellen Facebook-Seite des Künstlers mit. Angaben zur Todesursache wurden zunächst nicht veröffentlicht.
„Wenn das Leben eines kreativen Menschen endet, setzt es sich in der nächsten Existenz fort“, zitierte Rollins’ langjährige Agentin Terri Hinte den Musiker in einer Mitteilung, die von mehreren US-Medien verbreitet wurde. „Ich gehöre zu den Menschen, die glauben, dass dieses Leben nicht alles bedeutet.“
Mit Sonny Rollins verliert die Musikwelt eine ihrer prägendsten Figuren des modernen Jazz. Der 1930 im New Yorker Stadtteil Harlem geborene Musiker galt über Jahrzehnte hinweg als einer der bedeutendsten Tenorsaxophonisten der Jazzgeschichte. Sein Spiel zeichnete sich durch einen kraftvollen, rauen und zugleich hochgradig nuancierten Ton aus. In der Szene wurde Rollins oft als „Saxophone Colossus“ bezeichnet – nach seinem wegweisenden Album aus dem Jahr 1956.
Im Laufe seiner außergewöhnlichen Karriere arbeitete Rollins mit nahezu allen Größen des Jazz zusammen, darunter Charlie Parker, Thelonious Monk, Miles Davis und John Coltrane. Besonders seine Improvisationskunst und seine stilistische Vielseitigkeit machten ihn zu einer Ausnahmeerscheinung. Zu seinen bekanntesten Kompositionen zählen „St. Thomas“, „Oleo“ und „Doxy“, die bis heute als Jazzstandards gelten.
Der Trompeter Miles Davis bezeichnete Rollins einst als „den größten Tenorsaxophonisten aller Zeiten“. Zahlreiche Auszeichnungen unterstrichen seine Bedeutung für die internationale Musikszene, darunter mehrere Grammy Awards sowie ein Grammy Lifetime Achievement Award. 2010 erhielt er zudem die National Medal of Arts, eine der höchsten kulturellen Ehrungen der USA.
In den vergangenen Jahren hatte sich Rollins aus gesundheitlichen Gründen weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Atemwegserkrankungen zwangen ihn schließlich, seine Karriere zu beenden.
In einem Interview mit dem US-Radiosender NPR erinnerte sich Rollins 2017 an seine musikalischen Anfänge während der Zeit der Great Depression. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich meine Mutter überzeugen konnte, dass ich wirklich spielen wollte“, sagte er damals. Schließlich habe sie ihm ein gebrauchtes Saxophon besorgt. „Ich ging in mein Zimmer, machte die Tür zu – und war im Himmel.“
+++ Zum Tod von Gunter Hampel +++
Mit Gunter Hampel hat Deutschland einen der wichtigsten Wegbereiter des europäischen Free Jazz hervorgebracht. Der 1937 in Göttingen geborene Multiinstrumentalist, Komponist und Bandleader prägte seit den 1960er-Jahren die internationale Jazzszene wie kaum ein anderer deutscher Musiker. Als Vibraphonist, Saxophonist, Flötist und Bassklarinettist entwickelte Hampel einen unverwechselbaren Stil zwischen avantgardistischem Free Jazz, spiritueller Improvisation und experimenteller Klangkunst.
Schon früh machte Hampel international auf sich aufmerksam. Sein Album „Heartplants“ von 1965 gilt bis heute als eines der ersten bedeutenden europäischen Free-Jazz-Werke. In den folgenden Jahrzehnten arbeitete er mit zahlreichen Größen des Jazz zusammen, darunter Anthony Braxton, Jeanne Lee, Marion Brown, Perry Robinson und John McLaughlin. Besonders die Zusammenarbeit mit der Sängerin Jeanne Lee, mit der er viele Jahre privat und musikalisch verbunden war, wurde stilprägend für sein Schaffen.
Anfang der 1970er-Jahre zog Hampel zeitweise nach New York und gründete dort die „Galaxie Dream Band“, die über Jahrzehnte hinweg zu seinen wichtigsten Projekten gehörte. Seine Musik verband amerikanischen Avantgarde-Jazz mit europäischen Improvisationstraditionen und beeinflusste mehrere Generationen experimenteller Musiker.
Neben seiner Arbeit als Musiker engagierte sich Hampel intensiv für die Nachwuchsförderung. Bereits seit den 1970er-Jahren leitete er Workshops für Kinder und Jugendliche, bei denen Improvisation und musikalische Freiheit im Mittelpunkt standen. Zudem gründete er mit „Birth Records“ ein eigenes Label, auf dem er einen großen Teil seines umfangreichen Werks veröffentlichte.
Für seine Verdienste um den Jazz erhielt Hampel zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Jazzpreis für sein Lebenswerk, den Niedersächsischen Staatspreis sowie das Bundesverdienstkreuz. In der internationalen Jazzszene gilt er bis heute als Pionier des europäischen Free Jazz und als eine der prägendsten Persönlichkeiten des deutschen Avantgarde-Jazz.
Beitragsbild Sonny Rollins: Thomas J. Krebs
